Am Anfang war Axels Einladung. Vor Wochen schon. Dass wir herzlich eingeladen seien, mit ihm seinen fünfzigsten Geburtstag zu feiern. Obwohl wir ja Axel nur aus der Blogospähre kannten und umgekehrt. Seltsamerweise freuten sich Irgendlink und ich sehr, obwohl wir doch beide nicht unbedingt die Typen für Großanlässe sind. Auch Bloggerin Wildgans sei eingeladen, schrieb Axel. Was alles ein bisschen leichter machte und zusätzlich unsere Neugier weckte. Wann hast du schon die Gelegenheit, Bloggende live kennenzulernen?
Bloggen ist so eine Sache. Bloggenden sind ja auch bloß Menschen. Doch wer sind sie wirklich – so ganz ohne den schützenden Vorhang des weltweiten Netzes? Bloggende zu enttarnen birgt schon so gewisse Risiken. Von Nebenwirkungen solcher Enttarnungen will ich gar nicht erst reden. Oder doch einfach kurz erwähnen, dass jene von Irgendlink und Sofasophia vor bald zwei Jahren nicht ohne Folgen geblieben ist. Ich wäre heute, ohne diese, nicht mit Sack und Pack hier, auf dem einsamen Gehöft.
Samstagmittag. Wir fuhren also los. Nach Franken, wo Axel lebt und das – wie ich gelernt habe – zwar Bayern ist, aber eben doch nicht richtig Bayern. Franken eben.
Ein bisschen schüchtern waren wir schon, als wir die vielen Leute sahen, doch Axel und seine Liebste hießen uns so herzlich willkommen, dass wir uns auch tatsächlich schon sehr bald sehr willkommen fühlten. Ein Lächeln hier, ein freundliches Wort da und schließlich dürfen wir Wildgans und ihre kleine Schwester R. kennenlernen. Sympathische Menschen überall. Eine sehr angenehme Atmosphäre. Da und dort werden kleine und große Gespräche geführt. Und unbedingt muss hier auch das wunderbare Büffet erwähnt werden. Köstlich!
Livemusik. Lachende Menschen. Einlagen aller Art. Verwandte, Arbeitskolleginnen und –kollegen und der große Freundeskreis haben sich mächtig ins Zeug gelegt, mit akustischen, visuellen und verbalen Einlagen den sympathischen Jubilaren zu ehren.
Spätnachts, im Pensiönchen, fallen wir todmüde in unsere Betten, um nur wenige Stunden später mit den anderen Gästen in der Gaststube zu frühstücken. Spätstück gab’s dann gleich anschließend, zurück in der Mühle. Wieder schöne Begegnungen. Kürzere und längere Gespräche. Die Einladung gar, am traditionellen Pfingstzelten des Freundeskreises teilzunehmen. Welche Ehre!
Gehen, wenn es am schönsten ist, soll man, wird gesagt. So fuhren wir also um den Mittag herum weiter. Anschlusstermin. Auf dem Land. Bei N., einem alten Freund von Irgendlink. Hach, was für eine zauberhafte Gegend, die N. bewohnt! Nur schon die Anreise ließ mein Herz höher schlagen. Und erst der Spaziergang in der Nähe! Gespräche über die Welt, die Liebe und das Leben. Vertrauter Austausch. Unanstrengend. Erholsam. Ja, richtig gut tat es, hier, mitten in der Natur, zu sein.
Als Schlussbouquet besuchten wir Walburga (http://www.steinbildhauerei-herrmann.de/index.html), die uns ihre Steinkunst zeigte. Es juckte mich geradezu in den Händen. Die schon lange in mir dösende Lust, endlich einmal einen großen Stein zu bearbeiten, erwachte mal wieder. Bisher habe ich – leider – erst mit Specksteinen gearbeitet, der Softversion des großen Steines quasi. Ein kleiner Vorgeschmack auf den großen Stein, den harten Stein, gab mir dies trotzdem. Ja, ich habe sehr großen Respekt vor dem Prozess der Steinbearbeitung – vor dem handwerklichen Teil ebenso wie vor dem künstlerischen. Doch eben auch große Lust, mich eines Tages auf diesen Prozess einzulassen.
Schließlich erneut Abschied nehmen. Auch hier gehen wir wieder, wenn es am schönsten ist. Mit der Absicht, bald wiederzukommen oder N. bei uns zu begrüßen.
Heimreise. Autobahn. Gemetzel zwar, doch schön war immerhin die Landschaft, die wir querten. Frühlingsschön. Üppig grün. Blüten überall.
Und schön auch, dabei den Liebsten neben sich zu wissen.
Schön, dieses Ja für einander in sich zu hegen.
Schön, das Leben, diesen Ausschnitt, unseren Ausschnitt davon, genießen zu dürfen.
(Bilder folgen in einem zweiten Eintrag)
Fuffzich
Danke, Axel, für das tolle Fest und all die schönen Begegnungen …

