Bestimmt fängt er nächstes zu knurren an. Vielleicht wird er mich sogar beißen. Keine Ahnung, auf was für Ideen Notizzettel kommen, wenn wir sie ignorieren. Ich habe ihm versucht klar zu machen, dass er so wichtig nun auch wieder nicht sei. Er sei einfach nur ein mit ein paar meiner Ideen vollgekritzelter Zettel. Mehr nicht.
Immerhin hast du Irgendlink von mir erzählt, kontert er.
Von dir? Täusch dich da mal nicht, lieber Zettel, sage ich. Nicht von dir, nur von den Worten auf dir.
Ist doch egal. Ist eh fast das gleiche, sagt er. Nun knurre ich zurück. Also gut. Schließlich habe ich es J. versprochen.
Was haben wir gelacht heute Morgen. Am Telefon hatte ich ihm erzählt, dass ich einen Blogartikel mit dem Titel „Zeig mir deinen Zaun und ich sage dir, wer du bist!“ schreiben wolle. Vielleicht. Lachen mussten wir deshalb, weil er unmittelbar vor dem Anruf einen Artikel geschrieben hat, worin ebenfalls Zäune vorkommen. Einen Artikel, den er mir eine Viertelstunde nach unserem Gespräch zumailt, damit ich ihn, – bitteschön, liebe Homebase –, an seiner Stelle, redigiere und in sein Blog hoch lade. Um Akku zu sparen.
Also gut, Zettel, komm her und lass dich anschauen. Meinst du wirklich, ich kann dieses Gekritzel auf dir lesen?, sage ich.
Kann ich doch nichts dafür. Ist ja nicht meine Schrift, sagt er. Recht hat er.
Ist ja gut, ich versuche es. Halt doch endlich still.
Du kitzelst.
Krieg dich ein, so wird das nichts. Siehst du, es geht ja.
Bevor ich gestern aareaufwärts durch die wunderbar-wilde, renaturierte Auenlandschaft beim Wasserschloss radeln kann, führt mich der Weg durch Wohnquartiere und an Familiengärten vorbei.
Die Schweiz – das Land der Gartenzäune, denke ich. Halt! Stimmt nicht, korrigiere ich mich. Gartenzäune hat es nicht nur hier. Zäune gibt es auch in Deutschland. Und denk an Schweden und Dänemark! Und was ist mit England? Dort hat es überall welche und die Leute stellen noch Schilder auf, die vor der Bürgerwehr warnen. So hat es Irgendlink jedenfalls geschrieben.
Zeig mir deinen Zaun und ich sage dir, wer du bist!, murmle ich vor mich hin.
Hecken als Zäune, wie der da drüben, beim Familiengarten, das geht ja noch. Ist immerhin ein Biotop für Tiere. Aber einfach so Zäune bauen – aus Holz, Stein oder Beton?
Wozu?
Was sperren wir ein? Uns selbst?
Was sperren wir aus? Die anderen?
Wie viel Raum brauchen wir? Was schützen wir? Was mauern wir ein?
Sichtschutz – ja, gut, Intimsphäre brauchen wir alle.
Und ja, auch Viehzäune haben durchaus ihre Berechtigung, sie schützen Menschen und Tiere voreinander.
Aber all die anderen Zäune?
Zäune markieren. Sagen: Das hier ist Besitz. Mein Besitz. Dieses Stück Land ist meins. Geh weg!
Zum Glück gehört wenigstens die Aare uns allen.

So, Zettel, zufrieden? Guck, da ist der Papierkorb. Gute Nacht. Und danke auch.
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Bild: iDogma –
Fotografiert mit der iPhoneApp AutoStich (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Diese Zaun-Zitat hab ich auch beim Jürgen schon bemerkenswert gefunden … Was ist heute los mit der Welt? Wo ist die Allmende geblieben?
allmende? was heisst das für dich? in der schweiz ist das eine grosse gemeinschaftswiese, ein festplatz. und für dich?
