Schlagwort: Augenblicke
Noch mehr Grenzen
Die Haut zum Beispiel. Grenze zwischen innen und außen. Wird sie verletzt, blute ich. Piekse ich einen anderen Menschen, blutet dieser ebenfalls. Materielle Grenzen sind einfach gezogen, schnell definiert. Meine Wohnung. Mein Auto. Mein Büro. Gezogen im Kopf. Definierter Besitz.
Höre ich Grenze, assoziiere ich Respekt.
Gestern Abend, zum Glühwein bei meinen Freunden M. und A. habe ich von der Schneeballtheorie erzählt, die ich mir mal zusammengereimt habe. Oder habe ich darüber bloß irgendwo gelesen? Möglicherweise. Vielleicht in meinem eigenen Tagebuch? Auch möglich. Item.
Grenzen wäre demnach das erste Wort, das ich in die Mitte schreibe. Auf ein großes Blatt Papier. Das erste Wort gebärt zwei neue Wörter, die mit dem ersten sinnverwandt sind. Respekt, wie gesagt, das erste und Kontrolle – als Beispiel – das zweite. Nun weiter: Respekt gebärt auf meinem Blatt Papier Rücksicht und Sorgfalt. Kontrolle gebärt Angst und Druck. Und so weiter. Kannst es ja gleich selbst machen. Ein Wörterschneeball, der immer grösser wird. Am Schluss haben die Wörter, die ganz außen kleben nichts mehr mit dem Innendrin-Wort zu tun.
Grenzen. Die Materie macht es sich einfach, sie verdichtet sich und ist sichtbar begrenzt. Schwieriger ist es da mit den nichtmateriellen Grenzen, diffus wie sie nun mal sind.
Um Schutz geht es letztendlich, wenn wir Grenzen sagen, rätsle ich. Schutz gebärt die zwei Wörter Selbstschutz und Gefahr. Der Schneeball wächst.
Warum wir uns vor anderen schützen müssen? Eine Aufgabe, die mancher Mutter, manchem Vater Kopfzerbrechen bereitet.
Warum gibt es böse Männer?, habe ich damals gefragt. Ein Mädchen war verschwunden, keins, das ich gekannt hatte, doch keine hundert Kilometer entfernt, in meinem Alter, und alle Eltern alarmiert. Später, als es tot gefunden worden war – vergewaltigt, wenn ich mich richtig erinnere –, wuchs der Erklärungsnotstand ins Unermessliche.
Selbstschutz gebärt Verletzungen und Wachsamkeit.
Mein Leben, so schrieb ich eben in einer Mail, mein Leben ist wohl heute eine Mischung aus Selbstbestimmung und Fatalismus.
Und jedes Wort gebärt zwei neue Wortkinder. Fatal vielleicht.
Haut gebärt heute die beiden Wörter Berühren und Streicheln. Auch nicht schlecht.
Noch dreimal schlafen, flüstere ich mir zu. Noch dreimal schlafen, bis J. wieder da ist. Insch’allah.
Wie wird Mensch Mensch?
Human. Ein Wort mit Synonymen wie warm- oder barmherzig, mitfühlend, gutherzig, gütig. Außerdem freundlich und gut. Und, wen wundert‘s?, menschlich. Nein, eine philosophische Abhandlung will ich nicht liefern, nur ein paar Sofasophien …
Vor paar Tagen war Freundin C. bei mir. Little-F. natürlich mit dabei. Schon beinahe sechszehn Monate alt ist der kleine Kerl inzwischen. Und neugierig. Kindliche Neugier ist etwas vom schönsten und etwas vom anstrengendsten. Wir mögen uns, Little-F. und ich. C. meinte, dass er längst nicht bei allen so viel lache und Kapriolen und Grimassen mache. Welche Ehre!, sage ich und verneige mich vor dem kleinen Mann. Wir lachen. C. und ich überlegen, wie ein Kind wohl neue Wörter lernt. Fragen uns, wie Wörter verknüpft und gefüllt werden, die zwar ja gesellschaftlich definierte Inhalte haben, von uns allen jedoch oft recht unterschiedlich eingefärbt sind. Wörter lernen ist eins, sie verstehen ein anderes. Ein Wort ist wie ein Weg, denke ich. Je öfter ich ihn gehe, desto vertrauter wird er mir. Irgendwann kenne ich seine Kurven. Er lenkt mich und gibt mir seine Form vor, damit ich ihn nutzen kann.