Axel wurde 50: http://www.axeage.de/
Kaffeeflecken
Mal so …

Zweimal das gleiche, eigentlich banale Sujet. Zwei Kaffeetropfen, auf dem Herd eingetrocknet.
Wie beim Schreiben sind es oft die Banalitäten, die – in den richtigen Kontext gestellt – die Basis einer guten Geschichte ausmachen. Die Kenntnis des Schreibhandwerks, angefangen bei der Grammatik bis hin zum Wissen über Satzbau und Stil, ist nichts anderes, als die Kenntnis einer iPhonografin ihre Apps betreffend. Oder jener des Kunstmalers betreffend seine Materialien. Jeder Hintergrund verlangt eine andere Technik des Farbenauftragens. Jedes Thema will von mehreren Seiten betrachtet werden. Jedes Sujet verlangt nach einer individuellen Behandlung.
Kenntnisse sind die Grundlage. Doch erst Inspiration, Übermut, Neugier, Phantasie, Experimentierfreude und der Dinge mehr machen aus dem Sujet dann das finale Werk.
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Bilder: iDogma-Art –
Das erste habe ich mit ProCamera fotografiert, mit Dynamic Light, HDR Pro Library und Diptic bearbeitet sowie mit der WordPress-App gebloggt. Das zweite habe ich zusätzlich noch mit Tiny Planet auf- und durchgemixt.
Kommen Sie jetzt direkt aus der Schweiz?
Dienstagvormittag. Kurz nach elf fahren J. und ich mit den Rädern in die Stadt. Er, weil er einige kleine Besorgungen machen und mich mental unterstützen will. Und ich, weil ich mich anmelden soll. Und ein Bankkonto öffnen.
Zuerst gehe ich, gut informiert wie ich dank Irgendlink bin, gleich aufs Ausländeramt. Obwohl ich ja AusländerIN nicht Ausländer bin. Aber lassen wir das. Gendersensibilität ist hierzulande ein Fremdwort. Diesbezüglich ist Deutschland ein Entwicklungsland. Mit viel Potenzial allerdings, hoffe ich.
Kommen Sie jetzt direkt aus der Schweiz?, fragt der nette Herr. Tonfall: ungläubig. So in etwa wie: Gibt’s doch nicht! Zur Kollegin: Hatten wir noch nie, nicht wahr? Nur immer umgekehrt! Und schon wendet er sich mir zu, nimmt meine Papiere in Empfang, macht Kopien, erzählt mir von Freizügigkeitsabkommen und dass ich in den nächsten neunzig Tagen mit Arbeitsvertrag und Krankenversicherungsausweis wiederkommen muss. Ein Gang auf die Botschaft bleibt mir zum Glück erspart.
Mit einem gelben Post-it am Pass gehe ich ins nächste Büro. Aufs Einwohnermeldeamt. Strenge Dame.
Kommen Sie jetzt direkt aus der Schweiz?, fragt sie, schielt über den Brillenrand. Mustert mich erstaunt. Wie kann die nur?, höre ich sie denken, und: was will die hier? Ich spiele mit dem Gedanken, zu sagen, dass ich nicht direkt aus der Schweiz, aber direkt aus dem warmen Bett komme, lasse es aber bleiben.
Unglaublich, nicht wahr?, sage ich, grinse schief, nicke und nun lächelt sie doch ein bisschen. Im Büro wird es ein paar Grad wärmer.
Kommen Sie jetzt direkt aus der Schweiz?, fragt zwei Stunden später auch die Dame auf der Bank. Zum dritten Mal krähte der Hahn. Neugierig fragt sie, bewundernd geradezu, so als sei es ein riesiges Opfer, dieses wunderbare Land zu verlassen. Ich nicke. Zum wunderbaren Land ebenso wie zu ihrer Frage. Sie hat eine Schwester in Zürich, sagt sie, und dass das Leben in der Schweiz teuer sei.
Na ja. Ist relativ. Die Löhne sind ja auch höher, sage ich, während sie meine Personalien aufnimmt und den Pass von hinten nach vorne blättert. Sie ist nett und erklärt mir alles gut. Wünscht mir zum Abschied gutes Einleben und lächelt. Ich stolpere das erste Mal nicht, als ich die Bank verlasse. Ein gutes Omen, wie ich hoffe, denn wann immer ich mit J. hier Geld ziehen gegangen bin, habe ich beim Herausgehen die Schwelle übersehen.
Später kaufe ich Gemüse auf dem Markt, fühle mich ein wenig wie zuhause und stelle fest, dass die Menschen überall gleich sind. Nett die einen, neugierig alle und immer gibt es auch die andern.
Willst du die Menschen eines Landes verstehen, sag ich später zu J., dann geh hin und eröffne ein Bankkonto. Und melde dich bei einer Krankenversicherung an!
