Den richtigen …

„Ich möchte einfach endlich den Richtigen finden!“, sagt sie und nickt sich selber Mut zu. Ihr Blick versinkt in ihrem Spiegelbild, ertrinkt beinahe. Ein klein bisschen Hader in der Stimme, den das Schnipselgeräusch der Schere, mit der sie meine Haare bearbeitet, beinahe übertönt. Und eine Prise Traurigkeit. Zweifel auch an der Berechtigung ihres Wunsches. „Meinst du, das geht?“

„Warum auch nicht?“, denke ich. Habe ich wohl auch zu ihr gesagt und es bestimmt auch so gemeint – trotz der Banalität dieser Worte. Worthülse. Doch nun zweifle ich, weiß ich doch nicht, ob es ihn – nicht nur für C., ich meine überhaupt – ob es diese(n) berühmt-berüchtigte(n) Richtige(n) wirklich gibt, auf dem/der alle Erwartungen lasten. Traummann. Märchenprinzessin.

„Geht das?“, fragt C. Der Richtige, die Richtige, das Richtige – Plattitüde, Illusion, Hoffnung. Da hängt es also, dieses Bild von Leben wie es zu sein hätte, wenn wir es selbst erfinden könnten, dieses Bild von Mitarbeitenden, von Freundinnen und Freunden, von Lieblingsmenschen, so wir sie erfinden würden … Da hängt es, an den Innenwänden unseres Herzens, oder im Kopf irgendwo. Im Bauch womöglich. Festgenagelt. Unverrückbar.

„Ich kann schlecht glauben und gut zweifeln,“ habe ich zu C. gesagt, später. „Alles stelle ich in Frage. Immer wieder. Am allermeisten mich selbst.“

Kaum etwas nehme ich ständig gleich wahr. Weder Weltbilder noch was ich über Menschen denke. Nicht, dass ich mein inneres Steuer von heute auf morgen um hundertachtzig Grad drehe, eher ist es so, dass ich mich ständig mit meinen eigenen Perspektiven auseinandersetze, mich neu austariere, was ist, neu gewichte. Ich synchronisiere mich laufend.

Die richtige Sicht? Meine neugewonnene Sicht ist immer solange die richtige, bis ich eine neue ‚richtige Sicht‘ gefunden habe. Bis ich ein neues Update downloade und installiere. (Notiz an mich: Aus welchem Netz hole ich meine Downloads? Welchen Ein-Flüssen setze ich mich aus? Mögliche Antwort: aus meinem universellen Jetzt).

Doch wie wir den Richtigen, die Richtige, das Richtige finden können, weiß ich nicht – wohl weil es das Richtige nicht dauerhaft gibt. Oder es wird immer wieder neu durch uns selbst zum richtigen gemacht. Durch unsere Entscheidung.

Ein Kommentar zu „Den richtigen …“

  1. Ich denke, es ist ähnlich wie beim Zeichnen: man denkt oft, dass die anderen besser zeichnen und nur man selbst Murks macht. Ist aber eine Weile vergangen, merkt man, dass die eigene Zeichnung auch nicht so schlecht ist. Es ist gut, wenn man lernt, sich nicht selbst immer wieder fertig zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert