Noch mehr von der Kunst direkt 2012 in Mainz.
Nicht weit von Irgendlinks Koje hat Barbara ihren Stand mit genialen Collagen. Kunstwerke, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Mit Acryl bemalte Leinwände mit aufgeklebten Zeitungsausschnitten und anderen Kleinoden. Mit präzisem Pinselstrich zeigt Barbara spacige Szenen zwischen Nettigkeit und globalem Irrsinn, die Denk- und Schmunzelmuskeln gleichermaßen anschubsen.
Zauberhaft!
Mehr zu ihrer Kunst auf ihrer Website www.freizeichnen.de.
Mehr von mir verkunstete Kunst auf pixatix – dAS Bilderblog

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Vorhang auf für Anna Bludau-Hary
Live von der Kunst direkt 2012 in Mainz. Wand an Wand zeigen Anna und Irgendlink ihre Kunstwerke. Beide Kojen sind gleich. Zwölf Quadratmeter groß. Und doch beide so verschieden.
Annas Materialien sind unterschiedliche Japanpapiere, ihre Arbeiten verspielt, luftig, filgran. Draht und Leerbücher verbinden Papier mit Papier und Gesicher mit Geschichten und Erinnerungen.
Papier Leben einhauchen – für einmal ganz anders als mit Worten.
Zauberhaft!
Mehr zu ihrer Kunst auf ihrer Website www.bludau-kunst.de.
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Live aus Mainz
Tag zwei für uns, Tag eins für die normalen Gäste. Jugendliche strömen in Scharen durch die heiligen Hallen der Kunst.
Alle Bilder sind von A-Z mit dem iPhone gemacht, erkläre ich den Kids, die Irgendlinks Stand fluten.
Wow? Echt cool. Das merkt man gar nicht!, sagt ein Bursche. Ein Kompliment offensichtlich. Hm, denke ich, muss ein iPhone-Kunstwerk offensichtlich als solches erkennbar sein, minderwertig sozusagen? Natürlich ist die Auflösung eine kleinere, aber dank der Bearbeitung spielt das eine untergeordnete Rolle.
Mir fällt auf, dass wenig Fotografien ausgestellt sind. Vor allem finden sich hier Gemälde, Skulpturen und andere spannende Techniken.
Alle wollen gesehen werden. Alle schütten Botschaften hinaus in die Welt. Jedes einzelne Werk hier hat eine Geschichte, die es erzählt. Mein Kopf schwirrt nach meinen Spaziergängen durch die Messe vor Geschichten. Meine Ohren sirren tinnitusal. Wie zuzeit fast ständig. Stimmengemurmel. Heute lauter als gestern.
KünstlerInnen hätten in der Regel eine Botschaft, sagte eine der Rednerinnen gestern in einer der drei Grußbotschaften. Wohl wahr. Was will ich denn der Welt da draußen sagen? Vielleicht nur dies, dass wir unserer Intuition, unserem Innern trauen sollen. Ungeachtet des Mainstreams. Egal, was die andern über mich und mein Schaffen denken. Selbst wenn ich mal keine höhere Intension für ein Kunstwerk, als Schönheit zu schaffen, haben sollte.
Findet mich die Kunst – oder finde ich sie?, geht es mir durch den Kopf. Und was war zuerst da?
Muss Kunst erlitten werden oder darf Kunstschaffen Spaß machen und einfach so, oft fast beiläufig und zufällig, obwohl auch folgerichtig, entstehen?
Intensiv ist es, inmitten so vieler Kunstwerke, ihrer SchöpferInnen und all diesen Geschichten zu sitzen. Immer wieder werde ich beim Schreiben unterbrochen, wenn Einzelne oder Gruppen vorbeikommen. Ich erzähle von Techniken, Handwerk und Absicht der Bilder und verteile „Ums Meer“-Postkarten. Ab und zu entwickeln sich gute Gespräche. Flaute und Flut – wie im richtigen Leben.
Und du bist schon wieder am Bloggen?, fragt Irgendlink soeben. Gleich bevor ich auf publizieren klicke.
Dies noch: Auch hier gibt es (bald) Nachschub pixartix – dAS Bilderblog und Irgendlinks Blog
Kunst direkt 2012 Mainz
Was ist Kunst? Je mehr ich von ihr weiß, desto weniger kann ich diese Frage beantworten.
Vielleicht finde ich ja im Ausstellungskatalog der Kunstmesse (siehe Bild) eine Antwort. Eher wohl nicht. Inspiration aber auf jeden Fall, wie man sieht.

