Am ersten Juni-Sonntag vor einem Jahr, es war der siebte, gebar ich dieses Blog hier. „Gefüllter Becher“ hieß mein erster richtiger Blogeintrag. Die Texte davor hatte ich aus meinem vorherigen Webtagebuch kopiert, das ich schon seit paar Jahren im Wochentakt geführt hatte.
Happy Birthday, murmle ich mir zu. Jahrestage mag ich nämlich. Den Jahresringen eines Baumes ähnlich nehme ich sie zum Anlass hinzuschauen und innezuhalten. Na ja, innehalten tu ich heute schon den ganzen Tag. Wie eine faule Fliege hänge ich rum und lese. Die Hitze, die eine Hitze kurz vor dem Gewitter ist, drückt mich in die Kissen und macht mich apathisch. Eigentlich lockt der kühle Wald. Eigentlich hätte ich eine kleine Wanderung machen wollen. Oder zumindest eine kleine Radtour. Joggen werde ich noch. Vielleicht.
Verrückte Sache irgendwie: Für jene Tage, die ich ganz alleine mit mir verbringe, nehme ich mir oft ganz viel vor. Eine entsprechende Liste liegt auf dem Schreibtisch. Kreative Aufgaben am PC oder Dinge wie „Mal wieder ins Oberland fahren!“ oder „mich bei S. melden“ stehen drauf . Na ja, sich etwas vorzunehmen und es dann doch nicht tun – vielleicht ist ja das die wahre Freiheit?
Oder dies hier:
Doktor Munthe nickte beifällig: „Ich beneide Sie um die Aufgabe, die Sie sich selbst gestellt haben. Der Mensch lebt von den Aufgaben, die er sich selber stellt. Je eher wir erkennen, dass unser Geschick in unserem eigene Kopf liegt, desto besser für uns. Glück können wir nur in uns selbst finden.“
(S. 493; „Der König von Luxor“ von Philipp Vandenberg. Historischer Roman über die Entdeckung des Grabes von Tutenchamun durch Howard Carter. Bastei Lübbe)