Mein Sommernachtstraum

Nachts am See. Schwimmende Wörter. Ungebunden. Ohne Satzzeichen. All die unzähligen Wörter all meiner Geschichten. Der geschriebenen ebenso wie der ungeschriebenen. Die bereits geschriebenen haben sich aus dem Korsett der Sätze herausgepult. Für ein paar Stunden im See. So viele, so viele.

Ich stehe am Ufer und ziehe spielerisch das eine oder andere Wort heraus. Ich halte jedes kurz fest, betrachte es und werfe es anschliessend in den kühlen See zurück. Einige wenige, die mir ihr Einverständnis geben, behalte ich. Sammle. Verdichte. Dichte. Dichte ein. Schichte. Schichte um. Verdichte noch mehr. Werfe noch mehr Wörter in den See zurück.

Endlich ist da nur noch ein einziger Satz. Ein Satz für jede Geschichte, die ich je geschrieben habe, schreibe, schreiben werde. Je ein Satz. Der immer schon da war. Nein, ich habe sie nicht bemerkt, diese Sätze. Sie waren immer schon da. Sind mir immer schon gefolgt. Haben sich an meine Fersen geheftet. Sind mir immer treu geblieben. Immer und immer schon. Endlich haben ich euch gesehen. Schade, dass es so dunkel war. Nachts am See.

Idealerweise vergänglich …

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Das Schöne am Leben ist: Alles ist vergänglich, auch Schwieriges.
Das Schwierige am Leben ist: Alles ist vergänglich auch Schönes.
(Zitat K. R.-W.)

Wie recht sie hat, meine Freundin K.

Und auch Ingo Schulze gebe ich Recht:

Das Ideal wäre, in Echtzeit zu schreiben, also über den Augenblick, den ich gerade erlebe.
(Mehr dazu unter: http://www.federwelt.de/)

Dennoch frage ich mich, ob ich gleichzeitig  erleben, wahrnehmen und unmittelbar darüber schreiben kann … jedenfalls etwas, das sich zu erzählen lohnt …? Interessiert es denn jemanden, was ich genau jetzt wahrnehme? (Beispielsweise, dass mein Po von der Fahrradtour schmerzt und dass ich das Licht anmachen sollte … )

Bleibt Schreiben – und jede andere Form von Ausdruck – letztlich nicht immer ein unvollkommener Versuch, Wahrgenommenes abzubilden um sich selber sichtbar zu machen, darzustellen?

Ist es Leerlauf, Mauldünnschiss oder was, dass jede und jeder über sich reden/schreiben will und muss? Da muss mehr dahinter stecken! Reagieren wir so auf eine gesellschaftliche Leere und Beziehungslosigkeit? Denn als eine der zentralsten Begründungen für dieses Bedürfnis sehe ich, zumindest für mich, den Wunsch danach, verstanden zu werden.

„Hallo, ihr da draussen: Hört ihr mich? Geht es euch auch so, wie ich es hier schreibe (oder singe oder male)? Versteht ihr mich?“

Möglicherweise meint Selbstdarstellung den Beginn eines Dialogs, denn jede Selbstdarstellung hat zwei Seiten. Neben der sich selber sichtbar machenden Person ist da ja auch jene Person, die die Darstellung betrachtet, liest, zur Kenntnis nimmt. Das DU!* Ein zweites wichtiges Bedürfnis hinter der Selbstdarstellung habe ich nun nebenbei erwähnt: Sich sichtbar machen. Möglicherweise anonym oder aber ganz offiziell, mit Namen und allem. Aus dem initiierten Monolg soll durch Resonanz ein Dialog entstehen, denn was nützt die schönste Selbstdarstellung ohne Publikum? (Ja, ich folgere hier, dass Publikum für Resonanz und Dialog steht!)

