Metapheröses

Ich mag ja Metaphern aller Art. Technisches und Alltägliches ganz besonders.

Heute Nacht lief ein längst überfällige Update auf dem weniger gebrauchten Teil meines Rechners. Nnennen wir das Kind doch beim Namen: auf Windows. Viele Stunden hat der Rechner dafür geschuftet, denn es muss irgendwann im November gewesen sein, als ich das Betriebssystem das letzte Mal benutzt hatte. Warum ich es noch immer auf dem Rechner habe, weiß ich nicht mehr so genau*. Jedenfalls gabe es viel upzudaten, sehr sehr viel.

Als ich mich heute Morgen an den Rechner gesetzt hatte, war endlich alles wieder so, wie es sollte. Alles lief rund (na ja, außer dass sich alle Browser nicht mit dem Internet verbinden konnten, obwohl das Internet lief, aber da es mir ja nur ums Updaten gegangen ist, war das ja egal).

Wie gerne ich mir selbst doch auch ab und zu so ein Update verpassen würde?, blitzt es in meine Gedanken.

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Ich dualboote also. Wenn ich den Rechner einschalte, entscheide ich in den ersten Sekunden, welches Betriebssystem ich starten möchte. Kurz gesagt führt mein Rechner also ein Doppelleben. Meistens halten wir beide uns im Ubuntu-Universum auf, wo ich mich wohl und heimisch fühle; und so sicher, wie es eben irgendwie auf dieser Welt geht.

Doppelleben führe ich selbst auch irgendwie, oder gar Mehrfachleben. So füttere ich zum Beispiel zwei (oder mehr) Blogs und zwei Kurznachrichten-Dienste.

Ja, ich gestehe es. Ich habe noch ein Blog mehr. Ein weiteres Text-Blog. Ich will wieder ins fiktive Schreiben gelangen. Etwas, das mir früher so wichtig war, mir aber in den letzten Jahren mehr und mehr abhanden gekommen ist. Möglicherweise hilft es mir ja, wenn ich mich in einem neuen Gefäß ausschließlich auf kleine fiktive Texte konzentriere? Vielleicht wird sogar eines Tages etwas Ganzes daraus, denn ich habe in meinem großen Vorrat an fiktiven Texten gelesen und versuche, den roten Faden zu finden, für den es sich zu schreiben lohnt.

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Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die wunderbare, tolle, wichtige, nahrhafte Texte schreiben. In solchen Texten finde ich immer wieder für mich so wichtige Erkenntnisse.

Nun stelle ich mir vor, wie die tollen Erkenntnisse eines anderen Menschen durch das Aufgeschriebenwerden konzentriert und komprimiert werden – verzippt sozusagen – und wie ich dann, während ich den Text lese, diese Erkenntnisse, diess ZIP, dieses Konzentrat, in meiner inneren Festplatte entpacke, öffne, installiere, mir zu eigen mache.

Sagte ich schon, dass ich Metaphern mag?



*Früher war es wegen Word gewesen, doch inzwischen sind meine Open-Source-Schreibprogramme Word längst ebenbürtig, zumal ich davon nur eine uralte Version habe, die heute längst überholt ist.
Auch wegen iTunes, also zur Datensicherung meines iPhones, brauche ich es im Grunde auch nicht mehr, denn iTunes gibt es eh bald nicht mehr. Außerdem sichere ich ja meine Bilder regelmäßig. Alle anderen Daten auf dem Handy gibt es noch anderswo auf meinem Rechner.

Was geht

Vor bald einem Jahr war es. Am Vorabend unserer großen Reise in den Norden Schwedens. Der Liebste hatte meinem iPhone 5S* einen neuen Akku verpasst – keine einfache Sache. Während der Ferien und auch noch eine Weile danach hielt der Akku dann auch, was er versprochen hatte: Er ließ mein Handy arbeiten, zäh und ausdauernd, mit jugendlichem Übermut geradezu. Nennen wir diese hundert Prozent, die mein Handy damals zu laden und zu leisten fähig war, ein bisschen provokativ die ’normalen hundert Prozent’, wenngleich es letztlich keinen wirklich verbindlichen, absoluten Maßstab für hundert Prozent gibt – weder bei Geräten noch bei Menschen. (Denn ja, das hier ist durchaus als Metapher zum Menschsein gedacht).

