Dazwischenzeitloch

Fühlt sich gut an. Seltsam auch. Ungewohnt leer. Freundin M. hat nach der letzten Kiste sogar den gröbsten Dreck weggekehrt.
Nun gibt es hier nur noch ein bisschen Küche, Futon und Putzzeug. Reicht zum Leben. Eigentlich.

Wir haben gefrühstückt. Unsere beiden Gäste sind abgereist. Vor mir eine leere Obstkiste als Tisch. Sitzen tun wir auf improvisierten Sackkissen. Freundin B. kommt um zwölf. Dazwischenzeit. Loch. Leere. Fülle. Stille. Sein.

Ein Schwedengefühl, jetzt. Nach dem Frühstück die traditionelle Blogsequenz. Ferienfeeling ein wenig.

Was für eine elende verkappte Materialistin ich doch bin!, sagte ich zu Irgendlink. Gestern spätnachmittags. Siesta vor dem Konzert. Alles im LKW verstaut. So viele Dinge.

Später das Konzert. Hammer war es … Büne und seine Band haben drei Stunden ihr bestes gegeben. Witzig, ernst, tiefgründig, romantisch. Alt, neu, ewig.

Bild: iDogma-Art
aufgenommen mit Hipstamatic, bearbeitet mit PS Express und Pic Grunger, veröffentlicht mit Blogger+.

Vorhang

Frühmorgens. Schon wach. Der große Tag. Am Nachmittag kommen die Umzughelfenden und wir füllen gemeinsam den LKW, den J. am Montag vollgepackt über die Grenze fährt. Doch heute und bis dahin ist noch viel zu tun.

Heute Abend dann dies hier, lange Wochen vorfreudig erwartet:

Büne ist Meccano Destructif Commando. Zwei Monate lang. Und heute in meinem Lieblingskulturraum. Was für ein Schlussbouquet!

Mehr dazu unter: http://www.buenehuber.ch/

Doch vorher heißt es in die Hände spucken 🙂

deshalb

Im Straßenverkehrsamt sitzend auf die neuen Autonummern zu warten ist eins. Dies aber im Wissen zu tun, dass ich mit zwei Nummernpaaren statt einem das Amt verlassen werde, lässt mich grinsen.

Mein Auto gehört ab heute offiziell meinem Lieblingsbruder, wir teilen es uns aber. Offiziell. Die alten Nummern, vor Jahren von meinem Garagisten für die Ewigkeit und einen Tag mit Schrauben befestigt, kann ich vor dem Amt trotz massivem Kraftaufwand nicht entfernen. Trotzdem bekomme ich die neuen samt Ausweis ausgehändigt. Geht also doch!

Und natürlich muss ich die alten subito zurückschicken. Aber so kann ich bis zuletzt meine Parkkarte verwenden, super! Rostseidank …

Meine Entsorgungstour hat mich bei meiner Lieblingskioskfrau anhalten lassen. Sie kauft neuerdings Bücher an und verkauft sie weiter. Etwa einen Drittel bin ich los und um ein bisschen Bargeld reicher. Ihrem Bekannten, der sich in zwei Bücher verliebt hat und ihr habe ich gleich noch privat ein paar Bücher geschenkt. Win-win für alle.

Wohin nun mit den Blumentöpfen? Die wolle niemand, sagte die Frau von der Friedhofsgärtnerei. Hm. Wegwerfen? Umziehen?

Kleine Probleme, die ich da habe.

05:55

Ich schaue auf meinen Wecker. Nullfüf-füfefüfz. Das gleichnamige Lied von Züri West erklingt. Im Kopf. Melancholische Sentimentaltät. Schlafen dürfte ich noch eine ganze Stunde. Ist ja erst nullfünf-fünfundfünfzig.

Doch ich liege schon seit einer Stunde wach. Drehe mich, wende mich, schiebe Gedanken von West nach Ost wie Vargas‘ Kommissar Adamsberg die Wolken. Und zurück von Ost nach West.