Ich nicke übertrieben heftig mit dem Kopf und sage dazu Ja, ja zu Finn. Der Kleine nickt mit und grinst. Ich schüttle den Kopf und sage Nein, nein. Er schüttelt ebenfalls den Kopf. Später will er mein iPhone schnappen und ich sage nein, worauf er den Kopf schüttelt und grinst. Doch das iPhone schnappt er sich dennoch. Die Körpersprache hat er zwar gelernt, doch was das Wort heißt, will er nicht verstehen. Obwohl … ich bin sicher dass er es kennt. Denn das erste Wort, das wir Menschen lernen – und zugleich, wie ich vor einiger Zeit gelesen habe, auch das erste Wort, dass wir bald wieder verlernen müssen, weil wir sonst nicht überleben könnten – heißt nein.
Ja sagen ist einfacher. Es öffnet Türen.
Human werden, Mensch werden. Kommt ein Kind empathiefähig zur Welt oder gestalten sich diese Fähigkeiten im Laufe des Lebens? Eine Frage, über die es haufenweise Theorien gibt. Ich habe zwar meine, doch das lassen wir.
Vorhin im Wald: Vor mir eine Mutter mit zwei Kindern. Sie zieht den Holzschlitten mit beiden Kids drauf. Das Mädchen, kleiner, vielleicht dreijährig, purzelt rückwärts. Nicht schlimm. Es steht auf. Der Junge, etwas fünf oder sechs Jahre alt, will nun den Schlitten ziehen. Eine Weile macht er es richtig gut. Dann wird er übermütig, was ich ihm nicht verargen kann. Er zieht seine Schwester im Slalom. Eine Weile sind beide glücklich. Dann wird er grob, er macht eckige, grobe Kurven und erwürgt seine Schwester beinahe mit dem Seil, der Schlitten kippt seitlich um, das Mädchen liegt im Schnee. Nein, es weint nicht, will sich keine Blöße geben. Der Bub grinst hämisch, ein bisschen böse. Die Mutter sagt nur scharf nein und schaut den Jungen direkt an. Er wendet beschämt seinen Blick ab und hilft seiner Schwester wieder auf die Beine. Ob aus Angst oder Einsicht ist nicht auszumachen.
An dieser Stelle habe ich die Familie überholt. Grenzen, denke ich beim Weitergehen, Kinder brauchen Grenzen. Wir brauchen Grenzen. Mensch können wir nur werden im begrenzten Raum. Grenzenlosigkeit erzeugt egoistische Selbstüberschätzung.
Erst wenn wir Grenzen haben und dazu Kenntnis, Weisheit, Erfahrung und Werkzeug, können wir sie auftun.
Luxus und so Sachen
Bevor ich mich an meine weitere Überarbeitungsarbeit am Loch im Eis mache, die ich zurzeit mit disziplinierter Konsequenz oder konsequenter Disziplin betreibe und vor Mittwoch abschließen will, fällt mir mein Blog mal wieder ein, das verwaiste. Fast verwaiste, jedenfalls.
Natürlich habe ich es nicht vergessen. Im Alltag denke ich ständig: Das blogge ich. Dies muss ich in Worte gießen. Das muss ich mir merken. Aber eben.
Die Zeit. Die Konzentration. Die Tagesform. Die Disziplin. Die Faulheit. Alles Faktoren, die je nach Verhältnis zueinander und von ihrer Position innerhalb der Gleichung dafür sorgen, dass das Produkt gleich Null ist. Ist eigentlich egal, wenn ich nicht blogge. Ja, wenn dann genau noch dieser Gedanke dazu kommt, kann nix entstehen, kann kein Gedanke Text werden.
