Neue Fallmaschen 91 | 2021

erlebt | Des Liebsten Mama hat sich gestern Mittag bei Gartenarbeiten schwer die linke Hand verletzt. Ein Fall für den Notfall. Mit Nähen und allem. Mit dickem Verband kommt sie mit dem Liebsten zurück nach Hause die Arme. Wir stehen erzählend vor dem Haus. In den Blumenrabatten davor entdecke ich paar Blümchen noch ungepflanzt in ihren Töpfchen herumstehen. Ich bücke mich, frage, ob ich sie setzen darf. Sie freut sich, sagt ja und schon wühle ich mit den Händen in der Erde. Wie sehr ich das liebe!

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getan | Später, es ist früher Abend, entzünden wir ein Feuer. Der Liebste mag es sehr, seine Feuer mit einem einzigen Streichholz und ohne Papier zu entfachen. Dazu braucht es am Anfang ein bisschen Feinarbeit. Und Übung. Feines dürres Laub und Gras eignen sich durchaus als Zunder. Es ist spannender als jeder Krimi: Fangen die dünnen Zweiglein Feuer? Springt der Funke? Jaaa, und wie! Nach und nach legen wir dickeres Holz nach. Und irgendwann dürfen die Kartoffeln in die Glut. Und irgendwann holen wir sie wieder heraus. Wie gut sie schmecken!

Das Feuer in der Feuerschale, mein Schatten und ich
Das Feuer in der Feuerschale und mein Schatten und ich
Sonnenuntergang, Bäume, Scheune und das Feuer im Vordergrund
Die Sonne geht unter und das Feuer auf

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entdeckt  | Neulich ging in den Sozialen Medien – besonders auf Twitter und in der Blogosphäre – ein Aufschrei durch die Reihen: WordPress hat den klassischen Editor versteckt und angedroht, ihn innerhalb der Apps sogar ganz abzuschaffen. Für Leute, die gern mit dem klassischen Editor arbeiten, gibt es Abhilfe. Hoffentlich dauerhaft. Es braucht ein einziges Häckchen in den Einstellungen, um wieder eher unkompliziert auf dem klassischen Dashboard landen zu können:

Ruf dazu im Browser dein Blog auf und klicke im Menü auf dein Icon oben rechts. Du landest im neuen Dashboard. Öffne nun die Seite Einstellungen und scrolle nach unten. Dort aktivierst du den Button unter Dashboard-Design ’Erweiterte Dashoard-Seiten anzeigen’. Speichern nicht vergessen!

Wenn du dich jetzt zukünftig mit https://DeineSeite.wordpress.com/wp-admin/edit.php anmeldest, erscheint wieder das klassische Dashboard.

Der Schalter ’Erstellen’ lässt dir die Wahl zwischen Block-Editor und Klassischer Editor:

Hoffentlich wird uns diese letzte klassische Möglichkeit des Bloggens nicht auch noch genommen!

Neue Fallmaschen 75 | 2021

entdeckt | Glumm setzt endlich um, wovon er schon so lange redete, schrieb und gewiss auch träumte. Das eigene Buch wird Wirklichkeit. Ich freue mich riesig mit ihm mit, denn er ist einer jener bloggenden Schriftsteller:innen, deren Texte ich wirklich immer sehr sehr gern lese. Dass die Gräfin Bilder beisteuert, ist für mich das Tüpfchen auf dem I.

Es sind oft solche persönlichen Dinge, die zurzeit meine Tage erhellen.

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gefunden | Manchmal benutze ich ja mein Blog als externes Gedächtnis. Wann war gleich noch? Dabei stieß ich heute Morgen zwar nicht aufs Gesuchte, dafür auf einen Artikel, den ich sehr gern wieder gelesen habe. Es geht um Haben und Sein, oder besser um Machen und Sein.

Darin kommt diese Geschichte vom Fischer vor, der – ich zitiere – gemütlich seiner Arbeit nachgeht, bis ihn eines Tages ein Manager, der zufällig in der Gegend auftaucht, auf die Sinnlosigkeit seines Tuns anspricht.
Du hättest etwas machen können aus deinem Leben, sagt er. Du hättest ein Geschäft aufbauen, viel Geld verdienen und zur Seite legen können. Du wärst heute ein freier, reicher Mann und hättest jetzt viel freie Zeit. Du könntest tun und lassen, was du willst!
Was sollte ich denn mit meiner Freizeit schon anfangen?, fragt der Fischer. Der Manager überlegt lange hin und her und auf einmal hellt sich sein Gesicht auf.
Wie wäre es mit fischen?, schlägt er vor.
Quelle: machen-oder-sein

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gelesen | Da ist übrigens noch ein anderer Blogger, der eine lang gehegte Idee in die Wirklichkeit holt und an einem Blogbuch arbeitet. Irgendlink schreibt an seinem horizontal-vertikal-zirkulativen Circulum Verticalis-Projekt und ich darf ihm dabei still und leise über die Schultern gucken. Ich staune und freue mich, was da im stillen Kämmerchen entsteht.

