Nachts am See. Schwimmende Wörter. Ungebunden. Ohne Satzzeichen. All die unzähligen Wörter all meiner Geschichten. Der geschriebenen ebenso wie der ungeschriebenen. Die bereits geschriebenen haben sich aus dem Korsett der Sätze herausgepult. Für ein paar Stunden im See. So viele, so viele.
Ich stehe am Ufer und ziehe spielerisch das eine oder andere Wort heraus. Ich halte jedes kurz fest, betrachte es und werfe es anschliessend in den kühlen See zurück. Einige wenige, die mir ihr Einverständnis geben, behalte ich. Sammle. Verdichte. Dichte. Dichte ein. Schichte. Schichte um. Verdichte noch mehr. Werfe noch mehr Wörter in den See zurück.
Endlich ist da nur noch ein einziger Satz. Ein Satz für jede Geschichte, die ich je geschrieben habe, schreibe, schreiben werde. Je ein Satz. Der immer schon da war. Nein, ich habe sie nicht bemerkt, diese Sätze. Sie waren immer schon da. Sind mir immer schon gefolgt. Haben sich an meine Fersen geheftet. Sind mir immer treu geblieben. Immer und immer schon. Endlich haben ich euch gesehen. Schade, dass es so dunkel war. Nachts am See.
So geht es mir manchmal, wenn ich schwimme… die Wörter schwimmen durch mich hindurch. Und oft weiss ich nach dem meditativen, quasi denkfreien Schwimmen am Schluss einen Titel für eine Geschichte, einen wichtigen Satz für einen Text. Den ich gar nicht gesucht habe. Wer denkt denn da? Ist das überhaupt noch denken? Jedenfalls geschieht es ohne die leiseste Anstrengung – wie von alleine.
Und doch – wenn ichs dann aufschreibe, ist es schon „second hand“…eine sekunde zu spät. Auch wenn die Worte gut und stimmig sind. Es bleiben eben Worte auch wenn sie frisch gebadet auf mich zuschwimmen.
HG, R.
liebe R.
ja, genau … im Wörtersee schwimmen. dieses finden ohne zu suchen, diese sternstunden – ich liebe sie. und ich weiss, dass ich sie nicht „machen“ kann. durch diesen traum habe ich genau das wieder begriffen.
lg 🙂
…im Wörthersee, ja genau, jetzt wissen wir doch auch, dass andere in Kärnten diese Erfahrung auch schon machten…