Lipogramm IV

Heute nicht das i-entleerte Lipogramm, nein, denn es ist Freitag. Mit i, nicht ohne. Wie Irgendlink gestern bemerkte. Heute das o-Ding. Das passt. Morgen das i-Teil und am Sonntag jenes mitohne u drin. Ob ich auch eins mitohne x hätte, fragte mein Liebster weiter. Das wäre alltagskompatibel. Ich werde es mir überlegen, vielleicht … Wenn ich mal gaaanz viel Zeit habe.

o-entleert

Summiere alle deine
Ideale, Pläne, Träume, Sünden, Nach-
lässigkeiten, und
Wunden. Addiere dein Blut mit meinem, dein
Herz mit dem aller
Menschen aus allen
Ländern der Erde. Das Ergebnis, wen
wundert‘s, ist Null. Immer. Sag mir, du da, ist Null
dir viel, ist Null dir wenig? Ist Null Anfang,
Same, Ursprung – Ziel vielleicht? Ist Null Leben
oder nichts mehr? Kein Gewicht. Darum
vielleicht
gar
die Liebe schlechthin?

Lipogramm II

a-entleert

Kennenlernen im Kopf, dem geschüttelten
und sich dehnen, doppelt. Vielen kichernden Gespenstern
zum Trotz großzügig verzeihen ohne
ins Dorf hinein zu gehen. Denn
Gegenwehr im Gegenteil zu Hellsicht
sei Holprigkeit. Wie sie sich einbildete.
Gewehre eben, entgegen der Meinung vieler, spiegeln
immer ein Bild von Leere. Denkt sie. Im Kopf, dem
geschüttelten, wie du weißt.

hätte ich bloß nicht …

Manchmal kann ich einfach meinen Mund nicht halten. Kurz vor Feierabend, nach einem Tag, wo endlich ein paar stagnierte Dinge ins Fließen gekommen sind, steht mein Scheff, der ausnahmsweise vor mir das Büro verlassen will, unter der Tür. Plauderton. Dies und das.

Auf einmal ist es raus. Ich erzähle, dass ich am nächsten Dienstag mit zwei andern von meiner Schreibgruppe zur Eröffnung des neuen und ersten Berner Geschichtenladens ein paar Texte vorlesen würde. Sofort zückte er seinen Taschenkalender, da sein Palm zurzeit streikt, und kritzelt etwas hinein. Hoffentlich kann er es später nicht mehr lesen. Bei seiner Kralle durchaus möglich.

Hilfe!, dachte ich. Der wird doch wohl nicht etwa auftauchen? Hoffentlich plaudert niemand meinen Blognamen aus, sonst ist meine Tarnung dahin und ich kann nicht mehr, wie bis anhin, drauflos lästern. Na ja, dass ich blogge, hab ich ihm wohl mal erzählt. Allerdings weiß er, als Internetbanause, wohl nicht mal, was ein Blog ist. Und schon gar nicht, jedenfalls bis jetzt, unter welchem Namen ich in der virtuellen Welt herumspaziere. Gopf, das soll auch so bleiben.

Wieso gibt es bloß nicht auch im realen Leben ein paar dieser tollen Knöpfe, wie sie meine Laptoptastatur hat. Delete. Ihr wisst schon.

Während ich diese Zeilen tippe, druckt mein Epson meine Texte aus, die ich  für die Lesung ausgewählt habe. Ein Sammelsurium von schrägen, witzigen, grotesken Wortgeweben. Satzgespinste. Dada hie und da. Vier neue Lipogramme gar, die mir einfach so in die Finger, will heißen in die Tasten, geplätschert sind …

Wir werden abwechselnd lesen, so ist es ausgemacht. Wird sicher witzig.

brennend

Wie ich gestern Nacht so im Bett liege, an einem getragenen T-Shirt, das ich J. abgeschwatzt habe, schnüffle und mir „nur noch dreimal schlafen“ zuraune – wie wir es bei Kindern tun –, begreife ich, dass ich die älteste, häufigste, herrlichste, traurigste, brennendste, dominanteste Emotion erlebe, zu der wir Menschen fähig sind. Eine Emotion, die mich mit allen Menschen auf dieser Erde verbindet. Die paar wenigen Erleuchteten auf dieser Erde vielleicht ausgenommen.

