Ich sitze in der alten, beinahe leeren Wohnung am eingebauten Küchentisch. Elf Uhr vormittags. Zeit, mal etwas zu essen. Am besten an der Sonne. Schon viel ist getan. Wäsche gewaschen und gefaltet. Schraub- und Nagellöcher gespachtelt. Und eben drehen meine Vorhänge ihre Runden in der Waschmaschine. Reinigung als wirkungsvolles Loslassritual – noch nie habe ich es so stark erlebt.
Den Winter loslassen zum Beispiel, während die Frühlingssonne kräftig die Zimmer flutet. Und Erlebnisse, die ich hier gemacht habe, Revue passieren lassen. Einordnen. Dankbar integrieren und, ja, auch sie: loslassen.
Putzen tu ich nicht ungern. Putzen fällt mir leicht, weil ich es mag, wenn es sauber ist hinterher. Zu viel Dreck macht mich nervös. Putzen ist sowohl ein grobstofflicher Prozess als auch einer, der in die Tiefe geht, begreife ich mal wieder.
Wie ich mich gestern mit dem Staubsauger durchs Haus arbeitete, sang ich vor mich hin und ließ all jene Energien, die ich mit in diese Räume gebracht habe, frei. Erinnerte mich, wie ich vor einem Jahr alle Zimmer geräuchert und die früheren Energien entlassen hatte, um Platz für meine zu schaffen.
Ich schließe den Kreis. Ein neuer Jahresring manifestiert und schichtet sich. Erzählt ein paar Geschichten eines Lebens. Alltags(ge)schichten.
Und jetzt: Weitergehen. Den neuen Kreis betreten.
Der Große Umzug
Spätabends an Irgendlinks Ofen. Der Tag danach.
War das ein schöner Umzug! Schön? Nein, normalerweise assoziieren wir mit Umzug eher Adjektive wie stressig, anstrengend und so weiter. Schön ist aber möglich. Schön neben anstrengend. Das auch, ja.
Noch auf der Fahrt spürte ich mich im engen Trichter der Zeit verkeilt und langsam, von einer geheimnisvollen Schwerkraft gezogen, dem engsten Punkt näher kommend.
Im Konvoi mit Irgendlink fahren war eine verrückte Erfahrung. Das letzte Mal Konvoi gefahren bin ich vor etwa fünfzehn Jahren, erinnere ich mich unterwegs, denn die Gedanken können abschweifen. Denken übernimmt für einmal J. für uns zwei, da er eh das absolute geografische Gedächtnis hat. Ich schweife also ab zu jener Fahrt im Konvoi. Mit drei anderen Fahrzeugen. Alle voller Freunde jenes schamanischen Kreises, in dem ich damals verkehrte. Deutsche, SpanierInnen, ein ecuadorianischer Schamane, mein damaliger Partner und ich. In Vierstundenschichten lösten wir uns ab, fuhren von Südspanien in ca. vierundzwanzig Stunden nach Frankreich bei Genf. Mein Sekundenschlaf beförderte uns zum Glück nur in den flachen Straßengraben, aber ein Schock war es dennoch, nachts um drei mit einem Auto voller Menschen vom Kurs abzukommen. So sinne ich vor mich hin, während ich Irgendlinks Überholmanövern folge.
Was wohl einfacher ist? Folgen oder führen? Der vorne, bei uns J., muss wissen, wohin er will und wie er dorthin kommt, sinniere ich. Der oder die hintere oder hinteren haben alle Freiheiten von Followern. Entscheidend ist: Folge ich blind oder weil ich vertraue? Es braucht die Herdentierchen, denn nicht alle können und nicht alle wollen führen. Doch auch wer folgt, trägt Verantwortung. Für sich und für das, was er oder sie tut.
Am Rheinfelder Zoll scheiden sich die Geister. MIt der Gepäckliste in der Hand muss ich zuerst links am Schweizer Schalter die Einfuhr deklarieren, dann rechts, am deutschen Schalter, die Ausfuhr abstempeln lassen, um dann wieder am ersten Schalter, die Erlaubnis zur Weiterfahrt entgegen zu nehmen. So weit so gut. Die Völkerverständigung klappt gut. Alle wuseln an ihren Schreibtischen, stempeln dies und jenes ab und stapeln hoch. Ameisenhaufen. Zahnrädiges Getriebe. Ich sage Merci vielmol und wir können weiterfahren. Eine halbe Stunde verbummelt.