(Wir) ExhibitionistInnen brauchen Voyeure wie Hühner ihre Eier, auch wenn noch immer nicht klar ist, was zuerst war. Die Betrachtenden sollen der sich selber darstellenden Person rückmelden, dass sie sich in der Darstellung wiedererkennen, sie sollen ihr danken, sie sollen ihr applaudieren! WinWin-Symbiose der besten Art**, da wir alle möglicherweise auch das Bedürfnis haben, andere zu bewundern***? Sag, was mag wohl sonst noch hinter dem Bedürfnis stehen, jemanden, der sich darstellt, zu betrachten? Da ich aus eigenem Erleben beides kenne und praktiziere, kann ich nur von mir aus gehen: Ich will mich im Erleben eines anderen Menschen und im Lesen einer anderen Geschichte wiedererkennen, mich in meiner Art zu leben, zu denken, zu fühlen bestätigt fühlen: „Ich bin normal!“ denken nach dem Lesen, oder: „Ach so! Andere sind als auch so schräg!“

Natürlich lässt sich dieses Thema nicht abschliessend diskutieren, doch die Essenz hinter den Bedürfnissen beider Seiten, oder, um es globaler auszudrücken, das Grundbedürfnis hinter all unserem Tun und Lassen, scheint einmal mehr der Wunsch nach Gemeinschaft zu sein. Nach Beziehung. Nach Anerkennung und Liebe. Oderrr?

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* Person kommt von per sonare, was so viel heisst, das etwas in etwas anderem nachklingt, soniert eben
**   Art = Kunst?!
***
Diesen Aspekt der menschlichen Bedürfnisse und Bedürftigkeiten ins Absurde zu führen, überlasse ich dir selber!

(Selbstzitat: 16.11.08, Internettagebuch)

Den Goldesel oder nicht zu viel Zeit?

Wocheneinkauf. Habe im Quartier-Bioladen D. getroffen. Als ich mit M. zusammen war, war D. bereits eine Weile mit M. zusammen, die im gleichen Haus wie M. wohnt. Die beiden M. wohnen übrigens noch immer in Hausgemeinschaft, aber D. ist nach der Trennung von M. in mein Nachbarquartier gezogen, wo ich schon damals wohnte. Gesehen haben wir uns allerdings schon lange nicht mehr.

Ich freute mich über das unerwartete Wiederzusehen, waren wir doch etwa zwei Jahre lang Wochenend-Nachbarn gewesen. Zwischen Biogemüse und frischem Käse tauschten wir angeregt über unsere aktuellen Lebensumstände aus. Auch über die Jobs. Natürlich. Seine 75%-Stelle werde demnächst auf 70% reduziert. Er wolle sich einen Zusatz-Job suchen.
Warum denn das?, fragte ich. Wegen dem Stutz kann es kaum sein, überlegte ich.
Mir wird die viele Zeit zu lang, gab er zu. Zuvor war er Teil einer Patchwork-Familie gewesen. Und so was ähnliches wie Hauswart. Heute offensichtlich noch immer Single. Logisch, dass da plötzlich viel mehr Zeit zur Verfügung steht, als er es lange Jahre gewohnt war. Ich bekannte, dass ich trotz meiner lächerlichen 60 Stellenprozent tendenziell immer den Eindruck von zu wenig freier Zeit hätte. Oder zu viel zu tun. Zu viele Ideen.

Es gibt zweierlei Menschen, begriff ich auf dem Heimweg. Jene, die leben um zu arbeiten und jene, die arbeiten gehen, um leben zu können. Womit wir uns vermutlich Gedanken zur Definition der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit machen sollten. Doch das überlasse ich gerne euch. Ich jedenfalls gehöre eindeutig zu zweiter Gruppe. Obwohl ich ja in der Freizeit nicht nur abhänge, sondern lebe*, will heissen vielseitig, selbstgewählt und kreativ arbeite. Meine Schreibjobs und so. (Gehöre ich also doch zur ersten Gruppe?)

Tja. So lebe, schreibe, träume, bin ich. Träumen tu ich bisweilen noch immer vom Goldesel. Er hat den Weg zu mir noch immer nicht gefunden.

