Nach Hause

Kurz nach halb zwei zeigt das Handy an, das ich für einmal nicht aus-, sondern auf Flugmodus umgeschaltet habe. Es soll mich schließlich am Morgen um Viertel nach sechs Uhr wecken.

Türenknallen. Laute Stimmen. Erneutes, wiederholtes Türenknallen. Schritte im Flur. Stimmen. Als wäre es Tag. Keine geflüsterten Zimmerlautstärke-Dialoge. Ich gucke kurz aus dem Fenster, da ist nichts zu sehen. Die Stimmen kommen wohl aus dem Nachbarszimmer. Ich bin hellwach, poltere mit der Faust an die dünne Wand. Erneuere die Taschentuch-Ohropaxe und versuche wieder einzuschlafen. Eine Stunde und dreimal An-die-Wand-Poltern* später bin ich wohl doch wieder eingeschlafen (*jedes Mal mit Herzklopfen, weil ich mich ja a.) nicht ärgern will, da ich mit Ärger im Blut erst recht nicht schlafen kann und auch b.), weil ich nicht weiß, was mein Poltern womöglich provoziert).

Über Twitter habe ich gestern erfahren, dass Wandererheime hin und wieder auch als Asylunterkünfte benutzt werden. Das passt zu meinen Beobachtungen im Solna Hotel. Nein, ich habe überhaubt nichts gegen Asylsuchende, ich mag einfach gerne ruhige Nächte. Ob ich schon um vier aufstehen und zum ersten Bus gehen soll?. überlege ich mir. Falls ich nicht mehr einschlafen kann?

Trotz allem habe ich Verständnis, denn wer zigtausend Kilometer abenteuerliche Reise mit Schleppern und unter Gefahren überlebt hat, sage ich mir, kann über das Bedürfnis nach Nachtruhe, das ich dringend habe, nur lächeln – so er das noch kann. Dennoch: Wäre es nicht irgendwie integrationsfördernd, sich an die Gepflogenheiten des Gastlandes anzupassen? Könnte ich das? Wie wäre es für mich, in einem ganz und gar fremden Land klarzukommen?

Mit diesen versöhnlich-nachdenklichen Gedanken schlief ich doch wieder ein und wurde vom Wecker aus einem intensiven Traum geholt, in welchem ich bei Freunden, bei einem Besuch, beschlossen hatte, alles hinter mir zu lassen und nur noch zu wandern und zu reisen. Mit dem Rucksack. Ein ziemlich schräger Traum war das gewesen.

Eine kurze Dusche, ein Mini-Frühstück, Fertigpacken. Schließlich wanderte ich bereits um kurz nach sieben los – nach Järv Krog, von wo der Flughafenbus allviertelstündlich nach Arlanda fährt.

Ich war sogar schon rechtzeitig für den 7:45-Bus da, der aber erst um 7:59 eintraf. Kartenzahlung war kein Problem. (Hätte ich doch dem Bettler gestern … Hätte-hätte-Fahrradkette, sagt Irgendlink gerne.)

Ich verlasse in Unkenntnis des richtigen Terminals einfach mal bei Terminal 2 & 3 den Bus, muss daher den ganzen Weg zum Terminal 5, meinem Terminal, zu Fuß zurückgehen. Hier hat es keine Rollspuren wie an andern Flughäfen, und ich wandere gefühlt kilometerweit durch menschenleere Gänge. Darum bin ich froh, als ich endlich einen Gepäckwagen entern kann.

An „meinem“ Schalter wartet niemand, die meisten Mitreisenden sind offenbar schon drin. Ich kann schnell einchecken, doch beim Handgepäck-Durchgang pfeife ich. Alarm! Bei mir! Es sind offenbar die Schuhe, die das Pfeifen ausgelöst haben, aber mit denen ist dann doch alles in Ordnung.

Das Handyladegerät piepst auch, auf dem Band, die Kontrolliererin packt deshalb mein Stoffrucksäcklein aus. Ooops, das Ladegerät! Das hatte ich ganz vergessen.

Der Flug startet eine Viertelstunde zu spät und kommt zehn Minuten zu spät in Düsseldorf an.

Hier warte ich nun, dass ich um 14:20 endlich einborden kann. Es ist schon okay, dieses Hin- und Herreisen, aber ich bin immer wieder froh, wenn ich jeweils wieder „draußen“ sein kann. Flughafengebäude sind surreal-künstliche Welten, die für mich nicht wirklich attraktiv sind; nur Mittel-zum-Zweck, mehr nicht.

Nach drei Wochen Hochdeutsch und Englisch bin ich gespannt, wie mir das Schweizerdeutsch bekommt.

Apropos Schweiz: Die hat ja heute Geburtstag. Ich hoffe, dass ich deswegen unbehelligt heimreisen kann. Ich mag die Schweiz, wirklich, aber so Feuerwerkfestivitäten wie es der 1. August inzwischen geworden ist, brauche ich nicht wirklich.

