MiniMax

Weißt du, ich frage mich, ob es vielleicht einfach darum geht, zum Stillstand zu kommen, sagte J. vorhin in einer Telefonkabine in der französischen Pampa. Ausgerechnet er, der theoretisch in vier Wochen am Gibraltar oder in Compostela sein will.

Ziele verfolgen, ja oder nein? Ein Thema, das wir beide immer wieder neu betrachten. Von allen Seiten. Und dessen Vor- und Nachteile wir erkunden. Gesellschaftliche Ansprüche versus das uns innewohnende Bedürfnis nach Einfachheit. Und nach Sinnhaftigkeit in der Sinnlosigkeit. Will ich gar Absichtslosigkeit als Tugend postulieren?

Ich gestehe, ich mag die abgelutschte Floskel, dass oft weniger mehr sei. Weil sie mir entspricht. Nicht nur, weil ich Minimaximalistin*, sondern weil ich nicht daran glaube, das das Wort MEHR per se das Synonym von BESSER ist. Außer natürlich jenes MEHR in meiner obigen Lieblingsfloskel. Ooops … jetzt wird’s kompliziert.

Da hilft wohl nur eins: Stillstand. Jetzt.

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* MinimaximalistInnen üben sich in der Kunst, mit minimalem Aufwand, maximale Ergebnisse zu erzielen. So was aber auch: Diese Ziele verfolgen mich ja geradezu!

Rezepte gegen Längizyti

Wenn deine Gedanken ständig in die Ferne schweifen …
Wenn du zwischendurch am liebsten ganz woanders wärst …
Wenn dein Scheff/deine Scheffin schon zum dritten Mal die gleiche Frage stellt, bis du endlich merkst, dass er/sie neben dir steht, was du selbst in diesem Moment ja auch irgendwie tust …
Kurz, wenn du Längizyti nach deinem/deiner Liebsten hast … Tja, was dann?

Mein Survivalkit für alle Fälle:

Ich lese alle Bücher, die sich im Gestell stapeln, besonders jene, die ich bei ihm abgestaubt habe (Vorsatz).
Ich überarbeite endlich mein Manuskripte „Loch im Eis“ zu Ende (sehr guter Vorsatz).
Ich unternehme auch ohne ihn tolle Fotoausflüge (ziemlich guter Vorsatz).
Ich höre mir all die Musik, die wir gemeinsam mögen, an und träume dazu (bereits ansatzweise umgesetzt).

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Y0QZ_AnOZsY&feature=related]

Ich lenke mich mit Arbeit ab (unausweichlich).
Ich lege mich müßiggängerisch aufs Bett und schnuppere an seinem Ti-Shi, das ich ihm geklaut habe (immer wieder umsetzbar).
Ich gucke mir unsere Bilder an, seine und meine (Vorsatz).
Ich lese und hüte sein Blog (bereits umgesetzt und immer wieder umsetzbar).
Ich besuche oder lade all jene Leute ein, die jammern, dass ich mich rar gemacht hätte (Vorsatz).
Ich genieße die Alleinsamkeit, ohne welche Zweisamsein nur halb so schön wäre (sehrsehrsehr guter Vorsatz).

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Beipackzettel oder fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker.

Fortsetzungsgeschichten

Da war vorhin auf einmal dieser Titel im Raum. Frech setzte er sich zu mir aufs Sofa, streckte die Beine aus, blinzelte mir zu … Zuerst soll man einen Titel schreiben, der Rest kommt von selbst. Hat er das tatsächlich geflüstert? Oder habe ich das irgendwann irgendwo gelesen? In einem Blog vielleicht?

Okay. Der Titel wäre also da. Unübersehbar. Doch nun – wie weiter? Da ich nicht an Happyends glaube, mag ich diesen Titel irgendwie. (Bin echt froh, dass sich nicht Happyend zu mir aufs Sofa gesetzt hat).

Denn ich glaube an Fortsetzungsgeschichten. Erstens weil sie ganz offensichtlich – rein kommerziell gesprochen – wunderbar funktionieren, im Fernsehen ebenso wie in der Literatur, und zweitens weil sie der Realität näher sind als Happyend-Stories. Drittens glaub ich aus dem offensichtlichsten Grund der Welt an sie: weil das eigene Leben eine ist. Eine Geschichte mit nicht nur immer wieder neuen Kapiteln, sondern auch eine Geschichte, die immer wieder neue Bücher hervorbringt. Das eine klappe ich zu. Das nächste öffne ich. Stufen. Lebensabschnitte. Neue Gewohnheiten, meinte J. heute Morgen bevor wir für lange Zeit Abschied nahmen, das Leben gibt immer wieder Gelegenheit zu neuen Gewohnheiten. Alte verschwinden, neue bilden sich. Gemeinsam mit neuen Menschen, die uns das Leben bereichern.