Die Zeit zog übers Land und es wurde Herbst. Irgendwann spielte ich das neue Update des Betriebsprogramms aufs Handy, iOS 12. Mag sein, dass das neue Betriebssystem den nicht markeneigenen Akku nichterkannte oder schlicht und einfach nicht mochte oder was auch immer: Fakt war, dass mein doch noch fast neuer Akku neuerdings nach immer kürzerer Zeit leer war. Eben zeigte er noch achzig Prozent an, dann siebzig und – schwupp! – war ich bei zwanzig. Ich konnte, während ich am Handy Bilder bearbeitete oder Blogs las, fast zuschauen, wie die Anzeige sank.

Natürlich erinnerte mich das an früher, Stichwort Memory-Effekt. »Als Memory-Effekt wird der Kapazitätsverlust bezeichnet, der bei sehr häufiger Teilentladung […] auftritt. Der Akku scheint sich den Energiebedarf zu merken und mit der Zeit, statt der ursprünglichen, nur die bei den bisherigen Entladevorgängen benötigte Energiemenge zur Verfügung zu stellen. […] Sinkt die Zellenspannung unter diesen Mindestbedarf ab, wird die Zelle für die Nutzung unbrauchbar, obwohl sie noch weiterhin elektrische Energie liefern kann.« Sagt Wikipedia.

Keine Ahnung, ob das der Grund für den immer rascheren Kapazitätsverlust meines Handyakkus ist, zumal ich den Akku extra immer ganz runtergespielt habe, um ja bloß nicht einen Memory-Effekt zu provozieren. Von Anfang an habe ich es so gehalten.

Inzwischen sind aus den ursprünglichen ’normalen hundert Prozent’ vielleicht noch dreißig Prozent übrig geblieben, die wiederum ihre eigenen ’neuen hundert Prozent’ darstellen. Wie klein diese hundert Prozent sind, stelle ich besonders dann fest, wenn ich sehe wie wenig Strom das Handy für eine Ladung von zehn Prozent auf hundert Prozent braucht, gut sichtbar, wenn ich es über die Powerbank lade.

Unweigerlich denke ich an uns Menschen. An mich ebenso wie an liebe Freund*innen. Meine hundert Prozent sind nicht mehr, was sie einst waren. Es sind meine persönlichen hundert Prozent, meine Kapazität zwischen null und hundert ist verglichen an den früheren – könnte man diese denn absolut erfassen – deutlich kleiner geworden. Zum einen hat das persönliche Gründe, zum anderen gehört das zum Älterwerden. Und es ist okay.

Diese hundert Prozent, die ich oben provokativ ’normal’ genannt habe, sind nämlich höchstens im Sinne der Normalverteilungskurve normal. Von unseren persönlichen hundert Prozent auf jene eines beliebigen anderen Menschen zu schließen, ist ganz großer Mist. Passiert uns aber allen immer mal wieder. In beide Richtungen. Aber Vergleichen ist ganz große und ganz unnötige Kraftverschwendung.

Was also mit mir und meinen Ressourcen anfangen? Gut zu mir schauen. Selbstfürsorge. Achtsamkeit.

Mit dem Handy ist das so eine Sache. Ich trage ihm Sorge, klar, doch seit Monaten überlege ich, ob ich weiterhin mit einem altersschwach gewordenen Handy leben oder mir doch irgendwann ein neues Aus-zweiter-Hand-Handy suchen soll. Und nein, das ist nicht nur eine Frage der Finanzen. Man schließt ja diese Dinger eben auch irgendwie ins Herz.


*Ich habe es vor etwa dreieinhalb Jahren (mit kaputtem Glas, das ich repariere ließ) von Freund S. übernommen habe. Handys kaufe ich aus Überzeugung nur noch aus zweiter Hand.

