Zwei Pläneschmiede

Da ich immer mal wieder in Mails gefragt werde, wann wir denn nun unser Häuschen in Falun beziehen würden, ein paar Fakten zu Beginn: Weil ich das Häuschen in Falun ja bereits im Frühling gebucht hatte, konnte ich noch nicht wissen, wann Irgendlink wo sein würde. Auch hatte ich damals noch keine Ahnung gehabt, wie lange ich im Sommer Ferien nehmen können würde. Sicher zwei Wochen, eher zweite Julihälfte, aber das wars auch schon.

Lauter Eventualitäten also – bei mir ebenso wie bei Irgendlink. 

Und nun das hier: Örebro Mitte Juli. Allen Wetterprognosen zum Trotz hat es heute kaum geregnet. Morgens kurz, am Mittag kurz und nachher einmal fünf Minuten getröpfelt. Dann nicht mehr. Gegen Abend fernes Donnerrollen, Gewitterwolken, die vorüberziehen. 

Und nund liegt ein voller, reicher Tag hinter uns. Ich bin angekommen. Hier, bei Irgendlich, bei mir. 

Kurz vor halb zehn. Wir sitzen auf Jürgens Schlafmatte draußen vor dem Zelt. Über uns ein noch immer blauer Himmel mit ein paar Wolkenschlieren. Knapp 20 Grad. Die Sonne, die sich bereits in der Nähe des Horizonts aufhält, aber nicht wirklich daran denkt, ganz zu verschwinden. Bestensfalls nur kurz. 

Ja, ich mag diese hellen skandinavischen Nächte, gehöre zum Glück zu jenen Menschen, die auch bei Tageslicht schlafen können, wenn ich müde bin.

Am Himmel Wildgänse oder -schwäne, die in Schwärmen den Himmel durchstreifen, das Gurren von Nachtvögeln, das Rauschen des Durchgangsverkehrs mischt ebenfalls mit, von der Pferdekoppel jenseits des Campingplatzes hin und wieder ein Wiehern. Die Nachbarn sind zum Glück ziemlich ruhig.

Wir haben den Tag mit Ausschlafen, Brunchen, Ausruhen und einem Urban ArtWalk durch Österbro verbracht. Eine klasse Stadt übrigens. Ray hat um 10 nach vier den Bus via Oslo nach Kopenhagen bestiegen und nun sind wir allein zu zweit.

Wie es wohl sein wird, frage ich den Liebsten, wenn du ganz allein unterwegs sein wirst? Durch Deutschland warst du noch beinahe zuhause und hast Leute getroffen, deine erste Schwedenzeit warst du mit Ray und jetzt mit mir unterwegs, aber dann, später?

Auf die Frage bin ich gekommen, weil Irgendlink, nachdem Ray losgefahren war, geseufzt hat. 

Jetzt fehlt mir ein Stück meines Rudels, meinte er. Nun werde ich bis ans Kap alleine unterwegs sein. 

Schon morgen werden wir weiter nach Norden ziehen. Er mit dem Rad, ich mit dem Bus. Nora oder Uskarigarden peilen wir an. Auf dem Camping dort bleiben wir, solange es uns gefällt. Und wenn es uns weiterzieht, ziehen wir einfach weiter. Ziemlich einfach. 

So werden wir am 22. Juli in Falun ankommen, das Häuschen acht Tage bewohnen und uns danach ein weiteres Mal voneinander verabschieden. Diesmal für länger. 

Doch bis dahin ist es noch ewig weit hin, denn bereits erlebe ich, wie die Zeit sich dehnt. Wie immer – oder meistens – wenn wir zusammen sind. Ins Unendliche wachsen die Tage in die Tiefe und Weite. Wie das Land hier. Ob ich es darum so mag?

Ich gestehe, dass ich es als Einstieg zwischen Alltasgszivilisation und Outback geschätzt habe, auf diesem großen, sehr gut ausgestatteten Camping anzukommen. Aber ich gestehe ebenfalls, dass ich mich freue auf das „nur die Natur und wir“. Auf Wanderungen durch Wälder. Auf Zeltnächte in der Pampa – es lebe das skandinavische Jedermannsrecht, das Campen überall erlaubt. 

Ich hoffe, dass uns die WettergöttInnen wohlgesinnt sein mögen, denn alles steht und fällt mit dem Wetter, wenn man kein festes Dach über dem Kopf hat.  Und ich lasse mich gerne, wie heute, eines besseren belehren, nämlich dass die Prognose oft falsch sind, und genieße es sehr, dass die Sonne noch immer scheint. Für alle. Irgendwann. Irgendwo. 

  

Örebro oder Travelling is a dirty job

Nun denn, da bin ich also. Nach einer guten Reise – zwei Flügen, einer Zug-, einer Bus- und einer weiteren Zugfahrt – bin ich in Örebro gelandet, das größer ist, als ich dachte. Und schöner.

Nachdem ich gestern hier aus dem Zug in Irgendlinks Armen gelandet bin, wanderten wir zusammen quer durch die Stadt. Eine Stadt voller eigenwilliger Kunstaktionen, die mir allesamt gut gefallen. Ganz besonders das mit zig Frauenstrumpfhosen eingehüllte Ratshaus.

Wunderschön ist, dass sich die Regenwolken verzogen haben. Der Campingplatz ist riesig. Und hat Wlan – theoretisch. Wenn es denn zum Bloggen reichen würde. Vermutlich werde ich Irgendlinks Handy hotspotten – wie gestern, als ich nach dem essen einige Here we are-Bilder getweetet habe.

Ray wiederzusehen, ist eine Freude. Sein Zelt ist etwa einen Steinwurf von „unserm“ entfernt, das ich schon von Weitem erkennen kann. My home is where my castle is, grinse ich in Richtung Zelt deutend. Zeltchen eigentlich. 

Jürgen nimmt seine Matte heraus und setzt sich auf den Boden. Er kennt mich – weiß, dass ich jetzt zuallererst um ankommen zu können, mein Nestchen machen will.

Man muss der Verwahrlosung Zeit geben, sage ich, den Rucksack öffnend und wohlsortiertes Ding um Ding herausziehe. Matte aufpumpen. Schlafsack drauf. Dies und das.

Wir essen im Restaurant, lassen uns von einer Cover-Band die Ohren voll dudeln, trinken das beste Bier ever (Eriksirgendwas – 5,3 Promille) und genießen lecker Eis.

Ich schlafe herrlich im kleinen Zelt und alles ist gut. Der kleine Regen heute morgen geht wieder vorüber und wir schmieden Plänchen.

Mal schauen.