Die Haut zum Beispiel. Grenze zwischen innen und außen. Wird sie verletzt, blute ich. Piekse ich einen anderen Menschen, blutet dieser ebenfalls. Materielle Grenzen sind einfach gezogen, schnell definiert. Meine Wohnung. Mein Auto. Mein Büro. Gezogen im Kopf. Definierter Besitz.
Höre ich Grenze, assoziiere ich Respekt.
Gestern Abend, zum Glühwein bei meinen Freunden M. und A. habe ich von der Schneeballtheorie erzählt, die ich mir mal zusammengereimt habe. Oder habe ich darüber bloß irgendwo gelesen? Möglicherweise. Vielleicht in meinem eigenen Tagebuch? Auch möglich. Item.
Grenzen wäre demnach das erste Wort, das ich in die Mitte schreibe. Auf ein großes Blatt Papier. Das erste Wort gebärt zwei neue Wörter, die mit dem ersten sinnverwandt sind. Respekt, wie gesagt, das erste und Kontrolle – als Beispiel – das zweite. Nun weiter: Respekt gebärt auf meinem Blatt Papier Rücksicht und Sorgfalt. Kontrolle gebärt Angst und Druck. Und so weiter. Kannst es ja gleich selbst machen. Ein Wörterschneeball, der immer grösser wird. Am Schluss haben die Wörter, die ganz außen kleben nichts mehr mit dem Innendrin-Wort zu tun.
Grenzen. Die Materie macht es sich einfach, sie verdichtet sich und ist sichtbar begrenzt. Schwieriger ist es da mit den nichtmateriellen Grenzen, diffus wie sie nun mal sind.
Um Schutz geht es letztendlich, wenn wir Grenzen sagen, rätsle ich. Schutz gebärt die zwei Wörter Selbstschutz und Gefahr. Der Schneeball wächst.
Warum wir uns vor anderen schützen müssen? Eine Aufgabe, die mancher Mutter, manchem Vater Kopfzerbrechen bereitet.
Warum gibt es böse Männer?, habe ich damals gefragt. Ein Mädchen war verschwunden, keins, das ich gekannt hatte, doch keine hundert Kilometer entfernt, in meinem Alter, und alle Eltern alarmiert. Später, als es tot gefunden worden war – vergewaltigt, wenn ich mich richtig erinnere –, wuchs der Erklärungsnotstand ins Unermessliche.
Selbstschutz gebärt Verletzungen und Wachsamkeit.
Mein Leben, so schrieb ich eben in einer Mail, mein Leben ist wohl heute eine Mischung aus Selbstbestimmung und Fatalismus.
Und jedes Wort gebärt zwei neue Wortkinder. Fatal vielleicht.
Haut gebärt heute die beiden Wörter Berühren und Streicheln. Auch nicht schlecht.
Noch dreimal schlafen, flüstere ich mir zu. Noch dreimal schlafen, bis J. wieder da ist. Insch’allah.
Ich freue mich, dass J. jetzt kurz vor dem Ziel ist. So um den 10. Wandertag rum hatte ich mir mal Sorgen gemacht. Hoffentlich gibt es beim Rückflug kein Schneegestöberhuddel. Gute Zeit U.
liebe u.
danke für dein mitgefühl. laut wetterbericht sollte es am mittwoch so zwischen 7 und 5 grad warm sein zwischen spanien und hier. daumendrücken 🙂
freue mich auch sehrsehr …
lg, d. und auch dir eine gute zeit!
nette Idee das… mit dem Schneeball, mal einer, der kein Geld kostet – lachharrharr –
Grenzen… tatsächlich auch eins meiner Theman, manche zu eng, andere zu weit und auf der Erde zu viele…
so mal in Kürze ;o)
schön dich zu lesen, immer und immer wieder