Von Ekelpegeln, Maßstäben und einem wilden Haufen Kunstschaffender

Ein bisschen graut es mir schon. Gastgeber und Gastgeberin zu sein ist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn die Gästeschar aus einem wilden und internationalen Haufen PerformancekünstlerInnen besteht, die uns und ein noch unbekanntes Publikum drei Tage unterhalten werden. Wobei … unterhalten ist da vielleicht nicht ganz das richtige Wort.
Es geht um Begegnung!, hat Brandstifter gesagt, vor zwei Wochen, als wir die infrastrukturellen Details des Kunstzwerg-2011-Events besprachen. Okay, ich bin nur ZaunGastgeberin, Trittbrettfahrerin irgendwie, wie bei allem, was Irgendlink vor meinem Umzug auf das einsame Gehöft eingefädelt hat und ich nun mit ihm gemeinsam ausbade. Am meisten wünsche ich mir fürs Wochenende angenehme, stressfreie Tage. Und es soll allen wohl sein. M., meine hamburgische Freundin aus Bern kommt bereits morgen Abend, ebenso ein paar Leute vom Kunstverein Mainz.
Fertig mit der Ruhe. Meine zwei Krankheitstage habe ich in einer Blase verbracht. Sie haben mir sehr gut getan und ich hatte endlich mal wieder Zeit zum Alleinsein, zum Nachdenken, zum Schreiben, zum Nichtstun. Das ist die schöne Seite am Kranksein: Du musst nichts. Niemand erwartet etwas von dir.
Der Körper weiß, was mir gut tut. Und wenn ich es nicht schaffe, Gutes für mich zu tun, dann weiß er es erst recht. Das Fieber ist im Laufe des Nachmittags gesunken und der Hals tut nur noch ein bisschen weh. Die Nase tröpfelt ein wenig vor sich hin, doch die Ohren sind wieder frei. Ob ich morgen fit für die Arbeit bin, wird sich beim Erwachen zeigen.
Während ich am frühen Abend – auf dem Weg der Besserung bereits – Irgendlinks Außenküche samt Tresen putzte und von monatealtem Spinnwebenmief befreite, da dieser Bereich von den Gästen mitbenutzt wird, kam ich nicht umhin darüber nachzugrübeln, warum die einen Menschen Sauberkeit brauchen, damit sie sich wohlfühlen können, während andere ihr gegenüber beinahe resistent oder zumindest gleichgültig sind.
Wege zum individuellen Sauberkeitspegel gibt es viele. Ich gehöre zu jenen Menschen, die bereits wieder nach relativ kurzer Zeit putzen, damit der Dreck mich nicht eines Tages gänzlich auffressen kann. Ich halte es auch darum so, weil ich beim Putzen oft auch Ruhe in meine Gedanken bringen kann. In meinen vier Wänden jedenfalls. Andere putzen –  ob am liebsten oder weil sie es nicht länger aufschieben können, sei dahingestellt – erst dann, wenn sich so richtig viel Dreck angesammelt hat. Dann lohnt es sich so richtig!, sagen diese Menschen. Besser oder schlechter gibt es hier nicht. Jeder Mensch hat da einen eigenen Maßstab.
Jedem und jeder den ganz persönlichen Ekelpegel! Ich lass dir deinen, lass du mir meinen … mein elftes Gebot!
Ähm, und falls du noch nicht weißt, wo du dein Wochenende verbringen willst: Kunstzwergfestival ist bestimmt eine gute Wahl. Bis bald?

Schule schwänzen

*flüstermodusein*
Bitte nicht weitersagen: Ich habe heute geschwänzt. Nein. Falsch. Nicht geschwänzt. Ich war krank. Bin es noch. Ein wenig. So wenig, dass es sich eben schon ein bisschen nach Schwänzen anfühlt. Aber doch genug, um kein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
*flüstermodusaus*

