Pragmatismus à la Suisse

Bin gestern Morgen mit diesem Satz hier erwacht:
Besser endlich Sommer und dafür nicht im Achtelfinal mit dabei als
kein Sommer und dafür im Achtelfinal mit dabei.

Irgendwie muss sich frau ja trösten, wenn alles Daumendrücken und sogar das „Hopp Chile“ rufen nix nützt.

Sommer tröstet über solche Verluste hinweg.
Sommer ist einfach toll.
Sommer auf dem einsamen Gehöft ist toller als toll.
Am tollsten aber ist, dass wir bald Urlaub haben.
Heute in einer Woche geht’s los. Insch’allah.

Hier bleibt irgendwie die Zeit stehen … oder geht sie vor?
Wäre ich eine Uhr, wäre ich lieber eine, die stehen geblieben ist oder lieber eine, die vierzig Minuten vorauseilt?
Erstere zeigt zweimal am Tag die richtige Zeit, weiss aber nicht wann, während die zweite immer falsch zeigt, dafür immer richtig daneben liegt.

Einer dieser Tage III

Noch kaum vierundzwanzig Stunden alt und schon hat mir mein neues Telefon das Leben gerettet. Spätestens um halb vier hätte ich an der XYstraße sein sollen, um dort drei Straßenspiele abzuholen, die wir morgen an unserem Spiele-Stand am Berner Flüchtlingstag auf dem Bundesplatz einsetzen wollten – neben anderen Aktivitäten. Konjunktiv.

Wie so oft hatte ich mal wieder die Zeit verbummelt. Ich war nicht wirklich motiviert gewesen, überhaupt nach draußen zu gehen. Noch immer Fieber. Mattigkeit. Dazu bisschen Regen. Auch begreife ich erst um zehn nach drei, als ich im Auto sitze, dass freitags bereits ab drei Uhr Feierabendverkehr herrscht. Viel zu langsam und an tausend roten Ampeln vorbei kriechen Sternchen und ich durch Berns Straßen. Verursacht durch meine Schlappheit verfahre ich mich dann auch noch im Botschafterquartier, wo ich mich schlecht auskenne. Die Zeit wird knapp und knapper. Ach wie froh ich doch bin, dass mir mein eiFöun Guugls Straßenkarten zur Verfügung stellt und ich – dank Kompass – herausfinde, wo genau ich bin. Ein kleiner Anruf bei XY und bald darauf bin ich am Ziel. Mit Verspätung zwar, aber was soll’s.

Dort dann der große Schock: Die Straßenspiele sind für mich und mein Sternchen zu groß und zu schwer. Ich muss abwinken und unverrichteter Dinge ins Büro fahren, wo ich die letzten Vorbereitungen für den großen Tag treffe.

Zuhause erwartet mich ein voller Briefkasten. Gut getarnt ein amtlicher, mausgrauer Umschlag. Verkehrspolizei steht oben links. Mein Herz setzt einen Takt aus, um danach doppelt so schnell weiter zu klopfen. Ich widerstehe der Versuchung, den Umschlag bereits im Treppenhaus aufzureißen. Will mich hinsetzen. Gut durchatmen. 93km statt 80 sei ich gefahren, steht da. Kurz nach Basel. Vor zehn Tagen. M***!

Kann so ein Tag noch besser werden?

(((Edit: Ja, er kann … danke, J., für deinen Anruf 🙂 )))

So unschuldig war der heutige Morgen …

Alltagskunst im Wohnzimmer.

Mein Hackbrett.

(Was mir an den Bildern gefällt, die das eiFöun macht: Die Bilder rauschen so sehr, wenn sie mit knappem Licht aufgenommen worden sind, dass sie bereits wieder genial aussehen. Wie Polaroidaufnahmen irgendwie. Witzig zum Bearbeiten.

Doch mit genügend Licht gemachte Bilder sind zum Teil richtig genial.)

rotweißer Daumen

Statt mit den Leuten aus meinem Büroteam in der Räblus zu sitzen und die Nati anzufeuern, lag ich zuhause im Bett. Nach Hause geschickt in der minusdreißigsten Minute. Mein achter Fiebertag. Fieber als Dauergast. Fast wie ein guter Fußballspieler begleitete es mich  – mal in der Peripherie, mal ganz zentral – durch die letzten Tage. Heute bescherte es mir ein Fußballerlebnis der dritten Art.

Da liege ich also im Bett, mangels Fernseher mit den Radiokopfhörern über den Ohren, und verfolge den Fußball übers Äther. Ich kritzle „ein Sieg in einem Fußballspiel kommt nur dank den Fehlern des Goalies zustande“ auf einen Zettel, „wie im richrigen Leben!“. Dann döse ich weg. Irgendwann im Fieberdelirium beginne ich den grünen Rasen zu sehen. Und den Ball. Und die elf Männer, die die beiden mit Füssen treten. Schönstes 3D. Da. Ein Schrei: Gooooaaaal!