Haaallooo, Eselchen, hier bin ich! Guck! Hier –  in Bern! (Jaaa, ich liebe meinen Job trotzdem!)

Da kommt mir eine meiner „Voller EinSatz**“-Geschichten in den Sinn, aus denen ich vor einem Dreivierteljahr am Kultur-Event „Zeitverschwendung“ in der Berner Altstadt vorgelesen habe.

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Eselei

Bevor sie einkaufen geht, umrundet sie das Haus, betritt den Pferdestall und nähert sich der Box von Hejoka, ihrem Esel, der, wann immer sie ihm eine Karotte oder einen Apfel hinstreckt, zuerst kurz mit den Ohren zuckt und gleich darauf mit einem lauten Furz eine Ladung Geldstücke scheisst, welche sie sorgsam und mit Gummihandschuhen aufhebt, im Salatsieb abspült, abtrocknet und in ihre Geldbörse steckt, um damit neue Karotten und Äpfel für Hejoka zu kaufen.

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* > ich schreibe, also bin ich …, also lebe ich! 😉
** =  einen Satz lange Kürzestgeschichte

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Im Taxi um die Welt

20. Juni 2009 = Internationaler Flüchtlingstag. DAS Event, wenn du in einem Hilfswerk arbeitest! 🙂 Endlich …

Dass Murphy, der Pannenspezialist, ein naher Cousin 😉 meiner Arbeitskollegin K. ist, mit der ich mich für die erste Schicht am Stand (Einrichten und Standbetreuung) eingeschrieben hatte, wusste ich noch nicht, als ich gestern Vormittag A.s Anruf erhalten hatte. Er hatte sich für eine relativ lange Betreuungsschicht eingetragen hatte und war am Freitag verunfallt. Zwar Bagatelle, doch nicht arbeitsfähig. Puh, der Arme. Doch trotz der Verletzungen hatte er als Ersatz einen anderen Arbeitskollegen gesucht und gefunden, der seine Schicht eine Stunde früher anzutreten versprochen hatte. So weit so gut. Zwar Panne (Nr. 1!) – doch gut gelöst!

Mein Auto, das als Transportfahrzeug für das Standmaterial dienen sollte, hatte am Freitagabend bereits gezickt. Die Lady – nein, fragt bitte weder sie noch mich, wie alt sie ist! – kommt wohl langsam ins Alter, wo nichts mehr selbstverständlich ist! Oder die Gute ist sich neuerdings zu gut für Transporte? Bereits am Freitagabend, als ich mit R. nach M. gefahren bin, um mit anderen zu singen und trommeln, hatte sich mein Sternchen (offiziell Toyota Starlet) erst nach zwei oder drei Anläufen bequemt, ihr Motörchen schnurrend zu starten.

Gestern Morgen nun, als ich mit ihr zum Büro fahren wollte, führten wir ein kurzes, aber ernsthaftes Gespräch. Und siehe da: Sie startete gutmütig. Vor dem Büro fand ich zwar eine Parklücke, allerdings zwanzig Meter entfernt, so dass wir die schweren Kisten ein Stück würden tragen müssen. Nach ein paar Minuten wurde eine Lücke direkt vor meinem Bürofenster frei und ich beschloss, während K. die Sachen durchs Fenster hievte, näher zu fahren. Doch Sternchen war anderer Meinung. Tat keinen Mucks. Ein paar weitere Versuche. Kein Mucks. War (bloss) die Batterie leer und wenn ja, wie hatte das passieren können?

Wir beschlossen schliesslich, ein Taxi zu rufen. War auch nicht viel teurer, als einen Tag im Parkhaus. Der nette Chauffeur half uns sogar beim Ein- und Ausladen. Auch  Panne Nr. 2 gut gelöst!!! Anschliessend schickten wir Murphy in den Himmel. Er hielt sich für den Rest des Tages fern. Zusammen mit den Regenwolken – bestimmt waren sie zusammen unterwegs. Hauptsache sie liessen Bern in Ruhe. Perfektes Marktwetter auf dem Bundesplatz. Nicht schön oder heiss genug, um wegzufahren, doch nicht schlimm genug, um zu Hause zu bleiben.