Dennoch kommt langsam Heimkehr-Freude auf. Mein Bett, mein Bad, mein Gärtchen. Und mein Laptop. Ans kaputte Auto denke ich lieber nicht.


  
  

Mein Finale in Schweden – Stockholm/Solna

Da bin ich nun also, in Solna, einem Vorort von Stockholm. Dem Köniz von Stockholm. 

Die Reise im Schnellzug Falun-Stockholm verlief, trotz der vielen Leute, angenehm. Joyce holte mich mittendrin an meinem Platz ab und lud mich im Speisewagen des Zuges zu einem Tee ein. Wir erzählten uns weitere Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse aus unseren Leben. Diesmal war eher ich dran – sie wollte mehr über meine Arbeit als Schreiberling, als Künstlerin wissen. Dummerweise hatte ich im Zug nach Stockholm – nach dem vielen Tee – vergessen, nochmals aufs WC zu gehen. 

So irrte ich ein wenig über Druck durch den riesigen Stockholmer Bahnhof, den ich ja vor fast drei Wochen bereits, allerdings von einer anderen Seite her, erlebt hatte. Damals war ich einzig bestrebt gewesen, möglichst schnell nach Örebro, zu Jürgen, zu kommen. Gestern wollte ich erstens ein WC finden und zweitens die beste Verbindung nach Solna. 

Meine Recherchen hatten eigentlich die Haltestelle Ulriksdal als optimalen Zielpunkt ergeben, doch die junge Frau am Touristinfo sagte, der nächste Zug zu meiner Destination fahre nach Solna Centrum oder Solna Station. Und es gäbe dort Busse. 

Da ich kein Kleingeld mehr hatte, konnte ich nicht aufs 10 Kronen teure WC. Und beim ersten Infoschalter funktionierte meine Karte mal wieder nicht. Wie seltsam!

Am Bankomaten zog ich mein vermutliches letztes Feriengeld und konnte damit schließlich doch noch ein Ticket nach Solna kaufen. Die Frage, was ich tun würde, wenn meine beiden Bankkarten nicht funktionieren würden, blieb zum Glück nur ein Gedanke. Kein sehr schöner, ich gestehe es.

Das erhaltene Ticket wollte mich zuerst nicht auf den Bahnsteig lassen, doch bei der zweiten oder dritten Schleuse ging es endlich doch. Mein Zug war eben abgefahren, so wartete ich eben eine Viertelstunde auf den nächsten. Vorortzüge haben, so begriff ich bald, keine Toiletten. Nun denn …
Solna C. Was für ein seltsamer Bahnhof. Die erste der vielen Baustellen, die ich in Solna sehen würde. Eine Art Stadion wurde hier aufgebaut, mit Tribünen, und über eine Gittertreppe gelangte ich, leider auf der falschen Seite des Bahnhofes, aus dem Areal desselben. Mein GPS-Kit, in das ich zum Glück am Abend vorher die Lage des Hotels markiert hatte, lotste mich nordwestlich. Da ich blaue Wege hatte, Wander- und Radwege, schaute ich nicht wirklich genauer hin. Zumal ich einen See und einen Wald ausmachte. Ein Ort, wo ich pinkeln können würde.

Bald war ich mitten in der Natur. Und zugleich mitten in der Neubausiedlung Nummer eins. Hochhäuser, die für mich so gar nicht nach Schweden passen, werden hochgezogen. Eins neben dem andern. Keine hässlichen wenigsten, ziemlich schöne sogar. Sehr hohe und halbhohe – da soll eine neue Menschheit wohnen. Eine neue Stadt in der Stadt. Da. Dort. Überall. Außer am See. Da konnte ich aufatmen. Eine schöne Wanderung das! Und ich hatte wieder einmal begriffen, das zwei Kilometer Luftlinie am Schluss fast sieben Kilometer Gehweg sein können. Wenn nämlich, wenn ich auf einmal eine Autostraße überqueren muss, um endlich in dieses Quartier da drüben, wo das Hotel steht, erreichen will. Mein Wanderweg war nämlich durch eine zweispurige Autoschnellstraße vom Wohnquartier dort drüben abgeschnitten. Spiralförmig näherte ich mich meiner Unterkunft. Hotel und Wanderheim. Ausgeschildert war es erst unmittelbar vor der letzten Abzweigung. 

Was soll ich sagen? Ein bisschen erinnert mich das Gelände hier an die Flüchtlingsunterkunft, in der ich vor vielen Jahren gearbeitet hatte. Ein paar Baracken, falunrot gestrichen, mit je ca. 15 Zimmern verschiedener Größen, eine Küche in der Mitte und Dusche/WC mal im Zimmer, mal nicht. 
Meins mit. Zum Glück. Auch günstig hat eben seinen Preis. Das Zimmer ist okay, das Bett bequem, die Aussicht auch, ich sehe grün und Bäume, wenn ich rausgucke. Ganz und gar funktional. Praktisch. Ohne Schnickschnack. Außer dem einen Bild, einem nicht mal hässlichen Etwas, sehr untypisch für Schweden, wo jeder Raum dekoriert ist und mit Lampen an den Fenstern geschmückt.