Nein, keine Emotion hat die menschliche Welt wohl mehr geprägt als die Sehnsucht. Die Welt der Kunst – was wäre sie ohne die Sehnsucht eines Da Vinci, eines Goethe, eines Mozart nach dem vollkommenen Abbild jenes inneren Feuers? Auch die Welt der Wirtschaft – was wäre sie ohne Sehnsucht der Menschheit nach Bequemlichkeit, nach Reichtum, nach Entwicklung und Erkenntnissen? Und was wäre die Welt, was wäre das Leben, deins und meins –  ja, und deins und deins auch – ohne unsern täglichen Traum von „besser, schöner, freier“?

Suchende sehnen sich.

Ich zum Beispiel ersehne mir zuweilen die Freiheit von Wünschen und Sehnsüchten. Und davon, nicht mehr länger bedürftig zu sein. Und keine Sorgen mehr zu haben, ganz besonders keine finanziellen mehr. Sehnsucht nach Zeit ist auch nicht unwesentlich in meinem Leben.

(Notiz an mich:
All die gestillten Sehnsüchte
was ist mit ihnen? Gebären sie nicht ständig neues Sehnen?)

Schnitt.

Sehnsucht macht sich an Erinnerungen fest. Und an Hoffnungen. Und sie ist radikal, denn sie ist zwar niemals gegenwärtig, doch meint sie immer das Jetzt. Sie zielt auf das erwünschte Ding hin, auf jenes, das einst war oder irgendwann sein wird, auf jenes große Jetzt, auf die Erfüllung des Seins im Augenblick. Ob Mondlandung oder Orgasmus ist dabei einerlei. Es geht um das Glück jenes Augenblicks, das wir ersehnen. Jenes Augenblicks, der in Vergangenheit und Zukunft reicht und alles aufsaugt, was je war und je sein wird. Für einen Augenblick zumindest. Und für die Ewigkeit.

Es riecht so gut nach J., das T-Shirt. Ich schnüffle noch ein wenig, bevor ich tief und fest einschlafe.

am Niederriedstausee

Mein Wohnzimmer ist zuweilen sehr groß. Heute reichte es bis an den Niederrieder Aarestausee. Wo ich zwei Geocaches hob und im neuen Wallander las. Hat gut getan, mir die Altweibersommersonne auf den Pelz brennen zu lassen … aaahhh …

beim ersten Geocache …

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Siesta …

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… und jetzt geht’s wieder heimwärts …

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Menschenskinder!

Wenn viele Menschen aus vielen Himmelsrichtungen zusammen sind, hüpft mein Herz ob all des Reichtums an Geschichten. Wie leben, wie denken, wie gestalten andere das Leben? Wie nehmen sie es wahr?

Wir saßen auf den gemütlichen Balkon der tollen neuen Altwohnung, in die meine jüngeren Freunde M. und A. neulich zusammengezogen sind. Einweihungsfest. Menschen aus zwei Freundeskreisen. Die meisten kannten sich nicht. Fließende Übergänge zwischen Kleingerede und großen Themen, denn wenn du genau hinhörst, erkennst du zwischen den Fäden der vordergründig smallgewalkten Gewebe auf einmal ganz persönliche Abgründe, Hoffnungen, Ängste, Weisheiten und Sorgenfalten.

Was für ein bereichernder Abend! Vor dem Abschied werden Nummern getauscht, Einladungen ausgesprochen und Musiktipps notiert.

Wie ich spätnachts auf dem Rad über die Kirchenfeldbrücke nach Hause radle, spätsommernächtlich warm ist es, fühle ich mich – nach einem Abend mit zehn bis zwanzig Jahre jüngeren Menschen – auf einmal auch gleich um zehn Jahre jünger.

total gut machbar!

Prolog

Am Anfang war alles ohne …

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Oh, Mann, nur mit T-Shirt kannst du doch
voll nicht raus in das Tal!, sagt das
Kind dort. Absolut Dada aus
Gold ist das! Auch. Na
und? Ach, und Frau aus Aar-
au samt Slip, Schluckauf, Hab
und Gut, dazu total gut
drauf, stand an. Und stand auf. Mit
Ballon am Rockbund. Aufs Mal
voll Licht im Raum. Ganz
hart, das Ding. Wild und
laut. Musik. Drums.
Sag, (Sau)hund, du, dazu ganz
bunt, kommst du bald? Gib Sand, du
Sack! Back mir
Brot, Laib! Und zum Schluss: kämm
ihm das Haar, von Hand, und
sag dazu: Blut vom Dach! Naht-
los. Das ist wichtig!

