wie innen so aussen

zur Nacht der Hexen …

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magic … there’s a little witch in evry women today!

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… wie hier üblich werden die Bilder durch anklicken groß.
Pix und Copyright by sofasophia.

Zipfelchen

Gopf, jetzt hatte ich doch diese kleine Idee … und – PLOPP – schon ist sie wieder weg.

Ist ins große Becken gefallen. Ins große alles Nichts und nicht Alles. Dahin, wo ich mir alle Ideen aller Menschen denke. Und die Ideen aller Tiere auch gleich. Und wenn wir schon dabei sind, auch die Ideen aller Pflanzen. Was, du meinst, dass Pflanzen keine Ideen haben? Falsch, denn wenn Pflanzen sich vermehren können, müssen sie doch auch Ideen haben. Zumindest eine. Die der Fortpflanzung. Das sei keine Idee? Sagst du! Definitionsfrage. Ich behaupte, dass Fortpflanzung die eigentliche Idee ist. Die Idee vom Leben überhaupt, welches es ohne sie längt nicht mehr gäbe. Ohne die Idee der Fortpflanzung und ohne die Fortpflanzung. Ich theoretisiere? Sagst du! Schau doch mal um dich. Alles was lebt, vermehrt sich. Schau doch mal die Uhr. Wie sie Minuten schafft. Jede Minute gebärt Sekunden. Und jede Idee eine neue. Und jede Fliege legt ein Ei. Oder zwei, drei. Eins wird viele. Immer mehr.

Da stehe ich nun also, am Beckenrand, und blicke hinein, trauere dem Zipfel jener Idee nach, die mich vorhin erfüllt hatte. Sie hatte sich vor mich hingestellt, nicht aufdringlich, aber durchdringend. Hatte mich angeschaut. Nimm mich, hatte sie geflüstert. Gefleht? Wenn du willst können wir zusammen eine Geschichte bauen. Ich helfe dir. War es Unaufmerksamkeit gewesen, dass sie wieder verschwunden war?

Ich habe eine Idee, eine neue, eine andere: Ich könnte doch einfach etwas schreiben, was es noch nicht gibt. Wie bitte, das gibt es nicht?

Also wohl doch keine neue Geschichte? Nicht heute jedenfalls. Dafür den neuen Artikel schreiben, solange er noch in den Fingerspitzen tanzt und juckt und aufs Geborenwerden wartet!

Let’s go.

wohin?

wo versteckt sich das dunkel am
morgen, wenn die sonne sich über
das dach drängt? wohin entweicht die
farbe, wenn die sonne die buntheit der
decke auf dem gartenstuhl
bleicht und wohin schwingt sich der ton, wenn
er verklungen ist? sag mir doch, wohin
meine gedanken fließen, wenn ich
einschlafe!

ach, und wo ist der raum, wo alles
nichts ist?

nein, sag
nichts. ich liebe
geheimnisse.

oder- und unterwex

Schon bald hat J. alias Irgendlink die halbe Strecke nach Andorra geschafft. Obwohl … Es spielt keine Rolle, wann er ankommt. Er strampelt sich zurzeit glücklich durch das Südburgund und aus diesem heraus Richtung Süden. Und findet dabei wunderbare Fotosujets. Schön für ihn. Für mich auch.

Ich reise mit und teile sein Glück über dieses sein abenteuerliches Unterwegssein. Über die Bilder, Geschichten und Erfahrungen, die er sammelt und mit mir teilt. Doch da ist, ich gestehe es, auch Vermissen. Und Fernweh, ganz viel Fernweh. Zugleich besitze ich, mein Scheff dankt es mir, jenes Quäntchen Realismus, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Job. Materie. Alltag. Büro. Hier und jetzt gut zu leben, fällt mir zuweilen nicht ganz leicht.

Mein Job ist grad sehr intensiv. Ich schaffe es immer nur, das oberste Zipfelchen meines Berges abzutragen. Vieles wie Gesuche, Anträge, Bewerbungen, die es zu bearbeiten gäbe, liegen schon seit vielen Wochen unberührt und rutschen im Stapel immer tiefer.

Es kommt zuweilen soweit, dass ich – wie heute –  sogar Arbeit nach Hause nehme. Habe allerdings zuerst, statt der Arbeit, ein Nickerchen gemacht. Und jetzt ruft der Wald. Joggen macht den Kopf frei. Und das Herz. Die Lunge ebenfalls.