Das Zimmer hat eine Türschließautomatik, was Menschen – auch mich – dazu verführt, die Türklinke gar nicht erst zu halten, sondern die Türe ins Schloss fallen zu lassen. Wie sich das morgens um 5:15 anfühlt? Nun ja, das weiß ich jetzt. Die Gebäude sind sehr hellhörig, Duschen, Schritte, Stimmen, Lüftungen und alles, was in so einem Haus eben an Geräuschen möglich ist, wird sozusagen live übertragen. Ohropax steht oben auf meiner Tagesliste.

Free-Wifi gibts nur drüben im Rezeptionshäuschen, wo es auch Frühstück und Kaffee gibt. Der Süßigkeitenautomat hatte gestern Abend noch ein Paket Chips und ein oder zwei Goodies vorrätig. Nein, ich leide hier nicht. Ich finde es spannend. Ich bin zwar fast die einzige Frau und das Gros der Gäste ist international und dunkelhäutig, aber ich fühle mich nicht unwohl und habe gut geschlafen. Ohropax aus Taschentuch (mit Spucke weichgeknetet) gehen zur Not auch. Heute will ich nach Stockholm, aber ich will auch herausfinden, wo morgen mein Bus nach Arlanda fährt, frühmorgens, denn um halb neun sollte ich dort sein. 

Über Düsseldorf werde ich zurück nach Zürich fliegen. Werde. Klingt irgendwie unwirklich. Unmöglich fast. 
Zumal es heute und hier schön ist, schön da draußen, schönes Wetter. 

Das Frühstücksbüffett überrascht mit Oppulenz. Hach …

Habt auch einen schönen Tag, ihr alle!

 

Stecknadelsuche
  
Meine Garderobe
  
Mein Nest
 

Nach Stockholm

Was für ein Abschied! Das Haus geputzt, das geliehene Rad zurück und nun gilts ernst. Wir spazieren die anderthalb Kilometer zum Bushäuschen mit gemischten Gefühlen – ein bisschen Vorfreude auf das vor uns liegende, viel Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit in Falun, Trauer wegen des bevorstehenden Abschiedes. 

Wir sind zu früh. Gut so. Abschiede, die ich nicht mag herauszögern mag ich ein bisschen weniger als nicht.

Irgendwann kommt der Bus dann doch. Schwedenpünktlich. Die letzten Münzen reichen für das Ticket in die Stadt.

Winken, bis wir uns nicht mehr sehen. 

Habs gut, Liebster!, denke ich, weiß, dass er ähnliches denkt. 

Eine halbe Stunde später stehe ich an Faluns Busstation, spaziere rüber zum Bahnhof und überlege unterwegs, wie das nun weitergeht. Ob es einen Zug oder einen Bus gibt. Nach Borlänge? Nach Gävle? Geguckt habe ich im Voraus schon, aber stimmen die Verbindungen?

Der ultrahochmoderne Billettautomat sagt, dass mein favorisierter Zug nur noch 1.Klasse-Tickets hat. Soll ich? 680 SEK ist doch sauviel Geld. Der Zug um 15:40 hat noch 2.Klasse-Tickets für 421 Kronen. Hm. Aber solange warten? Oder nochmals in die Stadt? Mit Rucksack? 

Ich gehe in der Halle hin und her. Frage schließlich eine junge schwedische Frau, wie man am besten und günstigsten nach Stockholm komme. Sie sagt, nach einem Blick auf ihr Handy, das gleiche wie der Automat. Die Züge nach Gävle sind wegen eines Brandes durch Busse ersetzt worden. 

Auf einmal steht eine dritte Frau bei uns. Sie will auch nach Stockholm. Wir entscheiden, den 15:40-Zug zu nehmen, lösen je ein Ticket und machen es uns in der Halle gemütlich. 

Joyce ist Französin, wir bleiben aber bei englisch, verlassen bald das seichte Smalltalkgewässer, erzählen uns unsere Leben, lachen viel, sehen da und dort Parallelen; so vergeht die Zeit wie im Flug.

Nun sitze ich im Zug nach Stockholm, Richtung Süden, Halt in Borlänge, habe Free-WiFi, Wagen 4, Platz 46, und nun wirds voll. Vollstille. Vorhin noch stille Halbfülle. 

Joyce sitzt im Wagen zwei, wir werden uns später treffen.

Irgendlink ist bereits in Böle. Verrückt das. Eben noch zusammen Wohnung geputzt und jetzt das.

  

Naher Abschied

Ich hasse Abschiede. Mal wünschte ich mir im Voraus, es wäre schon hinterher, und mal möchte ich die Zeit anhalten. In einer solchen Blase drin, einer  chronologisch gesprochen bevorstehenden, befinde ich mich jetzt. Morgen um die Zeit gehen wir beide, Irgendlink und ich, wieder unserer eigenen Wege. Er nordwärts, weiter , ich südwärts nach Stockholm, von wo aus ich am Samstagmorgen wieder zurück in die Schweiz fliegen werde.