Bereits als wir den Stand aufstellten, kamen die ersten Kinder und wollten wissen, wie das Geschicklichkeitsspiel, das ich mit einen Kollegen ausgetüftelt hatte, funktionierte. Von da an, war das Spiel praktisch pausenlos in Betrieb.

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Die Standbetreuung war total kurzweilig. Buntes Treiben allerorten. Gerüche. Farben. Menschen von überall. Eine kleine heile Welt auf dem Bundesplatz. So friedlich. So farbig. So vielseitig. So lebendig. Und so menschlich. Natürlich wurde auch mal gezankt, wenn eines der Kinder sich nicht gedulden konnten, bis es endlich an die Reihe kam. Wie freute ich mich, mit dem kleinen kraushaarigen Knirps, als er es das erste Mal alleine geschafft hatte, seine Kugel ins Ziel zu führen. Als Sofort-Preise und Giveaways verteilten wir handförmige Kekse – gebacken und einzelverpackt in einem „unserer“ Programme – um den Leuten gleichsam die Hand zu reichen. Hand in Hand gelingt Integration stand auf der Rückseite. Sogar diese Kleber waren mein Werk. Die anderen machten mir haufenweise Komplimente für die gute Vorbereitung und Organisation. (Puh, wenn ich in etwas untalentiert bin, dann darin, solche Ermutigungen einfach annehmen und geniessen zu können.)

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Meine zweite Schicht begann um zwanzig Uhr. Noch immer waren Himmel und Feststimmung heiter. Und die Musik auf der Bühne gefiel mir je länger je besser. Kurzweilig war es. Wir hatten haufenweise gute Gespräche mit interessierten Standbesuchenden, unterhielten uns mit den Kindern oder beantworteten Fragen zu den kunsthandwerklichen Produkten, die wir verkauften. Die Zeit verging wie im Flug. Abgeräumt war schnell und meine letzte Schichtkollegin war, was ich vorgängig nicht gewusst hatte, mit dem Auto da. Wie praktisch! So mussten wir kein weiteres Taxi ordern.

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Wie müde ich war, als ich endlich wieder in meine Welt zurückkehrte und meine Wohnung betrat! Doch schön war sie gewesen, meine kleine Reise um die ganze Welt. Ach, wie froh ich bin, kein Flüchtling zu sein!, dachte ich, als ich mein Feiernachtbier auf dem Sofa genoss. Wie wunderbar, dass ich ein Zuhause habe. Und ein Auto (das zwar zurzeit nicht fährt.) Und einen Pannenservice. Und eine Arbeitskollegin mit einem Cousin namens Murphy, der auf den Regenwolken in die Ferien reist.

Und den Sommer begrüsst. Und den längsten Tag …

Am Anfang war die Baustelle …

Selbst wenn niemand mitlesen würde, wäre mein Blog ein Ansporn für mich, jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben. Hinzuschauen. Etwas rauszupicken, das meinen Tag zu diesem ganz besonderen Tag gemacht hat, der sich von allen anderen durch seine Einmaligkeit unterscheidet.

Neue Dinge sind bei mir immer mit dem Zauber des Neuen verbunden. Natürlich. Schon Hesse wusste das. Neues kreieren, obwohl es alles schon gibt, liebe ich.

Mein neues Blog ist wie eine neue Wohnung. Da ich schon über zwanzig Mal – bei zwanzig habe ich mit Zählen aufgehört – umgezogen bin, weiss ich, wovon ich spreche. 🙂

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die Baustelle … Kisten stehen herum. Stehen im Weg, werden dreimal umplatziert, bevor ich Zeit habe, sie auszupacken. Ein Bild wird aufgehängt. Abgehängt. Umgehängt. Das Sofa mal da, mal dort hingeschoben. Was ist praktischer? Wie sieht es wohnlicher aus?

