Sollen wir eine weitere Nacht am Hjälmsjön verbringen oder das Zelt abbrechen und für eine letzte Nacht in Schweden nochmals umziehen? Glücklich, wer beim Frühstück nur solch simple Fragen zu lösen hat.
Mein Bedürfnis – vor den nächsten zwei Reisetagen – war jenes nach Sonne, Natur, Relaxen, Sein. Auch Radeln oder Wandern wäre okay, aber einfach keine Hochleistungen. Schließlich ist es der letzte sonnige Tag, sagen die WetterprophetInnen. Auch J.s favorisierte mehr mit Bleiben als mit Weiterziehen. So war der Fall schnell klar.
Da wir auf dem Camping WiFi haben, suchten wir die virtuellen Karten nach einer schönen Route ab, die uns beiden gefallen würde. Mein Herz schlug höher, als ich eine Radstrecke voller Geocaches fand, die genau zum von Irgendlink favorisierten See in der Nähe führte. Wir luden uns die Koordinaten der Caches auf die iPhones und sogar J.s gutes altes GPS kam heute zum Einsatz. Von den sechsundzwanzig auf einer Rundstrecke versteckten Geocaches fanden wir immerhin dreiundzwanzig, in den ersten waren die Koordinaten der Caches für die zweite Tourstrecke versteckt. Clever gemacht! Einen Cache, die Nummer neun, in welchem wohl die Koordinaten für einen weiteren notiert gewesen wäre, fanden wir nicht und zum letzten fehlenden haben wir wohl in einem der Caches die versteckten Koordinaten übersehen. Doch das Resultat – dreiundzwanzig an einem Tag – kann sich sehen lassen. Ich bin ein bisschen stolz auf uns 🙂
Auf unserer Tour machten wir schließlich auch den geplanten Badeabstecher nach Åsljunga, denn der dortige See war es ja gewesen, der uns überhaupt zu dieser Tour animiert hatte. Am Badeplatz zunächst nur zehn pubertierende Jungs die Coolheit und Kräfte aneinander maßen.
Erstaunlich dann am Abend, die Erkenntnis, dass wir auch heute wieder über zwanzig Kilometer geradelt waren. Dreiundzwanzig, um genau zu sein – wie die Anzahl Caches.
Morgen und übermorgen reisen wir südwärts. Ich hoffe, das Wetter wendet erst in Richtung Regem, wenn das Zelt trocken im Auto verstaut sein wird. Insch’allah.
Morgen Abend werden wir vielleicht wieder – wie letztes Jahr – in der Lüneburger Heide campen. Wer weiß? Wir nehmen es, wie es kommt.
Nach Hause fahren, hm. Jedes Mal, wenn ich eine Weile weg von zuhause bin, ist innerlich das Daheim auf einmal kaum mehr abrufbar und unendlich weit weg. Diesmal ist es besonders speziell, weil ich in meinem neuen Daheim, im neuen Land, noch nicht ganz angewachsen bin und noch immer viel Neues auf mich zukommt.
Wieso reisen wir Menschen überhaupt weg? Und wieso gerne so weit, denn in Deutschland und in der Schweiz ist es doch auch schön? Ähnlich schön wie hier, außer, dass es dort enger ist und einem immer Leute über den Weg laufen. Sicher ein Grund, der bei mir für Schweden spricht, ist die Weite.
Abstand schafft Abstand. Und ab und zu tut es eben auch richtig gut, alte Gewohnheiten und Alltage gegen neue einzutauschen und sich dabei ein klein bisschen neu zu erfinden.
Bild 1 und 2: Screenshots meiner GPS-App: Der blaue Pfeil ist unser Standort (Bild 1). Die Stecknadeln sind Geocaches. Caches 1-6 hatte ich per Geocaching-App gesucht, sie fehlen deshalb auf dem Bild.
Bild 3: In einigen Caches waren – so oder ähnlich wie hier – die Koordinaten eines weiteren Caches versteckt.

Bild 4: Einer der vielen Caches, die wir heute gesichtet haben.

Bild 5: Mein gutes altes Rad beim Cache 9, dem Unauffindbaren.