Verdammt komisch ist mir zu Mute. Abschied ist eins. Das andere, dass ich irgendwie aus der Zeit gefallen bin. Schaue zurück, in meinem Blog, im Fotoordner auf dem Handy und vor allem in mir selbst drin, und betrachte den Schatz neuer Erlebnisse und Erfahrungen, hadere mit dem Gedanken, zu wenig aus der Zeit mit Irgendlink gemacht zu haben (sprich: zu wenig erlebt zu haben) und stelle im gleichen Atemzug fest, dass das gar nicht möglich ist. Wäre. Ist. Wir hätten vielleicht mehr Dinge erleben können, mehr Dinge besuchen, anschauen, fotografieren, was-immer-noch, doch mehr-mehr-mehr ist ja genau nicht das, was wir wollen. Er nicht, ich auch nicht. Es geht um das Weniger-im-Viel und darum, dieses Viele, das im Wenig drin ist, auszukosten. Es mit allen Sinnen wahrzunehmen. 

Wie das kalte Bad im See. Wie den Blick in die Weite gestern von der Schanze aus. Wie den Blick ins Mittelalter der Amputationen im Kupfergrube-Museum. Dazu die Zeit am Uskavisee, die mir schon fast unwirklich fern erscheint. Und Örebro, mit Ray und Jürgen – schon ewig und einen Tag entfernt vom Jetzt.

Die Zeit, die Zeit. Sie ist grad total unwirklich. Ich könnte überall sein, jetzt, hier, auf dem Sofa, wo ich sitze, pure Ewigkeit. Alles. Nichts. 

Und morgen, morgen schon werde ich in die schwedische Hauptstadt fahren. In Solna, einem Vorort im Norden der Stadt, habe ich ein sehr günstiges Hotelzimmer gefunden, von wo aus ich am Freitag die Stadt ein bisschen erleben will. Auf meine Weise.

Unwirklich das alles. Als wäre ich Teil einer Geschichte, die jemand schreibt. Eine Spielfigur. Teil eines Bildes, das ich nicht kenne.

image
Teil eines Ganzen

Heute. 

Jetzt werden wir wohl, es ist kühl hier und bedeckt – ähnlich wie heute wohl auch in der Schweiz und in Deutschland – ein wenig spazieren gehen. Am Haussee, Runn mit Namen. Keine großen Geschichten. Einfach nur sein.
Verortet bin ich zurzeit nicht. Nirgends. Ich bin eine Seiende, das schon, aber eher ohne Bodenhaftung. Vielleicht ist es das, was reisen eigentlich ist? In sich selbst Heimat gefunden habend?! 

Und doch – ein bisschen Bodenhaftung tut mir schon auch immer wieder gut. Und ein klein bisschen, ich gestehe es, freue ich mich ja auch immer auf das Bett daheim. Auf die Badewanne. Das Sofa. Das Gärtchen.

Aber eben. Ich bin auch eine Reisende. Eine Ruhelose, meinetwegen. Eine Sucherin und eine Gefundenhabende. Eine Loslasserin ebenfalls. Und eine, die anzunehmen lernt. Das, was ist.

Auf der Sprungschanze

Gestern, als wir die Kupfergrube Faluns umradelten, entdeckten wir am andern Ende der Stadt, im Norden, eine Sprungschanze.

Im Februar 2015 fanden dort wichtige internationale Wettkämpfe statt. Obwohl ich mit Hochleistungssport wenig bis gar nichts am Hut habe, gibt es doch ein paar Sportarten, die mich immer faszinierten. Skispringen gehört dazu. Selbst zu springen würde ich mich ja nie trauen, aber zugucken finde ich echt geil.

Als Irgendlink heute vorschlug, dahin zu radeln, war ich schnell angefixt. Auf der Karte war der Ort schnell gefunden und so sattelten wir flink unsere Stahlrosse.

Tickets für die Standseilbahn und das Museum bekamen wir in der Idrottshallen, dem Sportmekka Faluns.

Was soll ich sagen? Ich mag hohe Orte, wo man übers Land blicken kann. Und hier, hier oben, konnte man sogar sehen, wie und woher die SkispringerInnen fliegen.

Sprungschanze Falun

Wird Irgendlink springen?
 
 
Vor der Besteigung des Turms
  

Gleich steigen wir auf den Turm
    
 
von oben herab I
 
 
von oben herab II
 

Wieder unten setzen wir uns zu Kaffee und Zimtgebäck ins Café in der Idrottshallen und appen drauflos.

Auf der Rückfahrt bleiben wir auf dem Bahnhofsareal hängen … tja. Da bröselt Falunrot gar unwiderstehlich.