Und die finde ich auch beim Spazieren durch die Messe, wo wir seit heute Morgen bis Sonntagabend sind. Ihr findet uns bei der Nummer 144, an Irgendlinks Stand. Wir freuen uns auf Besuch.
Weitere Bilder findet ihr auf pixartix – dAS Bilderblog und auf Irgendlinks Blog
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).
Die Schlange, die andere, sie hatte so recht!
Als sie Eva vom Früchte-Essen und Erkenntnisse-Erlangen überzeugte, hat sie etwas ganz wichtiges für uns alle getan, die Schlange damals. Natürlich hat es Nachteile, denn dumm und unwissend zu sein, hat ja auch seinen Reiz. Ich bin dennoch lieber eine über das Leben nachdenkende Früchteesserin als eine Unwissende mit Feigenblatt. Obwohl ich längst weiß, dass ich nichts weiß.
Bevor ich im letzten Sommer meine Stelle bei jener christlichen Trägerin, die für meine Schule zuständig war, antreten durfte, musste ich … rate mal? Ja, ich musste der Kirche beitreten. Und ja, für mich war das müssen, da ich von dieser Institution, hüben wie drüben, sehr wenig halte. Weshalb ich übrigens schon in jungen Jahren meine Mitgliedschaft mit einem einfachen Brief gekündigt habe.
Für meine Anmeldung im Sommer hatte ich auf dem Kirchenamt antreten müssen. Bloß um ein Papier zu unterschreiben. Gestern, als ich auf dem Amt meinen hiesigen Wohnsitz abmeldete und meinen baldigen neuen Schweizer Wohnsitz bekannt gab, meinte die nette Beamtin dort, dass ich mit meiner Abmeldung aber nicht automatisch beim Finanzamt und andere Stellen abgemeldet sei. Sie muss bemerkt haben, wie ich die Augen verdrehte, sie kann Körpersprache. Wie kompliziert hier alles ist, hatte ich in der Tat gedacht. Ich könne das alles jedoch einfach per Mail machen, meinte sie freundlich.
Kaum wieder zuhause, suchte ich im Netz die nötigen Mailadressen und meldete mich da und dort ab. So weit so gut. Bis ich, innert weniger Stunden, auf meine Mail ans Kirchenbüro die Antwort erhielt, dass ich mich nicht bei der Kirche, sondern beim Standesamt abmelden müsse. Wie nun? Sind Kirche und Staat hier nicht getrennt? Ich grummelte ein wenig und schrieb gleich eine weitere Mail. Fast so als hätte ich nichts anderes zu tun.
Heute erhielt ich nun diese Antwort hier:
Eine Austrittserklärung kann mündlich oder schriftlich abgegeben werden (§ 2 Abs. 3 RelAuG), wobei über die mündliche Erklärung vor dem Standesamt eine Niederschrift aufzunehmen ist, die von der austretenden Person zu unterschreiben ist. Eine schriftliche Austrittserklärung muss öffentlich beglaubigt sein (d.h. notariell). Der Austritt ist dem Standesbeamten gegenüber zu erklären, in dessen Bezirk die aus der Religionsgemeinschaft austretende Person ihren (Haupt-) Wohnsitz hat. (…) Ihre E-Mail vom 13.03.2012 erfüllt nicht die o.a. Formerfordernisse des RelAuG; die darin abgegebene Austrittserklärung wird somit auch nicht wirksam.
Unwirksam? Wofür? Um weiter Kirchensteuern zu zahlen? Hallo? Sogar J. war empört. Zuerst beschloss ich, die Geschichte einfach zu ignorieren und zu schauen, was passiert. J. meinte, dass er denen zutraue, dass die mir Kirchensteuerrechnungen in die Schweiz nachschicken. Sollen sie nur!, sagte ich. Später habe ich aber dann doch eine nette Mail zurückgeschrieben.
Ist das denn wirklich die Möglichkeit? Meinen Sie das wirklich ernst? Kann ein Gesetz wirklich so restriktiv und an den Menschen vorbei gemacht sein? Zumal es sich hier ja um kirchliche Angelegenheiten handelt, also um etwas freiwilliges und (theoretisch) vom Staat getrenntes. Um etwas, das den Staat ja nicht wirklich tangiert. So viele Reglemente und Landesgesetze?
