deins oder mainz?

Alles mainz!, sagte P., auch QQlka genannt, auf all die ausgepackten Einkäufe deutend. Handkäs‘ mit Musik stand auf dem Programm. Spätes Abendessen. Eine Pfälzische Spezialität. Mir lief das Wasser im Mund zusammen, als P. mit Schnipseln von Käse und Zwiebeln begann.

Müde nach einer wunderschönen Stadttour setzten wir uns in der Mainzer WG-Küche zu Tisch … Immerhin hatte ich heute zum ersten Mal die Schweiz von vorne gesehen, das musste gebührend gefeiert werden.

Die Schweiz sieht aus wie eine Wutz!, hatte J.s Freund P. ein paar Stunden vorher behauptet. Im Schnelldurchgang hatten wir bei Kaffee und Tee die Welt im allgemeinen und Deutschland und die Schweiz im Speziellen neu erfunden. Im Atlas schließlich der Beweis: Der Kanton Graubünden sei die Nase der Wildsau (=Wildwutz), Genf der Schwanz. Bern? Der Blinddarm vielleicht? Wobei der Blinddarm der Sau … wie war das gleich?

Wie die Schweiz von vorne aussieht? Na so – ist doch wohl klar!

laut Ausrufende

Wo habe ich bloß das Ladegerät für den Kamera-Akku …? Müde vom langen Arbeitstag schlurfe ich durch die Wohnung und suche meine Siebensachen, die mit mir morgen Nachmittag zusammen nach Z. zu J. fahren wollen. Die Such-Funktion meines Laptops, wie gerne würde ich sie anwenden! Jetzt. Hier. Und natürlich nicht nur suchen sollte bei dieser Funktion drin sein, auch finden … und – bitte schön – gleich in die Tasche legen. Danke!

Was ich mir dabei anhöre? WORK. Shout Out Louds. Endlosschlaufe. Diese Schweden und Schwedinnen! Echt, die haben was …

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aufgeschnappt …

Wer bisher immer “Mitfahrer(in)” gewesen ist, kann sich überlegen, ob er fortan nicht lieber “Busfahrer(in)” sein will, (die) der den Kurs des eigenen Lebens bestimmt, wohl wissend, dass man auch als Busfahrer(in) von anderen abhängig ist, aber dennoch nicht zum Objekt wird. Auf diese Weise wird man wieder Herr(in) des eigenen Hauses sein, wie immer das aussehen mag.

Zitat Monalisa

und

Mein Kunststudium, die ganzen besuchten Museen, die Seminare, in denen ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein und das Urrichtige zu tun … Nein, Seniorengaststudentin will ich nicht sein. Keine Wegnehmoma mit flotter schwarzer Baskenmütze. Aber was dann?

Zitat Wildgans

Nein, nicht dass ich mich schon alt fühle, das nicht. Auch bin ich weder Oma noch habe ich ein eigenes Haus. Außerdem fahre ich mich am liebsten selbst von A nach B; lieber, als mich von Bus, Tram oder Zug chauffieren zu lassen. Doch macht mich das alles nun zur souveränen Busfahrerin?

Es ist Tatsache, dass ich die Lebensmitte überschritten habe. Außer wenn ich einundneunzig Jahre alt würde. Oder noch älter. Die Mitte? Will heißen, vielleicht nochmals so lange zu leben? Puh oder Jippie?

Nochmals so viele/so wenige Jahre zu leben. Doch diesmal mit mehr Erkenntnissen als vor vierundvierzigdreiviertel Jahren. Und mit weniger naiver Leichtigkeit als vor vierundvierzigdreiviertel Jahren. Mit mehr Gelassenheit dafür. Mit weniger Erwartungen vermutlich. Fatalistischer und mit weniger Lebensenergie. Mit mehr oder mit weniger Lebensfreude? Manchmal macht es mir ein klein bisschen Angst, wenn ich an die Strecke durch den Urwald denke, die noch vor mir liegt. Wird sie anstrengend sein?  Bisweilen habe ich auch Angst, dass Zeit und Kraft nicht reichen, um all die Ideen umzusetzen, die in mir schlummern. Schaffe ich es, immer zufriedener zu leben? Nehme ich das Steuerrad in die Hand?