Den Reichtum jener bunten Palette aus Freundschaft, Liebe und Beziehung umfassend zu leben heißt allerdings auch, sich verletzlich zu machen, heißt sich immer wieder auf Loslassen und Abschiednehmen einzulassen. Heißt lebendig zu sein, zu bleiben. Und in Bewegung. Sich zu begegnen ist immer eine Reise (Beispiel: hier klicken). Eine Annäherung, die sich mit Distanz abwechselt.

Jede Abschiedsumarmung, jeder Abschiedskuss ist somit nichts weiter als ein „Fortsetzung folgt“-Hinweis. Ein „bitte umblättern“ oder ein „es geht gleich weiter“…

(Notiz an mich: Der Tipp mit dem „Schreib zuerst den Titel“ funktioniert tatsächlich!)

im Rückspiegel die Welt

Vergangenheit, was hinter uns liegt? Zukunft, was vor uns liegt?

Ist nicht das, was ich im Spiegel sehe, erstens immer Gegenwart, zweitens immer eine Frage der Perspektive und Relation und drittens folgerichtig immer subjektiv?

Seit Donnerstagabend genieße ich die Gegenwart meines persönlichen Herzspezialisten J.. Das Fieber hat sich verstohlen davongestohlen. Gut so. Wir hatten und haben ja einiges vor. Und das geht einfach besser ohne Fieber. Den Frühling genießen zum Beispiel wie beim gestrigen Thermalbaden: Kur pur! Wir haben zusammen mit meiner Freundin M. in meiner alten Heimat Aargau das gute alte Aquarena heimgesucht und dabei viel gelacht.

Anschließend zu zweit ins Baselbiet. Mitten in die Höhle (Hölle?) der Kulturfuzzis. Eine andere Freundin stellt aus. (Huch, wie lange wir uns nicht mehr gesehen haben?) Wieso ich wohl bei Gelegenheiten wie dieser, bei Ansprachen und Lobhudeleien, bei salbaderndem Gelaber über die Aussage eines oder einer Kunstschaffenden immer Gänsehaut bekomme und an des Kaisers neue Kleider denken muss? Ob jemand jemandes Kunst wirklich verstehen, wirklich sehen, wirklich fühlen kann? Wie leid mir meine Freundin JB während der Ansprache tat! Ob drin wohl die eigentliche Kunst besteht: diesem unumgänglichen Gelaber zur Trotz den eigenen Weg zu gehen?

J. meinte, als wir, dem Tumult entflohen, zum Auto zurückspazierten, dass dies der schrecklichste Teil von Kunst sei: Die Konfrontation mit dem Publikum. Die Ausstellung. Ich meine JB angesehen zu haben, dass sie mit J.s Sicht der Dinge einig geht.

Tja. Kunst sichtbar machen birgt zudem die ständige Gefahr, missverstanden zu werden. Obwohl dies letztlich gar nicht so wichtig ist. Jedenfalls nicht wichtiger als die Sehnsucht danach, sich auszudrücken. Glücklich ist, wem egal ist, was die anderen über ihn oder sie denken!, meinte J. vor einiger Zeit. Recht hat er. Nur, wer schafft das schon?

Im Rundumglücklich-Modus, den wir heute aktiviert haben, geht das. Temporär. Unterwegs auf Bilderpirsch.

Möge ich den Umschalthebel auch im Alltag immer wieder finden, jawoll! Und du auch. Und du und du und ihr alle ebenfalls.

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pic 1 by J., mit iPhone /// andere pics by sofasophia

das letzte Mal

Immer noch Fieber. Schlapp bin ich. Und müde, obwohl ich gut geschlafen habe. Lebensmüde ein wenig. Blues ein wenig. Dennoch von der Sucht nach Leben verzaubert. Gopf! Dieses Buch provoziert mich. Habe es gestern Abend endlich fertig gelesen. Das letzte Mal also, dass ich darüber schreibe. Versprochen. Vielleicht.

