Eigentlich habe ich gar keine Zeit zum Arbeiten, denn eigentlich hätte ich genug anderes, das ich viel lieber tun würde. Schreiben und Bloggen zum Beispiel. Aus den Liveblogtexten von der Schwedenreise – wie letztes Jahr – wieder ein kleines Buch für Irgendlink und mich gestalten. Bilder auswerten und bearbeiten. Oder endlich mal die Idee meines Liebsten sich setzen lassen, dass wir eine gemeinsame iPhoneArt-iDogma-Ausstellung anpacken sollten. Ihr Form geben. Endlich mal dies und endlich mal das. Das Liegengebliebene, das nie Erledigte.
Ich muss an Nietzsches „Vereinsamt“ denken, an diese Zeilen hier:
Bald wird es schnein –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!
Was jetzt erledigt ist, ist erledigt. Gemäht ist gemäht. Vorbei ist vorbei. Ein desperates Gefühl, dass ich mit meiner Rückkehr ins Berufsleben nun keine Zeit mehr für Kreatives haben werde, will von mir Besitz ergreifen. Immer schon habe ich meine Arbeit außer Haus als Konkurrenz zu meiner eigentlichen Passion – dem künstlerischen Ausdruck – empfunden.
Der Hamsterradtretmühlenalltag hat mich wieder. Von Viertel vor eins bis Viertel vor fünf bin ich eingebunden. Fünf Tage die Woche. Zu sechst begleiten wir hundert Kids zwischen zehn und fünfzehn Jahren durch den freien Nachmittag. Für einen Hungerlohn. Wir sorgen dafür, dass sie unter anderem ihre Hausaufgaben gemacht haben, wenn sie heimgehen. In meiner Gruppe sind zwanzig Kids, davon dreizehn Jungs. Elf davon FünftklässlerInnen, also neue GymnasiastInnen. Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich nach der ersten Aufgabenstunde gestern schon alle Namen der siebzehn Anwesenden den Gesichtern zuordnen konnte. Dennoch war es auch sehr anstrengend, sowohl für eine gemütliche Ruhe besorgt zu sein, als auch die mir gezeigten Aufgaben jeweils konzentriert zu kontrollieren. Bereits sehe ich, wie unterschiedlich begabt die einzelnen Kinder sind. Zwanzig Kinder – jedes hat seine Geschichte. Ich hoffe, dass wir es gut zusammen haben werden.
Dennoch – ich war total kaputt, als ich um Viertel vor fünf das Schulhaus verließ. Der Lärmpegel in der halben Stunde von halb drei bis drei, als die meisten heimgingen oder abgeholt wurden, war schon recht hoch. Ohne dass die Kinder gezankt hatten. Einfach Gespräche- und Spiellärm von ungefähr noch fünfzig Kindern im Aufenthaltsraum.
Alles ist Gewohnheit. Ich werde mich an den neuen Alltag gewöhnen.
Wie immer. Aber ist das alles?