Ich lasse nahe und ferne Erlebnisse Revue passieren. Den gestrigen Abend zum Beispiel. Mein Abschiedsgeschenk fürs X, das Hilfswerk, für das wir arbeiten, sei das gewesen, hatte Kollege M. bei seiner Abschiedsumarmung gemeint. Gut möglich. Fragt sich nur, wer da wem ein Abschiedsgeschenk gemacht hat.

Es steckte unglaublich viel Zeit und Arbeit hinter diesem Event, keine Frage. Und noch mehr Herzblut. Den Bühnenpoeten PL, den Rapper KB und die Sprachkursteilnehmerin TH zusammen auf die Bühne zu holen und sie Geschichten über Sprache, Weisheit und Verständnis erzählen zu lassen ist eins, es dabei aber zu so einem wunderbar witzigen, unterhaltsamen Abend werden zu lassen, das andere. Das es gelungen ist, ist wirklich ein Geschenk. Ein Geschenk auch für mich, denn der Einsatz und die schlaflosen Nächte haben sich offensichtlich gelohnt.

Meine heutige Schlaflosigkeit gilt unter anderem meinem Rückblick auf fast drei Jahre Hilfswerkarbeit. Da ist Dankbarkeit für Gelerntes, für Erfahrungen, Begegnungen und ganz besonders für die Menschen, mit denen ich unterwegs war. Dankbarkeit und Freude. Als mir Kollegin K., die heute an meinem „Letzten“ nicht dabei sein kann, gestern Nachmittag ihr persönliches Abschiedsgeschenk überreichte, musste ich doch tatsächlich fast heulen. Ganz zu schweigen von all den Abschiedsumarmungen und -wünschen gestern Abend nach dem Event.

Mein Rückblick schließt die ganzen letzten sechs Berner Jahre ein. Die Heimat zu verlassen sei ein mutiger Schritt, meinte gestern die Scheffin meines Scheffs zu mir. Hat sie recht? Kann ich meine Heimat wirklich verlassen? Wenn ich sie in mir drin habe, ist sie doch immer dabei. Heimat ist das Schneckenhaus, das wir alle in uns tragen.

Sprache ist überall, heißt es im Manifest der Berner Spoken-Word-Gruppe „Bern ist überall“. Ja, und auch Kommunikation ist überall. Nicht-kommunizieren geht nicht. Wo Sprache ist, ist Heimat. Überall.

Zum Manifest: http://www.beatsterchi.ch/index___id=5751&l=de.html
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Finale

Ich sitze auf dem Sofa. Trinke Bier. Denke an alles. An nichts. Schaue die leeren, weißen Wände an. Spüre die Unabänderlichkeit.

Erinnerungen ans Wochenende. Letzte Besuche vor dem Umzug. Freundinnen. Freunde. So wird es niemals mehr sein, so, wie es bis jetzt war. Unwiederbringlich vorbei.

Ein weiterer Band meiner Lebensgeschichte geht seinem Ende entgegen. Die letzten Seiten schreibe ich. Heute. Morgen. Übermorgen. Absehbar. Das Finale, mein Happyend in Bern. Und da ist Vorfreude auf das neue Kapitel im Lebensbuch.

Be continued, steht auf der letzten Zeile, à suivre.

Das neue Buch liegt bereit. Bereits sind die ersten Seiten skizziert.

Doch halt, da gibt es ja gar keinen Plot, das ist richtiges, gelebtes Leben.

Ich schreibe mein Drehbuch wohl mit, doch da sind so viele Miteinflüsse, über die ich keine Macht habe. Nicht auf Gefühle, nicht auf Fakten. Aufs Wetter ebenso wenig wie auf Stimmungen anderer, auf Straßenverkehr oder auf Mond- und Sternenkonstellationen. Alles steht ständig zu allem in einem Verhältnis. Sympathikus. Parasympathikus. Wechselwirkungen. Polare Bewegungen. Energie. Gaddafi. Kernspaltung. Vom Kleinen ins Große und zurück. Wieder ins Detail, wo – wie es heißt – der Teufel hockt.

Ich sitze auf dem Sofa. Trinke Bier. Kleine Welt. Müde. Mutig. Machtlos. Menschlich.

Bild: iDogma
Mit Hipstamatic fotografiert, mit Diptic montiert, mit PS Express geschärft und gerahmt.