In den Pyrenäen #10 – Gestern und heute

Wenn dieser Artikel erscheint, sind Irgendlink und ich am Räumen, Packen und Putzen. Und bald schon auf dem Weg nordostwärts. Nach Hause. Unterwegs. Neue Schritte gehend. Neue Spuren legend.

Schneekind
Schneekind, getroffen am 2. Januar in der Nähe des Thermalbades von St. Thomas

Die Schritte, die ich bis hierher gegangen bin, kann mir niemand nehmen. Was ich erlebt, gesehen, gehört, gespürt habe, hinterlässt Spuren in mir. Das Gestern formt mein Heute mit und jeden Tag, der kommt.

Und der Schnee von gestern wird zum Schneekind. Die Sonne von heute bleibt auch irgendwo in meinen Zellen hängen und dieses Blog ist je länger je mehr zu einem ausgelagerten Gedächtnisbackup geworden. Wenn auch nur als Teil des ganzen. Wie alles immer nur ein Teil von allem ist (was immer alles überhaupt ist). Doch heute – wie Irgendlink und ich nach St. Thomas gefahren sind, um den letzten Nachmittag in den Pyrenäen im dortigen Thermalbad zu genießen – redeten wir darüber, wie lange uns diese Tage hier vorgekommen sind.

Wir erinnerten uns an die erste Wanderung dieser Ferientage so, als ob sie schon Jahre oder zumindest Wochen her sei. Die Tour zu den Wasserfällen, als es regnete? Fand in einem andern Leben statt … Die Wahrnehmung von Zeit verblüfft mich immer wieder neu – Ausdehung, Verdichtung … Die Zeit ist omnipotenter als wir ahnen.

Sie ist die kleine Schneekugel, in der alles drin ist und die im Verbund mit einer zweiten zu einem veritablen Schneekind wird.

Nun aber genug sofasophiert. Gute Reise, wohin immer ihr unterwegs seid, echtes Gewahrsein, wahrhafiges Hinhören, aufmerksames Unterwegssein, intensives Stillwerden – immer und immer wieder.

Bis bald in diesem Theater.

In den Pyrenäen #9 – Gestern: Bei den Katharern

Vom Schloss Quéribus redete Irgendlink schon, seit wir da sind. Zuerst wollten wir es auf der Fahrt nach Fitou besuchen, doch als wir uns die Karte ansahen, wurde uns klar, dass der Umweg dann doch ein bisschen groß wäre. Und außerdem hat etwas, auf das Irgendlink schon so lange gewartet hat, mehr verdient als nur eine Stippvisite. Dennoch war es auf unserer Liste mit den Dingen, die wir sehen wollten, nach hinten gerutscht, weil es eben nicht einfach um die Ecke lag.

Quéribus_39Gestern nun, weil ich wieder stärkere Schmerzen von meinem Steißbeinsturz neulich hatte und zu einer größeren Wanderung nicht in der Lage gewesen wäre, setzten wir uns ins Auto und fuhren einfach mal los. Über Land. Berg und Tal.

Kann man ein Jahr besser beginnen als so?

 

 

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Mehr über das Château Quéribus gibts auf Wiki
und einen kleinen Artikel mit einer tollen Collage gibts bei Irgendlink drüben

In den Pyrenäen #8 – Gestern: Ein letzter Gang im alten Jahr

Ein zwar ambitions- und zielloser dafür umso lustvollerer und bilderreicher Spaziergang gestern Nachmittag führte uns vor Augen, wie wenig es im Grunde braucht, um zufrieden zu sein. Einfach die Augen öffnen und gehen. Die Kameras klickten oft. Die Sonne schien unverdrossen. Und irgendwann wurde es kalt.

Wie schön, in die warme Bude heimkehren, sich aufwärmen und später gemeinsam etwas Gutes kochen zu können. Aus ganz einfachen Zutaten und dem unterwegs gepflückten Rosmarin.