Die Kurve nehmen

Der Alltag, das Leben selbst, bildert ein Ahnen in mich, leises Wissen und Erkennen, wirkt Verstehen.

Da ist die Kurve. Der Weg, die Linie der Kurve. Um sie zu zeichnen, braucht es viele Punkte, denn linear gesprochen ist eine Kurve die Summe unendlich vieler Punkte. Je dichter die Punkte beieinander liegen, desto runder kann eine Kurve sein.

Jedes Update und jede Aktualisierung meines Wissensstandes, jedes Mich-Kurzschließ

en mit lieben Menschen und jeder noch so kleine Austausch sind einzelne Punkte auf meiner Lebenskurve. Nur so kann ich in der Kurve bleiben, biegbar, beweglich, aufmerksam. Andernfalls wird mein Weg, meine Lebenslinie, scharfkantig, starr und holprig.

Noch mehr aufräumen

Als ich vor zwei Tagen auf meinem neuen Tablet eine Root-App installiert hatte, tat ich dies in der Hoffnung, damit alle Malware und alle Adware, inklusive all der dämlichen Werbeeinblendungen, für alle Zeiten loszusein. Offenbar hatte ich mich zu früh gefreut, denn nun erschienen die Werbebanner nicht mehr als aufpoppende Fensterchen, sondern tabletwurden mir als Mitteilungen bei der Rückkehr aus dem Standby-Zustand in den aktiven Zustand angezeigt. Nicht ganz soo nervig, aber auch immer noch unsympathisch. Auch wurde die Root-App vom einen der inzwischen drei installierten Antivirusprogramm als Malware angezeigt, was leises lautes Herzklopfen bei mir auslöste. Auch die eine Malware, die mir im zweiten Antivirusprogramm angezeigt worden war, konnte ich weder mit dem Antivirusprogramm noch mit der Root-App entfernen.

Entsprächen aber, wie ich im letzten Artikel schon schrieb, entsprächen also diese Ad- und Malwares unsere eigenen destruktiven, lebensfeindlichen Gedanken, entspräche dann der Antivirus-Scanner meiner inneren Heilerin? Oder ist gar die Root-App die heilende Instanz? Was aber, wenn diese selbst schon verseucht war? (War sie das und war sie somit ein Scharlatan?)

Ich entschied mich nach einigem Lesen in Foren, schließlich dazu, eine weitere Root-App, eine, die überall nur beste Rückmeldungen bekam, zu installieren. Leider hat das nicht wirklich funktioniert, aber immerhin konnte ich nun endlich die andere, angeblich verseuchte Root-App deaktivieren. Was immerhin soviel bedeutet wie blockieren, stummschalten, ihr die Hände zu binden.

Nun ja, was die beiden Ad- und Malwares schon alles ausspioniert und vielleicht sogar angeknabbert haben, weiß ich nicht. (’Digitaler Krebs’, gibts den Begriff schon?) Fakt ist aber, dass ich jetzt mit zwei nicht mehr wirklich deinstallierbaren, aber immerhin auch auch nicht aktiven Root-Apps und drei Antivirus-Programmen Ruhe vor der Werbung habe.

Auch nicht schlecht und schon wieder eine Art Gleichnis. Nun ja, ein wenig plump ist es vielleicht schon und ein bisschen schwarz-weiß, aber irgendwie stelle ich mir grad vor, dass dieses Tablet wie ein Menschenleben ist. Alles da. Schwarz, weiß und vor allem die ganze Palette an Grautönen, an Bunttönen. Das »Böse« ist bereits drin, mit einem trojanischen Pferd eingedrungen, aber ich kann es vielleicht aushungern. Und ich kann dem, was heil ist, mehr Raum geben, immer noch mehr Raum, statt das zu fokussieren, was kaputt ist. Stattdessen kann ich das Kaputte mit Salbe und mit Übungen unterstützen, ihm mit Ermutigungen zum Heilerwerden verhelfen. Wenn ich es jedoch immer nur betrachte und stattdessen bedauere, was ich alles versäumt habe und darüber nachdenke, wie das denn überhaupt geschehen konnte und was ich womöglich alles falsch gemacht habe (oh ja, das tue ich; in solchen Gedanken bin ich sozusagen Weltmeisterin!), verliere ich ständig – und vor allem verdammt viel – Energie. Es ist mein verdammtes Leck, das ich endlich versiegeln will.