Schon gestern in der Schule fühlte ich mich fiebrig, am Abend – mit Irgendlink am Feuer – schlotterte ich unverhältnismäßig, trotz der doppelten Faserpelzschicht. Dann Halsweh. Ohrenweh. Nachts zwei Bettflaschen, doch noch immer schlotterte ich.
Hals- und Ohrenweh? Zu viel geredet, zu viel zugehört, klarer Fall. Die Schule saugt mir das Rückenmark aus den Knochen. Ich bin erschöpft und müde, obwohl ich erst vor drei Wochen Urlaub hatte. Die Umstellung auf eine so intensive Arbeit fällt mir nicht leicht.
Der Lärm, den ich hier schon früher erwähnte, ist es zum einen, der mir Energie abzieht, zum anderen aber sind es auch zwei meiner fünf Arbeitskolleginnen. Die eine mit ihrem Dauergeschwätz und die andere mit ihrer grenzenlosen Neugier.
Ebenso wie es einen Ekelpegel gibt, gibt es auch einen Stresspegel. Beide sind von Mensch zu Mensch grundsätzlich verschieden. Da ich kein normaler Mensch mit einer normalen Belastbarkeit bin – leider oder zum Glück kann ich selbst nicht so genau sagen – reagiere ich eben auf diese Situation auch nicht ganz normal.
Wenn ich meine eigenen Grenzen erreiche, wünsche ich mir manchmal, anders zu sein. Normal. Belastbar. Zäh. Okay, zäh bin ich schon irgendwie. Und stark auch. Aber eben anders zäh, anders stark.
Bei mir ist es wohl ein bisschen wie bei Y., einem meiner Fünftklässler. Er ist, würde ich sagen, eines dieser “Neuen Kinder”, über die so viel geredet und geschrieben wird, ein Träumer. Einer, der mit dem wachsenden Druck im Gymnasium nicht so ganz klar kommt. Die anderen hänseln ihn zuweilen, da er seine Unsicherheit nicht versteckt und mich immer gleich um Hilfe bittet, bevor er sich die zu lösende Aufgabe überhaupt angeguckt hat.
Ich kann das nicht!, sagt er, kaum hat er das Buch geöffnet. Da gibt es noch keine Coolness, noch keine Selbstschutzmechanismen. Ich habe mit seiner Mama geredet und ihr meine Beobachtungen mitgeteilt. Auch dass ich versuche, ihm dahingehend zu helfen, dass er mutiger wird und sich mehr zutraut. Er soll sich bleiben dürfen, aber sich schützen lernen.
Ist das nicht genau mein Thema? Tja, die Kinder sind meine LehrerInnen. Alle sind meine LehrerInnen. *seufz* Warum nur ist lernen oft so verd… anstrengend?
Ach, und noch dies: Auch das Yoga schwänze ich. Und das sogar ohne schlechtes Gewissen. Ein Tag allein mit mir ist einfach die beste Medizin der Welt für mich. Und wenn zwischendurch mein Lieblingsnachbar und -mensch ab und zu vorbei kommt, umso besser.

Rückblick

ArtWalk nennen Irgendlink und ich unsere Stadtspaziergänge, die wir leidenschaftlich gerne mit Nikon und/oder iPhone unternehmen. Wie Katzen auf der Suche nach Mäusen pirschen wir jeweils von A nach B.
Am Samstag in Winterthur war das Fotozentrum am anderen Stadtende unser Punkt B. Der Weg dorthin hat sich wirklich gelohnt. Alles wird besser – eine tolle Schwarzweiß-Ausstellung des Berners Hans Steiner.

Doch auch um der Bilder willen, die wir unterwegs entdeckt und virtuell mitgenommen haben, hat sich der Weg gelohnt.
Aus den acht besten meines Liebsten und den acht besten von mir werden wir ein gemeinsames Bild gestalten, eine quadratische Bildtafel. Artwalk Winterthur wird sie heißen, oder so ähnlich. Zu haben wird sie sein an unserer Ausstellung “Offenes Atelier” am 17./18. September.
Hier ein paar Schnappschüsse von unterwegs …
Die Pix werden durch anklicken groß …

Frauen, lasst eure Fußfesseln zuhause!
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das Making-Of …
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Vor dem Regen ist nach dem Regen ist vor dem Regen …

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Im george-museumsbistro.ch
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Sonntagmorgenfrühstück an der Sonne … EinBlick in Nachbars Garten ist doch immer spannend 🙂
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Im kunstvollen Weinrebenpark, wo ich in einem anderen Leben als Sekretärin gearbeitet habe, besuchen wir Freundin M. und Freundin R..
Diese zwei Bildern zeigen die noch nicht ganz vollendete BesucherInnentoilette samt eitlem Pfau und Spiegel. Und zwei neugierige Fotosüchtige.

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Wie gesagt: noch nicht ganz fertig!