Unaufgeregt und vermutlich ziemlich uncool haben wir um Mitternacht das alte Jahr zurückgegeben und das neue Jahr ausgepackt. Es sieht gut aus, das 2015. Ich mag die Zahlen. Und ich freue mich drauf. Sehr sogar. Trotz allem. Und weil ihr alle da seid, du und du, und du auch.

Danke!

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Auch heute hat Irgendlink frisch gebloggt. Hier.

In den Pyrenäen #7 – Gestern: Meer und noch mehr.

Wunsch | Dass wir über dem großen Jahr nie die kleine Stunde vergessen, aber über der Stunde auch nie das Jahr.

Quelle: Solminore

Ein großer weiser Satz, den ich ähnlich gestern am Meer gefühlt habe, angesichts der Weite. Und der Winzigkeit eines Sandkornes, das Teil des ganzen Strandes ist und letzlich den Strand ausmacht.

Hier ein paar Impressionen von Leucate Plage und Umgebung. Viel Spaß!
Wie gehabt: Klick macht groß … 🙂

 

Nach unseren drei kurzen und so ganz unterschiedlichen Spaziergängen am Mittelmeer, waren wir bei H. & C. eingeladen, die vor acht Jahren von Deutschland nach Fitou ausgewandert sind. Ein sehr nährendes Zusammensein. Gespräche über authentisches Menschsein, Kunst und warum, was glänzt, nicht unbedingt Gold sein muss. Irgendlink nannte es auf dem Heimweg das Kratzen am Mythos Frankreich.

Nun winke ich euch allen dankbar und herzlich zu. Danke, dass ihr da seid und hier mitlest, mitgrübelt, mitlacht, mitspinnt!

Auf ein Neues, guten Rutsch und so weiter … 😉

À suivre demain … Morgen drüben, im 2015.

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Mehr Texte und Bilder gibt’s drüben bei Irgendlink.

In den Pyrenäen #6 – Gestern: Die heissen Quellen von Thuès-les-Bains

Irgendwo da oben müssen sie sein. Aber es ist schon verdammt lange her. Und wir hatten ja ziemlich getankt. Und die Wanderkarte, auf der ich den Ort markiert habe, liegt daheim. Schon vor fünf Jahren wollte uns Irgendlink, als wir zur selben Jahreszeit ein bisschen östlicher von hier eine Gîte bewohnt hatten, mithilfe seines wirklich guten Orientierungssinnes zu seinen wunderbaren heißen Quellen lotsen. Damals fanden wir andere Quellen, wirklich ganz wunderbare. Gestern auch nicht, oder auch – meine ich. Aber deswegen waren auch diese nicht weniger schön. Sag ich mal, die ich seine heißen Quellen nicht kenne. Für einmal war unsere abenteuerliche Bergtour nicht einmal von Regenfall getrübt. Klasse! Und was für Wetter!

Unsere Wetteraussichten
Unsere Wetteraussichten

Im Schatten minus zwei Grad, an der Sonne vielleicht vier oder fünf?

Beim Thermal-Badehotel von Thuès-les-Bains parkten wir. Auch ein paar französische Jungs um die dreißig hatten neben uns geparkt und wir würden sie später wiederholt treffen.

Voller Vorfreude auf ein Bad in heißen Steinbecken stiegen wir bergan. Gehorsam folgten wir einem Wanderwag, da jener Weg, den der Liebste intuitiv genommen hätte, mit einem durchgestrichenen gelben Kreuz markiert war. Tolle Bergtour.

