Nein, danke, mir ist nicht mehr zu helfen …

Heute mal wieder die Berner City heimgesucht. Wie mondän das klingt! Cooler jedenfalls als Zentrum oder Innenstadt. Oder auch nur ir Schtadt

In einem Warenhaus, wo ich leere CDs erstehen wollte und dazu den Papierwarenbereich aufsuchte, der an den Kinderspielsachen-Bereich angrenzt, folgende Szene beobachtet. Mutter mit Kind vor Globussen mit Licht. Das Kind dreht an der Kugel, was sichtlich Spaß macht …

„Hie chasch d’Wäut lehre …“, sagte die Mutter. Hier kannst du die Welt lernen. Wenn das doch so einfach wäre!, dachte ich, schnappte die gesuchten CDs und verirrte mich auf der Suche nach der Abwärtstreppe im Irrgarten der Kinderkleiderabteilung, wo in einem Kinderwagen ein kleines Mädchen saß, ganz allein notabene, und die Welt furchtlos und neugierig beäugte.

Huch, dachte ich, hoffentlich wird das Kind nicht geklaut. Um es zu beschützen, hielt ich mich unauffällig in der Nähe auf und schaute mir dies und das, was da eben so lag und hing, an. Und auf einmal stand ein gelangweilter junger Verkäufer mit Pickeln, kaum dem Stimmbruch entwachsen, aber gschalet u gschniglet, also in Krawatte und Konfirmationsanzug, neben mir und fragte:
„Suechezie öppis beschtimmts?“, den Berner Majestatis Pluralis der Höflichkeit unhöflich missachtend. Ob ich etwas bestimmtes suche? Also echt, was die heute dem Verkaufspersonal an Rhetorik beibringen! Okay, ob mir (noch) zu helfen ist – die Standardfrage aus dem letzten Jahrhundert – finde ich auch nicht wirklich toll. Aber ob ich etwas bestimmtes suche, geht nun wirklich niemanden was an. Hätte ich sagen sollen, dass ich ein mir unbekanntes Kind bewache? Hat er mich womöglich durchschaut? Oder – noch schlimmer – hielt er mich gar für eine potentielle Kidnapperin? Na ja, wenn innerhalb einer oder sagen wir mal zwei Stunden niemand gekommen wäre, um nach dem Mädchen zu gucken … Ich gebe auch zu, dass ich, rein fiktiv, ein paar Szenarien durchgespielt habe. Ein paar Was wäre wenn-Stories. Konjunktiv und so.

Eben als ich mich, so höflich es eben unter den gegebenen Umständen möglich war, für die unerwünschte Hilfe des Verkäufers bedankt hatte, kam die Oma mit einem neuen Wasauchimmer-Dings in der Hand zurück und erntete ein Lächeln des kleinen Mädchens.

Und im zweiten Anlauf fand ich schließlich und endlich den Ausgang.

Kopfkino I

Mein Tag war seltsam. Marathonsitzung am Morgen. Sehr intensiv. Anschließend eine weitere, kleine Sitzung. Zu dritt. Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Nach der Mittagspause tausend Dinge gleichzeitig, die über meinen Tisch kriechen, hetzen, rollen, poltern. Unter anderem „durfte“ ich an die hundert fotokopierte Artikel über unser Hilfswerk sichten, die uns der schweizerische Presse-Recherchedienst auf Wunsch und kostenlos zugestellt hat. Für ein Projekt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Die Zeit vor ungefähr dreißig Jahren betreffend. Die RechercheurInnen haben sich nicht nur auf unser Hilfswerk, sondern auch auf alle anderen konzentriert. Was die Sichtung nicht eben vereinfachte.

Zum Glück gibt es Schlagzeilen!, dachte ich mehr als einmal. Dennoch blieb ich am einen oder andern Text hängen. Einer hat mich ganz besonders berührt, denn „Ein Tag im Leben von …“-Artikel habe ich immer schon gerne gelesen. In diesem hier erzählte ein Hilfswerk-Mitarbeiter dem Journi der Zeitung XY, wie er zuweilen frühmorgens aufwache und nicht mehr einschlafen könne, weil er an all die Kinder denken müsse, die er in Simbabwe, auf den Philippinen, in Werweissschonwo gesehen hat. Dass er dann an seine Kinder im Zimmer nebenan denke und dankbar sei. Aber dass seine Zeit nicht reiche, all das zu tun, was getan werden müsste. Leben im Konjunktiv.

