Am Samstag, dem 14. März 2009, also vor bald einem Jahr habe ich folgendes in mein damaliges Webtagebuch geschrieben:
Neue Altlasten – Ich war mit weiterem Kleinkram, darunter etwa zwei Zentner Bücher, im Brockenhaus. Und bin eine halbe Stunde später mit neuen Altlasten (= ein paar Bücher und so) nach Hause gefahren. Tja. Die Katze kann das Mausen nicht lassen. Oder nennt sich das wohl „alles fließt“? (…) Dass Schreiben eine Art Altlastenumwandlung ist, begreife ich immer mehr. Jedes Schreiben ist letztlich autobiografisch. Und zu jeder Biografie gehören eben alte Lasten. Wer unter euch keine hat, bitte melden!
Schreiben ist ganz ähnlich wie Brockenhaus: Verwandlung. Was ich raus oder besser loslasse, macht (vielleicht) anderen Freude.
Heute, ungefähr elf Monate später, war es mal wieder soweit. Wie viele neue Bücher sich doch im Laufe der Monate bei mir versammelt haben! Mein nicht eben kleines Büchergestell ist schon lange in der Tiefe mit bis zu drei Reihen hintereinander gefüllt. Und neuerdings eben auch übereinander. Was zu viel ist, ist zu viel!
Jedes einzelne Buch (!!!) wurde deshalb heute auf seine Daseinsberechtigung in meiner Wohnung hin geprüft! Während die Stapel auf dem Tisch, deren Ordnungssystem nur ich selber durchschaue und die später wieder ins Gestell wandern durften, immer kleiner wurden, füllten sich die beiden Taschen auf dem Boden. Der Inhalt der blauen Tasche vom schwedischen Möbelhaus würde ins Brockenhaus wandern, jener der weißen Nylontasche vom Großverteiler mit dem orangen M meine BürokollegInnen beglücken.
Altlasten entsorgen mag ich! Mein Fahrrad grunzte zwar ob der Last, doch begleitete es mich tapfer und atmete bald erleichtert auf. Das erste Mal, ganz leise nur, beim Großverteiler mit den vier orangen Buchstaben, wo ich das PET und die Milchflaschen loswurde, danach – schon ziemlich laut – beim Glas- und Alucontainer, wo ich all die vielen Bierflaschen und Joghurtdeckeli einwarf.
Nun blieben mir, das heißt uns, nur noch die zwei Zentner Bücher. Die blaue Tasche und ich radelten nach Bethlehem ins Große Verwandlungshaus, denn, wie wir ja alle wissen, bleibt alles im Kreislauf. Was ich nicht mehr brauche, macht anderen Freude! Nein, nicht alles ist Müll, wie ich neulich behauptete. Oder jedenfalls noch nicht. Noch nicht heute.
Mir wird am Tresen doch tatsächlich herzlich für meine Altlastentsorgung gedankt! Hach, wenn doch bloß abspecken auch so einfach wäre! Erleichtert spaziere ich danach durch die Reihen und stelle mir vor, was dieser Tisch hier und jenes Sofa dort erzählen würde, wenn es reden könnte. Oder wenn ihm jemand zuhören würde … Die Bücherecke mied ich geflissentlich, doch in der Fundgrube wurde ich fündig. Grub ein praktisches CD-Gestell aus, dem ich nun einen neuen Lebenssinn einhauchen konnte. Macht sich gut bei mir, das Teil …
Artikel ohne Preis können nicht gekauft werden!, heißt es auf Tafeln in den Gestellen. Sanspapiers* haben es sogar im heilsarmistisch-sozialen Brockenhaus schwer. So was aber auch!
Auf dem Heimweg blinzelt mir die Sonne zu. Gut gemacht!, lacht sie, jetzt hast du Platz für den Frühling geschaffen.
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*Immerhin müssen sie hier nicht untertauchen. Und ausgewiesen werden sie wohl auch nicht.