Da wir Landstraßen fahren, um die Autobahngebühren zu sparen, kommen wir eine Viertelstunde zu spät bei meiner neuen Wohnung an. Als wäre ein roter Teppich ausgerollt, stehen meine Freundinnen M.(2)*, T.* und U.*, sowie Freund P.* bereit. Ich umarme sie alle und muss fast weinen. Sentimentaler Sack, der ich bin!
T. und P. haben Apfelkuchen dabei und ein Willkommenschild an die Türe geklebt. Auch Freundin M.(1)* kommt kurz, bevor sie weiter muss. Wegen J. ganz besonders – zum Adieu sagen und eine gute Reise wünschen. Wie schön! Auch schön, dass Bruder U. doch kommt und mithilft und schon fährt auch Feundin L.(1)* vor. Jippie! Was J.* und Kollege T.* fast drei Stunden lang feinsäuberlich, akribisch ausgetüftelt und bestimmt sehr mühsam ins Auto geschichtet haben, ist in einer lockeren Stunde oder noch schneller ausgeladen und in die Räume verteilt. Der Gartensitzplatz ist unwiderstehlich, T.s Apfelkuchen erst recht.
Wie schön! Echt wahr. Schön ist, wenn sich Freundinnen und Freunde, die sich nicht oder nur vom Hörensagen kennen, begegnen. Schnell war der Smalltalk vorbei und wir sanken tiefer, entdeckten Verknüpfungen und genoßen das Sein und die Sonne. Wie schön, inmitten von Menschen zu sitzen, mit denen ich schon so viel erlebt habe.
Später, allein, stellen wir nur das essentiell Wichtige auf. Bett und Tisch. Essen Brot und Salz – von Freundin U. mitgebracht. Alle haben sich freiwillig zum Helfen angeboten, sage ich zu J., vielleicht liegt da der Schlüssel zu diesem friedlichen Miteinander.
Heute hat J. alle fragmentierten Möbel defragmentiert und an die neuen Plätze gestellt, während ich in der Küche herumwuselte, einkaufte und mich auf Gemeide und Arbeitsamt anmeldete. Muss ja auch sein.
Mit einem feinen Risotto bei T. und P. gestärkt, fuhren wir heim. Vom einen Trichter, aus dem ich bei der Ankunft in W. weichgepresst herausgepurzelt bin, bin ich auf der Heimfahrt nach Z. in den nächsten gefallen.
Der nächste Countdown. Nächsten Dienstag – so unser Plan – machen wir uns auf die Reisen. Nach Norden und nach Süden.
Was bin ich müde. Und dankbar. Glücklich. Und traurig. Ich hasse Abschiede. Aber ich liebe Neuanfänge.
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* siehe „Who is Who“
Der kleine Umzug
Was ein Tag! So müde war ich schon lange nicht mehr. Erwacht nach knapp fünf Stunden Schlaf. Zu wach um wiedereinzuschlafen, zu müde um aufzustehen.
Unsere letzte Nacht in der Künstlerinnenhöhle. Morgen schlafen wir in der neuen Wohnung – kaum vorstellbar!
Doch heute, hier und jetzt ackern wir zielstrebig vor uns hin. Irgendlink hat sich in den Kopf gesetzt, die – einen Winter lang – vernachläßigte Künstlerbude aufzuhübschen. Er rennt mit Sauger und Schrubber durch die Gegend, während ich bei mir die Küche und das Schlafzimmer in Kisten verpacke.
Fragmemtieren. Ich zerlege mein Leben in fassbare Einzelteile, die sich heben, tragen, verstauen lassen. Bruchstücke. Treibgut meines Lebens.
Als Kollege T. um achtzehn Uhr auftaucht, sind wir noch lange nicht fertig. Irgendlink zerlegt eben meinen Schreibtisch und ich verpacke Tassen und Teller. Mein Kopf raucht und ich hege leicht panische Gefühle, denn der Umzugwagen ist kleiner als gedacht. Wird der Platz für alles reichen?
Trotz Irgendlinks genialer Packtechnik kommen wir schließlich nicht darum herum, seinen Wagen ebenfalls mit Kisten zu beladen. Seins sei größer als meins, sagt er.
So viel habe ich doch gar nicht!, sage ich zu den beiden Männern. Dennoch viel. Relativ viel. All die einzelnen Teilchen, die sich wie Sedimentgestein in meinem Leben abgelagert haben, bereichern mein Leben einfach dadurch, dass sie da sind.
Für andere sind es Kram, Kleinkram, Wertlosigkeiten – für mich kostbar. Der Geschichten wegen, selbst wenn ich sie vergessen habe.