Helfersyndrom, na klar, und dennoch … Mir ist der Text unter die Haut. Manchmal vergesse ich im Alltag, bei der Arbeit am kleinen, am Detail, am Ausschnitt, den ich von hier aus sehe, den ganzen Rest. Den Rest des großen Bildes da draußen. Nein, kein Moralingesülze … es ist einfach dieses Bewusstsein von Mitverantwortung und Solidarität, das ich zuweilen ausblende. Vielleicht sogar ausblenden muss. Um mich zu schützen (da wo es andere nicht können). Oder ist es gar Resignation, die mich so nüchtern macht? Übersättigung, obwohl ich ja kaum Zeitung lese?

Zuhause auf dem Sofa empfand ich meine eigenen Sorgen – die unerwartet hohe Steuerrate zum Beispiel, die bis Mitte Oktober bezahlt werden soll und die mich frühmorgens nicht wieder hat einschlafen lassen – ziemlich banal …

Die Großen und die Kleinen

Wenn die Kleinen nicht wären, die Großen wären nicht halb so groß. Auch könnten sie kaum so tun, wie sie tun. Die Großen – mein Synonym für alle möglichen. Mein Synonym für all die Scheffs, Politikerinnen und Stars, die sagen, was angesagt ist und wo es lang geht … Sie sind nur so viel und nur so groß, weil andere ihnen den Rücken stärken und freihalten.

Ja, und dann gibt es auch jene, die groß sind, aber nicht groß tun. Die alles selbst machen oder jedenfalls machen könnten und die den Kontakt zur Basis und zu sich selbst nicht verloren haben. Die wahren Künstlerinnen und Künstler. Denn Größe ist eine Sache des Herzens, nicht der Inszenierung seiner selbst. Im Großen das Kleine, das Detail, sehen und dieses für sich selbst und für andere sichtbar machen. Eine Kunst, die ich sehr schätze. Oder im Kleinen die Größe und Schönheit erkennen und darstellen. Auch das eine kostbare Gabe, die ich mag. Aber, ooops, ich schweife ab …

Die Kleinen und die Großen – darum soll es in diesem Gespinst hier ja gehen …

Da ist dieser Mann. Er trägt das Haar lang und zu einem Pferdeschwanz gebunden. Wann immer ich bei Soundchecks von Patent Ochsner dabei bin – immerhin schon ziemlich oft – taucht er auf. Kann gut sein, dass ich ihn auch schon bei anderen Bands gesehen habe, an Openairs. Mit großer Virtuosität und Intensität geht er von Instrument zu Instrument, von Bandmitglied zu Bandmitglied und checkt die Sounds. Alle gehorchen ihm. Alle vertrauen ihm blind. Alle tun, was er sagt, blasen leise oder laut, zupfen an Saiten und hämmern auf Tasten, lassen die Bässe klingen und die Drums. Bis alles passt. Der Mann mit dem Pferdeschwanz macht das Konzert erst zu dem, was es ist. Auch er ein Künstler. Ein wahrer, ein großer Künstler. Wie all die vielen anderen Alltagsheldinnen und –helden, die dafür sorgen, dass das Welttheater weiterläuft. Wie jene, die das Klo putzen, zum Beispiel, und dabei pfeifen.