Vor ein paar Monaten musste ich beruflich bedingt, weil ich von einer christlichen Stiftung angestellt wurde, der Kirche beitreten – auch so etwas, das ich von der Schweiz her nicht kenne. Dort sind Kirche und Staat sauber getrennt und eine Kirchenzugehörigkeit darf nicht als Kriterium für eine Anstellung genommen werden. Mit großem Widerstand habe ich es schließlich getan, aber klar deklariert, dass ich keinerlei Engagement für die Kirche zu leisten im Sinne habe. Dabei habe ich die Auskunft erhalten, dass ein späterer Austritt eine einfache Sache sei. Na ja, einfach ist anders.
(…) … beim Austritt, kommt gleich die zweite Schikane: Da muss eine persönlich antreten und kann das nicht schriftlich tun (so als hätte ich alle Zeit der Welt) oder muss zumindest eine notariell beglaubtigte Abmeldung vorlegen.
Hat Deutschland denn kein Vertrauen mehr zu den Menschen? Hallo, wo sind wir denn hier? Ist die Kirche nun etwas freiwilliges oder doch nicht? Wenn Sie jetzt verlangt hätten, dass ich einen schriftlichen, handunterschriebenen Brief schicke, könnte ich es ja noch verstehen. Aber dieser Aufwand mit Notar und Zeugen bei mündlicher Abmeldung? Finden Sie das nicht auch ziemlich sektiererisch? Ich bin einmal mehr verblüfft, wie Deutschland tickt.
Entweder Sie akzeptieren nun diese meine zweite Abmeldung per Mail oder Sie akzeptieren Sie nicht. Ich hoffe, dass Sie christlich und menschlich genug sind, es hierbei zu belassen.
Keine Stunde später erhielt ich bereits ein Feedback. Von wegen Gesetzen, die eingehalten werden müssen, stand da und dass es in der Schweiz bestimmt auch Gesetze gebe. (((Ja, klar, aber nachvollziehbarere. Ach, ich bin wohl einfach integrationsresitent. Streite mal mit einem Macfan über Windows.))) Ich habe nun beschlossen, einfach nicht mehr zu reagieren. Besser als zu schreiben, dass mit (ein bisschen) mehr zivilem Ungehorsam schon viel Leid verhindert worden wäre. Und dass Gesetze nicht nur dazu da sind, eingehalten, sondern auch, um in Frage gestellt zu werden.
Was wird nun geschehen? Eine Steuerrechnung werde ich gewiss nicht erhalten, da die Kirchensteuer in Deutschland ja mit dem Lohn abgewickelt wird. Im Internet habe ich die Information gefischt, dass nur in Deutschland Wohnhafte kirchensteuerpflichtig sind. Werde ich nun trotzdem weiterhin als Mitglied geführt werden – auch wenn ich nicht zahle (und danach [trotz Kirchensteuerschulden bis an mein Lebensende] in den Himmel kommen)? Oder löschen die mich in einem Jahr aus ihrer Liste? Ja, nenn mich kindisch. Nenn mich trotzig. Manchmal bin ich das wohl. Und zwar einfach deshalb, weil ich solche Powergames hasse 🙂
Dank Eva und Lilith. Weil sie damals so naschhaft waren.
Kennt ihr übrigens den?
Sagt Lilith zu Eva: Ich habe eben einen Typen getroffen. Er sagte Hallo und dass er Erster Mensch heiße. Adam.
Eva: Ach? Und?
Lilith: Ich habe ihn zum Essen eingeladen. Es gibt Apfelkuchen …
Die Schlange hat immer recht
Während ich mich heute Nachmittag vor dem Bürgeramt – von Bürgerinnen mal wieder keine Spur! – auf eine lange Wartezeit einstellend, auf einem Stuhl niederlasse, sondiere ich die Lage. Bei vier von sieben Büros hängt die Tafel „geöffnet“, bei den anderen steht „geschlossen“. Könnte also bei zehn wartenden Menschen ungefähr eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde dauern, rechne ich aus. Aber wie weiß ich, wann ich an der Reihe bin, wenn ich mir die Leute nicht anschaue? Ich muss mir alle Gesichter merken, damit ich nicht überholt werde, überlege ich, und komme mir dabei lächerlich und kindisch vor.
Da kommen zwei Damen von links. Sie trippeln ungeduldig vor eben jener Türe auf und an, vor der ich mich hingesetzt habe. Meine Tür sozusagen. Ich habe eben noch gesehen, wie zwei Menschen dahinter verschwunden sind, ehe ich mich hingesetzt habe. Nun sehe ich drei Fußpaare hinter der Glasfront. Der Rest der Wand ist weiß-gräulich, undurchsichtig, so dass ich nur die Silhouetten sehe.