Ganz schön gefährlich wäre es gewesen, wenn wir dort, wo wir auf halber Höhe umdrehen mussten, weitergeklettert wären. Von oben kommen wir offenbar nicht in das Becken heran, das wir – mit Menschen gefüllt – gefunden haben. Also zurück zur letzten Verzweigung? Gesagt, getan. Auch die französichen Jungs, die wir unterwegs bereits ein- oder zweimal gekreuzt haben, wissen nicht weiter. Sie folgen uns, vermutlich weil wir so zielstrebig aussehen. Nein, sie haben auch keine Koordinaten, sagen sie, und folgen auch nur einem Gerücht. Diesem hartnäckigen Gerücht von wunderbaren heißen Quellen, in denen es sich wunderbar baden lässt. Von denen ich je länger je mehr vermute, dass sie wirklich nur ein Gerücht sind.

Wir nehmen eine Abzweigung, die steil bergab führt und mit ein paar gefährlichen rutschigen und schlammigen Partien aufwartet. Der nahe Bach rauscht, wir sind auf der richtigen Spur, keine Frage.

Auf einmal haut es mich um. Und zwar richtig. Aufs Steißbein. Ich jaule kurz auf, was die Jungs etwa zwanzig Meter hinter uns offenbar in die Flucht schlägt.
Wenn schon diese taffe Schweizerin umfällt, wie dann wir fünf Stadtbuben?, werden sie sich gesagt haben. Macht nichts, denn das Becken ist genau richtig für zwei.

[Ähm, ja, danke der Nachfrage, es tut noch immer weh. Aber nur, wenn ich mich bewege. Sitzen geht. Liegen zum Glück auch. Wird schon wieder.]

Nach einem herrlichen Bad und einem kleinen Picknick wandern wir zurück und betreten die zivilisierte Welt genau auf dem durchgekreuzten Weg.

So einfach wäre das Leben, wenn man nicht immer den Wegweisern und den vorgegebenen Wegen folgen würde. 🙂

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Auch Irgendlink bloggte soeben über unsern gestrigen Ausflug: Hier!

In den Pyrenäen #5 – Gestern: Villefranche-de-Conflent

Da waren wir gestern, in Villefranche-de-Conflent

Was Wiki dazu meint? Ich zitiere mal:

UNESCO-Welterbe Fort Libéria oberhalb des Ortes

Rue Saint-Jacques

  • Villefranche-de-Conflent wurde von der Vereinigung Les Plus Beaux Villages de France zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt.
  • Die mittelalterliche Stadtmauer. Ihre Anfänge stammen aus dem 11. Jahrhundert,[3] ab 1681 wurde sie ausgebaut und erhöht. Sie ist bis heute vollständig erhalten.
  • Die Kirche Saint-Jacques aus dem 12. Jahrhundert mit zwei parallelen Schiffen.
  • Über der Stadt, 734 unterirdische Stufen hoch, liegt das Fort Libéria. Die Festung wurde 1681 vom berühmten Festungsbaumeister Vauban errichtet und unter Napoléon III. ausgebaut. Sie beherbergte im Laufe der Zeit unter anderem ein Frauengefängnis. Im Jahr 2008 wurde das Fort zusammen mit anderen Festungsanlagen von Vauban in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
  • Eine bekannte Touristenattraktion ist die nahegelegene Grotte des Canalettes.

Quelle: Wikipedia

Wirklich wunderwunderwunderschön, das Städtchen. Draufklick für groß! 🙂

Pyrenäen-Bildspecial #1 – Ein und aus, auf und zu.

Türen & Tore

Bei den folgenden Bild-Galerien lassen sich die Bilder durch Anklicken vergrößern … danach einfach weiterklicken zum nächsten Bild.

Hinter Schloss & Riegel

In den Pyrenäen #4 – Gestern: Heldenzöix

Gestern vor der Wanderung. Nach-dem-Frühstück-Tischtuch-Quatscherei …

Fast zur Quelle hoch sind wir gestern gestiegen. Immerhin bis zum zweiten Wasserfall. Und das womöglich nur, weil ich mich in diesen Ferien entschlossen habe, mich nur rudimentär an der Planung unserer Aktivitäten zu beteiligen. Andernfalls hätte ich uns vielleicht ausgebremst? Mir so eine Tour nicht zugetraut? Was das Tagesprogramm betrifft, hat ja Irgendlink immer so tolle Ideen, dass ich mich diesen gerne anschließe. Einerseits, weil ich bis jetzt damit immer gut gefahren – und gewandert! – bin und andererseits auch, weil es meiner aktuellen Entscheidungsunlust so toll entgegen kommt.