Träume ich? Für wen? Hab ich das richtig verstanden? Ein Tor der Schweizer Nati gegen den aktiven EurOPAmeister Spanien? Ich muss träumen. Doch da höre ich den Satz wieder! Der Journi sagt, dass die Schweiz führt. Es wimmelt zwar während des ganzen Spiels von gelben Karten, aber was soll‘s. Hauptsache WIR FÜHREN. Und das soll sich bloß nicht ändern. Mein linker Daumen bleibt für den Rest des Spiels rotweiß wie das Tii-Schii meiner Arbeitskollegin G., so sehr drücke ich ihn. Passt ja perfekt. Meine Nerven liegen blank und blanker. Neunzigste Minute.

Fünf Minuten Nachspielzeit? Wie bitte? Die spinnen, die Schiris! Denen hat es wohl ins Hirn geschneit!, denke ich. Die sind wohl gekauft. Am liebsten würde ich mit Rasenmähern um mich schmeißen und für den Bruchteil einer Tausendstelsekunde kann ich das Hooligan-Gen, das in allen von uns schlummert, sich in meinen fiebrigen Eingeweiden räkeln sehen. Es hat sich allerdings nur zur andern Seite gedreht und schläft gleich wieder weiter. Schließlich der letzte Corner. Meine Nerven flattern. Am Tor vorbei geschoßen. Und endlich pfeift der Schiri ab.

Wann habe ich je ein so spannendes Spiel gesehen? Gesehen, öhm, Fieberwahn und so. Immerhin steht es später auch so im Internet: 1:0 für die Schweiz. Also doch nicht alles geträumt. Auch die gelben Karten nicht. Und die hupenden Autofahrer sind vermutlich auch keine Sinnestäuschung. Oder etwa doch?

konservieren

Spazieren ist für mich immer eine multisensuelle Erfahrung. Nebst Gerüchen und Geräuschen, die sich nicht festhalten lassen, weiden vor allem die Augen. Sie können ihre Eindrücke sogar digital mit nach Hause nehmen.

Letzten Freitag mit J. im Könizbergwald und im Liebefeld unterwegs …

Wir treffen eine meiner Cousinen und ich frag mich, wer wohl besser spinnen kann, sie oder ich?

Vom Leben gezeichnet.

Baustelle mitten im Wald.

Wo Menschen sind, sind auch Schlösser.

Wo Menschen sind, ist auch künstlerischer Ausdruck.

Siehe obigen Kommentar.

Das Rad der Zeit?

„Deine These (siehe 24. Mai) wird hier sichtlich widerlegt!“, sagt Irgendlink hier. „Auch in Bern gibt es VisionärInnen, die Baugerüste auf Vorrat bauen.“

mersi bogu …

Liebe/r K., L., C., F., B., M., M. und M., allerliebster J.
… und natürlich auch all die lieben Menschen, die gemailt, angerufen und gesmst haben:

Ich bin euch herzlich dankbar für diesen wunderbaren Tag …

Vom Brunch bei mir zum nachmittäglichen Waldspaziergang und Cachen im Bremer, bis hin zum Baden und Dinieren an den Gestaden des Gerzensees und dem Mitternachtsbier vor den Vidmarshallen war es einfach ein toller, rundum gelungener Tag!

Was wäre ein Fest ohne so tolle Menschen, wie ihr alle es seid! DANKE!

brönnti Gremä

Bald wird es in meiner Küche riechen wie in der Küche meiner Kindheit, wenn Mami einmal im Jahr für mich brönnti Gremä kochte. Heute mach ich das selbst und ich glaube gar, es ist das erste Mal. Für alles gibt es ein erstes Mal. Auch ein Rezept in meinem Blog gab es noch nie. Google und ich sind eben ein tolles Team 🙂

Gefunden habe ich Bild und Zutaten hier und eigentlich bin ich ja krank. Eine meiner Fieberattacken. Bin am Mittag aus dem Büro geflohen. Nach einem Nickerchen und ein wenig rumhängen, ist das Fieber nun am Abklingen. Zum Glück. Bin zwar noch schlapp, doch zum Köcheln reicht es …

Die alten Damen vom letzten Freitag würden mich ein weiteres Mal auslachen und müssten nicht googlen. Sie wüssten es auswendig, das Rezept. Und die würden gleich nochmals lachen, wenn ich ihnen gestehen würde, dass mein mp3-Player gar nicht verschwunden ist. Er steckte bloß in jener langen Hose, die ich am Freitag getragen hatte. Des Fiebers wegen kam diese statt der Sommerdinger heute wieder zum Einsatz. Soll niemand sagen, dass Fieber keine guten Seiten hat!

E Guete!

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Zutaten für 6 liebe Leute

225 g Zucker
1.5 dl Wasser, heiss
1.5 dl Rahm
1.5 EL Maisstärke
3 Eigelb à ca. 20 g
1.5 Prisen Salz
7.5 dl Vollmilch

Zubereitung

Zucker und Wasser auf mittlerer Stufe dunkel caramelisieren. Erst wenn der Caramel ein zweites Mal aufschäumt und etwas blauer Rauch aufsteigt, Pfanne sofort von der Herdplatte ziehen. Pfannenboden kurz in kaltes Wasser tauchen (Vorsicht, zischt stark, und es entsteht Wasserdampf). Ca. 15 Minuten abkühlen lassen.