Neue Fallmaschen 69 | 2021

spinntisiert | Wenn der Liebste und ich auf dem Hof herumwuseln und etwas Handwerkliches (er)schaffen – etwas reparieren zum Beispiel –, brauchen wir Werkzeuge. Zugegeben, irgendwann habe ich aufgegeben, selbst nach den Dingen zu suchen. Sie sind eh immer wieder woanders. Nein, es ist kein Chaos, aber die Dinge wandern. Selbst Baumeister Irgendlink weiß oft nicht, wohin der Hammer diesmal gewandert ist. Und wo ist bitteschön der Pinselreiniger?

Wir spinntisieren darüber, ob die Wanderung der Dinge ein Problem ist, das einer Lösung bedarf, oder ob es gut ist, wie es ist. Ob die Suche nach dem einen notwendigen Werkzeug, welche durch eine konsequente Ordnung vermeidbar gewesen wäre, Lebenszeitverschwendung ist oder ein entschleunigendes Antidot gegen übertriebene Effizienz.

Und ist Warten denn statt Lebenszeitverlust nicht vielmehr ein unerwartetes Geschenk, frei verfügbare Zeit?

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geträumt | Im Traum waren wir in einer Stadt unterwegs, als Irgendlink einfiel, dass er noch etwas aus dem einen Laden brauchte. Da fielen mir auch noch einige Dinge ein, die ich brauchte und so bot ich an, für uns beide einkaufen zu gehen, während er draußen wartete. (Einkaufen, die Covid-Edition.)

Im Laden war zum Glück wenig los, so dass ich einen Angestellten fragte, wo XYZ, das Irgendlink brauchte, zu finden sei. Er zeigte es mir. Danach suchte ich meine Dinge zusammen und ging mit meinen Schätzen Richtung Kasse. An der Kasse schaute ich meine Dinge genauer an und sah, dass das für Irgendlink gekaufte Dingsi – womöglich durch mein Aufs-Band-Legen? –  kaputt war. Ich bat die Angestellte an der Kasse, mir ein anderes, nicht kaputtes zu holen, da im Regal keine weiteren Dingsis mehr gewesen waren. Also holte sie im Lager ein neues, funktionierendes Dingsi. Ein Einkuf also mit einigem Hin-und-Her.

Inzwischen hatte sich der Laden gefüllt und die Menschen standen in einer lange Schlange an. Zwar anständig und mit Abstand, doch mir war das alles furchtbar unangenehm. Nur, weil ich dieses Dingsi gekauft, nur weil Irgendlink dieses Dingsi gebraucht hatte, verloren x Menschen y Minuten Lebenszeit.

Da capo al fine.

Neue Fallmaschen 62 | 2021

dies gelesen | Frau Larapalara denkt nach über Sartres Hölle.
»Die Problematik sah er wesentlich im Blick des anderen. Denn der Blick des anderen objektiviert mich, indem er mich so sieht, wie ich bin, wie ich mich aber niemals sehen werde. Die Hölle ist die Erfahrung der Scham, die durch den Blick des anderen hervorgerufen wird, die Erfahrung des meiner Selbst als ein Für andere. Der Konflikt liegt in der eigenen Abhängigkeit von der Freiheit des anderen, mich zum Objekt zu degradieren und als Mittel für Zwecke zu benutzen, die mir nicht bekannt sind. […]
Wer jemanden fotografiert, sieht ihn so, wie er sich selber niemals sieht. Der Fotografierende erfährt etwas, was der andere von sich selbst niemals erfährt. Das Fotografieren verwandelt Menschen in Objekte, die man symbolisch besitzen kann.«
Quelle: larapalara.wordpress.com

das gedacht | Wenn ich diesen Text in meinem Blog pingbacke, ist das nicht auch irgendwie eine objektivierende und besitzergreifende oder zumindest besitzenwollende Handlung?
Wie verhält es sich mit dem Teilen von Inhalten im Internet? Wie viel Identifikation mit oder Berührtheit durch nicht von uns selbst erstelltem Inhalt braucht es, bis wir etwas teilen?

