am gleichen Tisch

Frau Machbar und Frau Schicksal saßen zusammen am gleichen Tisch. Wie immer am Dienstag. Gar wichtiges hatten sie zu besprechen.

Was mischst du dich aber auch immer in die Angelegenheiten der anderen ein?, fragte Frau Machbar ihre Nachbarin nicht zum ersten Mal, wohlwissend, dass die anderen ihre Frage nicht beantworten würde. Was sag ich da der andern? Die ganze Welt mischst du auf! Wenn ich etwas nicht verstehen kann, dann dich.

Und du erst?, entgegnete Frau Schicksal. Du redest den Menschen ein, dass sie alles selbst in der Hand haben. Dass sie an ihrem Wohl und Weh selbst Schuld oder von mir aus Unschuld haben. Dass sie das Geschick der ganzen Erde lenken können. Selbst Schicksal spielen. So kann das nicht mehr weitergehen.

Es klopft an die Türe. Beide stehen auf und gehen in den Flur. Frau Machbar öffnet die Türe. Draußen steht Frau Serendipität. Sie kichert verlegen.
Verzeiht, ihr beiden, meine Verspätung zu unserem Kaffeekränzchen. Ich hatte zu tun. Ganz unvorhergesehen. Ungeplant, wie immer, ihr wisst schon. Musste ein klein bisschen nachhelfen. Sie grinst. Ach übrigens, habt ihr eigentlich Großmütterchen Vorsehung heute nicht eingeladen? Sie sitzt auf der Bank unten auf dem Hof an der Sonne und klatscht fortwährend in die Hände. Genau so, genau so, flüstert sie mit strahlenden Augen.

Betreten schauen Frau Schicksal und Frau Machbar aus dem Fenster und begreifen, dass sie ihre Kollegin einmal mehr vergessen haben.