Nun ist die Wohnung leer bis auf den Kühlschrank. Feierabend. Feuerabend. In der Künstlerbude wird es langsam warm – nicht nur direkt vor dem Ofen – und das frisch bezogene Bett ruft.
Nein, das ist definitiv kein literarisch oder philosophisch anspruchsvoller Artikel. Egal. Alltag ist nicht immer anspruchsvoll.
Meine Füße melden, dass der Tag sehr wohl sehr anspruchsvoll war. Mein Rücken nickt zustimmend und summt ein Gutnachtlied.
Pflicht und Kür
Schon seit Stunden sitze ich am Laptop. Erledige, was zu tun ist. Nebenan wartet die Küche auf mich. Küche in Kisten verpacken ist nicht mein Liebstes. Meine Stunden in dieser Wohnung sind gezählt. Am Mittwoch fahren wir mit dem Umzugwagen in die Schweiz.
Ja doch, flüstere ich mir zu, die Zeit wird reichen.
Aber laut sage ich: Die Zeit wird knapp. Viel zu oft.
Die Zeit ist ein Trichter. Ein immer enger werdender Trichter.
Zeit ist immer. Wir setzen uns Grenzen selbst. Durch Termine. Pläne erfüllen sich. Oder auch nicht.
Die letzten Tage in Mainz hallen nach. Ich lese in meinem iPhone-Notizbuch; „Wie präsentiere ich Kunst? Heißt das nicht eigentlich: Wie locke ich Menschen an?
Konkret: Wo stelle ich den Tisch hin? Welches Bild hängt wo? Was zieht?
Menschen kommen und gehen. Die einen spülen ganz von allein in die Koje. Und eben so einfach wieder raus. Andere brauchen ein einladendes Lächeln, um die unsichtbare Schwelle zu überschreiten. Dritte werden von einem ganz bestimmten Bild in die Koje gezogen. Gesogen sozusagen. Wieder andere meinen Photoshop und Konsorten zu erkennen. Sie ziehen Parallelen und wollen erzählen. Dann gibt es Standbesuchende, die grundsätzlich in jede Koje kurz eintreten, um alles gesehen, nichts verpasst zu haben. Und schließlich sind da noch die, die Prospekte und Gratiskarten sammeln – wozu auch immer? Habe ich jemanden vergessen?
Allen gemein ist, dass alle ganz und gar verschieden sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Während die einen lieber unbeachtet sein wollen, brauchen andere ein Lächeln, einen grüßenden Blick oder ein Wort. Gut hinspüren, Lachen und Lächeln sind Magie pur.“
Gestern Mittag fuhr ich für ein paar Stunden nach Wiesbaden. Im Frauenmuseum war die Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung von Cambra Skadés neuem Buch. Die Frage, wie sich ein Buch, dazu ein Blog-Buch, überhaupt ausstellen lässt, wurde auf sehr überraschende Weise beantwortet. Doch da lasse ich wohl besser die Bilder sprechen … (((Die Ausstellung dauert übrigens noch bis Ende Oktober. Hingehen lohnt sich!)))

(((durch Anklicken werden alle Bilder größer …)))
Viele der im Buch abgebildeten Szenenbilder hat Cambra auch gleich mit ausgestellt, was dem Ausstellungsraum Tiefe und Heiterkeit verlieh.


Gleich zu Anfang fand im Erdgeschoss nach einer tiefsinnig-heiteren Laudatio, umrahmt von den Herzgesängen einer begnadeten Musikantin, eine szenische Einführung von Cambra und zwei Freundinnen statt. Sehr stimmungsvoll und sehr stimmig. Alltag-Magie-Schamanismus-Kunst. Alles verbunden. Ohne Punkt und ohne Komma. Alles gehört zusammen.
Das Summen der mehr als hundert Frauen- und wenigen Männerstimmen vor der Veranstaltung wirkte auf mich, die ich von den langen Ausstellungstagen in Mainz schon recht weichgekocht war, angenehm einschläfernd. Geborgenheit. Geborgen in ganz viel Frauenkraft. Mutige Männer, die sich auf diese anarchistische Energie, die in diesen Räumen waberte, eingelassen haben! Kindergeschrei. Marktplatzstimmung. Und immer wieder Stille. Heiterkeit auch. Übermut sehr. Danke, Cambra, ich bin froh, gekommen zu sein.
Kür ist, wenn ich mir nach und neben all den Pflichten, die einfach getan werden müssen, den Raum zum Schreiben schaffe.