Schon vorgestern zog es ihn zu den Wasserfällen, doch weil die Sonne uns auf die sonnige Bergseite gelockt hatte, waren wir ihrem Ruf gefolgt.

Vernet-Cascades_19Gestern nun war Regen angesagt, über Mittag und gegen Abend wieder. Wir sollten also wohl möglichst bald raus, wenn wir Regen vermeiden wollen. Na ja, möglichst bald heißt bei uns so gegen Mittag. Nach Regen sieht es nicht aus. Trockenen Fußes durchqueren wir das unter einer Wolkendecke liegende, verschlafen wirkende Dorf und fotografieren uns bergan.

Einzig eine süße Katze und später eine Frau in unserm Alter, die Holz auf ihre Karre lädt, treffen wir unterwegs. Die Holz ladende Frau meint, es sei den Leuten draußen zu kalt. Bei acht Grad ist Winter angesagt und gemütliches Zuhauseherumsitzen. Niemand mag dann draußen sein.

C’est la vie.

Bald finden wir das Wanderwegzeichen zu den Cascades, den Wasserfällen.
Die sind hier in der Nähe, sagt Irgenlink seit Tagen, und da hat’s zwei Geocaches.
Wir wandern also gemütlich bergan. Bald schwitzen wir. Bald setzt leichter Regen ein. Bald kommt die Gabelung, von wo an es zur Sache geht, denn bis hierher war es ein schöner Waldspaziergang, ab jetzt eine Bergwanderung.

Eine Stunde zwanzig Minuten bis zu den Fällen, sagt die Tafel, und es regnet nun schon stärker. Vernunft versus Abenteuerlust? Wir gehen weiter, keine Frage eigentlich.

Links der Bach, tosend und wild, der Weg immer wilder, immer steiniger, immer steiler. Tolle Wanderung. Eigentlich. Bloß nicht an noch mehr Regen und an Abstieg denken, ermahne ich mich innerlich.

Bild um Bild nehmen wir mit. Wunderbare Natur. Köstliche Luft. Stille. Immer öfter müssen wir auf abenteuerlichen Brücken und Furten den Bach queren, mal von rechts nach links, dann wieder zurück.

Und auf einmal finden wir ihn, den ersten Wasserfall. Der Cache ist vergessen. Atemlos vom Anstieg bestaunen wir dieses Naturkunstwerk, das kein Künstler schöner hinbekommen hätte. Ich hebe die Kamera. Genau in diesem Moment pustet mir ein frecher Windstoß, im Verein mit der Schwerkraft, meinen Schirm weg, den ich als Kameraschutz aufgespannt hatte. Mist! Doch schon klettert mein Held behände ins Flussbett und holt den Schirm. Nur die Melone fehlt, Charme dafür im Überfluss.

Das Wegstück zur zweiten Kaskade ist das bisher gefährlichste, steilste, nasseste und ich frage mich, ob wir bei solch verrückten Wanderungen eigentlich immer Regen als Background-Sound gebucht haben. Irgendlink macht Bild um Bild, Film um Film, während ich mich an einer trockenen Stelle, an eine Felswand gelehnt, ein bisschen ausruhe.

