Auf einem Abendspaziergang bei Sonnenlicht- und Wolkenstimmung aus der die iPhoneografInnen-Träume sind, haben wir in der Nähe der Schule ein offenes WiFi gefunden. Jenes auf dem Campingplatz hat sich leider heute Vormittag in Luft aufgelöst. Offenes WiFi heißt für uns Livebloggende kostenloses Bloggen und Bilderhochladen. Ein Artikel ohne Bilder kostet immerhin sonst siebzehn bis vierunddreißig Cents.
Und einunddreißig Kilometer zeigte J.s Fahhradtacho heute Abend nach unserer Radtour an. Wie gut, dass wir die Räder mitgenommen haben!
Sind wir heute Richtung Osten geradelt, wollen wir morgen nach Westen, zum Beispiel nach Hässelholm oder zu einem See in der Nähe. Das Wetter soll morgen auch wieder gut sein, sagen die InternetwetterprophetInnen. Bis übermorgen haben wir für den Zeltplatz bezahlt. Der Ort ist so gut oder besser als manch anderer – warum also nicht bleiben?
Die Sonne und die wunderbaren Wolkenbilder des heutigen Tages waren Balsam für mich. Und schon lange haben wir beide nicht mehr so viele Bilder gemacht wie heute. Und so viel gelacht auch nicht.
Erstes Bild: Eisenzeitliche Grabsteine. Den Cache dort haben wir leider nicht gefunden.

Zweites Bild: Abendspaziergang in Vinslöv.
Tag: 26. Juli 2011
In Schonen
Ich schwitze. Im T-Shirt sitze ich auf dem Klappstuhl unter einer Birke. Auf dem Campingplatz Vinslöv. Irgenwo in der Nähe von Hässleholm in Skåne, besser bekannt als Schonen, Südschweden.
Gestern, in einem Waldstück zu Fuß unterwegs, habe ich gespürt, wie sich in mir ein Schalter umgelegt hat. Wie sehr ich dieses Schalterkippen mit dem Wetter verbinden kann, weiß ich noch nicht. Ein Schalterkippen wie ein Modusbefehl war es. Wie von Modus Kursivschrift zu Modus Normalschrift zum Beispiel. Mein Hirn hat eben seine eigene Programmiersprache, die mir allzuoft unverständlich ist.
Fakt ist, dass ich dort im Wald, der mit seinen moosbewachsenen Felsen etwas sehr magisches hatte, auf einmal wieder tief durchatmen konnte. Als ob die Schwere der letzten Wochen sich allmählich verabschieden ließe. Zwar noch keine Sonne in Sicht, doch den ganzen Nachmittag waren wir bei trockenem Wetter unterwegs. Ist doch auch was! Wir werden bescheiden.
Auf der Suche nach einem Geocache hatten wir die E22 Richtung Kristianstad verlassen. Wir fuhren querlandein immer nordwärts Richtung Hässleholm, das wir letztes Jahr auf dem Rückweg durchquert hatten. Schöne Landschaft, flach, Wälder. Grün so weit das Auge reicht, sozusagen.
Mein Herz entspannt sich und ich fühle mich wohl. Nach der Erschöpfungsphase von vorgestern Abend ist einfach nur Erleichterung in mir. Den Geocache lassen wir schlussendlich links liegen und folgen der E31 nordwärts, da sich uns diese Straße einfach so in den Weg legt und ein bisschen Schicksal spielt.
Auf einmal ein Campingplatz-Symbol mit Pfeil rechts ab. Ohne zu zögern blinkt J., während ich zeitgleich nach rechts deute. Eine synchron getroffene Entscheidung – eine wie schon viele zuvor.
Auf dem Campingplatz werden wir von einer älteren Dame herzlich willkommen geheißen. Schon bald steht das Zelt, doch die eingespielte Routine fehlt noch ein bisschen. Sie wird sich wieder einstellen, da bin ich sicher.
Ein Cache-Spaziergang durch den Ort tut gut. Zumal wir den Microcache auf Anhieb finden. Ich fühle mich wohl hier. Und auch schlafen lässt es sich hier gut. Wir bleiben eine zweite Nacht, beschließen wir beim Frühstück, denn das Preisleistungsverhältnis ist spitze. Elf Euro sind kaum schlagbar. Und das Stück blauer Himmel über uns ist schon beinahe unglaublich!