„Meine Ideen können gar nicht alle aus meine meinem Kopf raus“, sagt Patrick Zeller. Hab ich heute in einem Interview über den vielseitigen Musiker gelesen. In der Kulturagenda vom 16. – 22.12. Das seien allerdings Luxusprobleme, fügt er gleich an.
Ja, recht hat er, denke ich. Realistisch betrachtet sind die meisten Themen, über die wir uns den Kopf zerbrechen, sogar die meisten Probleme, die wir lösen oder zumindest wälzen, eben dies: Luxusprobleme. Ihre Lösung oder Nichtlösung bedroht weder unser Leben noch unsere Gesundheit. Vielleicht bereitet das eine oder andere Unannehmlichkeiten, kleine Einschränkungen, ein bisschen Stress, Herzschmerz oder was weiß ich. Und ob ich etwas davon blogge oder nicht, geht 99,99999% der Menschheit am A… vorbei.
Ist Schreiben und Bloggen, ist Kunst und Kultur Luxus?, frage ich mich und lese weiter in der Kulturagenda. Auf der gleichen Seite finde ich einen Klartext von Thomas Beck. Es geht um die kulturelle Frühförderung.
Ich zitiere: „Erstens haben Kinder nach einem Jahr Musikunterricht einen Intelligenzquotienten, der acht bis neun Punkte höher ist als ohne Musiktraining. Zweitens: Kinder mit Musikunterricht haben ein besseres verbales Gedächtnis. Drittens: Musizierende Kinder können komplizierte Sätze besser verstehen. (…) Leistung, sagt Lutz Jäncke, sei immer ein Produkt von „Wollen mal Können mal Möglichkeit“: Ist ein Faktor gleich null, sei auch das Resultat gleich null. Kinder also, die keine Gelegenheit haben, mit Kunst in Kontakt zu kommen, sind damit von den vielfältigen positiven Sekundäreffekten ausgeschlossen. Kulturelle Bildung ist wahrlich kein „Nice to have“. Ich frage mich vielmehr, wie lange wir es uns noch leisten können, durch eine zu geringe Stimulierung kindlicher Gestaltungslust in der Schule kreative Potenziale ungenutzt zu lassen. Potenziale, die die Gesellschaft der Zukunft auf allen Ebenen so nötig hätte. Das ist die wahre Ressourcenproblematik hinter der kurzsichtigen Finanzdebatte.“ (Zitat Ende. Kursivsetzung durch mich).
Hat da wer was von Luxusproblemen gesagt?
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EDIT: Heute, es ist der 19.12. 2010, bei Luisa Francia auf salamandra.de ein ganz besonderes Plädoyer für Kunst gefunden:
„wie muss es menschen gehen, deren kindheit eingeschlossen ist in alltagsabläufe und wirklichkeitsvorstellungen, die mit dem eigenen leben absolut nichts zu tun haben! mich hat nicht widerstand befreit, sondern die konsequente treue zu meinen eigenen bildern, meinen überzeugungen, meinen wahrnehmungen. kunst hat mein leben gerettet.“
Quelle: Luisas Internettagebuch-Eintrag vom 19.12.2010 um 12:34:25
(Kursivsetzung durch mich.)
Ein Wort zum guten Tag
Verblogge auch tolle Storys, begreife ich. Das wäre wohl, von Irgendlinks gestern zitierter Gedankenkette ausgehend, eine heilsame Form der Selbstauferbauung. Selbstausdruck. Und natürlich auch eine ausgesprochen produktive und so gar nicht zerstörerische Form von Verarbeitung. Und ebenfalls förderlich für das Seelenheil der Kreativen. (Notiz an mich: Bloggen als Therapieform? Nein, das greift zu kurz.)
Tolle Storys. Was genau das ist? Nein, kein Fragezeichen. Wir alle kennen die Antwort.
Ausscheidung, Liebe und Zeit – das sind die drei alles entscheidenden Themen, jene Themen, die die Welt zusammenhalten, schrieb ich gestern meinem Liebsten.
Toll und schön sind suspekt. Träume und Träumen auch.
