Von Pfützen und anderen Fallmaschen

Was für einen Stuss ich da schreibe. Wieso mir wohl nix kluges einfällt? Vielleicht weil ich mir erlaube, mal absichtslos drauflos zu schreiben. Einfach schreiben. Ist anfangen wirklich so einfach? Ich zweifle. Aufhören wäre jetzt einfacher. Obwohl unfertig. So unfertig wie alles im Leben. Jeder Tod kommt zur Unzeit, las ich einmal. Wir sollen drum immer so leben, dass uns der unzeitige Tod nicht zur Un-Unzeit ereilen könne. So ein Quatsch. Das will ich nicht, nicht mehr. Will so leben, als würde ich ewig leben und mir dennoch der Vergänglichkeit, meiner Sterblichkeit bewusst sein. Weniger weniger weniger, statt immer mehr mehr mehr. Wäre besser. Geh in deinem Kreis zurück. In die Mitte. Dahin, wo du herkommst. Und lebe dennoch mit ganzer Hingabe ans Leben.

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Wieder begann sie zu hüpfen. Wenn es doch schon so Tage gab, wo sie hüpfen mochte, dann musste sie hüpfen. Sah ja niemand hin. Hier nicht. Später, unten im Dorf, konnte sie noch immer normal gehen. Normal. Schon wieder so ein Wort. Eins das sie am Hüpfen hinderte. Normale hüpfen nicht. Normale gehen normal. Schritt für Schritt. Normale schlugen keine Haken, wie sie das jetzt tat, wo der noch immer regennasse Weg, sie doch dazu aufforderte. Pfützen hatte sie schon als Kind gemocht. Im Gegensatz zu heute war sie damals aber dem trockenen Land um die Pfützen herum ausgewichen. In die Pfützen hinein gesprungen. Wer am weitesten spritzen konnte, hatte gewonnen. Gedanken, die sie wieder hüpfen ließen. Verspielte Gedanken machten sie hüpfen, normale Gedanke ließen sie gehen. Normal sein war gezähmt sein. Hatte sie wirklich sechsundzwanzig Jahre alt werden müssen, um das zu begreifen? Das Mädchen, das noch immer in ihr lebte, kicherte.

Ob ich Sabine und Alina dazu überreden soll, statt ans Fest mit mir in die Jakobshöhle zu gehen?, fragt sie sich. Ob die Kerzenstummel noch da waren? Vielleicht war sogar die alte Decke noch hinter dem Felsvorsprung versteckt, wo sie immer gelegen hatte. Vielleicht waren inzwischen andere Kinder dort eingezogen? Wie lange sie schon nicht mehr dort gewesen war! Kinderzeug, würde Alina sagen. Lass uns ans Fest gehen. Dort läuft was.

Und sie würde mitgehen. War das die Freiheit? Was wollte sie wirklich? Jetzt? Ihr Schritt hatte sich verlangsamt.

(Schreibmarathon 2010, 24.4.)

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