Ach, und da ist ja noch der neue Artikel (Auftrag) für „meine Zeitschrift“ … Diesmal geht es um eine ganzheitliche Heilmethode, die ich am Donnerstag testen und darüber berichten werde. Abgabe Mitte Mai. Und dann? Ferien!!!

Loch

Es tat weh. Warum hatte sie es nicht gesehen, nicht bemerkt. Ein großes Saugen und Ziehen. Und Schmerz. Großer Schmerz. Großes Loch. Große Lücke. Kann, was fehlt, weh tun?

Ja, sagte er. Sehr wohl kann fehlendes wehtun. Denk bloß an den viel erwähnten Phantomschmerz nach Amputationen. Sie nickte, dachte an ihren Onkel, dessen Bein weg war. Und an die zwei Finger ihres Bruders. Nicht dass sie wirklich wusste, wie sich das anfühlte, das nicht. Und die Frage war noch immer da: Warum hatte sie dieses Loch bis jetzt nicht gesehen hatte. Sie schnappte nach Luft, doch da war nichts als Leere.

Schnitt.

Geht doch bitte zur Seite, sagte er, ich komme nicht durch. Macht Platz. Die Kühe drehten den Kopf und schauten ihn wiederkäuend an. Blieben, wo sie waren. Er zwängte sich zwischen den schwerfälligen Leibern vorbei und schloss den Viehzaun hinter sich. Warum die Viecher aber auch ausgerechnet hier grasen mussten. Der Weg war steil. Nach dem nächsten Viehzaun – draußen – setzte er sich außer Puste auf einen Felsen. Wie still es hier war! Er zog die Kamera aus der Tasche und zoomte den Hexenkreis an. So viele Fliegenpilze wie hier, hatte er schon lange nicht mehr gesehen. Er würde ein paar mitnehmen. Einen nur. Aber keinen von diesem wunderschönen Hexenkreis hier. Einen der für sich stand.

Schnitt.

Sie starrte ins Loch. Gebannt. Mehr und mehr auch fasziniert. Hatten der Schmerz und das Ziehen wirklich nachgelassen oder hatte sie sich bloß daran gewöhnt? Das Sirren der Farben war, wenn möglich, eher noch stärker geworden. Schönheit und Hässlichkeit tanzten nun so schrecklich wunderbar, dass sie ihnen nicht konnte. Mit den Augen nicht, noch weniger mit den Gefühlen. Unglaublich schnell drehte sich alles. Und noch immer dieses große Fehlen. Etwas fehlte. Keine Frage. Ein Fakt. Und noch immer hatte sie nicht den blassesten Schimmer, was es sein könnte. Dieses Gefühl von Sehnsucht hatte kein Gesicht. Diesmal nicht.

Irgendwo auf einer Ebene ihres Verstandes scannte sie alle Gesichter, die alle ihr bis anhin bekannten Sehnsüchte je gehabt hatten. Keines ließ sich verknüpfen, keines roch vertraut, keines hatte auch nur im geringsten mit dem Schmerz dieser gegenwärtigen Abwesenheit zu tun, der sich nun in einer neuen Welle in ihr ausbreitete. Innen und außen.

Ich habe Angst, sagte sie, worauf er ihr seine eine Hand auf den Oberschenkel legte. Vielleicht sterben wir. Sie zitterte. Brechreiz. Schwindel. Noch immer die Farben, innen und außen. Überall. Keine Chance dieser bunten Flut, die aus dem Loch zu ihr hervorquoll, zu entkommen.

Schnitt.

Kurz bevor er den ausgewählten Pilz abschneiden wollte – seine Lunchbox hatte er extra dafür leergemacht, die Brote gegessen, die Dörrfrüchte in einen kleinen Beutel gesteckt –, beschloss er auf einmal, den Pilz da stehen zu lassen, wo er war. Mitten auf der Wiese. Und weiterzugehen.

Schnitt.

Da war was. Es zieht. Ein Loch, flüsterte sie.
Was?, fragte er schlaftrunken.
Ich glaub, ich habe bloß Durst, sagte sie, trank einen Schluck aus dem Glas, dass wie jede Nacht auf dem Nachttisch stand, drehte sich auf die andere Seite und schmiegte sich dicht an ihn.

Schnitt.