Ich will dennoch nicht aufhören, von einer besseren Welt zu träumen und auf sie hin zu arbeiten. (Notiz an mich: besser für mich oder besser für alle???) Auch auf die Gefahr hin, an der Nichtkongruenz von Soll und Ist zu leiden. Habe ich im September auf einen Notizzettel gekritzelt.
Bessere Welt? Ausrede. Klischee. Unfassbares Ding. Gegenwart verpassen. Abgelutscht.
Stichwort: Unerfüllte Sehnsucht. Hatten wir neulich schon mal. Sag mal ehrlich, du da draußen, oder du, oder du, sag, sind wir nicht alle deshalb noch da und unterwegs auf dieser wackeligen Seilbrücke, die Leben heißt, weil wir entweder an das Gute, das bereits da ist oder das noch kommt oder zumindest als Idee besteht, hoffen oder aber deshalb, weil wir zwar resigniert und abgelöscht sind, aber zu feige, uns umzubringen. Okay, das war jetzt eben ziemlich schwarzweiß und sehr vereinfacht. Dennoch … irgendwas bringt uns ja dazu, am Morgen aufzustehen und zu tun, was wir als unser Ding oder zumindest unsere Pflicht betrachten. Ob dem allem Solidarität, Dringlichkeit, Bedürfnis oder schlicht der zu erwartende Zahltag zu Grunde liegt, ist erst einmal Nebensache. Fakt ist, wir stehen auf, weil wir etwas tun wollen, das in unseren Augen getan werden soll – und wenn wir auch bloß aufstehen, um zu pinkeln (womit wir bei dem ersten der drei alles entscheidenden bereits erwähnten Dingen wären, siehe oben).
So weit so gut.
Motivation ist ergo das Ding, das uns am Leben erhält. Der Herz-Schrittmacher. Unsere Motivation, unser Motiv und Beweggrund – gewoben aus den Kettfäden Erfahrung, Erkenntnis, Erlebnis und Erziehung sowie den Schussfäden Zufall, Glück, Schicksal, Inspiration … Warum ich auf die europäischen Trauben warte, zum Beispiel, und keine aus Chile kaufe, obwohl die schon früher im Handel sind? Erziehung. Erkenntnis. Warum ich lieber für ein Hilfswerk arbeite als für eine Autofirma? Einsicht. Erkenntnis. Erziehung. Zufall. Warum ich dennoch ein Auto habe? Erfahrung. Erkenntnis. Zufall. Schicksal. Undsoweiterundsofort. Ach, und Selbstverar…ung wäre ein weiterer in die Gedankenfäden über unsere Motivation einzubeziehender Faktor. Und natürlich sind diese pseudopsychologischen sofasophischen Gedankenspielereien weder über alle Zweifel erhaben noch sonst wie empirisch abgesichert.
Was ich sagen will? Ich frage mich, ob eine Erkältung eine tolle Story abgibt. Oder ist es gar, weil ich Fieber habe, eine Grippe, die in meinen Eingeweiden brodelt – was aber dennoch kaum eine gute Story abzugeben vermag. Selbst dann nicht, wenn mich ebendiese Erkrankung in den Langsammodus katapultiert hat. Oh, wie ich mir dieses Wort auf der Zunge zergehen lasse! LANGSAMMODUS. Und wie ich es grad genieße, meine unausgegorenen Gedanken in die Finger fließen lassen und in die Tasten hacken zu können.
Ich sehe mich durch den morgendlichen Herbstwald spazieren. Sonne durch die Bäume, Herbstlaub unter den Füßen. Es knistert und riecht, wie nur Herbst riechen kann. Hier und da das Rascheln eines Eichhörnchens. Dort drüben das Klopfen des Spechts. Ein Reh huscht über den Weg. Ich halte inne, denn ich habe Zeit. Genieße meine kleine heile Welt dieses Augenblicks. Habe Zeit, meine Sinne zu öffnen. Atme tief. Muss mich nicht schützen. Kann offen sein für das Leben, das ist. Jetzt. Auch. Anderes Leben. Langsam gehe ich weiter. Das Rauschen des kleinen Baches wird lauter. Mit ein paar Schritten auf große, flache Steine überquere ich das Rinnsal. Später, zurück in der Schreibstube setze ich mich erneut an die Geschichte, die ich am Schreiben bin. Am Nachmittag gehe ich in den Garten und ernte das letzte Herbstgemüse … Ich setze Tulpenzwiebeln für nächsten Frühling. Der kommt bestimmt. Wie immer.
