Tja, und da ist sie wieder, Sofasophia. Braungebrannt die Arme und Beine, voller Bilder die Kamera und das Herz übersprudelnd von Erlebnissen. Wie seltsam, nach so vielen Tagen ständig an der frischen Luft, im Zelt oder im Auto nun wieder in (m)einer Wohnung zu sein, an einem Tisch zu sitzen und in die Tasten zu hauen, während der Rechner grad meine Bilder auf eine DVD für Irgendlink rüberschiebt.
So viele Bilder! So viele Geschichten …
Mein Notizbuch ist voller Kritzeleien …
– Die Angst vor einer langen Reise ganz allein im Auto? Sie verfliegt, wenn du den ersten Schritt tust. Die große Strecke in kleine Stücke runterbrechen hilft … Reisen ist leben, wie ich schon früher sagte. Und umgekehrt.
– Die Frauen an den Straßen ringsum Narbonne … Wie leid sie mir tun … Der Wind braust ihnen um die Ohren. In kurzen Röcken bieten sie ihre ungeschützte Körper feil.
– Perpignan-Borredà: die längsten hundert Kilometer Luftlinie, die ich je gefahren bin. Vor allem, weil der Liebste dort wartet!
– Der Dumme und der Weise haben eins gemeinsam: Beide haben aufgehört, nach Antworten zu suchen.
– Hausbau in den Pyrenäen: Zuerst wird ein mindestens dreistöckiges Gerüst gebaut. Hausbau bei uns: das Gerüst wächst kontinuierlich mit der Höhe des bereits gebauten Hauses. VisionärInnen versus PragmatikerInnen – so verschieden kann gelebt und gebaut und gedacht werden.
– In Cadaquès campieren wir so teuer wie nirgends. Und dies im größten Katzenklo der Welt. Aber Katzenfüttern können wir doch nicht lassen.
– Warum Lachmöwen Lachmöwen heißen, werde ich nie mehr vergessen. Und dass sie Frühaufsteherinnen sind ebenfalls nicht. Auch nicht, dass sie Abfallbeutel mögen. Oder war es der Tramontana, dieser bissige Nordwestwind? In Argèles-sur-Mer staunte ich jedenfalls nicht schlecht, als morgens sämtliche Abfälle ums Zelt verstreut lagen. Wie wohl unsere Zeltplatznachbarn mit den fliegenden Tampons klargekommen sind?
– Spanien ist das Land der Fülle. Zumindest in Bezug auf Gratisklopapier auf allen Campings (außer natürlich auf jenem von Cadaquès). In Frankreich wird das weiße Zöix schon bald einmal zur begehrten Mangelware!
– Uzès: Was für ein weiteres Bijou! Immer wieder werden wir an die Ufer kleiner Orte gespült, die wir mit den Kameras lustvoll erforschen. Wie viel schöner doch diese Kleinode sind, fernab der Touristenströme. Schöner als die großen Städte. Als da wären Montgo, wo wir im Meer badeten, El Port de la Selva, Portbou, Peyriac-de-Mer, St. Nazaire, Sommières …
– Nicht zu vergessen all die vielen Begegnungen mit Menschen: Der Schotte am Strand, der mich Swiss Gnom nennt und Irgendlink bittet, sein Auto zu knacken. Der Bulgare, der uns Geld abkaufen will und als Pfand seinen falschen Klunker anbietet. Der desillusionierte T-Shirtverkäufer in Uzès, der Homme-Libre-Shirts feilhält … all die Menschen in ihren Aluschutzbunkern auf vier Rädern, die mit uns die Campingplätze bevölkern …
Früher glaubte ich, dass das Leben, wenn mensch jung ist, unglaublich bunt und intensiv ist. Doch damals, so erkenne ich heute, war meine Farbpalette viel bescheidener. Heute, so dünkt es mich, bin ich allmählich in der Lage, mehrschichtig-bunt zu sehen, zu erleben. Auch meine Liebesfähigkeit ist bunter, vielschichtiger geworden. Wie schön. Da darf sich frau doch irgendwie aufs Älterwerden freuen!
ungefähre Reiseroute auf Google Maps
Bilder folgen später mal …