Mein Kaputtes will ich, wie gestern in der Physiotherapie angefangen, wieder beweglich und geschmeidig machen, es wieder so heil wie möglich werden lassen. Aktiv.

Und das, was heil ist, will ich bestaunen. Will dafür dankbar sein. Will es loben, will es sorgsam berühren, will mich freuen darüber. Ja!

Denn ich kann schließlich – im Gegensatz zu einem PC, einem Handy, einem Tablet – meine körpereigene, seelendurchdrungene Lebensfestplatte nicht einfach auf Werkseinstellung zurückschalten, ich kann sie nicht einfach neu aufsetzen.
(Schön wärs. Oder auch nicht.)

aufgeräumt

Da habe ich also neulich dieses Billigtablet gekauft – ja, ja, Asche auf mein Haupt –, weil das Alte kaputtgegangen ist. Trotz wenig Geld habe ich mich dazu entschieden, weil mir ein Tablet Bibliothek, Fernseher und Notizbuch ist; kurz gesagt etwas, auf das ich nicht mehr so einfach verzichten mag. So weit so gut.

Nun ja, weniger gut ist, dass dieses Billig quasi ein mit Nerven erkauftes Billig war. Hätte ich mir eigentlich denken können.

Die Hersteller haben für ihr Billig nämlich Adware auf die Festplatte des kleinen Computerleins geschmuggelt. Werbezöix. So ploppt also, wenn ich nichts böses ahnend buchlese oder einen Film gucke, Werbung für eine App auf, die ich unbedingt nicht brauche. Dass ich jedes Mal, wenn ich diese unerwünschte Werbung über das x lösche, einen Werbebatzen der App-Hersteller an die Tablet-Hersteller auslöse, weiß ich erst seit gestern.

Irgendwann gestern Abend wurde es mir nämlich zu nervig und ich wollte wissen, was dahinter steckt. Zuerst ließ ich mein Antivirusprogramm einfach mal die Festplatte scannen. Siehe da: eine unerwünschte App ist schuld. Wie ich sie loswerden kann? Da gibt es viele Antworten. Die glaubwürdigsten empfehlen, die Root- also Superuserrechte des Tablets zu erlangen und sodann die App zu löschen. System-Apps lassen sich nämlich, anders als selbstgeladene, nicht so einfach löschen.

Root-Apps gibts zuhauf, doch wenige halten, was sie versprechen, wenn stimmt, was ich da lese. Eine, die mir Chip empfohlen hat, findet schließlich meine Gnade und ich lade sie außerhalb des Guugl-Appstores auf das Tablet. Da sie zwar von Chip empfohlen, von meinem Antivirusprogramm aber als gefährlich bewertet wird, muss ich zuerst ein paar Schwellen, Steine, Baumstämme aus dem Weg räumen, um der Neuen Platz zu schaffen. Das braucht ein paar Anläufe, da die Root-App offenbar auch den Codes des Betriebssystems zuwiderläuft.

Es ist, als müsste ich einen Schlüsseldienst davon überzeugen, dass ich wirklich das Recht habe, meinen Hausschlüssel zu verwenden. Oder ist es ein ’Die Guten gegen die Bösen’-Ding? Big Buisness auf jeden Fall. Immerhin: jetzt ist es geschafft. Beim Viren-Scan wird zwar die App noch immer als vorhanden angezeigt, aber Werbung ploppt keine mehr auf. Darum habe ich das Teil nun neu gestartet, ähm, gerootet meine ich natürlich.