So könnte Leben sein. Mein Leben.
Ohne Unterhaltungswert. Außer für mich, die ich es lebe. Doch worüber ich dann wohl bloggen würde?
Nein, danke, mir ist nicht mehr zu helfen …
Heute mal wieder die Berner City heimgesucht. Wie mondän das klingt! Cooler jedenfalls als Zentrum oder Innenstadt. Oder auch nur ir Schtadt …
In einem Warenhaus, wo ich leere CDs erstehen wollte und dazu den Papierwarenbereich aufsuchte, der an den Kinderspielsachen-Bereich angrenzt, folgende Szene beobachtet. Mutter mit Kind vor Globussen mit Licht. Das Kind dreht an der Kugel, was sichtlich Spaß macht …
„Hie chasch d’Wäut lehre …“, sagte die Mutter. Hier kannst du die Welt lernen. Wenn das doch so einfach wäre!, dachte ich, schnappte die gesuchten CDs und verirrte mich auf der Suche nach der Abwärtstreppe im Irrgarten der Kinderkleiderabteilung, wo in einem Kinderwagen ein kleines Mädchen saß, ganz allein notabene, und die Welt furchtlos und neugierig beäugte.
Huch, dachte ich, hoffentlich wird das Kind nicht geklaut. Um es zu beschützen, hielt ich mich unauffällig in der Nähe auf und schaute mir dies und das, was da eben so lag und hing, an. Und auf einmal stand ein gelangweilter junger Verkäufer mit Pickeln, kaum dem Stimmbruch entwachsen, aber gschalet u gschniglet, also in Krawatte und Konfirmationsanzug, neben mir und fragte:
„Suechezie öppis beschtimmts?“, den Berner Majestatis Pluralis der Höflichkeit unhöflich missachtend. Ob ich etwas bestimmtes suche? Also echt, was die heute dem Verkaufspersonal an Rhetorik beibringen! Okay, ob mir (noch) zu helfen ist – die Standardfrage aus dem letzten Jahrhundert – finde ich auch nicht wirklich toll. Aber ob ich etwas bestimmtes suche, geht nun wirklich niemanden was an. Hätte ich sagen sollen, dass ich ein mir unbekanntes Kind bewache? Hat er mich womöglich durchschaut? Oder – noch schlimmer – hielt er mich gar für eine potentielle Kidnapperin? Na ja, wenn innerhalb einer oder sagen wir mal zwei Stunden niemand gekommen wäre, um nach dem Mädchen zu gucken … Ich gebe auch zu, dass ich, rein fiktiv, ein paar Szenarien durchgespielt habe. Ein paar Was wäre wenn-Stories. Konjunktiv und so.
Eben als ich mich, so höflich es eben unter den gegebenen Umständen möglich war, für die unerwünschte Hilfe des Verkäufers bedankt hatte, kam die Oma mit einem neuen Wasauchimmer-Dings in der Hand zurück und erntete ein Lächeln des kleinen Mädchens.
Und im zweiten Anlauf fand ich schließlich und endlich den Ausgang.
Eden
Der Traum von Paradies, wer träumt ihn nicht? Mindestens ein bisschen.
Gestern haben wir uns Straßenkarten für die Urlaubsreise im Juli gekauft. Vorfreude ist eben die schönste Freude. Im Bett liegend sich durch Kartenlandschaften zu träumen – so schön. Besonders, wenn es Träume sind, die sich umsetzen lassen.