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Epilog

Am 21. Juli war’s, in Boxholm, Südschweden. Während wir nach dem Frühstück vor dem Zelt sassen und unsere täglichen Reiseblogartikel in die iFöun-Tastatur tippten. Dass wir auf gar keinen Fall über das gleiche schreiben dürfen, befand der über alles geschätzte Mösiö Irgendlink mit Nachdruck. Auch gleiche Wörter sollten vermieden werden, bitte schön. Abschreiben verboten! (Ooops, fällt mir ein, dass es dafür noch keine Verboten-Schilder gibt! Marktlücke!!!)
Hast du in deinem Text schon ein E drin?,
fragte er sodann. Ich bejahte. Woraufhin er nur noch mit größten Skrupeln die E-Taste zu klicken wagte. Von wegen abschreiben und so. Aber es geht eben nicht ohne, knurrte er. Auch wenn du nun sagen wirst, dass ich dir abschreibe!
S
icher geht’s!, sagte ich. Ich werde es dir beweisen …

Da capo al fin‘!

Was gut tut. II

… einfach auf die Bilder klicken und schon werden sie größer …

Mein Everytrail-Trip ist noch in Vorbereitung …
hier seht ihr schon mal die kleine Wanderung in rot …

Anfang und Ende …

schweizerische Gründlichkeit … 🙂

Luegid vo Bärge ids Tal …

Später in St.burg an „meiner“ Zulg …

Hier gibt es die schönsten Steine der Welt – echt wahr!

entspannend: einfach sein …

Bei 120km/h geknipst … 😉
(ja, ich war allein unterwegs …)

Was gut tut. I

Eigentlich gar nicht so viel. Nur immer wieder eine gehörige Portion Natur, angereichert mit guter Luft. Doch das braucht es, mein Herz, um sich zu regenerieren, das physische ebenso wie das unsichtbare. Und meine Seele braucht eine schöne Perspektive. Mein Körper liebt es, sich zu bewegen. Wie gesagt, viel braucht es nicht und Wanderwege gibt es fast überall. Neue oder vertraute – je nach Stimmung. Heute hat es mich ins Berner Oberland gezogen. Nach Heiligenschwendi . Eine Wanderung, die ich oft gemacht habe, als ich noch in St.burg wohnte. Ein vertrauter Weg, eine Art „Heimstrecke“ gar. Eine Gegend, die mich dennoch mit ihrer Schönheit immer wieder neu betört …

Weil mein iFöun mir einen Geocache verspricht, halte ich beim Gupf an, wo ich ab und zu, besonders wenn es neblig ist, gern hochsteige, um die Aussicht zu genießen. Den Cache hole ich auf dem Rückweg. Zuerst will ich einfach nur Weitsicht. Irgendwo in der Nähe, als hätte ich es bestellt, erklingt ein Alphorn und erfüllt die Welt um mich mit melancholischer, süsser Sehnsucht, mit sentiments nach Heimat, Geborgenheit, Kindheit. Hehre Gefühle. Obwohl ich mit traditioneller Volksmusik nicht viel am Hut habe, heimelt es mir hier und jetzt ob diesen Klängen. Dazu die wunderbare Sicht auf Niesen und Stockhorn, auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Geruch vom Emd auf den Matten. Medizin für mein Herz. Dennoch tut so viel Schönheit bisweilen fast weh.

Später, in der Nähe der Höhenklinik, ziehe ich meine norwegischen Wanderschuhe an und begebe mich auf eine der ausgeschilderten Rundwanderungen. Dann der Stein im Schuh. Ärgerlich. Entweder muss so ein Teilchen integriert werden, wenn es denn geht, will heißen es so zu platzieren, dass es nicht mehr wehtut, oder aber – und das tue ich nach einem halben Kilometer mit erfolglosen Versuchen – das Ding muss raus. Wenn doch alle Probleme so einfach zu lösen wären …