Ich vermute, zu brüskieren gehört zu Altmanns Plan. Am meisten provoziert mich allerdings seine eigene Diskrepanz in Bezug auf postulierte und von ihm gelebte Toleranz. So sehr er von allen andern eine Weitung ihres Horizontes fordert, so sehr ist sein eigener, fraglos sehr weiter Horizont doch irgendwie einseitig. Obwohl er sich dessen ja auch bewusst zu sein scheint. Und er auch über seine Vorurteile lachen kann. Das versöhnt …

Immer wieder trifft der Autor unterwegs auf Menschen, die in Passivität versunken, nicht mehr wirklich leben. Wer weiß das schon, denn wo die Grenze zwischen tatsächlicher und scheinbarer Passivität verläuft, kann – behaupte ich – keine und keiner für andere bestimmen. Abgesehen davon, dass selbst die Definition von tatsächlicher und scheinbarer Passivität ein Unding ist. Und auch nicht zu bewerten.

Fakt jedenfalls ist, dass ich persönlich nicht ständig aktiv, nicht ständig auf Empfang, nicht ständig in Bewegung sein kann. Dann bremst mich mein Körper aus. Siehe jetzt. Mein Körper weiß oft besse als mein Verstand oder mein Bauch, was mir guttut. Nämlich, dass er ab und zu abhängen will.

Ich gestehe außerdem, dass ich hin und wieder ganz gerne passive Zuschauerin bin. Ich gestehe, dass ich gerne andern beim Leben zuschaue. Nicht immer, nicht überall. Doch lasse ich gerne das eine oder andere lieber andere erleben. Habe ja selbst schon viel erlebt. Zuschauen bildet. Bilde ich mir jedenfalls ein.

Ob ich wohl darum so gerne Bücher und Blogs lese?

Vorratsdose

Immer wieder staune ich über die vielen Texte, die sich im Laufe der Zeit in meiner Vorratsdose eingefunden haben und einfinden. Meine Blogvorratsdose! In der Dose finden sich Texte, die einfach so vorbeikommen. Texte, die ich, zwischen Tür und Angel irgendwo, in die Tasten haue und in einer Datei abspeichere. Nach Bedarf kann ich so einfach einen passenden hervorzaubern. Meine Nüsse für Dürrezeiten.

Doch zuweilen, wie heute, passt einfach keiner. Dazu fällt mir heute auch nix Kluges ein, um auf diesen Tag eine Art Decke zu legen. Um dem Tag – in J.s Tackerjargon gesprochen – den Deckel des Vergessens aufzulegen. Ist nämlich so ein Tag heute, der einen solchen Deckel schwer verdient hat. Am besten wohl, einfach nix zu schreiben … Oder dann so was hier:

Scheff zurück aus den Ferien. Ich schon am Morgen schlecht drauf. Hatte schlecht geschlafen, mich fiebrig gefühlt, am Morgen schon. Pflichtbewusst dennoch das Büro aufgesucht, weil viel zu tun war. Dazu Sitzung über Mittag. Und am Abend hatte ich mit B., abgemacht, die mir aber im Laufe des Vormittags absagte. Sie sei krank geworden. Passt irgendwie. Ich rackere wie blöd weiter und weiter, werde aber dauernd unterbrochen, denn alle wollen was von mir. Dazu tausend Anrufe. Dazu muss ich selbst viele Anrufe erledigen. Feierabend, komm, bitte!

Endlich radle ich todmüde nach Hause, kaufe noch schnell ein, packe die Sachen in den Frigo und lasse mich erschöpft ins Bett fallen. Dort messe ich Fieber und bin nicht wirklich überrascht, als das Teil in meinem Mund Fieber anzeigt.

Dass ich morgen so nicht ins Büro kann, ist voll in Ordnung. Nur, dass meine Arbeit liegen bleibt, ist doof. Denn Arbeit, Dreck und ähnliches Zöix wachsen von allein. Und wachsen von allein nach, kaum dass wir mal nicht hinschauen.

Toll dagegen ist, dass J. morgen kommt. Nur wird mir die Zeit lang und länger. Viel zu lang. Längizyti nennen wir BernerInnen sowas. Ich kenne dafür kein besseres Wort. (Wie das wohl erst wird, wenn er fünf Wochen auf Reise geht? Bloß noch nicht dran denken!)

Na ja. Zum Glück habe ich Altmann zu Besuch. Eckig und kantig wie er ist, stellt er zwar keine ernsthafte Konkurrenz für J. dar. Das nicht, aber er ist immerhin besser als nix. In der Tat: das Gute am Kranksein ist, dass ich meine vielen angefangenen Bücher endlich fertig lesen kann.