Container beim Bahnhof Falun

Von Schlössern und Schlüsseln

Mag sein, dass ich in früheren Artikeln schon darüber geschrieben habe, wie ich immer mal wieder über den Sinn von Schlüsseln nachgrüble. Nicht, dass ich nicht ihre relative Notwendigkeit einsehe; was mich nervt, ist unser Menschsein, das solche Notwendigkeiten hervorbringt.

Ein Welt ohne Schlüsselbünde, ohne PIN-Codes, ohne Passwörter & Schlüsselkarten, ohne verschlüsselte Was-auch-immers. Zuerst einmal müsste sie eine Welt ohne Diebe, ohne Hacker werden, sein, und eine ohne Neid. (Das vor allem.) Doch solange wir selbst, wir Menschen, viele, die meisten, mit einem ständigen Mangelgefühl durchs Leben gehen, wird geklaut werden.

Den Gedanken trotzdem einfach mal weiterzudenken: die Haustüre jederzeit und überall auf der Welt offen lassen zu können, das Fahrrad, das Auto unabgeschlossen abzustellen, fühlt sich ziemlich fremd und zugleich ziemlich erstrebenswert an. Für mich jedenfalls.

Wer wohl den Schlüssel erfunden hat? Keine Frage, eine schlaue Sache das. Das Geschäft mit der Sicherheit ist eh ein großes Ding. Aber. 

 

Bahnhof Falun | Schlösser für den Müll
 
Beim Zelten, auf Zeltplätzen, gibt es keine Schlösser. (Das Zelt selbst ist unser Schloss. Unser Kastell.) Wir nehmen zwar die Wertsachen immer mit, wenn wir den Zeltplatz verlassen, das schon, dennoch habe ich wohl einfach Vertrauen. Dass sich in dieser kleinen Welt keine Diebe tummeln? Eher wohl darein, dass mein kleiner Besitz niemanden zum Klauen verführt.

Was ich mit alledem sagen will? Nichts. Oder alles. Oder einfach nur, dass ich Schlüssel und Schlösser doof finde. Klauen auch. Dass ich es schöner fände, wenn wir alles offen lassen könnten, wenn wir alle den Besitz und die Grenzen aller andern von Natur aus respektieren würden. Wohl auch, dass ich immer mal wieder von einer heilen Welt träume. Und dass es in dieser heilen Welt ganz bestimmt keine Schlösser brauchen würde. Und keine Schlüssel. Codes schon gar nicht. Und Passwörter? Die kannst du dort getrost für immer und einen Tag vergessen.

Wirklichkeiten oder die ungeahnte Kreativität der Digitalität

(Verdichtete) Kreativität ist in der kleinsten Hütte. Schon kurz nach dem Erwachen geht es los. Wir sprudeln über von schlauen Gedanken. Irgendlink steht auf und schon bald höre ich die Tastatur klappern. Bei mir ist die Müdigkeit stärker. Ich schlafe einfach wieder ein. Als mir Irgendlink eine Tasse Tee ans Bett bringt, lese ich einige erste Tweets.

Ich lache Tränen. Wieder fangen wir an, über das Leben zu spinntisieren und wie Kunst wirkt. Und dass Kunst, wie sie Irgendlink praktiziert, ziemlich suspekt ist. Weil es für sie keine Schublade gibt. Ist es eine Performance, wie er da radelnd ans Nordkap reist und unterwegs velosophische Texte in die Tasten haut? (Danke, Emil, für dieses Gutwort!) Oder ist es Reisereportage (und damit eher in der Kategorie Handwerk anzusiedeln), oder ist es Reisefotografie? Womöglich ist es Abenteuer? Oder Visionssuche ohne Ziel? Macht die Tatsache, dass er seine Kunst, seine Texte, seine Bilder (abgesehen von den iDogma-Postkarten, die man bestellen/kaufen/zahlen kann) kostenlos ins Netz stellt, seine Kunst wertlos? Ist kostenfrei gleich wertfrei und wertlos? Mitnichten.  Ich persönlich – okay, objektiv bin ich natürlich nicht! – finde ja seine künstlerischen Beiträge immer eine Bereicherung für diese Welt. Weil sie mich nähren.

Artist in Slow Motion | … und er bewegt sich doch

Das Bild hier zeigt ein bisschen, was ich meine. Zerlegung nämlich – mit dem Ziel einer neuen Konzentration. Sich teilen. Sich selbst relativieren. Sich selbst in einen neuen Kontext bringen. Sich selbst in Frage stellen. Das alles macht das Reisen mit einem Menschen. Kann es machen. Das letzte der vier Bilder simuliert eine Bewegung des Künstlers innerhalb seiner Grenzen, seiner Haut. Sage keiner, Technik könne nicht kunsten! Irgendlinks heutigen Artikel, als Auftakt quasi zum zweiten Teil seiner Radreise , verstehe ich als Nabe, als Dreh- und Angelpunkt seiner Art in Motion.