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dies gelesen | In Solminores neuem Blog geht es  umd das Weglaufen. Darüber, das Haus zu verlassen ohne zurückzuschauen. Ausgehend von Peter Stamms Roman Weit über das Land fragt er sich, was wäre, wenn.

das gedacht | Und – was wäre, wenn? Bei mir? Und bei dir?

Neue Fallmaschen 57 | 2021

herausgefunden | Zuerst dachte ich ja, ich finde den richtigen Autolack-Blauton, um die kleine Beule am Autochen zu kaschieren per Auge. Einfach so, in dem ich im Internet Farben angucke.

Dass es innerhalb einer Automarke sooo viele Blautöne gibt, hätte ich nicht erwartet. Pre-beulede Autos sind praktischer in der Handhabung, meinte der Liebste neulich, da spiele eine Beule mehr oder weniger keine Rolle mehr. Stimmt. Aber da mein Citrönli ansonsten ein unverbeultes Anlitz hat, soll es wieder so werden.

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geappt | Heute habe ich uns ein GIF gebastelt. (Mirror Lap-App und GIMP)

Neue Fallmaschen 56 | 2021

zugehört | Meine Freundin Talitha hat mit ihrer Mutter Ruth einen Podcast gestartet. Gespräche über das Mutter-und-Tochter-Sein. Persönlich, sensibel, bärndütsch.

»Unsere gemeinsame Geschichte beginnt im Jahre 1981. Ruth träumte, sie habe ein Baby in England im Abfall gefunden. Kurz darauf brach sie als junge Aupair nach Manchester auf … wie wir uns schlussendlich fanden, zusammen durch die Hölle gingen und unsere Beziehung durch viele Gespräche stets pflegten, erfährst du, wenn du dir unseren Podcast anhörst.«

[Hier lang.]

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gelesen und nachgedacht | Manche sagen und schreiben, die Welt sei klein geworden. Da ist diese Aussage über eine als geschrumpft wahrgenommene Welt, doch was mein dieses Klein eigentlich? Wir konnotieren es spontan mit beengend, langweilig, nicht erstrebenswert.

Möglicherweise könnten wir es, umständehalber, neu mit Begriffen wie natürlicher (als groß), überschaubar, wohltuend, entschleunigt füllen? Nur so als Versuch? Weil sich die Umstände gerade nicht ändern lassen und weil dieses Klein vermutlich, wenn wir auch die Klimakrise ernst nehmen, mehr und mehr Teil unserers zukünftigen Alltags wird? Und weil es uns vielleicht dabei hülfe, uns nicht so hilflos zu fühlen?

Vielleicht ist ja Weniger das neue Viel und Klein das neue Groß (mal abgesehen davon, dass ich diesen Spruch nicht mag).

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entdeckt | Ich habe auf meinem Android-Tablet eine Bildbearbeitungsapp installiert, die süchtig macht (Mirror Lab) und mega entspannt. Wieder einmal zu appen tut gut und bringt den Kopf zur Ruhe.

Buntes Bild mit Wiederholungen in den Farben hellgrün, blau, braun und gelb.
Moos unter Mikroskop, künstlerisch bearbeitet

Neue Fallmaschen 55 | 2021

Eine neue Rubrik ist geboren. Unter Neue Fallmaschen mixe ich (un)regelmäßig Entdecktes, Aufgefallenes, Wahrgenommenes, Gedachtes, Gefühltes, Ärgernisse, Freuden, Bestrickendes, Heruntergefallenes, Aus- und Aufgelesenes.

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gedacht | In einer idealen Welt hätten wir Menschen kollektiv und solidarisch beschlossen, uns alle für fünf Wochen zu isolieren und so das Virus auszuhungern. Den Menschen, die kein Zuhause haben, hätten wir unkompliziert Räume in Hotels zur Verfügung gestellt.

In einer alles andere als idealen Welt brauchen wir Bestimmungen und finden es je länger je schlimmer, wegen ebendieser Bestimmungen ein langfristig eingeschränktes Leben führen zu müssen, um jenen kleinen, besonders anfälligen, gefährdeten, verletzlichen Teil der Menschheit zu schützen.

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aufgeschnappt | Bei HEKS Schweiz fällt mir das Wort Herdensolidarität sehr positiv auf und regt zum Träumen an.

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gefühlt und erinnert | Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliffener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

(Selbstzitat. Quelle: sofasophia.blogda.ch)

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ausgelesen | Tove Ditlevsens ersten Teil der Trilogie Kindheit, Jugend und Abhängigkeit. Eine Kindheit, die in vielem – trotz einem halben Jahrhundert Abstand – meiner ähnelt im Gefühl des Sich-selbst-Fremdseins.


(Durchnummeriert wird mit der Zahl der gelebten Tage des jeweiligen Jahres.)