Beim Abstieg über die klitschnassen und glatten Felsen rutsche ich gleich zweimal aus. Autsch. Zum Glück ohne Schaden. Und zum Glück ist mein Held da und reicht mir immer mal wieder die Hand. Meine Beine sind kürzer als seine, was ich besonders deutlich merke, wenn es um die Querung von Furten geht. Bergwandern, das hat uns spätestens die Pilgerwanderung auf den Gotthard gelehrt, ist ein dauerndes Ausbalancieren. Jeder Schritt will geplant sein. Nur so kommen wir voran. Oder abwärts. Noch immer regnet es, doch irgendwann sind wir unten. Und der Regen hat auch endlich aufgehört.

Nach einem kleinen Einkauf im Dorfladen machen wir es uns daheim im Studio gemütlich. Hach, toll war das, und ich bin einmal mehr froh, die Strecke nicht im Voraus gekannt zu haben. Es geht doch nichts über keine Recherche und viel Vertrauen. Besser als jede Vorschuss-Angst!

Ich gehe um des Gehens willen. Ich lebe um des Lebens willen.

In den Pyrenäen #3 – Bilder von heute Nachmittag

Eine wunderbare Bergwanderung mit Fernsicht.
Auf 900 m ü. Meer sieht die Welt einfach ein klein bisschen anders aus … 🙂

Wanderung 26-12-14_Route
Nachmittagswanderung – zum Vergrößern draufklicken
screenie Waderung auf hikebike
Kartenausschnitt auf hikebike – zur Originalkarte draufklicken

Link zum heutigen Kartenausschnitt

In den Pyrenäen #2

Schon hat uns der Ferienalltag wieder, dieses Wir-Ding, das sich um und ins uns entfaltet, wenn wir zusammen unterwegs sind. Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen.

Wir gehen aus dem Haus ohne einen Plan zu haben. Oder höchstens den: Schauen, was wird. Gut, gestern war es immerhin so, dass Irgendlink – noch zuhause in der Pfalz – via Geocache-App die Umgebung ein wenig gescannt und ein paar Geocache-Infos auf sein Handy geladen hatte. Außerdem war er in der näheren und weiteren Gegend schon öfters. Genug Neues gibt es aber alleweil. Wir verlassen das Dorf Richtung Süden, was einfach ist, da wir dazu einfach unserer Straße folgen müssen. Schon bald ist uns klar, dass wir viel zu warm angezogen sind. Ich suche die Sonnenbrille, ziehe den Faserpelz unter der Winterjacke aus und schwitze, denn unser Waldweg steigt sanft hügelan. Wir folgen Irgendlinks Idee, den Cache, der da und da liegen müsste, zu finden.

Zu unserem Ferienalltag gehört das Staunen. Falls ich das eines Tages nicht mehr kann, werde ich nicht mehr verreisen. Nicht, dass wir es „machen“, das Staunen, es passiert uns einfach. Und auch wenn ich schon oft in Südfrankreich war, ist es jedes Mal neu: Dieses Ergriffensein von dieser für diese Gegend hier typischen Weite, den Bergen und Hügeln, der Vegetation, diesen wilden Wegen hier.

Ich stöhne und juble und jaule also wandernd über diese Schönheit, die fremd und vertraut zugleich ist und als uns eine Gruppe Menschen, Erwachsene und Kinder, mit zwei Eseln kurz vor dem Zielort des ersten Caches überholen, geht mein Herz noch weiter auf. Wir treffen die Gruppe, später bei ihrer Rast auf einem Hügel. Wir in der Nähe befindet sich auch unser erster Cache, doch zuerst betrachten wir die Marienkapelle – oder was immer es ist. Ich bin begeistert von den Plastikmarien, die aus PET, aus Flaschenplastik, geschaffen sind, und die ich darum Geist in der Flasche nenne. Die Marienkrönchen sehen schließlich irgendwie wie Flaschendeckel aus. Das Einzige, was ich am Katholentum mag, ist dass sie das mit der weiblichen Göttlichkeit integriert haben.

Maria in der Flasche
Maria in der Flasche

Die beiden Eselchen haben Siesta und wir plaudern mit der Esel-Halterin über Esel als Pilgergefährten. Knuddelweiche gutmütige Gesellen sind die beiden Tiere.