Oke, das mit der Krankenversicherung ist noch nicht ganz ausgestanden, obwohl ich es bereits in der Schweiz aufgegleist habe. Weil ich noch kein Einkommen habe, werde ich nur freiwillig versichert. Minimaler Schutz. Wer kein Einkommen hat, zählt nicht wirklich. Da gibt es nichts zu verdienen.
woher?
Kommen Sie jetzt direkt aus der Schweiz?, hätte dieser Artikel eigentlich heißen sollen. Eigentlich. Wenn ich ihn denn geschrieben hätte. Doch dazu ist es zu spät. Bin müde, vertröste drum auf mañana-mañana. Am Feuer waren wir heute Abend. Haben uns, das Grillen, die Grillen, das Abendbrot und das Abendrot genossen. Das ganz reale Leben eben. Den ganz realen Frühling. Heute.
Gestern Ämter und die besagte Frage nach meiner Herkunft.
Heute Kisten.
Umziehen ist vielschichtig, sinnierte ich, als ich die letzte Küchenkiste auspackte. Zuerst packst du Kisten ein. Du verdichtest deine Materie auf möglichst kleinen Raum. Entziehst den Dingen dabei ihren gewohnten Raum.
Dann kommst du an. Packst die Kisten wieder aus und gibst den Dingen einen neuen Raum. Der Raum und die Dinge und ganz besonders den Dingen und Räumen ihr Mensch müssen sich erst einmal an den neuen Zustand gewöhnen.
Nimm dir Zeit!
Zeit wohnt in der Kammer der Gewohnheit.
künstlich?
Über meine Bildbearbeitungsleidenschaft, die mit jedem Bild, das ich bearbeite, größer und größer wird, gäbe es viel zu erzählen. Die Appsucht ist, wie jede Sucht, etwas, das – trotz ihres in diesem Falle kreativen Potenzials – mich zwar vordergründig nährt, dennoch ab einem Zeitpunkt eine gewisse Leere und einen Schrei nach mehr in mir zurücklässt.
Nein, halt! Das stimmt so nicht. Eher ist es so, dass ich zwar erfüllt bin von der kreativen Arbeit auf dem Kleinstcomputer, doch irgendwann die Lust oder das Bedürfnis auf eine Erweiterung des Werkzeugkastens aufkommt. Zuerst nur ein leiser Gedanke: Es sollte doch eigentlich eine App geben, die dies kann, die jenes kann. Und schon geht die Suche los. Meistens finde ich bald, was ich suche.
Apps, wie die Bearbeitungsprogramme neudeutsch heißen, sind ja gut und schön. Aber letztlich hat Irgendlink recht, wenn er sagt, dass uns die beste App nichts nützt, wenn wir keine guten Bilder machen. Stimmt. Unbedingt. Allerdings kann ein gutes Bild alles sein. Auch das hässlichste Ding kann, im Bild ins richtige Licht gerückt, berühren, was ja eine der Ideen von Kunst ist.
Ist aber wirklich nur das gute Rohbild für die Qualität des Endbildes entscheidend und der auf ihm gewählte Ausschnitt vom Bild, das ja wiederum auch nur ein Ausschnitt von allem ist? Und ist nicht jedes einzelne Leben, jede individuelle Wahrnehmung letztlich nur ein Ausschnitt von allem? Doch darüber wurde allerorten schon viel philosophiert, drum lasse ich das besser.
Ich behaupet also, dass das Sujet nur eins der Teile ist, die über die Endqualität entscheidem. Letztlich kommt es darauf an, was wir aus dem Rohmaterial machen. Unsere rohen Bilder sind die Farben der Malerin und die Wörter des Schriftstellers. Manchmal schon fertig, manchmal ein Anfang.
Und so bearbeiten, verfremden und verändern wir also die Abbildungen dieser Welt, um genau diese Welt erträglicher, schöner, farbiger, verständlicher zu machen. Und wir schaffen – künstlich, mittels unseres Könnens – Kunst.
Ach, noch dies: Beim Fotografieren ist es, wie bem Malen, die Unperfektheit und die Asymmetrie, die einem Bild – die dem Leben und allem irgendwie abbildbaren – Lebendigkeit verleiht. Der Versuch, mein Gesicht mittels Spiegelung symmetrisch zu zeigen, bringt an Licht, dass ich nur ich bin und so aussehe, wie ich aussehe, weil mein Gesicht nicht aus zwei identischen Hälften besteht. So viel schon mal über jene App namens Diptic, die Montagen, Collagen und Spiegelungen ermöglicht.
Sie ist, wie jede App, eine geballte kleine große Lebensschule der besonderen Art.
Ich möchte grad am liebsten über jede App einen kleinen Text schreiben, sage ich halblaut vor mich hin.
Nur zu!, sagt J.
Wart’s ab, sage ich.
Farben weben
Grad hab ich so eine Phase, wo ich mich intensiv mit Farben und Formen auseinandersetze. Mit Bildern und Worten.

