Wie sind sie denn überhaupt? Wie ist das Dach über dem Kopf? Beengend oder beschützend?
In allem, was ist, ist auch dessen Gegenteil enthalten, sage ich ja gerne. Und ja, das ist eine meiner Überzeugungen.
Beispiel gefällig? Wenn ich eine Zeiltlang besonders gesund gelebt habe, reizt mich der Exzess umso mehr. Mal wieder eine rauchen oder so. Wenn ich eine Zeitlang besonders einfach gelebt habe, ist die Lust auf ein bisschen Luxus umso größer.
Ebbe und Flut eben, wie ich vor ein paar Wochen schon mal gebloggt habe. Die Zyklen eines jeden Lebens spielen in uns, zumal wir ja alle – da Natur – den Naturgesetzen unterworfen sind.
Wie oft und wie intensiv habe ich eine Zeitlang all das in meinem Leben zu bekämpfen versucht, das ungesund, exzessiv und so weiter ist, nur um irgendwann und nach und nach für mich zu entdecken, dass ich meinen eigenen Gezeiten eigentlich ruhig vertrauen dürfte.
Nach den neun Tagen Camping mit daußen Schlafen und Sitzen und Leben mit den einfachsten Dingen, dazu viel abhängiger vom Wetter als jetzt, mit Dach über dem Kopf, genieße ich das Rauschen der Waschmaschine, die den Reiseschmutz von unsern Kleidern wegspült. So, wie wir ab und zu die Handys laden müssen, muss auch die Materie – Kleidung, Töpfe, Geschirr, Packtaschen des #ansKap-Radlers – hin und wieder erneuert werden, gewartet, wo nötig, repariert werden. Ich sehe diese Tage hier ein bisschen wie die Vorbereitungen eines Himalaya-Expeditonsteams im Basiscamp. Kräfte sammeln, Ausrüstung überprüfen, sich von Überflüssigem trennen.
Und für mich ist es auch einfach Urlaub. Erlaub. Ich erlaube mir alles: Abhängen, mich ausruhen, genießen, sein. Zumal das Sofa was von einem Magneten hat. Sitzt man erst mal da, sitzt man fest.
Geborgenheit? Ja, irgendwie schon.
„Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“, sagte Hermann Hesse schon vor vielen Jahren. Und ich sage: Ja.
Ja, aber. Aber vor dem Aufbruch braucht es die Ruhe. Eben Ebbe und Flut. Siehe oben.
Darum: Fahr langsam. Denk an die Kinder, die spielen. An das Kind in dir, das spielen will. Und daran, dass ’sowohl-als auch‘ meistens die gesündere Lösung ist, statt ‚entweder-oder‘.
Und nun geh ich Wäsche aufhängen.
