In der neuen „Federwelt“ dies hier gelesen:
ich höre Santana lese die Bibel
überbrühe Kaffee lasse ihn kalt werden
koche Reis zu Brei
schreibe Briefe
ich habe noch drei Stunden Zeit bis zur Schicht
nach der Schicht habe ich sechzehn Stunden Zeit bis zur nächsten
so kann ich hundert Jahre alt werden wenn ich nicht vergesse
zu essen
Birgit Herkula (1960)
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Nicht in der Federwelt gelesen – dies hier:
nachmittags
Ich will nicht auf dich
warten, nein, will nicht in der
Schlaufe hängen, nicht auf deine
Nachricht fiebern. Nein-nein-nein.
Schließlich habe ich Pläne. Will
die freie Zeit sinnvoll nutzen.
Sinnvoll?
Nutzen?
Autsch!
Mit einkaufen und mit Klo putzen.
Und schreiben. Malen. Lesen.
Schlafen.
Nutzt alles nichts. Ich hänge
in der Schlaufe fest. Ich drehe im Kreis.
Genauso wie ich – wenn du
bei mir bist – meine Zeit unendlich
in die Länge dehnen will (und kann), so, genau-
so will ich diese Länge
verkürzen, jetzt, sie verdichten, einrollen
wie ein Garn-
knäuel. Zeit wird Punkt und du an der Schnur.
Nur. Komm.
Endlich.
Sofasophia (heute)