bin reich

Wer angefangen hat und wie, weiß ich nicht mehr. Plötzlich sind wir jedenfalls bei den Microfiches gelandet, mit denen wir uns in einem unserer früheren Leben abgemüht haben. Genau! Jetzt weiß ich es wieder! Wir sind über das Thema Recherchieren dort gelandet, G. und ich. Heute Vormittag in der Pause war das. Wie spannend doch Recherchieren früher war! Bücher schleppen. Buchstaub schnuppern. Lesen. Blättern. Suchen. Richtiges Suchen meine ich. Sich dazu Notizen machen. Richtiges Papier beschreiben.

Heute beantworten Wiki und Google alle unsere Fragen. Mögen sie noch so dumm sein. Und mögen die Antworten nun wahr sein oder nicht. G. und ich lachten über unsre damaligen Berührungsängste vor dem PC. Und darüber, wie wir sie eines Tages überwunden hatten. Wir grinsten über Floppydisketten, die heute kaum ein PC mehr lesen kann. Und wir lästerten über den Segen des schnellen Lebens und die Machbarkeit. Und darüber, wie selbstverständlich uns die virtuelle Welt doch geworden ist!

Als ich ein paar Stunden später in der Marktgasse im Migros-do-it-Baumarkt eine Schieblehre kaufen wollte, hätte ich sie mir einmal mehr gewünscht, jene googlsche Suchfunktion und Finden-Fähigkeit der virtuellen Scheinwelt. Aber nur ganz kurz, denn sie hätte mir das kurze Gespräch mit dem süßen Verkäufer verunmöglicht, der mir alle drei vorrätigen Schieblehren mit großem Geschick vorführte und mir ihre Vor- und Nachteile ausführlich erklärte. Ich machte auf Banausin. Gut, dass ich kein Computer bin. So tun als ob können die nämlich nicht.

Später betrat ich eine von Berns anarchistischen Zonen. Nein, ich war nicht in der Reitschule, ich war im dritten Stock des Kaufhauses Loeb und  erstand zur Geburt des inzwischen bereits dreieinhalb Wochen alten Little-B. ein paar bunte Nuschelis (wie wohl diese Dinger hochdeutsch heißen?). Wusste gar nicht, dass es da so große Auswahl gibt.

Auf allen anderen Loeb-Verkaufsetagen herrscht sterile Ordnung, doch hier pulsiert das pure Leben. Maaama!, ruft der Dreikäsehoch von der Ecke hinten links. Eine andere Mutter hat derweilen zwanzig Faserpelz-Jäckchen auf dem Boden ausgebreitet, die ihre rosa Prinzessin anprobieren soll. Und da drüben rennen zwei Kerlchen um die Wette. Allüberall Frauen, die fachsimpeln.

Ein großes Kaufhaus, viele kleine KönigInnenreiche. Die ganze Welt auf ein paar Quadratmetern. Mini-Universum.

Wie sehr ich mich zusammenreißen musste, nicht in den untersten Stock zu gehen! Nein, keine Bücher heute! Ich habe heute schon genug Geld ausgegeben. Zum Beispiel für die schönen Stiefel, die sich mir in den Weg gestellt haben. Wie eine meiner vielen Geschichten, die auf einmal da ist, standen sie plötzlich vor mir. Gesucht hatte ich sie nicht. Aber gefunden. Oder sie mich? Siehe oben > Suchfunktion und so. Sie sitzen wie eine zweite Haut. Wer kann da schon widerstehen?

Wo gestern noch einundzwanzig Stutz auf dem Lohnkonto waren, ist heute wieder ganz viel Kohle zum verheizen! Heute bin ich wieder wer! Heute ist Zahltag! Jippie! Geld haben ist kuhl. Und Geld ausgeben auch. Wozu sonst ist das Zöix denn da? 😉

4 Gedanken zu „bin reich“

  1. Unglaublich die Mutation dieses ehemals so sophistikierenden Logbuchs zum HighHeels-Blog.
    Die Nuschelis sehen aus wie Nuckeltücher, also Lappen, an denen Kleinkinder sabbern können?

  2. @quer
    danke fürs kompliment! tut gut! mindestens so gut wie die neuen stiefel!

    @rébecca:
    tsetse … da kann frau doch einfach nicht nein sagen! warst auch in der stadt? hab dich nicht gesehen! *grmpf*

    @irgendlink:
    nuckeltücher! genau, das kommt hin!
    highheels? das – in meinem fall – eher weniger.
    sexy? hm … kann ich selber nicht beurteilen 😉
    Bild gefällig?

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