Die Tastatur ist die Türe zu meinem Innern, mein Verdauungsapparat sozusagen.
Ich wünsche mir, dass ich in der nächsten Zeit wieder mehr dazu kommen werde …
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Bilder: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Vorhang auf für Brigitte Wüster
Ein weiters Häppchen von der Kunst direkt 2012 in Mainz.
Gleich gegenüber Annas und Irgendlinks Stand stellt die Keramikschule IKKG – Institut für künstlerische Keramik und Glas die Werke von vier StudentInnen vor.
Besonders sprechen mich Brigitte Wüsters Keramikarbeiten an. Da steckt ganz viel Liebe zum Detail drin sowie Lust am und Mut zum Kontrast. So verstömt der aus unzähligen kleinen Zylindern geformte Zylinder Leichtigkeit – obwohl sein Material doch so schwer wiegt.
Mehr zu ihrer Kunst auf der Website www.sculpture-network.org.
Mehr von mir von Brigitte auf pixatix – dAS Bilderblog.

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Vorhang auf für Barbara Rößler
Noch mehr von der Kunst direkt 2012 in Mainz.
Nicht weit von Irgendlinks Koje hat Barbara ihren Stand mit genialen Collagen. Kunstwerke, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Mit Acryl bemalte Leinwände mit aufgeklebten Zeitungsausschnitten und anderen Kleinoden. Mit präzisem Pinselstrich zeigt Barbara spacige Szenen zwischen Nettigkeit und globalem Irrsinn, die Denk- und Schmunzelmuskeln gleichermaßen anschubsen.
Zauberhaft!
Mehr zu ihrer Kunst auf ihrer Website www.freizeichnen.de.
Mehr von mir verkunstete Kunst auf pixatix – dAS Bilderblog

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Vorhang auf für Anna Bludau-Hary
Live von der Kunst direkt 2012 in Mainz. Wand an Wand zeigen Anna und Irgendlink ihre Kunstwerke. Beide Kojen sind gleich. Zwölf Quadratmeter groß. Und doch beide so verschieden.
Annas Materialien sind unterschiedliche Japanpapiere, ihre Arbeiten verspielt, luftig, filgran. Draht und Leerbücher verbinden Papier mit Papier und Gesicher mit Geschichten und Erinnerungen.
Papier Leben einhauchen – für einmal ganz anders als mit Worten.
Zauberhaft!
Mehr zu ihrer Kunst auf ihrer Website www.bludau-kunst.de.
Mehr von mir verkunstete Kunst auf pixatix – dAS Bilderblog

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Live aus Mainz
Tag zwei für uns, Tag eins für die normalen Gäste. Jugendliche strömen in Scharen durch die heiligen Hallen der Kunst.
Alle Bilder sind von A-Z mit dem iPhone gemacht, erkläre ich den Kids, die Irgendlinks Stand fluten.
Wow? Echt cool. Das merkt man gar nicht!, sagt ein Bursche. Ein Kompliment offensichtlich. Hm, denke ich, muss ein iPhone-Kunstwerk offensichtlich als solches erkennbar sein, minderwertig sozusagen? Natürlich ist die Auflösung eine kleinere, aber dank der Bearbeitung spielt das eine untergeordnete Rolle.
Mir fällt auf, dass wenig Fotografien ausgestellt sind. Vor allem finden sich hier Gemälde, Skulpturen und andere spannende Techniken.
Alle wollen gesehen werden. Alle schütten Botschaften hinaus in die Welt. Jedes einzelne Werk hier hat eine Geschichte, die es erzählt. Mein Kopf schwirrt nach meinen Spaziergängen durch die Messe vor Geschichten. Meine Ohren sirren tinnitusal. Wie zuzeit fast ständig. Stimmengemurmel. Heute lauter als gestern.
KünstlerInnen hätten in der Regel eine Botschaft, sagte eine der Rednerinnen gestern in einer der drei Grußbotschaften. Wohl wahr. Was will ich denn der Welt da draußen sagen? Vielleicht nur dies, dass wir unserer Intuition, unserem Innern trauen sollen. Ungeachtet des Mainstreams. Egal, was die andern über mich und mein Schaffen denken. Selbst wenn ich mal keine höhere Intension für ein Kunstwerk, als Schönheit zu schaffen, haben sollte.
Findet mich die Kunst – oder finde ich sie?, geht es mir durch den Kopf. Und was war zuerst da?
