Liebe ist auch, wenn er und sie nicht gleich stark lieben, sagt das MigrosMagazin. Auf Seite 79 der aktuellen Ausgabe steht es schwarz auf weiß: Frauen lieben mehr.
Ich zweifle am Wort „mehr“. Wie lässt sich Liebe, wie lässt sich die Größe einer Liebe messen? Wie lässt sich die Größe des Himmels messen und die Tiefe der Erde und was fange ich mit irgendwelchen bei Umfragen ermittelten Zahlen in irgendwelchen Statistiken an? Liebt mehr, wer öfters sagt, dass er sie, dass sie ihn, sie sie oder er ihn liebt? Liebt mehr, wer Liebe durch vielerlei Geschenke, Handlungen und Gesten ausdrückt? Welches ist die Währung, in der sich Liebe messen lässt und bin ich naiv, dass ich überhaupt noch an die Liebe glaube – an jene Liebe, um die es im unten zitiertem Artikel geht, der Erotik einschließenden Liebe zwischen zwei erwachsenen Menschen?
Die einzige Währung, die ich gelten lasse, ist der Herzschlag. Hm, nein, stimmt so nicht und klingt irgendwie bescheuert. Oder kitschig. Zweiter Versuch: Die einzige Währung, die ich gelten lasse, ist das Maß der Hingabe. Doch, seien wir ehrlich, auch diese Bereitschaft, sich einzulassen, auch sie lässt sich nicht messen.
Ich werde, seit ich gestern untigen Artikel gelesen habe, dieses Bild hier nicht mehr los: Ganz lieben, ganz fest lieben, einander ganz fest zu lieben und sich einander zu öffnen und hinzugeben sei in jedem Fall hundert Prozent. Das „ein Prozent“ des einen Menschen ist kongruent mit dem „ein Prozent“ des anderen Menschen. Selbst wenn wir glauben, unser „ein Prozent“ sei grösser als das „ein Prozent“ unserer Liebsten … Aus der Sicht jedes Menschen ist sein „ein Prozent“ und ist sein „hundert Prozent“ so groß wie es eben möglich ist. Ganz. Wie groß oder wie klein etwas ist, wird immer eine Frage der Perspektive, der Relation und der Wahrnehmung sein. Manchmal sind zwei vermasselte Brötchen grösser, gewichtiger und eben „mehr“ als die siebenhundertfünfundneunzig, die ich bis dahin gebacken habe.
Ob Frauen mehr als Männer lieben, ist nicht wirklich relevant. Dass wir lieben, ist relevant. Neulich habe ich in einem Roman gelesen, dass zu lieben das größte sei, was es gibt. Jemanden zu lieben sei größer als geliebt zu werden. Mag sein. Ich persönlich finde gegenseitiges Geben und Empfangen am allerschönsten. 🙂
Hier nun der erwähnte Artikel:
Das vermeintlich schwache Geschlecht ist bekanntlich in vielem stärker — nach neusten Erkenntnissen auch im Lieben. Das berichten Forscher der Bradley University in Illinois USA. Sie wollten von über 15 000 Menschen in 48 Ländern wissen, wie stark sie Liebe empfänden. Es stellte sich heraus, dass fast überall auf der Welt die Frauen intensivere Liebesgefühle entwickeln als Männer. Diese Diskrepanz ist umso grösser, je emanzipierter Frauen sind, und ist interessanterweise in der Schweiz am größten. Nirgends investieren Frauen so viel mehr Gefühle als Männer. Gemäß der Studie sind grundsätzlich politisch stabile, wohlhabende Länder der Liebe am ehesten zuträglich. Wer in Armut oder Krieg aufwachse, habe mehr Mühe, Bindungen aufzubauen. Das gilt auch für arrangierte Ehen oder solche, die der wirtschaftlichen Absicherung dienen.
Quelle: Migros-Magazin Nr. 25 vom 21.Juni 2010 (http://www.migrosmagazin.ch/pdf/index.cfm?ausgabe=201025&seite=79)
… ich dachte immer die Maßeinheit für Liebe wäre „bis zum Mond und zurück“ oder gilt das nur für Hasenkinder und Hasenmamis? 😉
ganz liebe (Häschen)Grüße
Stephanie