Habe mal wieder bis zehn geschlafen. Irgendwann zugelassen, dass ich von unter der Eisschicht an die Oberfläche trieb. Bin danach immer wieder eingedöst, bis ich irgendwann gegen die Dauermüdigkeit anzukämpfen begann. Nein. Nicht kämpfen. Ist zu anstrengend. Habe mich erneut sinken lassen. Wissend, dass ich heute nichts muss. Dass es egal ist, was ich heute tue. Relativ egal jedenfalls. Weil alles auch ein ander Mal getan werden kann, was ich meine tun zu müssen.
Habe schließlich irgendwann, noch immer im Bett, die letzten hundert Seiten von Jo Nesbøs fünftem Zeichen verschlungen. Und dabei begriffen, dass ich lesend nicht wirklich mein Leben lebe. Oder doch? Allerdings nur passiv. Passiv am fiktiven Leben anderer teilnehme. Desgleichen, wenn ich Bilder betrachte. Ich lebe andere Leben. Und meins im Rückspiegel. Ist aber okay.
Ständig könnte ich schlafen. Nichtstun. Kann mich nicht durchringen, aus diesem statischen Zustand herauszukommen. Aufzutauchen in die aktive Realität. Müsste ich doch. Leben ist doch aktiv und zielorientiert. Ich müsste bloß die Hand ausstrecken. Zum Beispiel nach dem Telefon. Geht nicht. Bin erstarrt. Eingefroren. Mitten in der Bewegung. Unmotiviert. Unmotivierbar. Lahm. Totgefroren???
All diese Ich müsste eigentlich! und Ich sollte doch! klopfen an der Eisschicht. Der neue Schreibauftrag ist einer davon. Aufdringliches Gepolter. Und anderes. Dies. Und jenes. Pseudopflichten, die weder notwendig sind noch Spaß machen, also genauso gut unerledigt bleiben können. Oder auf die lange Bank geschoben. Oder vielleicht sich selber erledigen.
Bin zu müde. Kann nichts tun außer Nichtstun. Und sein.
Zu müde, um zu leben?