Die kleine I., wunderbares, dreijähriges Menschenkind, neu und zugleich weise, ist – wie wir alle, wenn wir zur Welt kommen – noch davon überzeugt, Nabel der Welt zu sein. Jene Mitte, um die sich alles dreht. Eigentlich habe ich ja primär ihre Mama T. besucht, aber das ist für I. kein relevantes Thema.
Diese Erwachsenen aber auch! Was die auch immer zu reden haben? Bereits beim Spaziergang durch Feld und Wald redeten sie die ganze Zeit. Sooo langweilig! Und nun schauen sie sich auch noch so langweilige Papierbilder an. Immerhin lassen die sich gut zusammenschieben und wieder auffächern. Und in die Umschläge zurückschieben. Das macht eine Weile Spaß. Doch lieber würde ich ja mit Ophia spielen, denkt die Kleine und ist erst wieder glücklich, als Ophia mit ihr Kesseldrehen spielt und sie durch die Luft wirbelt. Warum Ophia – eigentlich heißt sie ja Sophia – aber erzählt, dass ich das letzte Mal noch viiiel kleiner war, verstehe ich nicht. War ich denn nicht immer so wie jetzt? Größer werden? Pah, so was absurdes! Wieso soll ich wachsen, aber Papa und Mama nicht?
Ich kann förmlich sehen, wie die Kleine nachdenkt und ich meine, mich vage an meine eigenen Gedanken zu erinnern, die ich hatte, als ich so klein war – pardon, so groß wie I. jetzt.
Vielleicht ist ja reif sein, reif werden, erwachsen sein, so denke ich auf dem Heimweg in die Stadt, wenn ich begriffen habe, dass ich zwar nicht der Nabel der Welt bin, aber dennoch mit viel Selbstliebe gut zu mir schauen darf und dies nicht vom Rest der Welt erwarte. Wo doch eh alle andern irgendwie damit beschäftigt sind, um sich selbst zu drehen. Ja, dass ich zwar nicht der Nabel der Welt bin, aber trotzdem wertvoll. Dass ich nicht der Nabel der Welt bin, aber auch nicht dessen Gegenteil.