Einen ganz anderen Traum vom Paradies haben wir uns gestern Abend im Kino angeschaut.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=ik9vsiwNnBw]
Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich mir diese Geschichten aus jenem kleinen Berner Mikrokosmos im Westen von Bern zu Gemüte geführt. Ein wenig traurig hat er mich schon gemacht, dieser Film, denn kaum einer der gezeigten Menschen schien wirklich glücklich zu sein. Doch immerhin ein wenig glücklicher als er oder sie wäre, hätte sie ihr Stück Garten nicht.
Und wovon träumt ihr?
bierernster Abstand
Jedes Mal, wenn ich die Grenze Solothurn-Aargau per Autobahn hinter mir gelassen habe, wird mir bewusst, wie gut ich autofahren kann. Die aargauische Polizei liegt voll richtig mit ihrer weisen Erkenntnis zu meinem Fahrstil! Und, nein, natürlich habe ich das Bild nicht selber aus dem fahrenden Auto aufgenommen! Es ist ein Bild aus J.s Testserie mit seinem nigelnagelneuen EiFoun! Ein Teilchen, das mich übrigens auch ganz schön kuhl dünkt. Sieht gut aus, hat viele Finessen und wenn mir jemand eins schenken würde, tät ich nicht nein sagen. Vorausgesetzt das Abo sei im Geschenk inbegriffen.
Hach … die moderne Technik. Ich gestehe, dass ich diesbezüglich gerne ein Kind unserer Zeit bin!
So, und für die liebe WildganZ hole ich hier nun endlich mein versprochenes Bierblogchen nach.
Feierabend. Und dazu ein Bier trinken!
(So hätte mein Bierblogartikelchen angefangen, jenes Textchen, das ich neulich hatte schreiben wollen. Und weiter wäre es dann ungefähr so gegangen …)
Bier ist nämlich, ganz unter uns gesagt, Medizin. Wenn sie richtig angewendet wird. MEINE Medizin. Ungelogen. Seit ca. drei Jahren trinke ich einigermaßen regelmäßig – und maßvoll natürlich! – Bier. Fast gleichzeitig mit der Gründung meines monatlichen Schreibtreff-Stammtisches, deren Anfänge ungefähr in die Zeit fielen, als ich mich aus meinem Beinahe-Burnout zu erholen begonnen hatte. Jene Zeit auch, als ich angefangen hatte, meine Schreibe sichtbar zu machen. In der Schreibgruppe zuerst. Später und noch immer an Lesungen. Und in Artikeln und Anthologien. Da und dort … und hier im Blog.
Alles zusammen genommen wurde zum Wendepunkt, The Point Of No Return im etwas anderen Sinne. Seither geht es aufwärts mit mir. Oder vorwärts. Wie die Ameise auf dem neulich zitierten Halm. Die Ameise, die sich zum Schmetterling verpuppt. Oder so.
Anders gesagt: Seit ich Bier trinke, geht’s mir besser. Medizin, wie gesagt. Auch früher trank ich Bier, doch seit etwa drei Jahren trinke ich es, weil ich es mag. Hauptsache, ich brauche kein Baldrian mehr …
Ach, noch ein Vorteil: Bierflaschen sind robuster als Baldrianflaschen … *
Oha, jetzt habe ich das Ding ja doch geschrieben …
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* WARNUNG. Dieses Blogtextchen soll nur von Menschen ab 16 Jahren und von nicht alkoholabhängigen Menschen gelesen werden. Außerdem ist es nicht ganz bierernst zu nehmen.
Ach, noch dies: Ich bin mir der Gefahr von übermäßigem Bierkonsum durchaus bewusst.
-archien
Halb acht. Beim Klingeln meines Handyweckers festgestellt, dass ich doch nochmals eingeschlafen sein muss. Nachdem ich von der morgigen Weiterbildung gealpträumt hatte! Was alles schief gehen könnte und so. Und was ich alles vergessen könnte. Bittebitte Mr Murphy, gehen Sie doch morgen irgendwo am Nordpol spazieren! Oder sonnenbaden Sie unter einer Palme!