Dazu eine kleine Geschichte, meine Lebensmetapher:

„Der Lebensweg gleicht einem Gang durch ein Labyrinth oder Mandala. Du wirst geboren. Damit fängst du mitten in deinem Kreis drin an. Du gehst und du vergisst zuweilen die Mitte, aus der du kommst. Du gehst immer weiter und weiter. Mal nahe der Mitte, mal fern von ihr. Irgendwann kommst du dort an, wo deine Außenwände sind. Deine ganz persönlichen, die du selbst bestimmt hast, irgendwann, irgendwo. Schliesslich gehst du weiter. Dein Weg führt dich, deiner inneren Weisheit folgend, wieder nach innen. Schritt für Schritt. Irgendwann langst du wieder in der Mitte an. Und das war’s dann*.“

© by Sofasophia

* Notiz an mich: da capo? al fine?

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Ich verlinke die von Monalisa erwähnte Sendung hier auch gleich nochmals:

Es muss nicht alles sein im Leben: Pläne sind schön … doch sie können auch zur Last werden

“ … wann darf man sagen: Es muss nicht alles sein im Leben? Wann ist es kluge Einsicht in die eigene Begrenztheit – wann ist es Resignation, weil die Ziele zu weit gesteckt waren und nun der Atem nicht mehr reicht?“

Zum Podcast-Download hier klicken und runterscrollen!

Notizen über Notizen Vol.2

Irgendwann will die Geschichte auf diesem zerknüllten Zettel hier erzählt werden. Nicht heute. Ein andermal. Sie handelt von Hoku und Po-Kuss … Es wird eine Geschichte sein von zwei, die sich brauchen. Hm, doch will ich eine solche Geschichte überhaupt erzählen? Warum nicht eine, von zwei Unabhängigen? Doch was wäre jenes Baum-Teil des neulich fotografierten siamesischen Zwillingsbaumes ohne das andere Teil? Und was wäre Abra ohne Kadabra?

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Auch die Geschichte auf diesem Notizblatt hier muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Die Geschichte nämlich von jener Geocacherin, die statt der Koordinaten des gesuchten Geocaches einzugeben, jenen Punkt markiert, an welchem sie steht und ihn mit dem Namen des Caches benennt, den sie suchen will. Da sie dabei, so stellen wir es uns doch hier einfach mal vor, auf der Großen Schanze steht, direkt am Abgrund also, und unten dran – zwanzig Meter tiefer – die Parkplätze des Bahnhofes, wird die Lokalisierung schwierig, denn kein GPS ist metergenau. Die beiden Geocache-Suchenden gehen also, da der Pfeil Richtung Stadt zeigt, mit dem Lift ein paar Etagen tiefer, durchqueren den Bahnhof, folgen dem Pfeil der Kompassnadel und landen, wen wundert’s?, schlussendlich wieder da, wo sie mal waren. Oben. Auf der Großen Schanze. Ob sie wohl etwas gelernt hat, die Sucherin?

Notizen über Notizen Vol.1

Das Ewige Leben eines Notizzettels – Vor Jahren ver-makulatur-isiert worden, wie mir seine Rückseite verrät, wird er heute vorne vollgekritzelt, damit ich später die Zeilen – diese hier – abschreiben kann. Und schließlich landet er unnütz geworden und zerknüllt im Müll. Um des Beinahe-Reimes willen.

Gewusst? Zwei Drittel von dem, was wir tagtäglich raus lassen, ist reine Selbstverarschung. Ein Sechstel ist Bluff, ein Zwölftel Halbwissen und vier weitere Zwölftel davon maßlose Übertreibung! Doch immerhin der vierte Viertel ist reine pure Wahrheit, ich schwör!

No geits*. Warum reagieren wir erst auf Stress und Überforderung, wenn es nicht mehr geht?

Momou, es geit**! ES??? Gopf, wer ist eigentlich dieses dauergewellte und dauerstrapazierte ES wirklich? Gott oder was? Und wohin ES wohl geht? Vorwärts, seitwärts oder rückwärts? Aufwärts? Abwärts? Wie auch immer, bitte grüßt ES von mir, wenn ihr ES seht!

