Das Drama auf dem Hühnerhof oder Ein Ei #3

Da sitze ich gemütlich mit dem Frühstückstee auf der Treppe vor dem Haus und genieße friedlich vor mich hin, als ich auf einmal in unüblicher Nähe ein Huhn gackern höre. Blondie?, denke ich, so früh schon ausgebüxt?, als ich weißes Gefieder hinter den Holzvorrat huschen sehe.
Ich auf, Tasse hingestellt, gehe rüber zum Stapel und will mit beruhigenden Worten das Huhn raus ködern. Was nix bringt, natürlich. Ein langes Holzstück, mit dem ich hinter den Stapel in den schmalen Spalt rein fummle, lässt das Huhn verstört heraus huschen. In der Scheune, in die es vor meiner sanften Stimme flüchtet – ich befürchte, dass es mein Schweizerdeutsch nicht versteht – gibt es viele Optionen. Es wählt den schwierigsten. Seine Neugier hat gesiegt. Neuland lockt auch Hühner. Im Holzlager versteigt es sich geradezu. Sicher zwar vor mir, die ich nicht auf dem aufgetürmten Vorrat herum klettern mag, aber es steckt doch irgendwie in der Sackgasse.
Ich mache ihm den Rückfluchtweg frei und das Spiel geht von vorne los. Huhn geht zurück in den Spalt hinter dem Stapel, nachdem ich ihm auf dem Hof vergeblich gefolgt bin.
Da – genau da! – will es sein Ei legen, genau da, unerreichbar. Oke, das Ei wäre ein kleiner Verlust. Hier geht es um das Huhn. Würde es, wie Blondie, die Ausbrechkönigin, das Loch im Zaun finden und von selbst zurückkehren? Oder würde es vorher vom Fuchs, einer Wildsau oder einem der hier herumfliegenden Raubvögel gefressen werden? Rettet dem Huhn der schützende Zaun das Leben, da die Freiheit zu gefährlich ist?
Ich warte ab. Fünf Minuten. Mit dem Besen in der Hand gehe ich erneut zum Stapel. Das Huhn ist ruhig. Es kommt auch nicht gleich hervor, als ich mit dem Besen vor seinem Schnabel herum wedle. Ganz langsam und laut schimpfend kommt es schließlich heraus, flattert in die Scheune, diesmal richtig Richtung Hühnerhof, und versteckt sich nur mal kurz unter dem Wohnwagen. Ich bitte es mit Hilfe des Besens heimwärts, wo die restliche Hühnerschar, allen voran Roland Hahn, sich aufplusternd, Spalier steht und die verlorene Tochter willkommen heißt. Leider ist eine Hühnerhoftüre keine halbdurchlässige Wand. Huhn rein lotsen ohne andere Hühner rauszulassen ist nicht ohne. Glückliches Gegacker, als ich nach gelungener Tat das Tor zustoße. Puh, geschafft!
Und die Moral von der Geschicht‘? Wie ich zurück zu meinem abgekühlten Tee spaziere, liegt dies hier, unter dem Wohnwagenvorderteil, wohlbehalten auf meinem Weg:

EDIT: Gute Eierschalen vermögen gut zu schützen! 🙂

0 Gedanken zu „Das Drama auf dem Hühnerhof oder Ein Ei #3“

  1. ein huhn versteht sich halt auch auf personalmanagement…belohnung…schön, dass die tiere namen haben. ein hahn meiner eltern heißt herbert, eine alte gans eberhard usw.
    das ei scheint aus sehr niedriger höhe gefallen zu sein oder eine stabile schale zu haben…
    was für einen tee genießt du denn?
    habe es weiterhin schön.
    sonja

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