Huhu, noch da? 😉

Dass ich das alles nicht einfach nur aus Spaß an der Technik schreibe, könnt ihr euch sicher denken. Wenn Virus, Malware, Adware für alle meine schädlichen Gedanken stehen, stehen Rootrecht und Aufräumaktion dann nicht für Eigenverantwortung?

Meine Osteopathin war heute Morgen einigermaßen erschrocken über das Ausmaß der Blockaden in meinem Körper, als sie – ausgehend von einer verkalten Schulter, die inzwischen ziemlich sicher als Frozen Shoulder zu definieren ist – meinen Unterleib behandelte. Alles großräumig blockiert. Kein Wunder, dass ich kaum Atem bekäme und dass mir oft schlecht sei, meinte sie. Bloß: was war zuerst da? Wo alles anfing und wie sich alles auf meiner Körperfestplatte verbreitet hat, weiß weder sie noch ich. War die Malware ein Gedanke, der Kreise gezogen hat? Etwas rein physisches vielleicht? Gibt es in unserem persönlichen – sprich: körperlichen – Betriebssystem solche Trennungen überhaupt?

Vielleicht ist es auch müßig, nach Schuld und Ursachen zu suchen. Fakt ist, dass alles zusammenhängt. Und ich hoffe, meine Ärztin findet nachher, wenn ich bei ihr bin, einige Ansatzpunkte für eine Verbesserung meines Zustandes.

Vielleicht bin ich ja auch irgendwie rootbar, vielleicht gibts da etwas, womit ich die Malware ausschalten, löschen kann? Und vielleicht wäre diese Wanderung, von der der Liebste und ich heute am Telefon getagträumt haben, gar nicht mal so übel. Im Sommer am Nordkap loswandern und im Winter in Südspanien ankommen. Oder so. Nun ja, Träumen darf man ja.

Verborgene Formatierungen

Die meisten von uns wissen nichts von den verborgenen Formatierungen. Mit diesem geheimnisvollen Satz bin ich heute Morgen erwacht. Obwohl ich im Dunkel des frühen Morgen und der geschlossenen Fensterläden nicht wirklich viel sah, habe ich ihn auf meinen Block gekritzelt. So lesbar, dass ich ihn jetzt, Stunden später, noch immer entziffern kann.

Ich bin ja eine – wie man das wohl nennt? – eine, die nicht nur einen Satzzeichen- und Rechtschreibefimmel hat, ich bin auch eine, die einen währschaften Formatierungsfimmel ihr Eigen nennt. Will heißen, wenn ich einen Text fertig geschrieben habe (ob Geschäftsbrief oder Mail oder Blog oder Ello ist dabei einerlei), wird der nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch in eine Form gebracht, die meinem ästhetischen Empfinden so gut wie möglich entspricht. Da dürfen zum Beispiel keine zuviele Leerzeilen zwischen den Zeilen sein. Obwohl mir ja auch das, was zwischen den Zeilen steht, wichtig ist.

Je nach Format – Software, App oder Officeprogrammm – weiche ich zum Beispiel auf den harten Zeilenumbruch aus – CTRL plus Enter – um eine leere Zeile, resp. die Eröffnung eines neuen Absatzes, auszuschließen. Bei WordPress (wenn man im visuellen Modus arbeitet) bedeutet Enter beispielsweise immer einen neuen Absatz, was, gerade bei lyrischen Texten eine meist unerwünschte Zeile vor der nächsten Zeile bedeutet − und in meinen Augen hässlich aussieht, zerrissen, auseinandergerissen. Da hilft eben nur besagter harter Zeilenumbruch beim Vermeiden.

Bei den diversen von mir benutzen Office-Programmen arbeite ich übrigens immer im Modus namens „alle Zeichen sind sichtbar, auch Leerschläge und Zeilenschaltungen“. Weil ich damit mögliche überflüssige Leerschläge und leere Zeilen ausschließen kann. Die dafür notwenigerweise zu wählende Einstellung sieht fast überall gleich aus. Achtet auf das seitenverkehrte P mit einem Brett im Rücken (¶), wenn ihr die geheimen Zeichen sehen wollt.