Wie läuft das hier? Kommen als nächstes die am längsten Wartenden dran oder die vor dieser Türe Schlange stehenden? Keine Ahnung, denn so weit eingeweiht in die deutschen Gepflogenheiten bin ich nun doch noch nicht. Ich stelle fest, dass die beiden neuen Damen nur zufällig zusammen gekommen. Sie kommunizieren nämlich nicht miteinander. Halt, stimmt nicht! Sie kommunizieren nonverbal: Ich war zuerst da!, sagt die Blonde. Nein ich!, sagt die Braunhaarige. Eben will ich mein Talent Körpersprache lesen zu können verfluchen, als auch schon die Türe aufgeht. Ich stehe auf. Vergesse, dass andere schon länger warten – allerdings vor einer anderen Türe. Von uns dreien vor dieser Türe bin definitiv ich die Nächste. Während die Schritte der beiden Menschen, die vor mir im Büro waren, allmählich im langen Flur verhallen, stellt sich die Beamtin in die Türe und blickt in die Runde der Wartenden.
Wieso gehen Sie denn nicht in eines der anderen Büros. Es sind ja noch drei weitere geöffnet!, sagt sie lachend. Ich runzle erstaunt die Stirne, sage aber nichts, denn die eine der Frauen, die nach mir gekommen sind, spricht eben die Beamtin an.
Sind Sie schon an der Reihe?, fragt sie die blondierte Frau und wirft dabei einen Blick auf mich, denn sie scheint ebenfalls des Körpersprachelesens kundig zu sein.
Die Blonde schüttelt beschämt den Kopf und zuckt mit den Schultern. Derweil schlüpfe ich ins Büro. Ich melde mich in Deutschland ab. Zwei Minuten später bin ich wieder draußen, Weltenbürgerin ich, mit Heimweh im Rucksack.
Ich wünsche Ihnen alles Gute auf ihrem weiteren Weg!, hat sie gesagt, die Frau vom Amt. Und ich schlicht: Danke gleichfalls.
Warum zum Teufel glauben wir der Schlange immer?, frage ich mich auf dem Weg zum Auto.
Maske bitte!
In Fassadenbauen sind wir gut. Würde mir die Frau von der Arbeitsagentur oder jene an der Kasse im Bioladen ansehen oder zutrauen, dass ich so denke, wie ich denke? Dass ich so zartbesaitet bin? Dass ich so bin, wie ich bin? Nur mal angenommen, sie würde sich das überhaupt fragen. Und ich? Auch ich sehe nur ihre Fassade. Dabei lese ich womöglich ab und zu in ihrem Blog und kenne sie somit längst. Ja, im Internet sind viele von uns mutiger, offener und authentischer als im realen Leben. Pseudonyme sind die Fasnachtsmasken der virtuellen Gesellschaft, hinter denen wir so richtig echt uns selbst sein können.
Schnitt.
Den Film Die Herrschaft der Männer, den mir Canela im Kommentarstrang vom letzten Artikel empfohlen hat, kann ich nur allen weiterempfehlen. Irgendlink und ich haben ihn uns heute Nachmittag angehört, während wir am Kunstarbeiten waren.
Ich musste zwischendurch immer mal wieder auf Pause klicken, weil wir das eine oder andere Stichwort diskutieren wollten. Echt verrückt fand ich besonders jene Passage gegen Schluss, wo ein Zusammenschnitt fünf oder sechs Männer aus Quebec gezeigt wurde. Quebec ist, wie ich heute erfahren habe, so emanzipiert, dass sich gewisse Männer dort ihres Lebens nicht mehr wohl fühlen (wie vielen Frauen auf der Welt es wohl andernorts so geht?). Sie ließen kein einziges gutes Haar an dieser Entwicklung. Am schlimmsten fand ich, dass einer von ihnen meinte, dass die Statistiken über Gewaltverbrechen getürkt seien. Nicht 85% aller Gewaltdelikte würden an Frauen, sondern von Frauen an Männern verübt, sagte er. Dass er glaubte, was er sagte, machte das ganze besonders grotesk. Ich musste an die Holocaustlüge denken, als schon ein nächster Mann meinte, dass das, was die Frauen in Quebec und auch anderswo anrichten, schlimmer sei als das, was die Nazis damals gemacht hätten. Sie (die armen Männer) würden total unterdrückt. Was sei schon ab und zu eine Ohrfeige im richtigen Moment gegen diese Hetzkampagnen der Emanzen?!
