Wie ich da den Birkenhohlweg hochwandere, kann ich kaum mehr verstehen, dass ich mich zuweilen nur schwer vom Laptop loseisen kann. Doch wenn ich über den virtuellen Karten sitze und diese Abbildung der Welt da draußen betrachte, die verschiedene Kartenoptionen – Straßenkarten, Wanderkarten, Satellitenkarten – anklicke und versuche, mir vorzustellen, wie dieser Weg oder jener in Wirklichkeit aussieht und ob ich ihn bereits kenne oder bereits gelaufen bin, vergesse ich zuweilen, dass ich jetzt einfach aufstehen und loslaufen könnte.
Wie schön es in Wirklichkeit ist, das Leben, erfahre ich aber nur, wenn ich die virtuellen Sinne runter dimme und stattdessen die echten fünf Sinne öffne. Die Vögel locken mich weiter und weiter. Bereits wachsen erste Mohnblumen am Wegrand und ihre roten Köpfe lachen mir zu. Ich gehe unter Bäumen entlang und genieße jeden Schritt, der mich näher zu J. trägt. Fast fliege ich zuweilen. Dann wieder halte ich inne und mache ein Bild. Und da noch eins. Und noch eins.


Wieso nur, frage ich mich mitten in der Schönheit dieses Sonnentages, wieso nur sind wir immer so gierig auf das Hervorragende? Sei es im Facebook, wo ich zwar nicht dabei bin, worüber ich aber doch einiges mitbekommen habe, in der iPhoneArt-Community oder auch in der Blogosphäre: immer geht es darum, das vorherige zu toppen. Noch mehr! Noch besser! Wir füttern uns mit Statistiken und Kommentaren. Wir nähren unsern Selbstwert von diesen Zahlen und Worten, die im Grunde kaum etwas über die Qualität einer Begegnung aussagen.
Gebt ihnen Brot und Spiele!
Irgendwann bin ich da. Bei J.. Wie schön ankommen doch ist! Ebenso schön wie unterwegs sein.
________________________________________________________________________________
Bilder: iDogma-Art –
Mit ProCamera fotografiert, mit Segmentix und anderen Apps weiterbearbeitet und via Laptop hochgeladen.
Tag: 29. Mai 2011
Wunderkarte Wanderkarte
Nein, nein, ich werde nicht auf einmal zur Jakobswegpilgerin! Auch jetzt nicht, wo ich mit dem Gedanken liebäugle, meinem Liebsten auf dem letzten Stück Jakobsweg seiner fünftägigen Pfälzertour entgegen zu wandern. Noch ca. fünfzehn Kilometer auf und ab trennen uns. Ein Hupf, verglichen mit den hundertfünfzig Kilometern, die er total zurückgelegt haben wird.
Die nächste Wegmarkierung ist gerade mal hundert Meter vom einsamen Gehöft entfernt. Und die ungefähre Route habe ich soeben gegooglemapt. Ausgedruckt sogar. Das iPhone ist ebenfalls instruiert, wo lang es geht und eigentlich müsste ich nur noch loslaufen. Davor noch schnell meinen Rucksack mit Wasser, Brot, Nüssen, Datteln und einem Apfel bestücken.
Liebäugeln mit etwas und etwas wirklich tun sind zweierlei. Die virtuelle Welt, in der ich mir soeben Informationen zusammengeschustert habe, gegen die reale Welt da draußen eintauschen, wo die Sonne scheint und die Vögel pfeifen: wieso ist da dieser Widerstand?
Gewohnheiten durchbrechen. Jawohl!
Auf, auf zum fröhlichen Jakobswandern … 🙂 Immerhin gehe ich auf dem ersten Teil meiner Wanderung in die verkehrte Richtung. Nicht utreia, nicht santiagowärts.
Fortsetzung folgt in diesem Theater. Live.