Muss Kunst erlitten werden oder darf Kunstschaffen Spaß machen und einfach so, oft fast beiläufig und zufällig, obwohl auch folgerichtig, entstehen?
Intensiv ist es, inmitten so vieler Kunstwerke, ihrer SchöpferInnen und all diesen Geschichten zu sitzen. Immer wieder werde ich beim Schreiben unterbrochen, wenn Einzelne oder Gruppen vorbeikommen. Ich erzähle von Techniken, Handwerk und Absicht der Bilder und verteile „Ums Meer“-Postkarten. Ab und zu entwickeln sich gute Gespräche. Flaute und Flut – wie im richtigen Leben.
Und du bist schon wieder am Bloggen?, fragt Irgendlink soeben. Gleich bevor ich auf publizieren klicke.
Dies noch: Auch hier gibt es (bald) Nachschub pixartix – dAS Bilderblog und Irgendlinks Blog
Kunst direkt 2012 Mainz
Was ist Kunst? Je mehr ich von ihr weiß, desto weniger kann ich diese Frage beantworten.
Vielleicht finde ich ja im Ausstellungskatalog der Kunstmesse (siehe Bild) eine Antwort. Eher wohl nicht. Inspiration aber auf jeden Fall, wie man sieht.

Und die finde ich auch beim Spazieren durch die Messe, wo wir seit heute Morgen bis Sonntagabend sind. Ihr findet uns bei der Nummer 144, an Irgendlinks Stand. Wir freuen uns auf Besuch.
Weitere Bilder findet ihr auf pixartix – dAS Bilderblog und auf Irgendlinks Blog
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Die Schlange, die andere, sie hatte so recht!
Als sie Eva vom Früchte-Essen und Erkenntnisse-Erlangen überzeugte, hat sie etwas ganz wichtiges für uns alle getan, die Schlange damals. Natürlich hat es Nachteile, denn dumm und unwissend zu sein, hat ja auch seinen Reiz. Ich bin dennoch lieber eine über das Leben nachdenkende Früchteesserin als eine Unwissende mit Feigenblatt. Obwohl ich längst weiß, dass ich nichts weiß.
Bevor ich im letzten Sommer meine Stelle bei jener christlichen Trägerin, die für meine Schule zuständig war, antreten durfte, musste ich … rate mal? Ja, ich musste der Kirche beitreten. Und ja, für mich war das müssen, da ich von dieser Institution, hüben wie drüben, sehr wenig halte. Weshalb ich übrigens schon in jungen Jahren meine Mitgliedschaft mit einem einfachen Brief gekündigt habe.
Für meine Anmeldung im Sommer hatte ich auf dem Kirchenamt antreten müssen. Bloß um ein Papier zu unterschreiben. Gestern, als ich auf dem Amt meinen hiesigen Wohnsitz abmeldete und meinen baldigen neuen Schweizer Wohnsitz bekannt gab, meinte die nette Beamtin dort, dass ich mit meiner Abmeldung aber nicht automatisch beim Finanzamt und andere Stellen abgemeldet sei. Sie muss bemerkt haben, wie ich die Augen verdrehte, sie kann Körpersprache. Wie kompliziert hier alles ist, hatte ich in der Tat gedacht. Ich könne das alles jedoch einfach per Mail machen, meinte sie freundlich.
Kaum wieder zuhause, suchte ich im Netz die nötigen Mailadressen und meldete mich da und dort ab. So weit so gut. Bis ich, innert weniger Stunden, auf meine Mail ans Kirchenbüro die Antwort erhielt, dass ich mich nicht bei der Kirche, sondern beim Standesamt abmelden müsse. Wie nun? Sind Kirche und Staat hier nicht getrennt? Ich grummelte ein wenig und schrieb gleich eine weitere Mail. Fast so als hätte ich nichts anderes zu tun.
Heute erhielt ich nun diese Antwort hier:
Eine Austrittserklärung kann mündlich oder schriftlich abgegeben werden (§ 2 Abs. 3 RelAuG), wobei über die mündliche Erklärung vor dem Standesamt eine Niederschrift aufzunehmen ist, die von der austretenden Person zu unterschreiben ist. Eine schriftliche Austrittserklärung muss öffentlich beglaubigt sein (d.h. notariell). Der Austritt ist dem Standesbeamten gegenüber zu erklären, in dessen Bezirk die aus der Religionsgemeinschaft austretende Person ihren (Haupt-) Wohnsitz hat. (…) Ihre E-Mail vom 13.03.2012 erfüllt nicht die o.a. Formerfordernisse des RelAuG; die darin abgegebene Austrittserklärung wird somit auch nicht wirksam.