Trybguet

für j. – zwar nicht vom letzten samstagabend, die aufnahme, aber so ähnlich hats getönt …
… und doch gaaanz anders, weil uns ja das symphonieorkester begleitet hat …

[youtube=http://il.youtube.com/watch?v=cGjmhofaof8&feature=related]

trybguet

die nacht überchunnt scho wieder
roseroti ränder
franset uus & fädlet die nächschti wuchen y
mir hei nid pennet, aber si wäg däm no lang
nid wach
& zyt geit tic-tac-tic-tac viel z schnäu
verby, we mir zäme si

i bi wie nes trybguet trybe, hals über chopf i
dr schtrömig
wyt äwäg vom ufer & vor auem wyt äwäg vo dir
ewigi ebbe & fluet,
im schturm isch
jede hafe guet

aber dyne isch dä, won i scho ha vermisst, won
no nüt vo dir ha gwüsst

du chasch cho & du chasch gah
du chasch aues vo mir ha
du chasch di uf mi verla
i bi immer für di da – ei tag länger
aus für immer
schryss mi über ds näscht ab
füehr mi hinger ds liecht
mir isch jedes mittu rächt
mach mi figefertig & sug mi uus
i leischte dir ke widerschtand
i la mir aus vo dir la gfaue
schteue nume ei bedingig im voruus
la dä mäntigmorge nid zu üs i ds huus!

du chasch cho & du chasch gah
du chasch aues vo mir ha
du chasch di uf mi verla
i bi immer für di da – ei tag länger
aus für immer

i liebe se meh aus mi – ei tag länger
aus für immer!

Akkorde

Mit dem Liebsten und drei weiteren Lieblingsmenschen der Lieblingsband lauschen … Hach, ich bin rundum glücklich und fühle mich reich beschenkt.

Das war ja echt eines der gei… ähm genialsten Konzerte meines Lebens. Zusammen mit mindestens tausend* andern genossen. Das erste und einzige seiner Art – Klassik und Rock aufs beste verwoben. Das Berner Symphonieorkester und Patent Ochsner.

Eigentlich, und das tu ich vielleicht nächstens mal, sollte ich mal über jenen ganz speziellen Menschen bloggen, ohne den Konzerte wie dieses niemals so unvergleichlich klingen würden. Doch, wie gesagt, darüber vielleicht ein andermal …

Jetzt gibts erst mal Brunch. Vier Mägen knurren …

* EDIT: Die Zeitungen sprachen von zehn- bis fünfzehntausend Leuten auf dem Bundesplatz …

Gemurmel

Ich schlafe zurzeit seltsam. Sehr unruhig, sehr bewegt und voller Träume, die nicht hängen bleiben. Ideen verdichten sich ganz kurz zu einer Aussage und ziehen unausgesprochen weiter, ohne Fingerabdrücke und Erinnerungen zu hinterlassen. Als sei alles irgendwie flüchtig. Auch der Alltag. Vieles läuft parallel und berührt mich kaum. Flüchtig alles irgendwie. Flüchtig wohl deshalb, weil ich mich davor fürchte, eine Idee weiterzuverfolgen, sie zu verdichten und in die Materie zu holen? Was wäre wenn …?, denke ich oft. Und dass im Grunde alles Konjunktiv ist. Das meiste jedenfalls. Nicht vielen Gedanken gelingt es, materiell zu werden. Ein neues Gefäß zum Beispiel. Dann Altglas.

So gedeihen mal wieder ganz viele flüchtige und unfassbare Kopfgeschichten. Aus allem und jedem, das an mir vorbeischwebt, spinne ich Histörchen. Die im Konjunktiv bleiben natürlich. Kaum einer gelingt es, auf Papier Gestalt anzunehmen. Kaum eine schafft den Weg über meine Finger auf meine Festplatte. Nicht mal der Regenwurm im Regentopf – den es nicht gibt. Oder doch? Und wenn, was dann?

So, jetzt geh ich mein Altglas entsorgen – der Psychohygiene wegen und so … Das erdet. Einkaufen ebenfalls.

Lesen, lesen, lesen …

Bald ist es soweit … „Gamuppels Sternenreise“ kommt in die Buchhandlungen!