Das ist ja das pure Matriarchat!, sagte einer von ihnen, als wäre das M-Wort ein F-Wort. Worauf J. meinte, ob sich dieser Mann wohl schon mal überlegt habe, wie es für Frauen sei, im Patriarchat zu leben.
Dass Männer ganz eindeutig das schwächere Geschlecht sind, wurde mir heute deutlich, als ich den jungen Frauen zuhörte, die nach ihrem Männerbild befragt, Antworten gaben, die mir alle Haare zu Berge stehen ließen. Dass Männer eben Frauen brauchen, die zu ihnen aufschauen, war da noch etwas vom harmloseren (wenn auch getarnt harmlos natürlich). Männer brauchen dies und Männer brauchen das … Das arme, schwache, bedürftige Geschlecht. Unausgesprochen das Satzende, dass die armen Männer sich mit Gewalt holen, wenn sie nicht freiwillig kriegen, was ihnen zusteht. Dinge, von denen sogar Frauen glauben, dass es Männern zusteht. Macht über sie, nur so als Beispiel. Ich zitiere hier nur, was junge Frauen von heute sagen und denken. Und vor allem verinnerlicht haben. Wenn jede dieser Frauen sich auch nur halb so viel Gedanken darüber machen würde, was sie selbst braucht und was ihr wirklich (!) gut tut, sähe die Welt besser aus. Und wenn auch nur ein paar von diesen Männern sich Gedanken machen würden, was denn ihre Partnerinnen brauchen …
Die verbeulten, vernarbten, eingegipsten, sprich verprügelten Frauen, die interviewt wurden, haben alle eins gemeinsam: sie haben längst den Glauben an ihren Wert verloren und harren in dieser Beziehungswüste mit täglichen Schikanen oft schon seit Jahrzehnten aus.
Nein, nicht alle Frauen und nicht alle Männer sind so, aber das verinnerlichte Frauenbild in unserer Gesellschaft hat mich einmal mehr geschockt. Im Film sehen wir sehr viele Aspekte, wo sich dieses rosa Frauen-Idealbild im Alltag zeigt. Ob im Spielwarenladen oder auf dem Strich ist gar kein so großer Unterschied: sind die Frauen schön, klein, süß und nett und verhalten sich adäquat, ist alles gut *hüstel* …
Im Film hören wir auch Gespräche mit einem Künstler, der am Rechner Bilder von Models aufpimpt, und mit einem Arzt, der Penisse verlängert. Die Aussagen des Mannes, der seinem Leben mit seinem nun endlich verlängerten Ding mehr Würde, Macht, Männlichkeit und somit Daseinsberechtigung zu verleihen glaubt, sind so peinlich, dass ich mich frage, ob er das wirklich glauben kann, was er da sagt. Doch offenbar schon.
Irgendwie muss ich bei vielen der gezeigten Männern an die Tamagotchis von früher denken, die immerzu riefen: Hab mich lieb, hab mich lieb, hab mich lieb.
Ich glaube, ich habe die Gleichwertigkeit von Mann und Frau einfach in mir drin. Ich komme gar nicht auf die Idee, mich unterdrückt zu fühlen, wenn ich nach dem Essen den Tisch abwische oder das Geschirr in die Spülmaschine stelle. Haushalt ist doch nicht minderwertig und ich mach‘ ja genauso viel Dreck wie du …, sagt Irgendlink später.
Das nenn ich wahre Männlichkeit Menschlichkeit.
stromlinienförmig
Bei meinem heutigen Netz- und Blogspaziergang habe ich, wie oft, auch bei Luisa vorbeigeschaut. Heute hat sie von Zeitschriften, die sie mag erzählt, interessiert an rarer intelligenter Lektüre. Unter anderem erwähnte sie die beiden Frauenzeitschriften Fräulein und Missy. Was für abstoßende Namen, dachte ich, doch da muss Qualität dahinter stecken, anders würde Luisa diese Magazine nicht erwähnen. Ein paar Google-Minuten später wusste ich mehr. Kontraste zu Frauenhochglanz-Zeitschriften sollen gesetzt werden, und andere Themen behandelt als immer nur Diät, Männer, Kosmetik und Mode. Auch Gefühle und Befindlichkeiten sollen Platz haben. So ungefähr stand es in der Eigenwerbung von Fräulein. Woanders las ich über diese noch recht neue Zeitschrift, dass die Oma des Herausgebers, damals eben noch Fräulein genannt, sich – in ihrer Tätigkeit als Tennisspielerin – erdreistet hatte, ihren beim Sport hinderlichen langen Rock auf Kurzhosenlänge abzuschneiden. Damals ein mutiger Akt, ohne Zweifel. Heute? Würden wir damit knapp ein müdes Gähnen ernten. Hut ab vor diesem mutigen Fräulein, also.