Unwirksam? Wofür? Um weiter Kirchensteuern zu zahlen? Hallo? Sogar J. war empört. Zuerst beschloss ich, die Geschichte einfach zu ignorieren und zu schauen, was passiert. J. meinte, dass er denen zutraue, dass die mir Kirchensteuerrechnungen in die Schweiz nachschicken. Sollen sie nur!, sagte ich. Später habe ich aber dann doch eine nette Mail zurückgeschrieben.
Ist das denn wirklich die Möglichkeit? Meinen Sie das wirklich ernst? Kann ein Gesetz wirklich so restriktiv und an den Menschen vorbei gemacht sein? Zumal es sich hier ja um kirchliche Angelegenheiten handelt, also um etwas freiwilliges und (theoretisch) vom Staat getrenntes. Um etwas, das den Staat ja nicht wirklich tangiert. So viele Reglemente und Landesgesetze?
Vor ein paar Monaten musste ich beruflich bedingt, weil ich von einer christlichen Stiftung angestellt wurde, der Kirche beitreten – auch so etwas, das ich von der Schweiz her nicht kenne. Dort sind Kirche und Staat sauber getrennt und eine Kirchenzugehörigkeit darf nicht als Kriterium für eine Anstellung genommen werden. Mit großem Widerstand habe ich es schließlich getan, aber klar deklariert, dass ich keinerlei Engagement für die Kirche zu leisten im Sinne habe. Dabei habe ich die Auskunft erhalten, dass ein späterer Austritt eine einfache Sache sei. Na ja, einfach ist anders.
(…) … beim Austritt, kommt gleich die zweite Schikane: Da muss eine persönlich antreten und kann das nicht schriftlich tun (so als hätte ich alle Zeit der Welt) oder muss zumindest eine notariell beglaubtigte Abmeldung vorlegen.
Hat Deutschland denn kein Vertrauen mehr zu den Menschen? Hallo, wo sind wir denn hier? Ist die Kirche nun etwas freiwilliges oder doch nicht? Wenn Sie jetzt verlangt hätten, dass ich einen schriftlichen, handunterschriebenen Brief schicke, könnte ich es ja noch verstehen. Aber dieser Aufwand mit Notar und Zeugen bei mündlicher Abmeldung? Finden Sie das nicht auch ziemlich sektiererisch? Ich bin einmal mehr verblüfft, wie Deutschland tickt.
Entweder Sie akzeptieren nun diese meine zweite Abmeldung per Mail oder Sie akzeptieren Sie nicht. Ich hoffe, dass Sie christlich und menschlich genug sind, es hierbei zu belassen.
Keine Stunde später erhielt ich bereits ein Feedback. Von wegen Gesetzen, die eingehalten werden müssen, stand da und dass es in der Schweiz bestimmt auch Gesetze gebe. (((Ja, klar, aber nachvollziehbarere. Ach, ich bin wohl einfach integrationsresitent. Streite mal mit einem Macfan über Windows.))) Ich habe nun beschlossen, einfach nicht mehr zu reagieren. Besser als zu schreiben, dass mit (ein bisschen) mehr zivilem Ungehorsam schon viel Leid verhindert worden wäre. Und dass Gesetze nicht nur dazu da sind, eingehalten, sondern auch, um in Frage gestellt zu werden.
Was wird nun geschehen? Eine Steuerrechnung werde ich gewiss nicht erhalten, da die Kirchensteuer in Deutschland ja mit dem Lohn abgewickelt wird. Im Internet habe ich die Information gefischt, dass nur in Deutschland Wohnhafte kirchensteuerpflichtig sind. Werde ich nun trotzdem weiterhin als Mitglied geführt werden – auch wenn ich nicht zahle (und danach [trotz Kirchensteuerschulden bis an mein Lebensende] in den Himmel kommen)? Oder löschen die mich in einem Jahr aus ihrer Liste? Ja, nenn mich kindisch. Nenn mich trotzig. Manchmal bin ich das wohl. Und zwar einfach deshalb, weil ich solche Powergames hasse 🙂
Dank Eva und Lilith. Weil sie damals so naschhaft waren.
Kennt ihr übrigens den?
Sagt Lilith zu Eva: Ich habe eben einen Typen getroffen. Er sagte Hallo und dass er Erster Mensch heiße. Adam.
Eva: Ach? Und?
Lilith: Ich habe ihn zum Essen eingeladen. Es gibt Apfelkuchen …
