Verschlafen! Ich erwache, als J. um viertel nach zehn aufs Klo muss. Nicht mal auf dem einsamen Gehöft ist es sonntagmorgens so still. Bei offenem Fenster!
Wir konsultieren Wettervoraussichten auf unseren iPhones und schmieden den Plan, das Nordende von Dänemark zu finden und in den nâchsten Tagen von Fredrikshavn nach Göteborg per Fähre überzusetzen.
Unser Kinonachbar meinte gestern zwar, dass das Tiefdruckgebiet das gleiche Ziel wie wir habe: Schweden. Hm. Ab Mittwoch zeichnet sich angeblich eine Wetterbesserung ab und J. hat gestern geunkt, dass wir in einer Woche schon nicht mehr glauben können, dass wir heute mit drei bis vier Kleiderschichten herumlaufen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Apropos sterben: Im Internet wollte ich die Fortsetzung des Osloer Anschlages von Freitag erfahren. Und was muss ich da lesen? Ein Amoklauf auf einer norwegischen Insel, dem unzähligen junge linke PolitikerInnen zum Opfer gefallen sind, füllt die Schlagzeilen. Ich bin buchstäblich zutiefst erschüttert.
Ich habe überlebt, weil ich mich totgestellt habe!, wird eine Überlebende zitiert. Szenen von den Kämpfen um Hogwarts – aus dem letzten Film von Harry Potter, den wir uns gestern in 3D angeschaut haben – drängen in mein Bewusstsein. Gewalt und Machtdemonstration – was für eine Welt!
Bedaure nicht die Toten, bedaure eher jene, die leben, ohne geliebt zu werden!, sagt der verstorbene Dumbledore zu Harry, als dieser eine unfreiwillige Reise ins Jenseits unternimmt.
In meinen Träumen bin ich die halbe Nacht in Hogwarts gewesen und beim Erwachen wusste ich zuerst kaum, wo ich jetzt bin. Immer bei mir, aber wo?
Und wo wir wohl heute Abend sein werden? Na, wenn das unsere größte Sorge ist, wohl denn!