Eine Zeitschrift ohne Mode, Männer, Kosmetik und Diät? Klingt gut, da es hier offenbar um mehr als Schein und Fassade geht. Und ich frage mich mal wieder, warum wir Frauen uns von diesem vermeintlich männlichen Blick überhaupt diktieren lassen, wie wir zu sein und auszusehen haben. Wenn ich allerdings Männer auf ihre Schönheitsideale anspreche oder einfach nur dabei zuhöre, wie sie die Welt und die Frauen sehen, erstaunt es mich, dass dieser von uns Frauen geglaubte Blickwinkel nicht wirklich zutrifft. Eher leider so: Wir Frauen zensurieren uns in erster Linie selbst und lassen es auch gleich noch von anderen Frauen mit uns machen. Wir Frauen bekritteln uns Frauen gegenseitig mehr noch als es Männer tun. Anders auf jeden Fall. Wir Frauen wetteifern gegenseitig: bin ich dicker, bin ich dünner, bin ich netter, bin ich dümmer? Bin ich schön?, wie Doris Dörrie einen Film lang fragte. Werde ich geliebt?, auf Emotionen übersetzt.
Wer hat den ersten Dominostein angestoßen? Und warum purzeln wir alle mit? Wer macht die Mode (und wer bekommt das ganze Geld)? Und wer sagt, was geht und was nicht? Wer definiert all diese Must-Haves und No-Gos der Gesellschaft? Zwei Wörter übrigens, die mehr Macht über uns haben als der alte Bundeskanzler.
In Frankreich läuft, so las ich im Internet irgendwo, aktuell eine politische Aktion gegen gepimpte Modefotos. Fotos sollen nicht mehr bearbeitet werden dürfen, ohne dass dies auch deklariert wird. Der Grund: Perfekte Models lösen Magersucht und Minderwertigkeitskomplexe aus. Oder fördern sie zumindest. Sagen die BefürworterInnen der Aktion. Zwar sind die Models auch nur dank Photoshop und Konsorten perfekt, doch daran denken die wenigsten. In Australien, so las ich, gibt es eine Zeitschrift, die keine Bildbearbeitungen bei Models mehr vornimmt. Die Zeitschrift Brigitte verzichtet neu sogar gänzlich auf Profi-Models und setzt neu auf ganz normale, schöne Frauen.
Natürlich geht es längt um mehr als Mode. Und um mehr als Aussehen und Verhalten. Manipulation ist das Wort der Stunde. Subtil jene dünne, wie Säure ätzende und alles durchdringende Schicht unter den Hochglanzwerbeplakaten. Zeigt den Menschen ihre Mängel auf! Lasst sie merken, wie unzulänglich sie sind! Lasst die Menschen sich in ihren Minderwertigkeitsgefühlen schmoren, ja, kocht sie weich, so werden sie formbar. Formbar, weil unzufrieden. So werden sie konsumieren.
Da war dieses Telefongespräch gestern, mit Freundin C.(2), Mutter von zwei Kleinkindern. Ihr Erziehungsstil unterscheidet sich sehr vom Mainstream, ist aber weder Waldorf, noch Montessori, noch Wild. Vielleicht in der Essenz ähnlich, doch letztlich ist ihre Praxis einfach ihr Stil, initiiert aus Beobachtungen, gewachsen im täglichen Umgang mit den Kids und in der stetigen Reflektion ihres Verhaltens. Sie setzt auf ihr Bauchgefühl und lässt ihren Küken viel Raum für deren individuelle Entwicklung. Sie behandelt die beiden dem Alter gerecht und manipulationsfrei.
Werden meine Kinder eines Tages Außenseiter sein, wenn ich sie weiterhin in ihrem Sich-selbst-sein-dürfen so umfassend es geht, unterstütze und stärke?, fragte sie mich. Werden sie sich später fremd fühlen in der Gesellschaft? Aber ich kann sie doch nicht einfach verbiegen, nur um sie in die aktuelle Form zu bringen.