So ähnlich richte ich mich in diesem Blog ein. WordPress hat ja sooo viele Angebote fürs Layout – und jedes hat Vor- und Nachteile … ähm, hatten wir das nicht schon mal?

Erchlüpfed auso ned, wenn ich meinem Blog von Zeit zu Zeit ein neues Kleid anziehe. Ich mag Abwechslung … Ich häute mich heute … und  morgen … und immer wieder …

Murphy

Gibt es eigentlich bereits ein Gesetz über die Ballung von Ereignissen? So ähnlich wie Murphys Gesetz, das besagt, dass alles schief gehen wird, das schief gehen kann? Nicht?

Ab sofort führe ich Sofasophias Gesetz  der Gleichzeitigkeit ein. (Mein zweites. Das erste nennt sich Sofasophieparadoxon (Zitat Irgendlink). Alle mal herhören: Alles, was gleichzeitig möglich sein kann, geschieht tatsächlich gleichzeitig.

Womit wir bei der Erkenntnis wären, dass Zeit eh nicht linear tickt und eh alles gleichzeitig ist. Und meine Wahrnehmung und die von mir daraus geschlossene Gesetzmässigkeit deshalb müssig und illusorisch.

Der Countdown „Flüchtlingstag“ läuft. Übermorgen steigt das Fest auf dem Berner Bundesplatz. Mein Büro ist vollgestopft mit Drucksachen, Infomaterial und Verkaufsartikeln, kurz: mit Dingen für unseren Info- und Verkaufsstand.  Seit Monaten habe ich immer wieder für diesen Tag gearbeitet, habe Leute aus unserem Hilfswerk organisiert, Material bestellt, mit einem Kollegen ein Geschicklichkeitsspiel ausgetüftelt und  einen Wettbewerb …

Doch das Nadelöhr ist rund um die Welt immer gleich klein. Selbst bei bester Vorbereitung verdichtet sich kurz vor einem Ereignis alles auf einen einzigen Punkt. Enge. Stau. Die letzten Vorbereitungen. *ächz* Habe ich wirklich an alles gedacht? Ist unsere Aktion gut genug? Werden wir überhaupt StandbesucherInnen haben?  Wird meine Arbeit ein grosser Flop sein? Und das Wetter?

Locker hätten mir meine viereinhalb Arbeitsstunden gereicht, um heute Morgen die vorletzten und letzten Dinge zu nageln. Eigentlich. Womit wir wieder bei erwähnter Ballung wären …  Wenn, wenn, wenn … Wenn nicht gleichzeitig Kollegin A. einen Termin für eine Schulung gewünscht und Kollegin G. einen Termin für eine organisatorische Besprechung gebraucht hätte – subito natürlich … und das Telefon … Und und und …

Nein, es wird nicht perfekt sein,  unser Event. Irgendetwas fehlt immer. Murphy. Vielleicht besser, wenn ich mich jetzt schon auf einen unperfekten Samstag einstelle?

Noch so ein Gesetz: Ich sag nur Fallmaschen!

Alles eine Frage der Definition …

Mein heutiger Zauberspruch:
Ich liebe meinen Job. (… denn wenn ich ihn liebe, geht alles lockerer …)

Sein grosser Vorteil: Er ist unglaublich abwechslungsreich.
Sein grosser Nachteil: Er ist … ja, genau, er ist unglaublich abwechslungsreich.