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Im Zauberwald …

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Innen oder außen, oder Spiegel oder doch nicht?
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sympathische Geste …
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ohne Worte …
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Bilder: iDogma-Art
Alle Bilder per iPhone mit den Apps ProCamera oder Hipstamatic fotografiert. Verkleinerte Rohfassungen.

Urlaubsfeeling in Winterthur

Endlich mal wieder Schweizer Wörter, die auf den Straßen herumfliegen und meine Ohren erreichen. Anheimelnd. Mir wird mal wieder bewusst, wie sehr Sprache und Heimatgefühl sich bedingt.
Mit Irgendlink auf FreundInnenbesuchstour in Winterthur, einer Stadt, die ich kaum kenne – doch dank zwei Freundinnen, die unabhängig voneinander hierher gezogen sind, nun kennenlernen darf. Natürlich integrieren wir einen ArtWalk, denn wie immer können wir das Fotografieren nicht lassen.

inspirierend

Heute bei Frau Immergrün aufgelesen – auf einem Spaziergang durch die Blogosphäre:
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Der schöpferische Mensch muss alle Gebote und Verbote von sich weisen. Er braucht Freiheit ~ Freiraum, unendlich viel Raum. Den ganzen Himmel und sämtliche Sterne. Nur dann kann seine innerste Spontaneität anfangen, sich zu entfalten.
Es spielt keine Rolle, ob du malst, bastelst, singst oder tanzt, ob du Gärtner, Bauer, Wanderer oder Jongleur bist. Das spielt keine Rolle. Was zählt, ist, ob du deine innerste Seele in das hineingibst, was du erschaffst. Dann haben deine schöpferischen Produkte etwas von der Qualität des Göttlichen.
Vergiss nicht, Kreativität hat nichts mit einer bestimmten Arbeit zu tun. Kreativität hat etwas mit der Qualität deines Bewusstseins zu tun, sagt Mamalela.
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Gedacht: Ja, stimmt! Und gilt natürlich auch für Gärtnerinnen, Bäuerinnen und so weiter. Es ist letztlich meine Einstellung über mein Tun und Lassen, die meinem Leben Glanz oder Farblosigkeit gibt. Es liegt in meiner Hand. Ich habe die Wahl.

