Wie ich vorhin im frisch geputzten Bad, meine Zähne schrubbend, meine Gedanken belausche, begreife ich, dass das hier wirklich Wirklichkeit ist. Meine neue Gegenwart. Ich. Hier. In diesem kleinen, großen Haus wohnend. Irgendwo zwischen hier und dort und nirgendwo in der pfälzischen Landschaft. Zeit. Stille. Tun und lassen nach Bedarf.
Neue Schuhe wollen eingelaufen werden, wir wollen uns schließlich keine Blasen holen. Wir spazieren zuerst nur kurze Stücke, geben den Neuen Zeit, unsern Fuß kennenzulernen, ihn zu umschmiegen, sich an ihn zu gewöhnen. Und umgekehrt. Als Kind sind wir regelmäßig den alten Schuhen entwachsen. Die neuen Schuhe wurden ein klein bisschen zu groß gekauft, und erst nach ein paar Wochen waren wir ihnen endlich gewachsen.
Sich einleben – ein bisschen ist es wie neue Schuhe einlaufen. Noch zu große Schuhe vielleicht. Ich wachse hinein. Wachstumsschmerzen zuweilen. Sehnsucht gar nach den alten Schuhen, ich gebe es zu. Und ab und zu kann ich es kaum glauben, wie gut ich es doch habe. Die äußeren Umstände ebenso wie innerlich, was meine Bedürfnisse nach Liebe, Zufriedenheit, Stille, Autonomie und vielem mehr betrifft.
Ja, danke, ich habe mich gut eingelebt. Von ein paar Blasen abgesehen, die wohl einfach Teil des Prozesses namens Einleben sind.
Neue Schuhe
Na, hast du dich schon eingelebt?, lautet eine der Fragen, die mir in letzter Zeit häufig gestellt werden.