Übergang – Blogartikel von Irgendlink

Zitat:
„Kein anderes „Element“ lässt einen besser seine Aggregatszustände erfahren, als Wasser. Bei Null Grad Celsius gefriert es. Bei hundert Grad verdampft es. Vielleicht liegt es daran, dass wir Menschen überwiegend aus Wasser bestehen, dass wir es beim Wechsel von einem Zustand in den anderen so anschaulich beobachten, ja, erfahren, können? Vielleicht ist es, weil wir ES sind? Minutenlang stehe ich bis zu den Knien im Wasser, starre hinaus auf den See und stelle mir vor, wie ich langsam in die Knie gehe, die Wasseroberfläche sich an meinem Körper hochschiebt bis zum Hals, ich mich abstoße und endlich hineingleite. Drüben am Ufer schimmern Boote und zwischen den Bäumen lugen Holzhäuser. Es ist wie aus dem Alltag in das Reiseleben hinüber gleiten, denke ich noch. Das Reiseleben erscheint einem ja zu Hause, „im laufenden Betrieb“ des eigenen Lebens auch wie eine kühle, unheimliche Wassermasse, in die man hineinsteigt. Ich weiß, dass es nur ein kurzer Moment ist, an dem ich ein bisschen frösteln werde. Der See ist nicht besonders kalt, vielleicht 18 Grad, kaum kühler also, als die Luft. Und dennoch, diese Minuten des da Stehens und den See Beobachtens …“ [Unbedingt weiterlesen …] Quelle: http://irgendlink.de/

Echt oder Fake?

Situationskomik? Zufall? Oder eine kleine Illustration über das Leben, hinter und vor den Kulissen?

Kupfer oder das Rot Faluns

Das erste Mal habe ich vom Weltkulturerbe Faluns, der einst größten Kupfermine der Welt, gehört, als ich auf den Campingplatz Räfsnäs bei Ludvika getrampt bin. Mein freundlicher Fahrer hatte mir gestanden, dass er, obwohl er doch so nahe von Falun wohne – gerade mal 100 km oder so -, noch nie in der Mine gewesen sei.

Das zweite Mal hatte Thorsten etwas über das Kupferbergwerk gesagt, jener Wanderer, den wir in Ludvika als Zeltnachbarn gehabt hatten. Thorsten erwähnte das Falunrot, das ja viele schwedische Häuser als Farbe kleide.

Als ich schließlich vor fünf Tagen mit dem Bus von Borlänge nach Falun in die Stadt eingefahren war, sah ich überall Schilder mit entsprechenden Hinweisen und dachte, dass mir das bestimmt gefallen würde. Und Irgendlink ebenfalls.

Heute nun, zumal es nicht, wie gestern, regnete, sondern richtig tolles Ausflugswetter war, radelten wir die zwölf Kilometer zur Mine. 

 

Dalarna-Pferd
 
 
Unter der Treppe
 
Jürgen buchte eine Führung „unter Tag“, wohingegen ich mich mehr fürs Museum interessierte.

Hätte ich doch bloß ein paar Bilder von den Schautafeln gemacht, die im Treppenhaus zum zweiten Stock hingen. Operationen, wie sie in einem Bergwerk sicherlich immer mal wiedervorkommen, Amputationen nämlich, waren dort in der fürs späte Mittelalter typischen Art aufgezeichnet. Vier Männer brauchte es, zeigte das Bild, um bei einer Beinamputation zu assistieren. Einer, der sein Bein lassen musste, einer der das Bein oberhalb der Operation festhielt, einer, der den Fuß festhielt und der Vierte war jener mit der Säge. Unter dem Sägewerk eine Schale, in die das Blut tropfte. Stoische Gesichtsausdrücke. Selbst der Verletzte erschien mir ungerührt. Daneben eine Skizze, die das gleiche Prozedere an einem Arm zeigte. Weiter im Bild waren ein paar Skizzen, die das Abbinden und Verarzten der Schnittstelle illustrierten. 

So war das ganze oberste Stock des Museums der Gesundheitsvorsorge der Minenarbeiter gewidmet. Über Skorbut kann ich lesen, über Schröpfen, Aderlass und noch mehr Details über Amputationen – offensichtlich ein wichtiges Thema. 

 

Leben damals, im Minendorf
 
Auch über die Ernährung, die Ärzte und das Leben im Minendorf erfahre ich viel. Fast alles ist neben schwedisch noch in englisch beschrieben. Bald schwirrt mir der Kopf und ich setze mich ein wenig in den Aufenthaltsraum im Besucherzentrum, wo es freies WLAN gibt. 

Das Hotelzimmer, das ich für meine zwei letzten Nächte in Schweden buchen wollte, ist nicht mehr frei, erfahre ich per Mail. Mit Kreditkarte, hätte ich denn eine dabei, hätte ich es heute Morgen online buchen können. So aber war ich auf Mailverkehr angewiesen. Anrufen war mir zu umständlich; und zu teuer auch. Nun denn … es würde sich sicher etwas anderes finden.