Lärm

Mit gemischten Gefühlen fahre ich nach O., wo der heute beginnende Yogakurs der örtlichen Volkshochschule stattfindet. Aus einem Angebot von sage und schreibe ganzen drei Kursen auf dem Platz Z. habe ich mich für diesen einen Kurs entschieden. Meinem Rücken Gutes tun, ist Motivation eins. Neue, ähnlich gesinnte Menschen kennenzulernen die zweite. Und drittes, viertens und fünftens spielt auch die Neugier mir: Wie wird in meinem Gastland Yoga praktiziert?
Ich finde den gesuchten Ort auf Anhieb, finde sogar einen kostenlosen Parkplatz gleich auf der anderen Straßenseite und treffe vor dem Haus eine Frau, die ebenfalls nach einer Yogini aussieht, einer Frau, die Yoga praktiziert. Wir finden gemeinsam den Eingang und gehen, mangels Beschilderung, einfach mal treppauf. Wir hatten den richtigen Riecher, doch ich reibe mir die Augen, als ich den hässlichen Gymnastikraum betrete. Mit Schuhen. Die könne ich mit herein nehmen, sagt die Lehrerin, als ich Anstalten mache, sie draußen auszuziehen. Wie bitte? Einen Yoga-Raum mit Schuhen betreten?, denke ich und schlucke lee. Ich werde – wie schon von der anderen Frau, die mit mir geparkt hat – von der Lehrerin mit Sie und Nachnamen begrüßt. Wieder schlucke ich leer. Bin ich hier auf der Arbeit oder was?
Schrilles Licht, lautes Geplapper, keinerlei Atmosphäre, die Entspannung verheißt. Immerhin ist in der Mitte des Raumes ein Arrangement aus Tüchern und Teelichtern. Noch ohne Licht allerdings. Die Lehrerin geht von Frau zu Frau – Männer sind keine im Kurs – und legt uns ein zu unterschreibendes Blatt vor, das aussagt, dass wir eigenverantwortlich hier sind. Ich unterschreibe.
Das Gefühl, mich in einen Sportverein verirrt zu haben, breitet sich in mir aus. Ich schaue mich um. Geht es anderen auch so? Ich lege mich hin, wie ich das zu Anfang einer Yogastunde – müßig zu sagen, dass ich eine Yogastunde in der Schweiz meine – gewohnt bin. Entspannung geht aber nicht. Zu viel Unruhe im Raum. Zu hell das Licht. Zu viel Lärm. Lärm umgibt mich, seit ich zu arbeiten angefangen habe, auf Schritt und Tritt. In der Schule ganz besonders. Und jetzt sogar hier: da gehe ich extra ins Yoga, um mich zu entspannen und was finde ich dort? Lärm. Geplapper. Gekicher.
Noch mehr als das Geplapper selbst stört mich jedoch die Unsensibilität der Anwesenden. “Hier komme ich!”, ist das deutsche Lebensgefühl schlechthin, habe ich neulich definiert. Und vielleicht ist es genau das, was uns Schweizerinnen und Schweizer zuweilen eine leichte kollektive Antipathie für unsere deutschen Nachbarinnen und Nachbarn empfinden lässt.
Sorry, ich will hier nicht lästern. Und ich sollte nicht vergleichen, ich weiß, denn zugegeben, die einzelnen Menschen – die Kinder in der Schule ebenso wie die Menschen, die ich hier kennengelernt habe und kennenlerne – sind alle, für sich genommen, liebenswert. Doch alle auf einem Haufen sind sie doch recht – sagen wir mal – gewöhnungsbedürftig, selbst für eine wie mich, die aus einem nahen Nachbarsland kommt.
Die Stunde fängt an. Die Lehrerin entzündet die Kerzen. Sie stellt sich kurz vor und sagt etwas über die Bedeutung und Herkunft von Yoga, was sie im Laufe der Stunde durch eingestreute Inputs vertieft. Offenbar sind ein Teil der Anwesenden schon das zweite Halbjahr dabei, während andere neu im Kurs, doch yogageübt und noch andere gänzlich Yogaanfängerinnen sind. Eine große Herausforderung also, die die Lehrerin allerdings gut bewältigt. Sie ist mir sehr sympathisch, ganz besonders als sie sagt, dass wir im Raum ruhig sein und nicht reden sollen. Ob das was bringt? Wir werden sehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, um eine Floskel an den Haaren herbeizuziehen. Oder gleich zwei.
Da ich doch schon eine rechte Zahl verschiedene Yogalehrerinnen erlebt habe, masse ich mir an, die Qualität der Anleitung einer Yogastunde beurteilen zu können. Die Lady hier macht es wirklich gut. Einzig schwierig ist für mich, da ich ja nicht so gut höre, dass sie sich während der Anfangsübungen, die wir liegend ausführen, im Raum bewegt und manchmal so weit von mir entfernt ist, dass ich sie schlecht verstehen kann. Ansonsten fand ich die Lektion inklusive Schlussentspannung sehr schön und sogar – jaaaa! – sehr ähnlich, wie ich es mir von meiner Lieblingsyogalehrerin Ch. in Bern gewöhnt bin.
Peinlicherweise klatschen ein paar Frauen nach dem leider viel zu kurzen, abschließenden Om-Singen und dem anschließenden Namasté-Abschiedsdankgruß. Klatschen? Also echt! Und schon geht das Geschwätz wieder los. Und da wird nicht etwa nur leise geredet, nein, so laut wie auf der Straße oder in der Kneipe gegenüber. Meine Idee, hier Leute kennenzulernen, ist vielleicht nicht umsetzbar, denn ich kann nur schleunigst die Flucht ergreifen. Insbesondere, da uns die Lehrerin geraten hat, den Abend still zu vollenden.
Im Auto grüble ich vor mich hin: Wie lernbereit für etwas neues sind wir alle – noch? Wie intolerant bin ich selbst? Muss wirklich alles wie „zuhause in der Schweiz“ sein?
Nein, natürlich nicht. Dennoch. Hm. Verbesserungen anzuregen ist erlaubt. Und genau das werde ich vermutlich das nächste Mal tun … Mal sehen.