Deine Kinder erhalten eine wunderbare, liebevolle Basis zu Eigenständigkeit, die ihnen helfen wird, im Leben auf ihre eigene Intuition zu hören und sich nicht im Mainstream zu verlieren!, sage ich. Weil ich das glaube. Aber klar, dafür gibt es natürlich nie Garantien. Außerdem machen wir alle Fehler.
Doch wenn ein Kind bist, das von Anfang an das Gefühl vermitteln bekommen hat, dass es so wie es ist, gut und wertvoll ist, wirst du der Versuchung, dich von den WeichkocherInnen dieser Welt in die Pfanne hauen zu lassen, kleiner, als wenn du ein Kind bist, das, aus was für Gründen auch immer, über wenig Selbstvertrauen verfügt.
Stell dir vor, sagte ich beim Frühstück, stell dir vor, alle Menschen würden alle anderen Menschen so akzeptieren und respektieren, wie sie sind (ja, Utopia! Davon träume ich, seit ich denken kann). Stell dir das mal vor! Und jetzt stell dir vor, wie wir alle herumlaufen würden. Niemand würde sich darum kümmern, ob das, was wir tragen schick oder unmodern ist. Nein, alle würden sich so kleiden, wie sie wollen. So, wie sie sich wohlfühlen. So eben, wie es ihnen gefällt. Wie bunt die Welt dann wäre! Stell dir mal alle diese kreativen Frisuren vor und alle diese Geschichten. Und alle diese glücklichen Menschen.
Nur schon der Gedanke daran macht mich glücklich, doch – ehrlich – auch mir fehlt der Mut zu solcher Kompromisslosigkeit. (Notiz an mich: Da ist wohl noch zu viel Scham?).
Ich träume dennoch weiter. Und ja, ich träume gerne, denn alles fängt immer mit einem Traum an.
Heute mal ohne Titel, denn Missverständnisse wären nicht auszuschließen
Wie ich meinen Rücken im Hund dehne und dabei den Po gen Himmel recke, fällt mir mein heutiger Blogartikel-Titel ein: Die Leidenschaft des Sichnacktausziehens. Nein, lieber nicht und nein, ich übe Yoga nicht nackt. Schlechter Titel. Zu viele Suchanfragende mit andersgearteten Absichten würden sich bei diesem Titel ganz unvermutet auf meinem Blog wiederfinden. Gut zwar für die Statistik, na ja, aber … nein. Nein, danke. Außerdem ist sich nackt ausziehen eigentlich auch nicht korrekt. Und Seelenstrip ebenfalls nicht. Beides hat zwar was, denn Bloggende machen sich sichtbar, aber …
Wie ich mich im Sonnengruß in alle Richtungen dehne und der Kobra in mir erlaube, sich selbst zu sein, fällt mir auf, dass ich a.) nicht bei der Sache bin und b.) mein erster Gedanke nicht wirklich stimmt. Eigentlich geht es ja nicht um das Sichsichtbarmachen im Blog, sondern um suchen, finden und erfinden. Sich. Ideen. Die Welt. Das Leben. Sichtbarwerdung ist bloßes Nebenprodukt. Und schon gar nicht leidenschaftlich beabsichtigt.
Der Wunsch, mehr über mich und das Leben herauzufinden ist es, der mich Wege des Ausdrucks beschreiten lässt. Der mich vorwärts bringt. Oder rückwärts. Womit nicht Rückschritt gemeint ist, sondern jeder Schritt, der in eine andere Richtung geht, als der Nase nach. Hauptsache authentisch.
Wie ich mich dieser Tage durch Irgendlinks im Bücherregal wiederentdecktes Blog-Buch aus dem Jahre 2002 lese und immer wieder auf philosophische Perlen stoße, werde ich den Gedanken nicht los, dass wir am meisten über uns selbst erfahren, wenn wir uns öffnen und dabei nicht allzu viel zensurieren. Öffnung gegenüber uns selbst in einem persönlichen Tagebuch zum Beispiel. Einem lieben Menschen gegenüber vielleicht. Und schließlich auch in Richtung eines virtuellen, dennoch realen Publikums.
Kunstprojekte sind gut und um ihrer selbst willen lebensberechtigt. Doch wenn sich andere mitbegeistern lassen, ist das umso schöner. Auf den Rundbriefversand der letzten Tage haben wir schon ein paar richtig schöne Rückmeldungen erhalten. Danke! (Wer den Rundbrief lesen möchte, klickt bitte hier.)
Da war gestern die Mail einer alten Bekannten, der ich den Rundbrief einfach so mit angehängt hatte. Sie ist im Bereich Körperarbeit tätig, publiziert und wirbt dafür mit großer Begeisterung. Ich freue mich immer sehr über ihren Rundbrief, obwohl ich ihn einfach lese, ohne darauf zu reagieren.