(Noch da?) Ja, es gibt da eine Parallelwelt, eine Welt der verborgenen Formatierungen, von denen Normalsterbliche − nun ja, sagen wir NormalnutzerInnen − meist keine Ahnung haben. Auch mir sind noch längst nicht alles Schleichwege auf diesem gar nicht so fernen Planeten vertraut, dennoch gibt es sie, und dennoch funktionieren und wirken ihre Gesetzmäßigkeiten. Aber sie sind Geheimnisse für all jene, die ihre Naturgesetze nicht kennen und natürlich auch für alljene, denen diese Gesetzmäßigkeiten egal sind … Geheimnisse, die also nur für all jene zählen oder gar sichtbar sind, die ein bisschen mehr „sehen“, die bei einem Text auch nicht nur den eigentlichen Inhalt zu sich nehmen, sondern die, wie ich, mit dem Auge mitlesen. Mitessen hätte ich beinahe geschrieben.

Nein, natürlich ist das nicht wichtig. Von einem schön formatierten Text wird niemand satt (GrafikerInnen mal ausgenommen), und es gibt weiß Göttin wichtigere Dinge. Und ja, das hier ist natürlich nur ein Beispiel. Nennen wir es eine Metapher. Eine Metapher dafür, dass jedem von uns etwas anderes wichtig ist. Und jede von uns einen Blick für etwas hat, das andere nicht sehen, nicht sehen können. Und dass es doch schön ist, etwas zu sehen, zu verstehen und zu können, ohne sich deshalb besser als andere zu fühlen. Denn die andern sehen Dinge, die ich nicht sehen kann.

Und wenn sie mich darauf aufmerksam machen, sehe ich sie vielleicht auch.

apt-get install zufriedenheit

Längst bin ich zu einer kleinen Nerdin mutiert. Zu einer Nerdosophin von mir aus. Eine Wandlung, die sich laufend vollzieht und sich in den letzten zwei Jahren noch verstärkt hat, seit ich meinem früheren possessiven Betriebssystem, das auf meinem Rechner installiert war, den Rücken gekehrt habe. Seit ich zur Linux-Anwenderin geworden bin, diesem freien und kostenlosen Betriebssystem, das mindestens so virensicher wie Mac ist. Nein, keine Angst, das was jetzt kommt, wird nicht nerdisch sein, höchstens ein bisschen, aber so, dass auch Nicht-Nerdische es verstehen. Versprochen. Nerdisch? Auch das werde ich übersetzen, versprochen. Jetzt. Hier. Nerds* sind Menschen, die sich exzessiv und leidenschaftlich mit IT, Programmierung, Internet und den Hinter- und Abgründen der virtuellen Technik befassen. Und html können.

Html? Hm, das war doch, das ist doch … Ähm, nein, sorry, keine Ahnung. So irgendwie höre ich dich murmeln und nein, keine Angst, ich werde hier keinen Vortrag über die wichtigste und älteste Sprache des Internets halten. Uns interessiert ja meistens nur, dass etwas funktioniert, nicht wie. Wer nun weiterliest, erfährt nur etwas über die der internetten Sprache zugrunde liegende Philosophie. Denn die Klammer, die Klammer, die gilt es zu verstehen.

Html befiehlt einem Text – kurz gesagt – wie er auszusehen hat. Oder wohin er führen soll, wenn er die Aufgabe hat, etwas zu verlinken. Und damit all jene, die den Text im Internet lesen wollen, nicht über kryptische Befehlszeilen stolpern, geschieht das alles im Hintergrund. Auf einer zweiten, verborgenen Ebene. Hinter den Zeilen, sozusagen, statt zwischen den Zeilen. Bei WordPress einem Content Management System (kurz CMS), also einem Inhalte bewirtschaftenden System, sehen die Benutzenden oberhalb des Fensters, in das sie den Text einfügen, der später den Lesenden gezeigt wird, die Möglichkeit zwischen visuellem und Text-Modus zu wählen. Visuell? Ganz einfach: So sieht der Text nachher aus. Hier kann nach Herzenslust formatiert werden: mit Farben, mit Fettdruck, mit Kursivanzeige, mit Überschriften … Fast wie Word oder Open- & LibreOffice.

