Neeeeinnnnn … , ertönt es vielstimmig. Mehr als dreißig Kinderaugen starren mich an. Eine Mischung aus Enttäuschung und Unglauben.
Dann komm ich auch nicht mehr hierher!, sagt der elfjährige M., nachdem sich das kollektive Nein wieder gelegt hat. Das können Sie mir doch nicht antun!
Und wenn ich mich nun umbringe?, sagt der zwölfjährige F.. Und später: Das war doch eben nur ein schlechter Witz, Frau M., nicht wahr. Ich meine, dass Sie gehen?
Wenn Ihnen Ihre neue Stelle nicht gefällt, kommen Sie dann wieder zu uns zurück?, fragt H., eine vorwitzige Elfjährige, die mich schon beinahe an den Rand des Wahnsinns getrieben hat.
Wieso gehen Sie denn überhaupt?, fragt der neunmalkluge, zehnjährige L. Ich druckse herum. Dass sich das schwer erklären lässt. Will nicht, dass die Kinder meinen, dass ich wegen ihnen gehe. Denn das ist es nicht. Ich gehe mir zuliebe. Weil ich etwas anderes brauche.
P., die Gruppenleiterin, die ich bereits heute Morgen per Telefon mit meinem bevorstehenden Rücktritt schockiert habe, drückt mich fest an ihr Herz. So, das musste jetzt einfach sein, sagt sie, nachdem wir uns kurz im Team – bevor die Kinder kamen – ausgesprochen haben. War hart, mein Rücktrittsgeständnis, härter als gedacht. Wie traurig meine Kolleginnen reagiert haben, ging mir echt unter die Haut. Umso schöner, von ihnen allen auch viel Verständnis zu spüren.
Noch zwei Wochen. Ich werde es schon schaffen und ich erlaube mir, die Rosinen meiner Arbeit zu genießen. Heute hat die Arbeit mit den Kindern nämlich richtig Spaß gemacht. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich kann ganz offen sein. Muss niemandem mehr etwas beweisen, am wenigsten mir selbst. Muss nicht mehr müssen. Darf dürfen.
So müsste es sein. So dürfte es sein, meine ich natürlich 🙂