-archien

Halb acht. Beim Klingeln meines Handyweckers festgestellt, dass ich doch nochmals eingeschlafen sein muss. Nachdem ich von der morgigen Weiterbildung gealpträumt hatte! Was alles schief gehen könnte und so. Und was ich alles vergessen könnte. Bittebitte Mr Murphy, gehen Sie doch morgen irgendwo am Nordpol spazieren! Oder sonnenbaden Sie unter einer Palme!

Unter der Dusche gedacht, ich könnte doch J. per Telefon GutenMorgen sagen. Auf die Uhr geschaut und es bleiben lassen. Er zum Glück nicht. Später als sonst, dafür mit einem Grinsen im Gesicht, ins Büro geradelt. Dort beschlossen, dass ich endlich mal wieder eine Geschichte schreiben würde. Wie wäre es mit einem  Märchen? Nein, eine tolle Parabel würde ich kreieren. Doch worüber bitteschön, Madame Sofasophia? Wie wäre es zum Beispiel mit dem Thema Macht? Genau! Ich würde über Hierarchien und Anarchien schreiben. Über Vertrauen und die Angst, übervorteilt zu werden. Über Autoritäten und das Problem mit diesen. Oder mit Vorschriften. Eine richtig geniale Geschichte, die ausdrücken würde, was ich über all diese Dinge denke.

Doch meine Gedanken wanderten unablässig umher. Wanden sich um Dinge, die ich erledigen musste. Wanden sich um konkrete Themen, um wirkliche Menschen, um tatsächliche Pflichten. Schlangen sich um handfeste Fakten. Gespräche, Seufzer und Lacher am Telefon und in der Pause füllten allmählich mein heutiges Emotionen-Kontingent. Nachmittags, nach einem halbstündigen Austausch mit meinem Scheff, war sie auf einmal wieder da, jene Geschichte, die ich schreiben will. Die mich schreiben machen will. Die sich von mir materialisieren lassen will. Jene Geschichte, die noch keine Geschichte ist. Erst eine Idee. Eine gute zwar, hoffe ich jedenfalls, aber noch ohne Gestalt. Erst Blut und Seele – noch ohne Körper. Von Kleidern noch keine Rede!

Schließlich wurde es Feierabend und ich spontan von einer Arbeitskollegin zum Abendessen eingeladen. Auf dem Heimweg stellte ich fest, dass die kleine Geschichte in mir drin versickert ist – Blut und Seele. Nun Kompost. Eigentlich egal …

(Notizen an mich: Wer befiehlt – die Geschichte oder ich? Vielleicht sollte ich ja einfach nur leben statt schreiben? Oder ist gar schreiben mein Synonym für leben? Ist schreiben mein Huhn, das vor dem Ei da war? Falls denn das Huhn … hm … Unlösbar … Notizen verwerfen … )

Ein Kommentar zu „-archien“

  1. tage die mir grad so ähnlich vorkommen. man hat einen gedanken, worte oder was auch immer und am ende des tages ist davon nix mehr da. aber vielleicht nicht schlecht wenn manche dinge in uns bleiben, mehr wert vielleicht.
    lg,
    isa

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