Ich bin selbst eine Reisende und mache es nicht öffentlich, schrieb sie. Den leisen Vorwurf habe ich möglicherweise nur interpretiert? Ja, wir alle sind Reisende. Die meisten reisen still und leise – von den bunten Postkarten mal abgesehen, die verschickt werden. Doch was du mit Leidenschaft betreibst, was deinem Leben Inhalt und Begeisterung gibt und dich und deine Phantasie nährt, das willst du mit anderen teilen. Ob das nun Körperarbeit oder Fotografie, Literatur oder das Kunstreisebloggen ist, ist unwesentlich. Hauptsache, du verfolgst dein Ding mit Begeisterung, denn sie macht dein Leben bunt. Auch wenn Begeisterung und Alltag oft schwer vereinbar sind. Und zu Problemen führen können.
Zurück zum Konflikt, schrieb Irgendlink vor fast zehn Jahren, zurück zum Konflikt, in dem ich mich befinde, den ich hier nach und nach ausbreite. Das ist es, was mich verunsichert hat die letzten Tage: was soll das hier in der theoretischen Öffentlichkeit des Internet? Was geht die große weite Welt, also Sie, der/die Sie das lesen, mein eigener kleiner Konflikt zwischen Realität und Traum an? Was könnte Ihnen das nützen und warum muss ich dermaßen intim mit ihnen werden? (…)
Der Künstler Irgendlink und der Postmann Irgendlink sind nur Platzhalter in dieser Geschichte. Zwei Kästchen, in die sie mühelos Ihr eigenes kleines Leben einfüllen können. (…)
Der öffentliche gelebte, ureigene Konflikt hier in diesem Blog könnte auch Ihr Leben sein. Tauschen Sie nur die Parameter aus. Ändern sie Ort, Zeit, Namen, Beruf, Kollegen und auch den Lebenstraum …
Quelle: Rincks Alltag – Weblog (Zweite Staffel) – 12. November 2002
Einige wenige handsignierte, nummerierte und handverschraubte Exemplare gibt es übrigens noch 🙂
Bestellungen gerne direkt bei Irgendlink.
Mit Anlauf …
Ich nehme Anlauf. Anlauf für den nächsten Schub Kisten, der zu füllen ist. Anlauf, indem ich durch die Blogosphäre spaziere. Prokrastiniere. Schreibs klein! Flüstere es! Nein, nein, ich suche bloß nach Inspiration. Klingt besser. Stimmt sogar. Suche Denk- und Herzfutter für den Tag. Ja, so irgendwie. Um beim Kisten füllen, im Kopf und im Herzen drin was zu futtern zu haben. Doch halt … heute gibt’s nichts über Kisten und so.
Ich möchte mal wieder etwas ganz Normales bloggen, hab ich heute Morgen zu Irgendlink gesagt. Ein bisschen geseufzt habe ich dabei. Etwas, das nicht mit deiner Reise und mit meinem Umzug zu tun hat. Und wenn es dabei gleich die Herzen meiner Leserinnen mitfüttert – umso besser. Und die meiner Leser natürlich auch.
Aber vor allem will ich etwas schreiben, was von da innen drin kommt. Etwas Gedachtes, Gefühltes, Gelebtes, Geliebtes, das ich teilen will. Etwas in Worte Gefasstes. Als wären meine Worte ein Stück Gold (hört, hört!), das einen Edelstein umschmiegt. Etwas, das mich und andere durch den Tag trägt und nicht gleich wieder verdampft – aus den Ohren, aus dem Sinn –, kaum dass ich mich ans Kistenpacken Arbeiten mache.
Item, wie die Schweizerin sagt, um zum Thema zurückkommen, das heute keins ist. Denn ich hänge gleichsam im luftleeren Raum. Von allen guten Themen verlassen. So leer wie die Regale ist mein Kopf. Gut so. Platz für neues. Zum Beispiel für das neue Kleidchen von pixartix – dAS Bilderblog.
Item. Bevor ich also noch mehr von meiner aktuellen Leere mit euch teile, klick ich wohl besser auf „publizieren“. Ja, ja, du denkst „löschen“, gib’s zu. Selbst schuld, wenn du bis hierher gelesen hat. Andererseits: Muss immer alles sinnvoll und klug, geistreich und bodenständig, top und unübertrefflich sein? Na eben.