Es ist ja nicht nur die Gemeinschaftswiese. Früher waren Wald und Seen und Wege auch oft Gemeingut, gehörten einem ganzen Dorf, einer Stadt. Davon ist nicht viel übriggeblieben, von diesem Gemeingut. Es wird eingezäunt, ein- und ausgesperrt.
Aus meiner Zeit in der DDR kenne ich ein viel solidarischeres Leben als das heutige. Es gab mehr Gemeinsamkeit als Ausgrenzung oder Eingrenzung (okay, das Ding mit der Staatsgrenze mal außen vor gelassen).
Ih beide habt mich eben an diese Solidarität miteinander erinnert.
so anders könnten wir leben … seufz
gut nacht!
Wie ich das Foto gesehen habe, dachte ich, es war doch auch schön mit paddeln. Vom Bach aus sind auch keine Zäune.
da hats auch immer viele boote – mit und ohne motoren. auch schlauchboote. da hab ich allerdings kaum erfahrung mit (als teenie das letzte mal, ich gestehe es).
guten morgen, liebe Soso,
1. das ist doch wieder einmal ein wunderbarer artikel fürs sonntagsmorgenmatinee
2.das foto gefällt mir sooo gut… keine zäune ;o)
3. hast du vorwitzige zettel im kasten, aber gut so, mag ich, am ende des artikels angekommen, sagen, während ich breit grinse
4. fällt mir eine geschichte ein, damals noch in therapeutischer behandlung, ich sollte um meinen sicheren ort einen zaun errichten… widerstrebend baute ich einen gaaanz niedrigen weißen lattenzaun… ah ja, sagte der thera, nun kann aber immer noch jede und jeder ihren/seinen dreck auf dein grundstück werfen… -m- da pflanzte ich hecken, damit die tiere auch noch einen unterschlupf haben, damit ich mich nicht eingemauert fühle und das bißchen dreck, das dann und wann jemand drüberwirft, jo mei, den kann ich auch flugs aufheben und in die tonne werfen…wirklich zufrieden war der herr thera nicht, aber ich.
und 5.
lieber emil, hat dein kommentar mich auch daran erinnert, wie schön es anfangs war an jeden see in der ehemaligen ddr zu können, ohne diese dämlichen privatschilder…
uns allen einen friedlichen sonntag
herzlichst Li Ssi
1-4: danke!
5: kann ich mir vorstelllen, war leider noch nie dort.
hach, ja, ich tät mir (zu 4.) wohl auch einfach eine hecke wachsen lassen. hm. uns schützen müssen wir schon. aber zäune sind doch eher zum markieren tauglich. tja.
lieb grüß zurück, soso
Dein Zettel ist cool. Er wusste noch, dass dir dieses Thema wichtig war und hat Druck gemacht. Meine Vorstellung vom Paradies war schon immer, Türen ohne Schlösser oder Häuser ohne Türen. Doch das Separieren ist eher zu unserer Spezialität geworden. Das Teilen bezieht sich auf das Unterteilen, nicht auf das Einandergeben.
die macht von notizen und ihren zetteln wird oft unterschätzt 🙂
ja, unterteilen können wir gut. hm.
nachdenklich grüßt soso
ich mag es , deinen Gedanken zu folgen … da schwingt vieles mit bei mir 🙂
zu den Türen ohne Schlösser und den Häusern ohne Türen fallen mir noch die Fenster ohne Gardinen ein … oft genug sperren wir uns selbst weg – haben Angst, uns zu zeigen …
liebe Grüße in den Sonntag,
Tabea
ich merke, dass ich in mir grad einen rechten stein losgetreten habe mit dem thema sichtbarsein. einerseits habe ich nun wirklich nichts zu verbergen und doch möchte ich nicht, dass alle alles von mir wissen. da die mitte finden, ist eine spannende herausforderung.
danke, tabea, für deinen input!!!
Nun … so wie ich entscheide, welchen Filter ich der Kamera verpasse, kann ich ja auch entscheiden, wo in meinem Haus die gardinenlosen Fenster sind 😉
lieben Gruß,
Tabea
das ist ja mal ne schlüssige logik, in der tat 🙂