Bist du noch da? Nun wird’s nämlich spannend. Ähm. Vielleicht. Hoffe ich. Neben dem visuellen, für alle Augen sichtbaren Modus gibt es, wie gesagt, den Text-Modus. Seit ich diesen vor vielen Jahren entdeckt habe, kann ich nicht mehr ohne ihn. Man spricht bei dem, was er anzeigt, auch von Quelltext. Und nun kommt es, das mit der Klammer (siehe oben). Jener Klammer, die eigentlich Tag heißt. Nein, nicht Tag wie das Gegendings von Nacht, sondern das englische Tag. Na, ihr wisst schon. Aber ich mag halt das Wort Klammer lieber. Verzeiht mir also, ihr andern Nerds, falls ihr hier mitlest. Ich bin ja, wie gesagt, eher so eine Art Philonerdin oder Nerdosophin.

Widmen wir uns also der Klammer. Der Doppelklammer um genau zu sein. Nun ja, die Doppeldoppelklammer um richtig genau zu sein. Denn <> und </> sind die Basis jeden Befehls. Was in der Klammer drin steht, entscheidet später über das Aussehen des visuellen Inhalts. Fettdruck wird zum Beispiel mit den Klammern <strong> und </strong> ausgelöst. Wobei die erste Klammer den Anfang und die zweite Klammer das Ende des fettzusetzenden Wortes oder Satzes anzeigt. [Okay, bei Bildern und überall, wo es keinen Text einzurahmen gilt, braucht es nur eine Klammer, eine, die dafür auch gleich einen Schrägstrich enthält: <img /> bei Bildern oder <br /> für den Zeilenumbruch. Das könnt ihr aber gleich wieder vergessen. Oder auch nicht.] Soll das Fettzusetzende auch gleich noch kursiv sein, werden die Klammern <em> und </em> drumrum gebaut. Doppeldoppeldoppelkammern. Klickt man also das allererste Mal vom visuellen in den Text-Modus, wird man nicht gleich auf Anhieb etwas erkennen, außer Klammern, ähm, Tags. Vor allem, wenn man noch nicht weiß, was die einzelnen Befehle wie strong, em etc. bedeuten. Und darum geht es hier zum Glück für dich nicht. 😉

Hier geht es nur darum, das Prinzip der Klammer zu verstehen, zu verstehen, dass im Verborgenen alles ein wenig anders aussieht. Dass Programme geschrieben und gelesen werden und dass das, was ein Programm für uns macht, eigentlich eine Art Übersetzung ist. Die heutigen Rechner transkribieren die Befehlszeilen im Hintergrund für uns Lesende so, dass unsere Augen nur das Vordergründige, für alle Sichtbare sehen.

Vermutlich ticken auch die Programme, die unserer Bio-Software – Geist, Seele, oder meinetwegen meinem Ich, meinem Leben, meiner Lebenseinstellung, meiner Arbeit – zugrunde liegen, so ähnlich. Html als Analogie für mein Unterbewusstsein, für das Skript meines Lebensbuches?

Erwacht bin ich neulich mit dem Satz apt-get install. Nun verstehst du wieder Bahnhof, richtig? Das war dieser Halbsatz, den Irgendlink damals, als er die Meseta durchpilgert hatte, benutzt hat. Und ich erinnere mich noch heute daran, nach vier Jahren, wie er mir am Telefon erzählt hatte, dass er sich andere Bilder im Kopf installiert habe, um den Weiten der Meseta nicht schutzlos augeliefert zu sein.