Meine heutige To do-Liste, wuchs mit jeder erledigten Pendenz:

  • Ich habe mit meinem Scheff über die Probleme mit einem Mitarbeiter diskutiert, über Loyalität und Solidarität in einer Arbeitsgemeinschaft. Über allfällige Lösungen. Mich dabei an der Klarheit meines Scheffs gefreut. Und an seiner Haltung mir gegenüber.
  • Anschliessend habe ich mitentschieden, dass wir mit dem auf Januar 2010 projektierten Büro-Umzug zuwarten.
  • Ich habe zwischen den vorvorletzten Vorbereitungen für den Flüchtlingstag am Samstag, für dessen Stand unseres Hilfswerks ich verantwortlich bin, die Buchhaltung eines neustrukturierten Programmteiles übernommen. Und da mal erst ziemlich aufräumen müssen. Gestaunt darüber, wie chaotisch Buchhaltung gemacht werden und dass sie trotzdem aufgehen kann.
  • Dann bereits das nächste Event in Angriff genommen. Mit P., einem Mitarbeiter, die mantschigen Hirne geschüttelt … Ob ich mich so langsam zur internen Eventmanagerin entwickle? Na ja.
  • Schliesslich kam noch ein IT-Auftrag herein, ein kleines Update an allen sieben PC unserer Gemeinschaft zu veranlassen – im Auftrag der Zentrale.
  • Dass ich daneben noch zig Mails geschrieben, kiloweise Post verarbeitet, tausend Telefonanrufe entgegen genommen und ein paar Feuerchen gelöscht habe, ist nicht weiter erwähnenswert. Das ist eben mein achsoabwechslungsreicher Job … *grmpf*

Was ich sagen will? Manchmal staune ich, wie unglaublich viel und auf wie unglaublich vielen Schienen wir funktionieren … können.

Wie lange? Diese Dauerlast ist ja so was von unnatürlich. Und doch … Es ist jene Form, in die wir hineingewachsen, oder wohl besser, auf die wir nach und nach zurechtgestutzt worden sind. Wie bin ich deshalb froh, dass wir in unserer Bürogemeinschaft noch immer Menschen geblieben sind. Dass Witzeln und persönlicher Austausch Platz hat. Dass wir Menschen noch Menschen sein können.

Ein Satz von P. klang lange nach: „… vielleicht bist du zu nett?“ Nicht das erste Mal gehört. Dabei gedacht: Was, wenn es keine netten Menschen mehr gäbe? Was wenn dem Wort ’nett‘ dieser süffisante Unterton wieder abhanden käme? Ich finde es in der Tag bedauerlich – oder sogar besorgniserregend! –, dass nett und gut zu sein heute diesen Touch von negativ und naiv an sich haben.

Alles eine Frage der Definition? Wo fängt Nettigkeit, Güte, Moral an? Wer definiert sie? Words hauseigene Auswahl der Synonyme von Moral lautet so: Disziplin, Sitte, Verantwortungsbewusstsein, Sittlichkeit, Verantwortlichkeitsgefühl, Ethik, Ethos, anständiges Verhalten.

Na toll, ist ja alles gar nicht so negativ, wie uns das Wort „Moral“ suggerieren will! Finde ich. Der Vorwurf des erwähnten Mitarbeiters war, dass ich moralische Untertöne drauf hätte, wenn ich ihn auf das eine oder andere (Versäumnis) aufmerksam machte. Wenn ich ihn, wie neulich zum Beispiel, daran erinnerte, dass er – aus Solidarität! – für einen Ausfall in einer bestimmten Angelegenheit, wo wir mit seinem Einsatz fest gerechnet hatten, einen Vertreter oder eine Vertreterin suchen solle. Was für mich selbstverständlich ist, ist es eben für andere nicht. Womit wir wieder bei der Frage der Definition wären.

Tja, diese Fallmaschen im perfekten Ablauf, die ich neulich beschrieb! Die Fallmaschen, die das Leben lebendig machen. Die uns von Maschinen unterscheidet. Obwohl auch die so ihre Fallmaschen haben.

so schön!

Donnerstag, 4. Juni 2009

Pfingstmontag ist Vergangenheit. Unser Schreibmarathon war genial! So was Inspirierendes habe ich schon lange nicht mehr erlebt und gemacht! Die Idee stammt aus dem Buch „Writing to the Bones“ von Natalie Goldberg, die, so viel ich weiss, neben der Schreibarbeit auch therapeutisch und schamanisch arbeitet.

