Küstenhoch am Kieferholzfeuerchen | #kursnord

Ein bisschen planlos fuhren wir los, gestern Vormittag, nachdem wir das Zelt abgebaut, gepackt und uns von Gerard verabschiedet hatten. Einzig die Richtung war klar. Irgendwie und irgendwo in der Nähe von Örnsköldvik. Auf einer Halbinsel hatten wir im Zeltplatzführer einen offenen Zeltplatz ausgemacht. Norrfällsviken. Nicht wirklich weit also. Auf der tollen Hängebrücke, die wir beim Wandern auf der Hin- und Herfahrt schon passiert hatten, hielten wir die erste Pause. Die zweite kurz darauf, nachdem wir die E4 verlassen hatten.

Da, dort drüben sind wir gewandert. Unser Wanderwaterloo!, scherzen wir und beschließen spontan, nochmals zu diesem tollen See zu fahren, an dem wir auf unserer Wandertour vorbeigekommen sind. Sogar ins Wasser gehen wir. Ich allerdings nur sehr punktuell, während der Liebste sich die volle Dröhnung gibt. Allerdings auch nur gaaanz kurz, denn für uns Heißduschende ist die Schmerzgrenze bei etwa zwanzig Grad erreicht, bei ihm ein bisschen weiter unten – je nach Lufttemperatur … und das gestern war deutlich drunter.

Später, im ICA von Nordingra, das auch Post, Apotheke, Alkoholladen und Wettbüro ist, die dritte Pause. Picknick auf dem Dorfplatz vor dem Laden, und als Nachspeise ein Eis vor dem Eiscafé. Die Eisverkäuferin sagt, dass vor zwei Wochen noch Schnee lag. Brrr.

Grob fahre ich Richtung E4 weiter, Karten – wozu? Ist ja noch eine Weile bis Örnsköldvik. Da auch Irgendlink, der Lotse, die Karten ignoriert, gondle ich einfach mal weiter. Grob Richtung Nord, die eigentlich eher Richtung Ost war. Wir aaahen und ooohen uns durch die kleinen Weiler, die richtig belebt und lebendig wirken, sehr untouristisch, natürlich, ungekünstelt … und fühlen uns wohl dabei.

Als ich auf einmal an einer Sackgasse zu einem Camping stehe, beschließen wir, doch mal auf die Karte zu schauen. Um festzustellen, dass das genau jener Zeltplatz ist, den wir angepeilt hatten. Krass: Finden ohne Suchen!

Riesiges Teil, dieser Platz. Rezeption zu. Schranke auf, Servicehäuser offen. Wir finden einen unglaublich schönen Platz mit Feuerstelle und Tischbank-Garnitur, wo wir in einem Kieferwäldchen das Zelt aufbauen. Wildzeltfeeling mit Badehaus in etwa fünfzig Metern.

Ich wasche ein bisschen Wäsche, wir hängen rum, dösen; und schließlich, es ist kühl geworden, wandern wir zum Meer.

Da ist ja auch immer noch Zeltplatz, boah ej – eine Zeltwiese mit direktem Meerblick! Wären wir doch! Hätten wir doch! Aber nein: Es ist gut, wie es ist. Denn unser Platz ist im Grunde perfekt für uns. Ruhig. Nur für uns. So wie wir es mögen.

Dieser Strand ist exorbitant. Rötliches und graues Gestein, Felsen, Kies. Da meint man zuweilen, man hätte alles gesehen, und dann das!

Wir genießen nochmals richtig fette Abendsonne, wärmen uns auf und gehen schließlich zum Zelt zurück, kochen lecker und setzen uns an ein Kieferfeuerchen, das uns die Abendkühle beinahe vergessen lässt.

Heute wollen wir eine Wanderung machen. Hoffentlich eine nicht gar so lange wie die vorvorgestrige!

Tagescollage mit im Text erwähnten Szenen