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* no geits! = berndeutsch für noch geht ES!

** momou, es geit! = berndeutsch für doch, doch, es geht!

Altlasten

Am Samstag, dem 14. März 2009, also vor bald einem Jahr habe ich folgendes in mein damaliges Webtagebuch geschrieben:

Neue Altlasten – Ich war mit weiterem Kleinkram, darunter etwa zwei Zentner Bücher, im Brockenhaus. Und bin eine halbe Stunde später mit neuen Altlasten (= ein paar Bücher und so) nach Hause gefahren. Tja. Die Katze kann das Mausen nicht lassen. Oder nennt sich das wohl „alles fließt“? (…) Dass Schreiben eine Art Altlastenumwandlung ist, begreife ich immer mehr. Jedes Schreiben ist letztlich autobiografisch. Und zu jeder Biografie gehören eben alte Lasten. Wer unter euch keine hat, bitte melden!

Schreiben ist ganz ähnlich wie Brockenhaus: Verwandlung. Was ich raus oder besser loslasse, macht (vielleicht) anderen Freude.

Heute, ungefähr elf Monate später, war es mal wieder soweit. Wie viele neue Bücher sich doch im Laufe der Monate bei mir versammelt haben! Mein nicht eben kleines Büchergestell ist schon lange in der Tiefe mit bis zu drei Reihen hintereinander gefüllt. Und neuerdings eben auch übereinander. Was zu viel ist, ist zu viel!

Jedes einzelne Buch (!!!) wurde deshalb heute auf seine Daseinsberechtigung in meiner Wohnung hin geprüft! Während die Stapel auf dem Tisch, deren Ordnungssystem nur ich selber durchschaue und die später wieder ins Gestell wandern durften, immer kleiner wurden, füllten sich die beiden Taschen auf dem Boden. Der Inhalt der blauen Tasche vom schwedischen Möbelhaus würde ins Brockenhaus wandern, jener der weißen Nylontasche vom Großverteiler mit dem orangen M meine BürokollegInnen beglücken.

Altlasten entsorgen mag ich! Mein Fahrrad grunzte zwar ob der Last, doch begleitete es mich tapfer und atmete bald erleichtert auf. Das erste Mal, ganz leise nur, beim Großverteiler mit den vier orangen Buchstaben, wo ich das PET und die Milchflaschen loswurde, danach – schon ziemlich laut – beim Glas- und Alucontainer, wo ich all die vielen Bierflaschen und Joghurtdeckeli einwarf.

Nun blieben mir, das heißt uns, nur noch die zwei Zentner Bücher. Die blaue Tasche und ich radelten nach Bethlehem ins Große Verwandlungshaus, denn, wie wir ja alle wissen, bleibt alles im Kreislauf. Was ich nicht mehr brauche, macht anderen Freude! Nein, nicht alles ist Müll, wie ich neulich behauptete. Oder jedenfalls noch nicht. Noch nicht heute.

Mir wird am Tresen doch tatsächlich herzlich für meine Altlastentsorgung gedankt! Hach, wenn doch bloß abspecken auch so einfach wäre! Erleichtert spaziere ich danach durch die Reihen und stelle mir vor, was dieser Tisch hier und jenes Sofa dort erzählen würde, wenn es reden könnte. Oder wenn ihm jemand zuhören würde … Die Bücherecke mied ich geflissentlich, doch in der Fundgrube wurde ich fündig. Grub ein praktisches CD-Gestell aus, dem ich nun einen neuen Lebenssinn einhauchen konnte. Macht sich gut bei mir, das Teil …

Artikel ohne Preis können nicht gekauft werden!, heißt es auf Tafeln in den Gestellen. Sanspapiers* haben es sogar im heilsarmistisch-sozialen Brockenhaus schwer. So was aber auch!

Auf dem Heimweg blinzelt mir die Sonne zu. Gut gemacht!, lacht sie, jetzt hast du Platz für den Frühling geschaffen.

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*Immerhin müssen sie hier nicht untertauchen. Und ausgewiesen werden sie wohl auch nicht.