Über das Lied wäre zu schreiben. Über mein Lied. Und dass jedes Wegstück, jedes Unterwegssein, ja Leben, im Grunde Suchen ist, ein Suchen nach meiner Melodie und nach dem Text meines Liedes. Wandernd geht es darum, meinen Rhythmus zu finden, meinen Takt. Ablenkungen ausblenden und einfach meinen Weg gehen. Suchen. Finden.
Doch gehe ich zu nahe bei andern Menschen, vor allem neben lauten, verliere ich mein Lied aus dem Sinn, weil es vom Lärm um mich her übertönt wird. Gehe ich jedoch neben Lieblingsmenschen, kann ich mein Lied trotz ihrer Melodien hören und mit summen. Hin und wieder muss ich aber, selbst wenn die liebsten Menschen neben wir gehen, Abstand nehmen, um mein Lied ein bisschen besser hören zu können. Ich will es zuweilen ohne Ablenkung hören. Es soll sich jetzt nicht mit den Liedern der andern vermischen. Alles zu seiner Zeit.
Bin ich allein, verinnerliche ich meine Melodie, damit ich sie, wenn ich mit anderen zusammen bin, nicht allzu schnell wieder verliere. Was leider immer noch hin und wieder geschieht. Wie schön, dass die Lieder meiner Lieblingsmenschen irgendwie ähnlich klingen wie meins. Unsere Lieder haben ähnliche Rhythmen, ähnliche Harmonien, Synkopen, Schräglagen, Dissonanzen. Gehen wir nebeneinander, verschmelzen die einzelnen Lieder zu einem gemeinsamen Lied. Daran lässt sich womöglich Freundschaft erkennen.
Doch letztlich, ja letztlich, ist jeder und ist jede ein Solist oder eine Solistin. Denn letztlich zählt nur das eigene Lied. Egoistisch? Nein, denn wer kann mein Lied singen, wenn nicht ich?