Rahm, Stärke, Eigelb und Salz verrühren. Milch zum Caramel giessen und aufkochen, bis der Caramel aufgelöst ist. Unter Rühren zur Eimasse geben. In die Pfanne zurückgiessen, weiterrühren und bis knapp vor den Siedepunkt bringen. Creme durch ein Sieb in eine Schüssel giessen. Eine Klarsichtfolie direkt auf die Oberfläche der Creme legen. Creme abkühlen lassen und für 2–3 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Nabel der Welt

Die kleine I., wunderbares, dreijähriges Menschenkind, neu und zugleich weise, ist – wie wir alle, wenn wir zur Welt kommen – noch davon überzeugt, Nabel der Welt zu sein. Jene Mitte, um die sich alles dreht. Eigentlich habe ich ja primär ihre Mama T. besucht, aber das ist für I. kein relevantes Thema.

Diese Erwachsenen aber auch! Was die auch immer zu reden haben? Bereits beim Spaziergang durch Feld und Wald redeten sie die ganze Zeit. Sooo langweilig! Und nun schauen sie sich auch noch so langweilige Papierbilder an. Immerhin lassen die sich gut zusammenschieben und wieder auffächern. Und in die Umschläge zurückschieben. Das macht eine Weile Spaß. Doch lieber würde ich ja mit Ophia spielen, denkt die Kleine und ist erst wieder glücklich, als Ophia mit ihr Kesseldrehen spielt und sie durch die Luft wirbelt. Warum Ophiaeigentlich heißt sie ja Sophia – aber erzählt, dass ich das letzte Mal noch viiiel kleiner war, verstehe ich nicht. War ich denn nicht immer so wie jetzt? Größer werden? Pah, so was absurdes! Wieso soll ich wachsen, aber Papa und Mama nicht?

Ich kann förmlich sehen, wie die Kleine nachdenkt und ich meine, mich vage an meine eigenen Gedanken zu erinnern, die ich hatte, als ich so klein war – pardon, so groß wie I. jetzt.

Vielleicht ist ja reif sein, reif werden, erwachsen sein, so denke ich auf dem Heimweg in die Stadt, wenn ich begriffen habe, dass ich zwar nicht der Nabel der Welt bin, aber dennoch mit viel Selbstliebe gut zu mir schauen darf und dies nicht vom Rest der Welt erwarte. Wo doch eh alle andern irgendwie damit beschäftigt sind, um sich selbst zu drehen. Ja, dass ich zwar nicht der Nabel der Welt bin, aber trotzdem wertvoll. Dass ich nicht der Nabel der Welt bin, aber auch nicht dessen Gegenteil.

Aufgaben aufgeben?

Am ersten Juni-Sonntag vor einem Jahr, es war der siebte, gebar ich dieses Blog hier. „Gefüllter Becher“ hieß mein erster richtiger Blogeintrag. Die Texte davor hatte ich aus meinem vorherigen Webtagebuch kopiert, das ich schon seit paar Jahren im Wochentakt geführt hatte.

Happy Birthday, murmle ich mir zu. Jahrestage mag ich nämlich. Den Jahresringen eines Baumes ähnlich nehme ich sie zum Anlass hinzuschauen und innezuhalten. Na ja, innehalten tu ich heute schon den ganzen Tag. Wie eine faule Fliege hänge ich rum und lese. Die Hitze, die eine Hitze kurz vor dem Gewitter ist, drückt mich in die Kissen und macht mich apathisch. Eigentlich lockt der kühle Wald. Eigentlich hätte ich eine kleine Wanderung machen wollen. Oder zumindest eine kleine Radtour. Joggen werde ich noch. Vielleicht.

Verrückte Sache irgendwie: Für jene Tage, die ich ganz alleine mit mir verbringe, nehme ich mir oft ganz viel vor. Eine entsprechende Liste liegt auf dem Schreibtisch. Kreative Aufgaben am PC oder Dinge wie „Mal wieder ins Oberland fahren!“ oder „mich bei S. melden“ stehen drauf . Na ja, sich etwas vorzunehmen und es dann doch nicht tun – vielleicht ist ja das die wahre Freiheit?

Oder dies hier:

Doktor Munthe nickte beifällig: „Ich beneide Sie um die Aufgabe, die Sie sich selbst gestellt haben. Der Mensch lebt von den Aufgaben, die er sich selber stellt. Je eher wir erkennen, dass unser Geschick in unserem eigene Kopf liegt, desto besser für uns. Glück können wir nur in uns selbst finden.“

(S. 493; „Der König von Luxor“ von Philipp Vandenberg. Historischer Roman über die Entdeckung des Grabes von Tutenchamun durch Howard Carter. Bastei Lübbe)