Apt-get ist auch so ein Begriff, den wohl nur närrisch-nerdische Linuxen kennen und verwenden. Mit apt-get gebe ich auf der Hintergrund-Befehlsebene, dem Terminal genannten Cockpit, das ein, was ich nicht nur in einem einzelnen Text, sondern auf dem ganzen Rechner verändern will. Apt-get** ist demzufolge die Aufforderung an den Rechner, etwas Grundlegendes zu verändern. Oder etwas aus dem Netz Gefischtes zu installieren. Ich kann auch sagen: Apt-get update. Dann fischt der Rechner alle verfügbaren Updates für alle bestehenden Programme auf dem Rechner aus dem Netz. So kann ich im Betriebssystem Dinge hinzufügen und entfernen.

Natürlich bin ich diesbezüglich noch immer ABC-Schützin, doch das Prinzip ist auch hier einfach: Die Befehle und die Orte, wo etwas hin soll und wo es abgeholt werden kann, stehen in Klammern. Ein bisschen anders als bei html, aber doch im Prinzip gleich.

Du gähnst? Verzeih, aber jetzt kommt’s: Software lässt sich nämlich verändern. Ergänzen. Überschreiben. Löschen.

Und das hier – du hast es geahnt, stimmt’s? – das hier sind alles Metaphern. Gleichnisse für das Menschsein und das ist es wohl auch, was mich an der Technik so fasziniert. Sie ist der Versuch eines Abbildes. Der Mensch schuf sich den Rechner zu seinem Bild (so wie er sich ja auch einst Gott zu seinem Bilde schuf).

Und darum schauen wir uns jetzt die menschliche Festplatte an. Bei der Geburt ist sie leer. Gut, ganz leer ist sie nicht. Da ist ein Betriebssystem drauf, natürlich, und sie ist formatiert. Übersetzen tun wir das hier mal mit Genen, unserem biologischen Erbe, kulturellen Einflüssen, Land, Geschichte … Aber es sind noch keine Dateien drauf, nur ganz viel Raum. Dieser Raum wird jedoch schnell voll und voller. Aus kleinsten Trampelpfaden werden schnell Autobahnen. Laufend werden Programme installiert und ständig Updates nachgereicht. Oft ganz hässliche. Malware. Virenverseuchter Mist auch.

Das Programm, ob du von dir glaubst, ein liebenswerter Mensch zu sein – oder eben nicht –, wird wohl ziemlich bald installiert. Darauf basieren viele der später dazukommenden Programme. Wie auch beim Rechner viele Programme auf bestimmten anderen basieren, mit ihnen zusammenhängen oder sich gegenseitig bedingen. (Notiz an mich: Wenn ich einmal groß bin, werde ich IT-Psychologin, vielleicht).

Darum ist es besonders wichtig zu wissen, dass sich Software verändern lässt. Ergänzen. Überschreiben. Löschen (siehe oben).

Und ja, gute Nachricht: Auch menschliche Programme lassen sich verändern. Nicht ganz so einfach allerdings, zugegeben. Wie das funktioniert, kann ich auch nicht so einfach zusammenfassen. Und ob es auch dafür Formatierungsanweisungen wie die eben erwähnten Klammern, Doppelklammern, Doppeldoppelkammern und Doppeldoppeldoppelkammer gibt, wage ich zu bezweifeln, doch das es geht, habe ich dieses Jahr erlebt. Nicht immer, aber immer wieder. Und es lohnt sich, sein eigenes Betriebssystem kennenzulernen und sich als sein ganz persönlicher sudo*** fit zu machen. Oder Hilfe bei einem Supportservice zu holen.

Ooops, was für ein … Text! Ob ich dafür heute wirklich so früh aufstehen und mich an den Rechner setzen musste? Ich sag nur sudo*** apt-get install zufriedenheit. Und vergiss bloß dein sudo-Password nicht!

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* Na ja, wörtlich übersetzt klingt es nicht so schön (Fachidiot, Computerfreak, Sonderling, Streber, Außenseiter).

** Apt ist die Abkürzung für Advance Packaging Tool, eine Art Paketverwaltungssoftware also.
Mehr darüber für andere Nerds und Wannabes gibt’s hier: http://wiki.ubuntuusers.de/apt/apt-get?redirect=no

*** sudo ist der Superuser mit der Befehlsgewalt über die Installationen am jeweiligen Rechner.