Bild: Bern. Letztes Mal als Bernerin in der Altstadt. Letzte Besorgungen am letzten Dienstag. Kurz darauf die Fahrt nach Deutschland.

Bild: J. und ich haben über die möglichen Folgen eines Super-Gaus philosophiert. Nicht auszudenken … oder eben: BESSER NICHT!

Bild: Der Beweis ist erbracht. Heute Morgen nach dem Frühstück kann J.s Finger nicht ruhen, meiner – ich gestehe es – auch nicht: J. und ich sind hochgradig süchtig. Schon denken wir über die Gründung einer Gruppe Appsüchtiger nach. Die AA, die Anonymen Appsüchtigen. Nein, wir langweilen uns nicht miteinander, wir inspirieren uns.

Bild: Das Leben ist verrückt. Die einen sterben, andere werden geboren. Wieder andere müssen fliehen. Und ich darf hier in relativer Sicherheit leben. Verrückt.

Bild: Hast du noch Worte?
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Zur Technik: Alle diese Bilder sind mit dem iPhone aufgenommen und auf dem iPhone bearbeitet worden. Hochgeladen aufs Blog habe ich diese fünf hier allerdings auf dem heimischen Rechner. Hätte ich sie, wie oft, direkt vom iPhone ins Blog geschubst, wäre es iDogma-Art pur.
Ich liebe es, mit den verschiedene Möglichkeiten zu spielen. Zum Beispiel kann ich mit der App „Diptic“ Bilder und Bildausschnitte spiegeln. So setze ich mir gerne hin und wieder die Welt neu zusammen.
Lebensfäden
Schon nach Mitternacht. Ein Bild zur Nacht. Und zum neuen Tag.

Gewidmet meiner Freundin M. und meiner Freundin K., die beide in den letzten Tagen nahestehende Menschen haben sterben sehen. Möge der rote Lebensfaden sich selbst immer weiter weben.
EDIT: Gestern Nachmittag ist ebendiese Freundin K. Grosse Mutter geworden. Ver-rücktes Leben!
Frage des Tages
Da ist dieses Lied von Data Velitha. Illusion. Der Refrain. Er spuckt mir durch den Kopf und dreht sich im Kreis …
Hinhören hier: http://www.myspace.com/559415009

Bild : iDogma-Art –
Fotografiert und beschriftet mit Paintbook, bearbeitet mit Dynamic Light, montiert mit Diptic, nachbearbeitet mit PS Express und hochgeladen mit der WordPress-App
Müll von seiner schönsten Seite
Vorher so …

Bild: Kehrschaufel mit Abfallprodukten von ein paar Windowcolor-Malereien
… nachher so …

Bild: Mit ein paar hochgradig süchtigmachenden Apps auf dem iPhone bearbeitete Windowcolor-Abfälle ins beste Licht gerückt.
Infos zum Bild: iDogma-Art –
Mit ProCamera aufgenommen, mit PS Express, Diptic, Pro HDR und Dynamic Light bearbeitet. Hochgeladen über den heimischen Rechner.
Mehr Nebenerscheinungen meiner Sucht finden sich hier: www.iphoneart.com
