Sisters

Nachdem ich am Samstagabend meinen Bruder nach einem besuchten Anlass wieder nach Hause gefahren hatte, fuhr ich zu meiner Schwester H. und ihrer Familie, die in seiner Nähe wohnen. Alte Heimat, fremde Welt. Trotz unserer Verschiedenheiten war es doch irgendwie gut, uns nach einem Jahr mal wieder zu sehen. Die Mädels und deren Papa hatte ich sogar etwa vier Jahre nicht mehr gesehen.

Mich macht es eben jedes Mal traurig, mit diesem Teil meiner Sippe zusammenzusitzen. Schwierig zu sagen, was es ist. Ihr kleine Horizont? Ihre einseitige Perspektive auf das Leben? Das trautes Heim- und heile Welt-Gefühl, das sie ausstrahlen und das ich zwar als echt empfinde, aber das mich dennoch befremdet. Nein, Neid ist es nicht, denn diese Art Lebensstil steht definitiv nicht, nicht so, auf meiner Wunschliste ans Leben.

Natürlich haben wir Tabuthemen – Politik und Religion – möglichst umschifft, zumindest nur am Rande berührt, doch sind wir alle bestrebt, uns gegenseitig davon zu überzeugen, dass der eigene Lebensstil super (= besser) ist. Dass es uns optimal geht. Ihr. Ihnen. Mir.

Doch innen drin wurmt sie mich, diese größtenteils unbewusste Inszenierung, die ich, während sie stattfindet, kaum durchschaue. Ich möchte ihren Teenie-Töchtern sagen, dass das, was sie – und ihre Eltern vor allem – als wahr bezeichnen, nur ein Splitter der ganzen Wahrheit ist. Denn die Wahrheit gibt es nicht am Stück, nur in Krümeln. Okay, und das ist nun meine Wahrheit. Nicht absolut, nein, aber es gibt ihn eben nicht, nicht so, den lieben Gott. Selber denken, Mädels!, möchte ich sagen. Und dass meine Schwester und ihr Mann EDU wählen, möchte ich am liebsten nicht gehört haben. So was von peiiinlich …

Ja, ja, ich bin genauso intolerant wie sie, ich gebe es zu *shameonme* … aber immerhin bin ich so tolerant, meine Wahrheit als das, was sie ist zu verstehen. Als mein persönlicher Krümel.