Vergeblich suchen wir über eine halbe Stunde nach dem Cache, ziehen weiter und finden einen Dolmen, ein aus unbehauenen Steinblöcken errichtetes Bauwerk. Manche Dolmen, erfahre ich später, dienten als Grabstätten. Ob es diese hier auch tat, weiß ich nicht. Aber mich beeindruckt das Werk sehr und ich stelle mir vor, wie es vor langer Zeit von Menschen errichtet worden ist.

Auch hier in der Nähe versteckt sich ein Cache. Wir finden ihn kurz bevor wir aufgeben wollen. Wie weiter? Nach Villefranche und von da mit einem Bus zurück, der vielleicht – weil Feiertag ist – gar nicht fährt? Oder runter nach Corneilla und von da zurück nach Vernet-les-Bains wandern? Wir steigen abwärts und finden ein herziges Bergdorf. Sonne satt. Siesta. Es ist kurz nach drei Uhr.

Ein gefundener Cache ...
Ein gefundener Cache …

Meine Wanderkarten-App zeigt einen Wanderweg zurück, doch es ist nicht ganz klar ersichtlich, wo genau sich der Einstieg befindet. Die Alternative wäre der Straße entlang zu gehen, die zwar eng, aber heute wenig befahren ist. Schließlich finden wir den Ein- und Aufstieg. Hätten wir den Weg genommen, wenn wir vorher gewusst hätten, dass es ein zweites Mal um die zwei- bis dreihundert Höhenmeter sind, wie wir zuerst hoch- und dann wieder absteigen würden? Vermutlich nicht. Gut, wenn man im Voraus nicht immer alles weiß.

Die Wanderung ist kolossal. Wir finden sogar Spuren Heiko Moorlanders, der ja eine Zeitlang in Südfrankreich gelebt hat. Mont Canigou ist zum Küssen nah.

Von oben herab
Von oben herab

Abendglühen gibt’s nicht nur in den Alpen. Immer weiter aufwärts steigen wir. Irgendwann geht es aber dann doch wieder abwärts und ich spüre, dass ich doch seit der Gotthard-Wanderung ein wenig meiner Kondition eingebüßt habe. Macht nichts. Wir sind ja bald daheim. Quer durchs Dorf geht es und Irgendlink zeigt mir, wo er am Morgen, auf seiner ersten Erkundungstour entlang spaziert ist. Tolles Dorf, so richtig französisch eben. Ein Meer aus Dächern tut sich unter uns auf.

Dächermeer2
Dächermeer

Später, wir kochen auf zwei Herdplatten unser Abendessen, Kurzschluss. Davor haben uns die Hauswarte gewarnt. Wenn zu viele Geräte gleichzeitig laufen. Aber so viel läuft doch gar nicht? Zwei Lampen. Die beiden Handys zum Laden, Kühlschrank, Modem, Heizung und Herd. Offenbar zu viel. Die zweite Platte war der das Fass zum Überlaufen bringende Tropfen. Wir finden den Hauptsicherungskasten nicht. Im wohnungsinternen Kasten findet sich keine kaputte Sicherung. Das Hauswartspaar kommt auf einen Schwatz vorbei und zeigt, wo – im Treppenhaus draußen – sich der Hauptkasten verbirgt und wo der Hauptschalter umzulegen ist. Tja. So werden wir nun Stromtetris spielen müssen, immer nur so und so viele Geräte. Schlecht ist das eigentlich nicht. Eine kleine Bewusstseinsübung sogar. Und umso dankbarer sind wir, als der Herd wieder läuft und der Rosenkohl aus Irgendlinks Garten gar kochen kann.

Ferienalltag? Ja, diesen Alltag mag ich von allen Alltagen definitiv am liebsten.

Une randonnée à Vernet-les-Bains
Une randonnée à Vernet-les-Bains

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