verloren

Hier könntest du jetzt jenen Artikel lesen über … ooops, worüber wollte ich doch gleich schreiben? … na ja, ist ja egal, jedenfalls fändest du jetzt hier genau diesen ungeschrieben Artikel. Genau hier. Und darunter jener andere, den ich ebenfalls nur im Kopf geschrieben habe. Dort aber sehr gründlich. Und ebenso gründlich habe ich ihn wieder vergessen. Noch weiter unten fändest du den nächsten. Und so weiter. Das Tal des Vergessens – täglich durchfahre ich es auf dem Weg zur Arbeit. Doch schon am Morgen fängt es an. Mit der Treppe des Vergessens. Nur schon vom oberen Stock runter in die Küche zu gehen reicht. Was wollte ich doch gleich schreiben? Eben wusste ich es doch noch! Und es war sogar ziemlich clever … Nein, an Ideen mangelt es mir wirklich nicht. Arbeit und Freizeit sind voller bunter Impulse. Wie Schmetterlinge. Wie flüchtige Schatten.
Umsetzung. Zeit. Disziplin. Motivation. Der innerer Schweinehund. Pflichten aller Schattierungen tun so als wären sie wichtiger als Schreiben. Alle zerren sie an mir. Alle. Und ich – ich schaue hilflos zu, wie sich das Rad der Zeit dreht und ich immer mehr das Gefühl habe, den fahrenden Zug verpasst zu haben.
Okay, ich kenne dieses gehetzte Gefühl auch aus der Schweiz, oft sogar, doch mich dünkt, hier drehe es noch schneller. Noch lauter auf jeden Fall. Da draußen jedenfalls. Unten im Tal.
Hier oben auf dem Berg geht es.
Hier oben auf dem Berg wird es bald ganz viel Kultur geben.
– In zehn Tagen das alljährliche Mainzer Kunstzwerg-Festival (2.-4.9.2011). Diesmal hier in unserem kleinen großen Garten Eden. Guckt hier für mehr Infos: KUnSTzWERG
– Zwei Wochen später, am 17. und 18.9.2011, findet Offenes Atelier statt. iRgendlink und iSophien (meine Wenigkeit) zeigen iPhoneArt auf Papier und Aludibond. Guckt hier für mehr: RInCKEnHoF und hier ebenfalls: Offene Ateliers Rheinland-Pfalz
Hinkommen!