Bald kommt Jürgen aus dem Stollen zurück, sehr glücklich und voller Geschichten über den Bergbau damals, über Kupfer, Eisen und Gold. Wir setzen uns auf eine Bank an der Sonne, dösen ein wenig, bevor wir mit den Rädern die große Grube umradeln, Bilder machen, Steine finden, staunen über dieses Naturwunder namens Kupfer.

 

Falunrote Scheune
  
Kupfergestein
 

Auf dem Rückweg realisiere ich, dass dies erst etwa der fünfte meiner bisher fünfzehn Tage meiner diesjährigen Schwedenreise ist, an dem es nicht geregnet hat. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mir die zwei letzten Tage meiner Ferien ein wenig anders einrichte als ursprünglich gedacht. Eigentlich hatte ich ja draußen schlafen wollen, mit Matte und Schlafsack, an einem Strand. Doch dieses Jahr, das bestätigen auch Schwedinnen und Schweden, regnet es wirklich sehr viel. Und darum habe ich mich für ein sehr günstiges Hotel entschieden. Vorhin habe ich doch noch eins gefunden.
Noch zwei ganze und ein halber Tag bleiben uns, bis Irgendlink weiter nordwärts, , reist und ich südwärts.

Wir genießen es einfach, hier zu sein. Ganz und gar im Präsens; und ganz und gar ohne Konjunktiv.

Willy oder wie man heute jagt

Eigentlich wäre das hier ein Artikelchen über unser aller Klischees über Skandinavien im allgemeinen und Schweden im speziellen geworden, und ich hatte schon mal ein paar der Dinge, die für mich auch sehr zu Schweden gehören, zu einem schwedischen Frühstück insbesondere, zu einem kleinen Stillleben drapiert. Schweden ist ja nicht nur Pippi Langstrumpf, Knäckebrot, rote Holzhäuser, unendliche Wälder und Rentiere. Schweden ist auch Käse (oder Salami) aus der Tube. Und Schweden ist auch Senap (=Senf), aber Schweden ist noch viel mehr.

 

Seit heute Mittag habe ich wieder ein rotes Fahrrad mit drei Gängen und Rücktritt. Unsere Vermieter haben es uns ausgeliehen. Sie wohnen im Nachbarhaus, sind heute aus den Ferien kurz hierher gekommen und haben uns herzlich willkommen geheißen. Susanne und Per sind sehr herzliche Menschen und waren von unserer Reiseart hell begeistert.

Dank des Fahrrades konnten wir heute Nachmittag zu zweit die etwa acht Kilometer nach Falun radeln, konnten uns somit den Bus sparen und hatten so ein ganz anderes Reiseerlebnis.

Ich mag Falun. Die Stadt Falun berührt mich mit ihrer Alltäglichkeit. Eine bodenständige Stadt ohne Allüren, ohne Schnickschnack, mit Zerfall da und dort, mit Blütendüften und Schätzchen dort und hier. Viele Bilder habe ich geerntet. Einiges ist bereits verappt. Anderes wartet noch.

Kurz vor sechs, bevor wir wieder daheim anlangten, fing es leise zu regnen an. Froh über das Dach über dem Kopf schlossen wir die Haustür hinter uns zu. Nun gemütlich bei einer Tasse Tee mal wieder ein bisschen Mails abrufen, in der Twittertimeline lesen, Blogkommentare genießen … so der Plan. Oder Postkarten gestalten, wie es Irgendlink zurzeit fast ständig tut. Kunstinteressierte beachten bitte dazu seinen heutigen Blogartikel.

Oh, wir haben kein WLAN?! Der portable Router, in dem die schwedische SIM-Karte steckt, tut keinen Wank. Die Handys zeigen zwar das Netz an, aber es tut sich nichts. Endlich begreifen wir, dass der Datenpass aufgebraucht ist. Wir begreifen – es ist halb sieben oder sieben -, dass wir vom Rest der Welt abgeschnitten sind.

Nun ja, ich habe Spielkarten dabei, sage ich. Und eBooks haben wir auch. Und Gesprächsstoff eh. Aber … beide werden wir unruhig. So unerreichbar zu sein, so abgeschnitten von all den Menschen, die uns am Herzen liegen, das fühlt sich ziemlich unerträglich an. Ziemlich sehr sogar.

Einen neuen Datenpass kauft man sich in Schweden im Laden, auf Poststellen, im Tabakladen etc. Sollen wir, es regnet inzwischen dauerhaft, einfach bis morgen warten? Oder ich gehe kurz in den Laden und kaufe neues Guthaben, biete ich an. Irgendlink sagt: Nein, ich gehe. So geht es hin und her, bis wir beschließen, zusammen zu gehen. Mit den Rädern. Sind ja nur ein paar Minuten. Anderthalb Kilometer.