Und auf meinen Nachttisch. Und in mein Herz. Nein, halt! Da ist er ja schon. Seit ungefähr zwei Jahren bereits. In seiner allerersten Rohfassung durfte ich diesen Roman lesen und war schon damals begeistert. Und berührt. Ein weises Märchen, eine Geschichte für kleine und große Kinder, für Menschen, die noch staunen können. Ein Buch voller Weisheit … Liebe U., ich freue mich sehr, dass du es gewagt hast. Und dass ich dein Buch schon bald berühren darf. Wie war das doch gleich? Aller Anfang ist die Idee …

Lieber Gamuppel, dir wünsche ich schon jetzt viele Freundinnen und Freude!

Auch auf ein ganz anderes Buch bin ich sehr gespant. Auch dessen Geschichte kenne ich bereits, wenn auch erst als erzählter Plot. Seit einem Jahr ungefähr. Ich bin sehr neugierig, wie sich dessen Umsetzung liest. Lukas Hartmanns neuer Roman „Finsteres Glück“ ist eben erschienen … Lukas wird daraus am Berner Literaturfest vorlesen. Morgen um 16 Uhr auf dem Münsterplatz. J. und ich werden zuhören …

A little Byte …

Meine neue externe Festplatte, die ich zum Schnäppchenpreis im Internet gefunden habe, fasst sage und schreibe anderthalb Terabytes. Sind anderthalb Millionen Millionen Bytes. Ein Byte mit zwölf Nullen. Nein, ich will hier weder über die Wunder der Technik schwärmen noch über unseren Machbarkeitswahn lamentieren …

Nur dies: wäre ich ein kleines Byte, eins ganz ohne Nullen hintendran, vielleicht der Splitter einer klitzekleinen Textmail oder einer Datei wie dieser hier, würde ich mich jedenfalls auf dieser riesigen neuen Festplatte schrecklich klein fühlen. Bin aber nur ein klitzekleiner Mensch, dafür auf einer riesigen, uralten Kugel, doch auch hier fühle ich mich manchmal schrecklich klein. So zoome ich bisweilen von Weitwinkel auf Tele. Wähle einen Ausschnitt. Wähle ein Stück Erde, das mir Geborgenheit gibt. Wähle ein paar Menschen, ebenfalls klitzekleine Bytes auf diesem grünblaugrauen Rund hier, und schon fühle ich mich wohl.

Damit sich nun die ersten kleinen Bytes auf meiner riesigen leeren Platte nicht so einsam fühlen, schiebe ich nun laufend neue Daten auf das Ding. Alle meine Texte haben es sich dort nun bequem gemacht. Sie wurden von der alten, hundertelf Gigabytes fassenden Festplatte auf die neue verrückt. Verrückt, jawohl. Verrückt auch, dass Texte wie dieser hier, auf einem Textdokument wie Word entworfen, weniger wiegen als dreißig Kilobytes. Ein ganzes dickes Buch? Sagen wir mal fünfhundert Kilobytes. Nicht wirklich viel …

Und was wiegt eine Seele? Einundzwanzig Gramm geht das Gerücht. Und heißt auch ein Lied der Ochsen. Meine seit vielen Jahren liebste Berner Rockband wagt am Samstagabend das einmalige Experiment, mit dem Berner Symphonieorkester auf dem Bundesplatz gemeinsame Sache zu machen. Auch der wunderbare Song „21 Gramm“ werde klassisch interpretiert. Opulent und pathetisch klinge er, meinte Frontmann Büne in einem Interview, das ich heute in der Berner Kulturagenda auf der Titelseite gelesen habe ( >www.kulturagenda.be > Ausgabe Nr. 34).

Das besagte Lied, eben jetzt von A nach B verschoben, wiegt immerhin vierkommasiebendrei Megabytes. Ob das mehr oder weniger sind als einundzwanzig Gramm, weiß ich leider nicht. Klingen tut das Ganze irgendwie so, ist aber leider ziemlich ne miese Aufnahme …

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=COOzaCXRRU8]

beziehungsweise …

Weise, wer zu andern in Beziehung steht. Alle eigentlich, irgendwie, zu allem, zu Dingen ebenso wie zu Undingen wie anderen Menschen. Relativ jedenfalls, alles, immer relativ. Immer alles in irgendeinem Verhältnis zu irgendwem und irgendwas. Im Stehen oder im Gehen. Oder auch nur beim Sein. Alles verhält sich irgendwie, beziehungsweise eben alle, zueinander. Mal nähere, mal fernere Relationen. Verhältnisse unter Verwandten, könnte ich sagen, denn das sind wir ja, und alle andern auch. So oder eben anders, denn alles ist ja, wie gesagt, relativ.