Unter der Dusche gedacht, ich könnte doch J. per Telefon GutenMorgen sagen. Auf die Uhr geschaut und es bleiben lassen. Er zum Glück nicht. Später als sonst, dafür mit einem Grinsen im Gesicht, ins Büro geradelt. Dort beschlossen, dass ich endlich mal wieder eine Geschichte schreiben würde. Wie wäre es mit einem Märchen? Nein, eine tolle Parabel würde ich kreieren. Doch worüber bitteschön, Madame Sofasophia? Wie wäre es zum Beispiel mit dem Thema Macht? Genau! Ich würde über Hierarchien und Anarchien schreiben. Über Vertrauen und die Angst, übervorteilt zu werden. Über Autoritäten und das Problem mit diesen. Oder mit Vorschriften. Eine richtig geniale Geschichte, die ausdrücken würde, was ich über all diese Dinge denke.
Doch meine Gedanken wanderten unablässig umher. Wanden sich um Dinge, die ich erledigen musste. Wanden sich um konkrete Themen, um wirkliche Menschen, um tatsächliche Pflichten. Schlangen sich um handfeste Fakten. Gespräche, Seufzer und Lacher am Telefon und in der Pause füllten allmählich mein heutiges Emotionen-Kontingent. Nachmittags, nach einem halbstündigen Austausch mit meinem Scheff, war sie auf einmal wieder da, jene Geschichte, die ich schreiben will. Die mich schreiben machen will. Die sich von mir materialisieren lassen will. Jene Geschichte, die noch keine Geschichte ist. Erst eine Idee. Eine gute zwar, hoffe ich jedenfalls, aber noch ohne Gestalt. Erst Blut und Seele – noch ohne Körper. Von Kleidern noch keine Rede!
Schließlich wurde es Feierabend und ich spontan von einer Arbeitskollegin zum Abendessen eingeladen. Auf dem Heimweg stellte ich fest, dass die kleine Geschichte in mir drin versickert ist – Blut und Seele. Nun Kompost. Eigentlich egal …
(Notizen an mich: Wer befiehlt – die Geschichte oder ich? Vielleicht sollte ich ja einfach nur leben statt schreiben? Oder ist gar schreiben mein Synonym für leben? Ist schreiben mein Huhn, das vor dem Ei da war? Falls denn das Huhn … hm … Unlösbar … Notizen verwerfen … )
Halbmast
„… heute wurde L., die Tochter meiner Freundin L., am Herz operiert …“, hatte ich vorgestern geschrieben. Shame on me! Die zweite Herz-OP von L. ist – falls überhaupt notwendig – noch irgendwo in weiter Ferne! Missverständnisse sind zwar menschlich, aber dieses hier auch ziemlich peinlich. Sorry.
Doch immerhin wurden L. am Donnerstag zwei dramatisch verwachsene Weisheitszähne raus gebaggert. Auch nicht schön, wenn auch weit weniger dramatisch. Ein ambulanter Eingriff. Die junge Lady war zwar gestern noch angeschlagen und aß Schmerzmedis, außerdem tat ihr Lachen, unsere gemeinsame Lieblingsbeschäftigung, ziemlich weh, doch ansonsten war sie bereits wieder auf Halbmast.
Im Gymer, den sie seit Sommer besucht, habe sie im Literaturunterricht einen Text von mir vorgelesen, erzählte sie mir. Aus dem Buch Feier-Tage (Anthologie). Die SchülerInnen sollten Gegenwartsliteratur und -autorInnen vorstellen, die sie mögen. Mit meiner Geschichte Jenseits des Nebels stellte sie ihrer Klasse also – öhm, hüstel – eine von ihr gemochte aktuelle Gegenwartsautorin vor: Mich. Gopf. Die kleine große L.! Hach. Was kann frau mit einer 17jährigen bereits toll diskutieren! Dabei war sie erst noch ein Baby. Genau so eins wie Little-B., der auf den Tag genau 17 Jahre nach L. geschlüpft ist, am 28.9.09. Und den ich am Donnerstagabend und am Freitagmorgen geschösselt habe. Süßer Bursche, der mich zur Begrüßung gleich angelacht hat, als würde er mich schon immer kennen.
Hach, wie schön es doch bei meinem Freundinnen B. und L. war! Was für ein Geschenk!