Um 7:07 klingelte der Wecker. Wie immer standen sie auf und frühstückten. Das Brot und den Käse hatte er einem Bauern abgekauft. Auf seiner gestrigen Bergtour. So gut konnte nur Käse aus den Bergen riechen.

mit eigenen Augen

11.11. Eine Sternschnuppe. Schnapszahlen und sich wiederholende Zahlen wie 12:12 zum Beispiel, waren ihre Sucht. Schon lange. Angefangen hatte es am Feuer. Vor bald fünfzehn Jahren. In Frankreich. Martina und sie hatten gleichzeitig zum Himmel hochgeschaut und die gleiche Sternschnuppe gesehen, als Beni, der stattdessen – ohne vom Himmelsphänomen etwas mitbekommen zu haben – auf die Uhr geschaut hatte, sagte: Es ist 22:22. Seither waren Schnaps- und Doppelzahlen für Martina und Annika ebenfalls Himmelsbotinnen. Sie tüftelten das Gesetz aus, dass man sich, wie bei Sternschnuppen am Himmel, etwas wünschen dürfe. Natürlich. Im Moment, wo aus der 22 eine 23 würde, PLING, müsse der Wunsch allerdings fertig gedacht worden sein und damit er sich erfüllen konnte, musste die oder der Wünschende den Sprung der einen Zahl zur nächsten mit eigenen Augen gesehen haben. So weit so gut. Natürlich glaubten die Freundinnen nicht wirklich an diesen am Feuer einer Herbstnacht erdachten Blödsinn. Dennoch kann Annika seither nicht umhin, hinzustarren, wenn sie irgendwo eine Doppelzahl sieht.

Hinstarren auf den Wecker. Auf den Bildschirm des Computer. Auf das Handy. Hinstarren, bis die Zahl, PLING, wechselt und der Zauber sich wieder auflöst. Und sich dabei etwas wünschen. Kann denn ein Mensch so viele Wünsche haben und wünscht sie sich überhaupt etwas? Jedes Mal? Wünscht sie sich nicht vielmehr, dass sie den Wechsel miterlebt? Ist sie gar nur süchtig nach dem Wechsel geworden. Nach der Sternschnuppe selber?

Schnitt.

Annika sitzt im Büro, saugt sich irgendwelche klugen Sätze aus den Fingern um die Präsentation einigermaßen verständlich zu machen, um dem ganzen theoretischen Gesülze ein verständliches Kleid überzuziehen, doch eigentlich ist sie in Gedanken ganz woanders. Sie träumt sich ans Meer. Nein, in den Wald. An die Sonne. In die Natur. Jetzt draußen sein. Im Gras liegen. Oder spazieren. Wandern. Radfahren. Einfach weg aus dieser Enge. Sie schaut auf die Uhr und stellt fest, dass sie noch drei Stunden und fünfunddreißig Minuten hier ausharren muss. Ausharren? Das kann es nicht sein! Nein, nicht so. Du kannst doch nicht ständig subtrahieren, Annika, du kannst deine Lebenszeit doch nicht damit verbringen, Zeit totzuschlagen! Mit Ausharren. Mit Hinstarren.

Sie schaut auf die Uhr. 14:14. Was wünsche ich mir?. Mich hier wegwünschen geht nicht! Dass ich gerne machen, was ich tue, jetzt, das wünsch ich mir. Spaß haben an der Arbeit, das wünsche ich mir. Hier sein als gut sein, als richtig sein akzeptieren. Ja, auch das wünsche ich mir. PLING 14:15.

Schnitt.

Abend. Wie schnell es auf einmal Abend geworden ist. Auf dem Heimweg summt Annika vor sich hin, lacht die Leute an, denen sie beim Fussgängerinnenstreifen den Vortritt lässt, grinst über eine besonders gelungene Werbung und fühlt sich für einmal gar nicht ausgelaugt wie nach anderen Arbeitstagen.

Schnitt.

Stillstand. Ganz ruhig ist es in ihr drin.

Von Pfützen und anderen Fallmaschen

Was für einen Stuss ich da schreibe. Wieso mir wohl nix kluges einfällt? Vielleicht weil ich mir erlaube, mal absichtslos drauflos zu schreiben. Einfach schreiben. Ist anfangen wirklich so einfach? Ich zweifle. Aufhören wäre jetzt einfacher. Obwohl unfertig. So unfertig wie alles im Leben. Jeder Tod kommt zur Unzeit, las ich einmal. Wir sollen drum immer so leben, dass uns der unzeitige Tod nicht zur Un-Unzeit ereilen könne. So ein Quatsch. Das will ich nicht, nicht mehr. Will so leben, als würde ich ewig leben und mir dennoch der Vergänglichkeit, meiner Sterblichkeit bewusst sein. Weniger weniger weniger, statt immer mehr mehr mehr. Wäre besser. Geh in deinem Kreis zurück. In die Mitte. Dahin, wo du herkommst. Und lebe dennoch mit ganzer Hingabe ans Leben.

