Eigentlich müsste ich jetzt gar nichts mehr. Eigentlich sollte ich tun, was ich mir heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit vorgenommen habe. Nicht zu bloggen nämlich. Den Abend lesend – ohne Internet und Mail – zu verbringen. Zumal ich die nächsten Tage wenig Muße dazu finden werde. Eigentlich. Oder jedenfalls nur kurz. Später crossen. Und vielleicht ein Bad nehmen. Vor allem mal wieder einfach nur lesen. Herausfinden, ob Fidelma schon mehr weiß.
Wären da bloß nicht diese vielen Fragmente in mir drin, diese Gedankenbrösel. Sie wollen aufgeschrieben werden, denn in meinem Kopf drin ist es ihnen zu eng.
Ab halb vier Uhr lag ich wach. Vollmond? Nicht Sorgen waren es, die mich wachhielten. Vorfreude auf die baldigen Ferien? Ja, das auch. Doch vor allem musste ich mich wohl mal wieder synchronisieren. So nannte es J., als ich ihm neulich dieses Phänomen erklärte. Wenn ich überlastet bin, bleibt die Verdauung all der vielen alltäglichen Eindrücke auf der Strecke. Und wenn ich nicht wieder (r)ausdrücken kann, was sich bei mir tagsüber eingedrückt hat. Logisch irgendwie. Stau! Bis zu jenem Moment, wo ich zur Ruhe komme und es fließen lasse. Selbst wenn es halb vier Uhr nachts ist. Da hilft nur eins: In Ruhe den Gedanken zuhören. Mich von ihnen einholen lassen. Mich wieder auf Echtzeit tarieren. Synchronisieren eben.
Schreiben ist übrigens eine gute Möglichkeit, mich zu synchronisieren. Malend geht es ebenfalls. Hauptsache keine Ablenkung. Denn ich bin die Weltmeisterin in der Fähigkeit, mich ablenken zu lassen! Wie viele Minuten Arbeitszeit ich wohl täglich verbrate, weil ich ständig abgelenkt werde und mich ablenken lasse? *Flüstermodusein* Wie gerne ich mich doch ablenken lasse! Ich liebe es! *Flüstermodusaus* Ständig latscht jemand daher und will was von mir. Oder dann klingeln Mailbox oder Telefon. Ständig muss ich reagieren. Muss ich?
Das Gegenteil tut Not. Und gut. Zu- statt Ablenkung! Einmittung, KonZENTRation.
Multitasking kann ich zwar, aber wozu? Ich kann nicht gleichzeitig im Internet einen schönen Text für unseren Weihnachtskartenversand finden und mit dem Webmaster unserer Bude telefonieren. Geht nicht! Und ich kann nicht gleichzeitig meiner Arbeitskollegin erklären, welche Infos ich von ihr brauche und gleichzeitig Mails schreiben. Geht nicht!
Wie Beppo, Momos Straßenkehrer, eine meiner Lieblingsgestalten aus der Literatur, will ich Schritt für Schritt vorwärts gehen. Einatmen. Wischen. Ausatmen. Oder auch mal rückwärts. Und ab und zu mal Nein! sagen. So lässt es sich leben.
Und so auch:
Das einzige Mittel, das Leben zu ertragen ist, es schön zu finden.
Rudolf Leonhard (27.10.1889 – 19.12.1953)
tage voller nachdenken und ruhe…
eine sehnsucht?
oder vielleicht gar ohne nachdenken, liebe wildgans?
jaaa, danach sehne ich mich zuweilen schon. obwohl ich mein leben auch mag, wenn es bunt zugeht …