anders

Nein, ich bin nicht mehr dieselbe wie vor einem Jahr. Auch nicht wie vor zwei Jahren. Ich schreibe anders, ich denke anders, ich ticke anders. Nicht GANZ anders, das nicht, doch eben anders.

Ähnlich, wie sich alle physischen Zellen ständig erneuern, verändert sich mein Menschsein. Anders als die Zellen, die zwar neu, doch identisch sind, sind meine Veränderungen reale Veränderungen. Obwohl – und da bemühe ich den Vergleich mit den Zellen ein weiteres Mal – sich der Zellkern gleich bleibt.

Mitten drin der verdichtete Sofasophia-Kern. All das, was mich ausmacht und natürlich mehr als die berühmte Summe der einzelnen Teile. Der Zellkern ist gleichsam die Füllung – falls denn jemand auf die Idee käme, mich mit einem Truffe zu vergleichen. In diesen Kern – Festplatte ist ebenfalls ein mögliches Synonym – sind alle Informationen gespeichert, die mich ausmachen. Warum ich so bin. Warum ich diese Macke habe. Warum ich ein Problem auf diese Weise löse. Warum ich die Welt so und so sehe. Warum? Oder vielleicht besser Basis statt Ursache, um es etwas wertneutraler zu formulieren. Der Kern, meine mentale Erde. Jene Erde, aus der ich bin. Nicht unveränderbar, aber träge, warm und feucht.

Das, was drum rum ist – die Hülle, die Glasur, das Layout – bewegt sich dagegen laufend. Wechselt die Form. Alle möglichen Einflüsse – und vor allem auch alle unmöglichen – fordern mich heraus: hier hinterfrage ich bisheriges und hier überprüfe ich laufend altgeglaubtes auf seine Kompatibilität in Bezug auf meinen heutigen Alltag.

Einflüsse – eigentlich ein geniales Wort … etwas fließt ein … Meine Hülle reagiert höchstsensibel auf Ereignisse. Sie meldet Gefahren, sie registriert Lust, reagiert auf Stress und sie ist es, die alles erst einmal filtert und jede Menge SPAM weglöscht (oder auch nicht), bevor sie sich mit der Füllung austauscht. (Ein hinkendes Bild, ich weiß, denn innen ist ja außen und umgekehrt …).

Nein, nein, diese Theorien sind weder psychologisch, noch philosophisch und schon gar nicht wissenschaftlich wasserdicht. Egal. Und eigentlich sind es ja gar keine Theorien, sondern es sind einfach Bilder, die mir helfen, das komplexe Leben ein klein bisschen besser zu verstehen. Und mich den jeweiligen Erkenntnissen anzupassen …

Ob es das ist, was sich Mutation nennt? 😉

EDIT: Notiz an mich: Wer oder was „steuert“ die Einflüsse? Und warum so? Und warum zum Teufel passe ich mich (wem? was?) an? Überlebensinstinkte?

2. EDIT: Blinkyblankys Kommentar gibt mir zu denken: „Ich habe mal gelesen, dass bei Giacomettis schmalen Personen nur der eigentliche Kern im Innern gemeint ist, der nicht von der Umwelt verändert oder weggefressen werden kann …“
> Ja, lieber Signor Giacometti, ich sehe das auch so: genau um diesen Kern geht es. Ich wünsche uns allen Augen, den Kern der anderen zu sehen, zu respektieren und sich an ihm zu erfreuen. Dennoch behaupte ich, dass wir in dieser Welt hier unbedingt eine Hülle brauchen. Als Schutz. Als Werkzeug für Veränderungen. Zum Leben.

4 Kommentare zu „anders“

  1. Ich habe mal gelesen, dass bei Giacomettis schmalen Personen nur der eigentliche Kern im Innern gemeint ist, der nicht von der Umwelt verändert oder weggefressen werden kann. Das hat mir schon gefallen, aber auch Dein Schreiben.

  2. In Physik bin ich sicher schlecht und die Sache mit der Osmose habe ich in Anatomie gehabt, aber nicht wirklich im Kopf behalten. Doch denke ich:
    „Innen ist außen und umgekehrt“.. kann durch diverse „Einflüsse“ zunächst deutlich umkippen. Sozusagen Umbruchphase, bis sich das Bild wieder einpendelt.

    Es gibt den Begriff der Refraktärzeit, in der etwas nicht stimulierbar ist – so etwa bleibt dann der Zustand, bis genügend aufgebaut ist, dass eine Veränderung geschehen kann. 😉

    Eine Schutzhülle brauchen wir, meiner Meinung nach sogar dringend, damit nicht gleich alles ungebremst den Kern trifft.

    Hab ein schönes Wochenende!
    ..wünscht dir syntaxia

  3. liebe syntaxia
    vielleicht ist die wendung „innen ist außen“ eher metaphysisch denn materiell zu verstehen … 😉 das mit der refraktärzeit ist faszinierend.
    auch dir ein schönes weekend
    allen andern natürlich auch 🙂

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