Unter der Pelerine fährt es sich gar nicht mal so schlecht. Was für ein Abenteuer nur fürs Internet! Wir kichern und machen Witze über unsere Sucht nach der virtuellen Verbundenheit. Im Quartierladen, einer mittelgroßen Filiale, in der wir eine Stunde vorher noch ein paar Sachen eingekauft haben, gibt es aber zu unserem Erstaunen keine Datenpässe von Telia. Schade. Der Tabakladen, in den wir geschickt werden, hat schon zu und nun wissen wir auch nicht weiter. Hätten wir doch bloß am Nachmittag schon gemerkt, dass das Guthaben aufgebraucht ist, als wir in der Stadt gewesen sind! Nun denn …

Irgendlink erinnert sich, dass wir auf dem Rückweg an einer Einkaufsmall vorbei gefahren sind. Etwa zwei Kilometer, meint er, mein Ritter. Ich fahre hin, sagt er, du kannst gerne ins Häuschen fahren. Wieder wollen wir uns gegenseitig die Jagd nach dem neuen Guthaben abnehmen. An unserer Kreuzung ist es sogar Irgendlink, der sagt: Ach komm, wir können ja morgen um zehn zum Tabakladen fahren.

Und dann fallen die Würfel, fast von allein, und wir radeln auf einmal gemeinsam stadteinwärts. In der Pelerine sammelt sich immer wieder eine Pfütze, die ich wegklopfe, doch ansonsten ist Regenradeln eigentlich nicht mal sooo übel. Besonders dann nicht, wenn man, wie wir, weiß, dass man hinterher ein warmes Häuschen hat. Zeltaufstellen wäre so aber nicht wirklich spaßig.

Hinter jeder Kurve, in die sich der Radweg in die Stadt windet, wähnen wir den Laden, doch er kommt und kommt nicht. Sicher die halbe Strecke Hosjö-Falun radeln wir – eine halbe Stunde fast – bis die Mall endlich auftaucht. Juhu! WILLYs verkauft tatsächlich Telia-Guthaben und wir sind wieder an der Nabelschnur namens Worldwideweb angedockt. Fühlt sich echt gut an.

Der Heimweg zieht sich hin. Nass und müde und glücklich und stolz und hungrig kehren wir nach unserer Jagd nach Hause zurück. Und wenn sie noch nicht eingeschlafen sind, surfen sie heute noch.

Das erste Mal

Wie habe ich mich bis jetzt geziert. Im Uskavi war ich ja nur kurz auf der Treppe im Wasser, nur bis zum Hals und schnell wieder raus. Kalt. Zu kalt. Während ich aus der Schweiz und aus Deutschland von neuen Hitzerekorden lese, klappere ich beim Gedanken an das kühle Seewasser mit den Zähnen.

Heute wecken mich Blase und Sonne gleichzeitig. Irgendlink und ich schlafen bei offener Zimmertüre und haben so direkten Ostblick. Um sechs guckt die Sonne bereits zum Dachfensterchen hinein und blinzelt vorwitzig. Blauer Himmel, sagt sie. Kommt raus.

Erst zwei Stunden später bin ich wach und mutig genug, ihrem Locken zu gehorchen.

Im Badeanzug gehe ich zum nahen Steg am See beim Haus. Das Sommerlicht, skandinavisch blaugrünhellweißunbeschreiblich, küsst meine Augen. Idylle pur. Ich möchte die Welt umarmen, aus den Angeln heben, jubeln. So ein Morgen ist das! Ein Glücksmorgen.

Das Wasser ist kalt. Ich gehe barfuß ein paar Schritte. Gehe wieder zurück. Auf den Steg. Das Holz ist bereits aufgewärmt. Die Sonne tänzelt und lächelt und lockt mich ins Wasser. Wärm du mich erst mal richtig auf!, sage ich. Dann komme ich. Vielleicht.

Dann sitze ich da. Bin. Einfach da. Wasser. Stille. Das Ufer dort drüben. Die Insel da. Grüner Waldstreifen. Schweden. Ja. Das ist mein kleines großes Glück. So. Obwohl … würde ich immer hier wohnen, wäre es bestimmt anders. Unterwegs seiend bin ich gerne hier zuhause, temporär. Aber immer?

Ich bin. Jetzt. Hier.

Und irgendwann siegt der Mut und siegen Lust und Übermut. Ich lege mich zum Angewöhnen schnell ins kühle Uferwasser, klappere ein bisschen mit den Zähnen und dann, dann, dann … ja … dann wate ich hinein. Mit jedem Zug wird das Wasser wärmer und ich sehe den Himmel über mir und lege mich aufs Wasser wie auf eine Matte und lasse mich tragen und weiß mich eins mit dem über und dem unter mir. Der Tiefe, der Weite, dem Blau und dem Herz, das in mir schlägt. Die Kälte ist vergessen.

Da sind nur noch das Waser und ich. Und der Himmel.

Später, im Haus, nach einer heißen Kurzdusche um des Saunaeffekts willen, fühle ich mich ganz und gar neu. Dieses Neu, das mich am Leben immer wieder so verblüfft. Dass es das auch mit 50 immer noch gibt. Erste Male. Obwohl es schon oft so war und immer wieder so sein wird. „Like the first morning …“, singt Cat Stevens auf einmal in meinem Kopf. So fühlt sich Glück an. Manchmal.