Tja, sorry, dieser Text ist literarisch ziemlich anspruchslos. Und – zugegeben – bestimmt auch nicht sonderlich unterhaltsam. Mein Alibi heißt Fieber … selbst schuld, wenn du ihn gelesen hast. Immerhin ist er nicht ansteckend …

Hirnrisse und so

Reisen ist hirnrissig. Urlaub ebenfalls. Da rackert man – und frau – sich für ein paar wenige Tage im Jahr dumm und dämlich, verausgabt sich, arbeitet auf Vorrat … Und wozu? Um ein paar Tage keinen Stress zu haben, jawoll. Wäre es da nicht viel cleverer, sich gemächlich durchs Jahr zu arbeiten? Und unterwegs kleine Pausen zu machen? Sagt meine rechte Hirnhälfte.

Gut und recht, antwortet meine linke Hirnhälfte, gut und recht. Und clever. Und ökologisch. Und genügsam. Unzoweitr. Aaaber.

Reisen und Urlaub dienen ja nicht nur der Entstressung. Und auch nicht nur der Erholung. Vor allem weiten sie unseren Horizont. Sie nähren unsere Träume. Sie wecken und füttern unsere Kreativität. Sie zeigen uns neue Seite unserer selbst. Sind allerdings bloß zwei von vielen Möglichkeiten, dies alles zu erfahren. Und selbstverständlich können wir alles auch mitten im Alltag erleben.

Reisen und Urlaub – vermeintliche oder echte Freiheit?

„Ach und Freiheit? Für mich wäre das momentan: die Reise mit dem besten Gefühl einfach nicht zu machen …“, mailte J. heute. Ein Satz, der nachhallt … Wie frei bin ich? Und du?

< … Und natürlich wünsch ich dir, J., jene Freiheit, mit dem besten aller Gefühle deine Reise einfach zu machen! ;-)>

GeStillt

Ich betrete den großen Raum. Sofort wird mir ein leeres Gefäß gereicht, das ich – so wird mir gesagt – nach meinem Geschmack füllen kann. Danach soll ich an der großen Theke mit einem meiner vielen Blankoschecks zahlen. Ich schaue mich um. Ein voller Raum. Voll nichts. Voll Leere, voll reicher Stille. Jene Stille, die Hunger und Durst zugleich stillt. Denn vielleicht ist es ja das wunschlose Glück, wonach ich hungere. Doch wäre jener Hunger gestillt, wäre da keine Sehnsucht mehr. Kein Ziehen mehr. Weder nach Norden noch nach Süden. Und auch nicht nach Westen oder Osten. Oben und unten schon gar nicht. Kein inneres Ziehen mehr. Kein äußeres Drängen und Schubsen. Wunschlos glücklich sein – ist das wirklich ein Wunsch von mir?

Will ich mein leeres Zeitgefäß nicht vielmehr mit Reisen, mit lustvollem, neugierigem Unterwegs sein füllen? Mit Ankommen und mit Weitergehen. Mit Fülle, mit Genug-von-allem-haben (Geld inklusive), mit Bei-mir-zuhause-sein-wo-immer-ich-bin. Mit Sein. Mein Gefäß ist groß, innen grösser als außen. Und außen grenzenlos. Aber innen, wie gesagt, noch grösser. Endloser Speicherplatz. Unendlich viele Yottabytes. Alles möglich. Immer. Jetzt.

Ich betrachte den Inhalt meines Gefäßes. Alles liegt drin. Alles Unmögliche. Das nun endlich möglich wird. Einen Blankoscheck bin ich zwar los, doch der Tausch hat sich gelohnt.

Mein Herz schlägt heftig. Freudig und dankbar mache ich mich auf den Weg.

(Inspiriert von Rebis, die am 10. April kommentiert hatte: „Durch Arbeit und Dinge, die ich mir so nicht freiwillig von der großen Theke auswählen würde …“)

Null

Null Komma Null

Summiere alle deine Ideale, Pläne, Träume, Sünden, Nachlässigkeiten, Unterlassungen und Wunden mit denen aller Menschen aus allen Ländern. Das Ergebnis wird Null sein. Immer. Ist Null viel oder wenig? Ist Null die Grundstellung? Ist Null der Same, der Ursprung von allem, oder ist es das Ziel? Ist Null Leben oder Tod? Alles, nichts? Oder ist Null gar die Liebe schlechthin?

Null Komma eins

Beim Reisen geht es – wie beim Leben – letztlich darum, bei sich selbst anzukommen. Reisende sind immer Suchende. Und Findende. Reisen ist eine Form von Kunst. Ebenso wie Suchen und Finden. Und loslassen. Schritte ins Unbekannte wagen.