möglicherweise?

Wenn ich groß bin, werde ich … Diesen Satz denke ich auch heute, wo ich doch groß genug zum groß sein wäre, immer mal wieder. Je nach Tagesform lautet die zweite Satzhälfte dein Kissen (wie heute Nacht zum Beispiel) oder was anderes geistreiches.

Dass ich jedoch eines Tages spontan als zweiten Satzteil ganz viel reisen denke, überrascht mich denn doch selbst, glaubte ich doch, diesen Virus vor ein paar Jahren – wegen unerfreulicher Erfahrungen – für immer aus meinem Leben verstoßen zu haben. Zu mühselig und schmerzhaft waren meine Erlebnisse gewesen. Meine Schwedenreise vor anderthalb Jahren läutete jedoch eine neue Epoche ein und die Reisen mit Irgendlink im Laufe dieses Jahres reanimierten meinen Reisevirus gänzlich.

Da fangen wir beiden Spinnerlinge heute Morgen beim Kaffee im Bett doch auf einmal über schwedische Fernwanderwege zu reden an! Internet liefert auch gleich schon Tipps, Routenvorschläge, Bilder und füttert somit mein Fernweh gleich noch mehr.

Wäre es doch schon Frühling, Sommer, seufze ich mit Blick auf den Neuschnee draußen. Trotzdem strahle ich vor mich hin. Vorfreude fließt durch meine Adern wie eine Droge. Ist sie wohl auch. Mein Sonnelachen zieht meine Mundwinkel nach oben, jenes Lächeln und Lachen, das ganz tief aus meiner Mitte kommt. Das Mondlachen nenne ich dagegen jenes Lachen, das ein mir geschenktes Sonnelachen reflektiert. So ist gemeinsames Lachen ein Perpetuum mobile. Ähnlich der Kreativität, die sich stetig selbst erneuert. Schräg und grad treffen aufeinander und schubsen sich laufend an. Das Pendel kann nie stillstehen.

So trifft Idee auf andere Idee, gebärt neue Idee und so ist nix was schon war, immer schon dagewesen und das Nichtsneues (unter der Sonne) wird zu einer Neumontage aller alten Sonnenbilder. Auch der ganzen diesseitigen Welt vielleicht. Zumindest der Perspektiven derselben. Und vielleicht – aber dies nur ganz leise geflüstert – ist alt ein Synonym für neu?

Wenn ich einmal groß bin, werde ich alt und neu, jung und alt, hier und dort Seiende, Reisende, Weise, Närrin. Klein und groß.

Und so groß bin ich jetzt schon.

Die Wahrheit über Sünde und Sühne

In der einen Schale der Waage lagern wir all das, was nicht so ist, wie wir es uns gewünscht haben. Die bösen Worte etwa, die wir sagen, wenn uns jemand unter Druck setzt. Oder waren es Gedanken? Gedanken nur? Es war ja auch nicht böse gemeint, das weißt du doch? Dennoch liegt es in der Waagschale. Mit all den andern Dingen, die zwischen Soll und Ist stehen. Nicht wenig. Ablasshandel war schon immer ein gutes Geschäft – heute nicht weniger als früher!

Die zweite Waagschale, um Ausgleich bemüht – was auch die erste wohl genauso anstrebt –, hortet gute Taten, gute Worte und gute Gedanken. Der Balken in der Mitte heißt Gewissen. Gute Einrichtung irgendwie. Simple Rechnerei führt zur Erkenntnis, dass wer nichts Böses tut, auch nichts Gutes tun muss. Am besten also Nichtstun? Da aber Müßiggang auch als Sünde geahndet wird, kann das auch nicht funktionieren. Nicht Nichtstun ist Tun. Sobald wir jedoch etwas tun, füllen wir eine der beiden Waagschalen und der Stress geht von vorne los. Eine ganze Gesellschaft in der Ablasshandelsschule? Dazu ein dicker Ablasshandlungen-Versandkatalog.

Was da wohl hilft? Vermutlich nur eins: Pilgern!

😉