Wie ich gestern mit dem Rad zum nahen orangefarbenen Groß-M fahre, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, treffe ich Freundin T..
Komm doch auf eine Tasse Tee vobei!, sagt sie, was ich nach dem Einkaufen auch tue. Angeregte Gespräche, wie immer, auch mit ihrem Mann P.. Auf dem Heimweg bringe ich das Schmunzeln in meinem Gesicht nicht mehr weg. So nahe von zwei so tollen Menschen zu wohnen, ist einfach ein Geschenk. Und macht meine zeitliche Trennung vom Liebsten, mein Stohwitwentum, ein bisschen erträglicher.
Tun und lassen, was ich will, ja das kann ich!, sage ich einige Stunden später. Ob das eher einfach oder eher schwierig ist, fragt Freundin R., die in der nahen Kleinstadt wohnt und mich spontan am Abend besucht. Wir trinken Wein und sofasophieren über Göttin, die Welt und die Männer. Wie früher oft, doch nun schon eine ganze Weile nicht mehr. Die Männer, ja. Und nein, keine Details, nur dies: R. orientiert sich in ihrer langjährigen Beziehung neu, so neu, dass das Alleinsein für sie zur neuen, ungewohnten, großen Herausforderung wird.
Ich, die ich neben aller geschätzten Geselligkeit, Alleinsein unbedingt für mein Wohlergehen brauche, verstehe dennoch, wenn sie sich wundert, dass ich einen Sonntag, dazu einen Ostersonntag, allein mit mir verbringen will. Als Familienfrau natürlich eine berechtigte Frage. Ob es nun einfach oder schwierig ist, nirgends angebunden zu sein – freiwillig oder durch familiäre Verpflichtungen – ist nicht so einfach zu beantworten. Ich bin jedenfalls lieber freiwillig allein als unfreiwillig ständig mit Menschen zusammen. Und ebenso gerne bin ich freiwillig mit tollen Menschen zusammen.
Ich frage mich, warum sogar ich besonders an Feiertagen mein selbstgewähltes Alleinsein eher seltsam finde. Nein, nicht schwierig, jedenfalls nicht aus meiner Sicht. Nur, wenn ich mein Leben von außen betrachte. So wie andere mich sehen. Obwohl das ja eigentlich egal ist. Sein sollte. Ach, jetzt bin ich wieder in die Falle des Michrechtfertigenmüssens gepurzelt.
Fakt ist: Alleinsein ist ein kleines Tabu in unserer Gesellschaft. Ein Makel. Auch Stille. Wir tun so vieles, um ja bloß nicht ein paar Stunden still und mit uns allein sein zu müssen. Dabei nährt mich doch beides so sehr.