Schreibmarathon – das heisst Schreibenschreibenschreiben in der Gruppe. Die erste Runde zehn Minuten lang (mit per Los gezogenem Thema oder ohne). Dann lesen alle einander ihre Schreibe vor. Ganz wichtig: Keinerlei Kommentare abgeben!!! Wieder schreiben (allenfalls unter Bezugnahme auf Themen der anderen), diesmal eine Viertelstunde. Und wieder vorlesen. Und wieder schreiben und vorlesen. Usw. Die Schreibsequenzen werden jedes Mal ein bisschen länger. Da kommt der Flow!!! Ist bisschen wie Tanzen. Geil! Vor allem, weil es auch mal schräg sein darf, das Schreiben, unperfekt. Kreativ. Lebendig.

Heute auf dem Weg zur Arbeit gedacht: Das Leben ist doch nur spannend wegen der Fallmaschen. Wir sind zwar alles Ästheten und Ästhetinnen und lieben Schönes. Doch wenn alles immer perfekt und wunderschön wäre, puh!, was wäre das Leben langweilig!

Es sind in einem Gesicht ja gerade die winzigen Asymmetrien, die es lebendig machen. Jedenfalls in den Gesichtern der anderen. Bei uns selber sollte natürlich alles schön sein, perfekt, ästhetisch.

Auf dem Weg von der Post ins Büro habe ich mir alle möglichen Menschen angeschaut. Alle wollen den äusseren Eindruck von Schönheit, Harmonie und „Ich habe das Leben im Griff“ vermitteln. Alle. Ich auch.

Und doch: Wie langweilig es wäre, wenn alles immer aufginge. Wenn wir wirklich immer alles im Griff hätten. Wenn es keine Fallmaschen gäbe. Wie schnell es mich langweilen würde, wenn ich immer die Lücke zwischen zwei Autos erwischen würde, um die Strassenseite zu wechseln. Zum Beispiel. Oder wenn mein MP3-Player immer jenes Stück anwählen würde, das ich jetzt am liebsten hören möchte. Oder immer alles so wäre, wie ich es mir wünsche. Wie ich es will. Wie ich es möchte. Falls ich das überhaupt weiss. Oft genug weiss ich ganz und gar nicht, was ich will. Dann tu ich so, als ob das, was ich gerade tue, das wäre, was ich will.

So schönen wir uns die Welt zusammen. Ohne Nachhilfe und ein bisschen die Augen zukneifen, wäre das Leben nur schwer zu ertragen. Manchmal. In genau diesen Augenblicken wünsche ich mir meine Unschuld zurück. In jeder Beziehung. IN JEDER!

Die Natur der Dinge

Sonn(en)tag, 24. Mai 2009

Nichts ist inspirierender, als durch die Natur zu gehen. Die Geräuschkulisse lässt meine Gedanken drunter und drüber purzeln. Geschichten werden gezeugt und Probleme gelöst … das Leben scheint einfach und ich unverwundbar, stark und kreativ.

Seit Tagen grüble ich über den Schädling und den Nützling Mensch nach und frage mich …

  • Wo sind die Grenzen zwischen gesund und krank?
  • Wo sind die Grenzen zwischen gut und böse?
  • Wer definiert sie?
  • Wem nützt die Moral?
  • Wo sind die Grenzen zwischen schädlich und nützlich?
  • Wie verhalten wir uns, wenn jemand die von uns definierten Grenzen überschreitet?
  • Wie verhalten wir uns, wenn jemand nicht begreift, dass er uns geschadet hat?
  • Braucht es Gesetze und wenn ja, wozu? Und wenn ja, wer sagt dieses JA?

Doch die alles entscheidenden Fragen lauten:

  • Wie gehen wir mit Angst und Schmerz um?
  • Wo finden wir Trost? Will heissen: Was tun wir für unsere Psychohygiene?