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Wieder begann sie zu hüpfen. Wenn es doch schon so Tage gab, wo sie hüpfen mochte, dann musste sie hüpfen. Sah ja niemand hin. Hier nicht. Später, unten im Dorf, konnte sie noch immer normal gehen. Normal. Schon wieder so ein Wort. Eins das sie am Hüpfen hinderte. Normale hüpfen nicht. Normale gehen normal. Schritt für Schritt. Normale schlugen keine Haken, wie sie das jetzt tat, wo der noch immer regennasse Weg, sie doch dazu aufforderte. Pfützen hatte sie schon als Kind gemocht. Im Gegensatz zu heute war sie damals aber dem trockenen Land um die Pfützen herum ausgewichen. In die Pfützen hinein gesprungen. Wer am weitesten spritzen konnte, hatte gewonnen. Gedanken, die sie wieder hüpfen ließen. Verspielte Gedanken machten sie hüpfen, normale Gedanke ließen sie gehen. Normal sein war gezähmt sein. Hatte sie wirklich sechsundzwanzig Jahre alt werden müssen, um das zu begreifen? Das Mädchen, das noch immer in ihr lebte, kicherte.

Ob ich Sabine und Alina dazu überreden soll, statt ans Fest mit mir in die Jakobshöhle zu gehen?, fragt sie sich. Ob die Kerzenstummel noch da waren? Vielleicht war sogar die alte Decke noch hinter dem Felsvorsprung versteckt, wo sie immer gelegen hatte. Vielleicht waren inzwischen andere Kinder dort eingezogen? Wie lange sie schon nicht mehr dort gewesen war! Kinderzeug, würde Alina sagen. Lass uns ans Fest gehen. Dort läuft was.

Und sie würde mitgehen. War das die Freiheit? Was wollte sie wirklich? Jetzt? Ihr Schritt hatte sich verlangsamt.

(Schreibmarathon 2010, 24.4.)

Mein Doppelleben

Habe ich meine Kamera oder mein Notizbuch unterwegs mit dabei (erstes weniger häufig als zweites), passiert zweierlei mit mir: Ich bewege mich auf zwei Zeitebenen.

Beim Fotografieren denke ich bereits an das spätere Bild und beim Schreiben liebäugle ich bereits mit dem fertigen Text. Zielstrebigkeit, Produktorientiertheit oder einfach Freude am Erschaffen? Zugleich bin ich gegenwärtige und zukünftige Betrachterin, Leserin. Zeitgleich wie ich die betrachtete Gegenwart konserviere, erlebe ich jedoch diese Gegenwart unglaublich intensiv. Wohl weil ich fotografierend und schreibend viel genauer hinsehe.

Nachdem ich heute mit ein paar Schreibfreaks aus meiner Schreibgruppe marathonschreibend unglaublich viele Wörter geschrieben hatte und mein Kopf einem Bienenhaus glich, zog es mein Fahrrad und mich in den nahen Wald. Mein Wald. Mein „Bremer“, was wäre ich bloß ohne dich!

Schreib dich von A nach B und wie

Buchstaben sind nicht
viele da nur sechsundzwanzig um
genau zu sein (in unserer Sprache jedenfalls) und unzählige
Möglichkeiten sie zu verbinden mit oder ohne Lücken zwischen-
drin um aus ihnen Wörter zu formen unzählige Möglich-
keiten nur schon auf Deutsch und für Sätze erst unendlich viele Kombi-
nationsmöglichkeiten zu sinnvoller und sinnloser Kreativität
um sich von A nach B zu schreiben nicht
einfach linear sondern zyklisch von Punkt
zu Punkt tanzen und dazwischen der
leere Raum des Unausgesprochenen des Unbe-
schreiblichen das Netz das die Tautropfen der un-
fertigen Gedanken auffängt und verdichtet
oder auch nicht denn
nicht alles muss sichtbar gemacht nicht alles muss material-
isiert werden heute sind es die Satz-
zeichen die keine Lust haben sich
an dieses Geschreibsel hier zu
binden weshalb diese Worte hier sich zu
einem einzigen langen Satz
versammelt haben
Punkt

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Morgen treff ich mich mit drei vier anderen Schreibfreaks zum diesjährigen Schreibmarathon. Letztes Jahr, am Pfingstmontag, war die Première. Bin auf die zweite Auflage ja schon sehr gespannt!