Besonders Besitz. Wer wen besitzt, zeigt sich daran, wer wen gewählt hat. Die Beziehung zueinander. Besitzergreifend zum Beispiel das  iFöun. Da hatte ich also mal so ein Teil gesehen und erlebt und ein bisschen mitbenutzen dürfen, und schon war er da, der Virus. Leise flüsterte er mir zu: Du kannst ohne mich und meine Verwandten nicht mehr leben. Gib mir dein Leben. Ich hatte keine Wahl mehr und kaufte dessen Schwester. Seine Cousine, das Fixnetz-Telefon, war seinerzeit weit weniger zudringlich. Und doch: auch sie oder es besitzt mich. Außer nachts. Ebenso ergeht es mir mit meinen privaten Mailprogrammen, während jenes im Geschäft ein Stiefkind ist. Aber auch verwandt. Das schon. Besitzergreifend ist auch mein Blog, keine Frage. Es fordert mir jeden Tag einen Beitrag ab, einen Tribut, eine Steuer – schließlich habe ich das Ding selbst kreiert. Einem Kind gleich – oder einem kleinen Vogel – streckt es mir seinen offenen Mund, will heißen Schnabel, entgegen und will täglich gefüttert werden. Kein Fastfood natürlich, dafür biologisch und so. Mit Ballaststoffen und Vitaminen. (Wieso nur muss ich hier an den Zauberlehrling denken, der – lang ist’s her – nach den Geistern gerufen hatte …)

Anders verhält es sich mit Dingen, die ich besitze. Wo ich die Scheffin bin. Bei meinem Fahrrad zum Beispiel. Obwohl auch dieses Teil hin und wieder ein Eigenleben führt. Meistens jedoch darf ich sagen, wo es lang geht. Mein Auto? Dieses Verhältnis ist ausgewogen. Wir besitzen uns gegenseitig, würde ich mal sagen, wohingegen Dinge wie Bett und Bücher und Laufschuhe meine Herrschaft, öhm, Frauschaft ohne zu motzen respektieren. Vielleicht mucken sie ab und zu auf, verstecken sich zuweilen (Bücher), lassen Regen ein (Schuhe) oder quietschen ein wenig (Bett, Schuhe auch hin und wieder), doch meistens sind sie nett zu mir. Und ich auch zu ihnen.

Apropos nett und verwandt und Besitz … Wie ich heute Morgen mit dem Rad zur Post fahre, um das Geschäftspostfach zu erleichtern, radle ich an einer Frau vorbei, die ihr Baby wie ein Känguru im Beutel vor dem Bauch trägt. Eben als ich sie überhole, küsst sie ihr Kind auf die Stirn. Ertappt schaut sie mich an. Wir lächeln uns zu. Ein Anblick, der mich berührt. Diese Zärtlichkeit, dieser Hauch … Küssen tun wir nur, wenn wir in Beziehung stehen. Küssen, die Lippen schürzen, den geliebten Menschen mit unserem Mund berühren. Archaische Handlung, denke ich, wie ich weiterradle. Archaisch, sich und den anderen Menschen auf diese Weise zu nähren und sich ihm so zu nähern … mit einer Berührung, die dem Füttern ähnlich ist. Sich küssende Menschen sehe ich später noch mehr, am Bahnhof. Freundschaftsküsse. Abschiedsküsse. Dreimal auf die Wange. Auf den Mund. Mit oder ohne Zunge. Berührung von Haut auf Haut.

Wie gesagt: Weise, wer zu andern in Beziehung steht. Und wunderbar, wenn wir jemanden haben, den wir küssen mögen …

(Jaaa, endlich habe ich mal wieder einen Schlusssatz gefunden …)