dankbar

Weil ich nach diesem arbeits- und begegnungsintensiven Tag keine Lust habe, den Laptop aufzustarten, blogge ich per iFon und beschwöre damit ein bisschen Ferienfeeling herauf.
Über Freundschaft und Chemie habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und wie es kommt, dass zwei Menschen Freunde oder Freundinnen werden. Mit Freundin U. im schwarzen Wald habe ich darüber gemailt und heute Morgen, am Telefon mit meiner deutschen Freundin A., die seit vielen Jahren in den spanischen Bergen lebt und die ich “zufällig” über internette Verbindungen kennengelernt habe, sofasophierte ich ebenfalls darüber. Wir redeten über unsere erste und bisher einzige, zehn Tage dauernde persönliche Begegnung in den Alpujarras vor vier Jahren und wie dort ein roter Faden zu wachsen begonnen hat, der virtuell immer dicker und stabiler wurde.
Das brachte mich auf die Idee, einmal die Essenz all meiner Freundschaften zu extrahieren. Oder, mathematisch gesprochen, den gemeinsamen Nenner zu finden. Falls das geht, denn jede Freundschaft hat ja letztlich ihre ganz eigene Farbe.
Meine Essenzen:
Gleiche Augenhöhe: Mit allen meinen Freundinnen und Freunden nehme ich mich auf gleicher Augenhöhe wahr. Niemand ist der Scheff, beide Seiten bringen sich zu gleichen Teilen und gleichwertig in die Beziehung ein.
Negativform: Die eine Person dominiert und gibt die Richtung vor. Sie drängt sich mit zwar gutgemeinten, aber ungefragt erteilten Ratschlägen auf.
No smalltalk und keine Floskeln: Die Gespräche drehen sich um Themen, die über das Wetter hinausgehen. Natürlich wird auch mal über gemeinsame Bekannte ausgetauscht, doch in erster Linie geht es um uns selbst, um Befinden, Gedanken, Prozesse und Gefühle. Und immer wieder wird zusammen gelacht, denn liebevoll miteinander zu lachen, ist der Kitt zwischenmenschlicher Beziehungen.
Negativform: Das ein- oder gegenseitige Interesse erlischt, nachdem die üblichen Floskeln und Allgemeinplätze abgehakt sind.
Vertrauen: Dieses ist die Voraussetzung einer jeden Freundschaft. Kann ich sein, wie ich bin? Fühle ich mich mit der anderen Person geborgen und wohl? Traue ich der anderen Person zu, mir vorurteils- und wertfrei zu begegnen?
Negativform: Eine Herzöffnung ist erschwert, da die eine oder andere Person einen unruhigen, belehrenden oder sonstwie nicht vertrauenserweckenden Eindruck macht.
Solidarität: Auch wenn sich befreundete Menschen einmal nicht einig sind, unterstützen sie sich ungefragt gegenseitig.
Negativform: Kaum besteht Uneinigkeit, fällt der eine oder die andere über den oder die andere/n her.
Bereitschaft, auch unbequemes zu teilen: Ist eine Person in einer schwierigen Lebensphase, kann sie ihre Probleme erstens mit der anderen Person teilen und zweitens auf deren Unterstützung in der gewünschten Form und im hilfreichen Umfang zählen.
Negativform: Kaum hat eine Person eine Krise, ist die andere anderweitig unabkömmlich und hat keine Zeit. Oder aber sie textet die andere Person mit RatSCHLÄGEN zu.
Gegenseitige Kritikfähigkeit und -bereitschaft: Wer einen Menschen gern hat, will sein bestes. Doch ungefragt Rat erteilen, zeugt von schlechtem Stil. Auch ungefragte Kritik ist uneffizient. Will ich einer Freundin sagen, was ich über ihre in meinen Augen vielleicht fragwürdigen Prozesse oder ihre für mich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen denke, frage ich nach, ob sie an meiner Meinung interessiert ist. Sagt sie ja, teile ich meine Gedanken mit ihr. Sonst nicht.
Negativform: Bei jeder Situation, in der sich die eine Person befindet, gibt die andere ungefragt und ungebeten ihre Meinung ab.
Sensibilität: Alle meine FreundInnen verfügen über große soziale Kompezenzen und eine überdurschnittliche Sensibilität. Das ist vielleicht gar der verbindendste Faktor. Sich in einander einzufühlen ist nur so annähernd möglich.
Negativform: Die eine Person versteht und/oder spürt gar nicht wirklich hin, was die andere meint.
Kurz und gut: Menschen, die mir so begegnen, wie ich es kursiv geschrieben habe, können nicht meine Freunde oder meine Freundinnen werden.
Dennoch ist es mehr als die Summe der erwähnten Elemente aus meiner unvollständigen Liste, das das Wesen einer Freundschaft ausmacht.
Im Grunde ist es der nicht in Worten fassbare Funke, der am Anfang einer Freundschaft steht, jenes Leuchten in den Augen, eine Art geheimer Code gar oder auch einfach die Art, wie ein Gespräch verläuft oder wie jemand auf etwas reagiert … Ein Anfang wie ein Doppelpunkt.
Freundschaft ist Alchemie: Was geschieht, wenn zwei Menschen im Reagenzglas des Lebens geschüttelt werden. Wie Essig und Öl das eine Mal, ein anderes Mal wie Kaffee und Milch.
Freundschaftliche Liebe kann niemand machen, Freundschaft ist ein Geschenk.
Den erwähnten Freundinnen A. und U. gewidmet, dankbar für unsere Freundschaften. Und natürlich auch allen anderen FreundInnen.

dream on

Nein, die Kinder sind es nicht primär, die dazu beitragen, dass mich mein neuer Job stresst. Obwohl ebendiese Kids ganz schön ausprobieren, wie weit sie bei mir gehen können. Nein, es sind auch nicht nur die schlechten Bedingungen, obwohl ich bei mehr Lohn gewiss motivierter wäre. Was mich am meisten stresst, ist eher etwas irrationales und ganz und gar nicht neu. Es ist die simple Tatsache, dass mein Brötchenjob mir Lebenszeit abzwackt. Lebenszeit, die ich in etwas investiere, das mir nur bedingt wichtig ist, ich aber dennoch nicht halbherzig machen kann. Weil ich einfach nicht halbherzig arbeiten kann. Zeit, die mich ermüdet, weil ich mich engagiere. Vor allem aber Zeit, die ich nicht frei gestalten kann. Was ein großer Traum von mir ist, eine Illusion natürlich, doch ein schlichter Wunsch: meine Zeit selbst zu gestalten und keine materiellen Sorgen haben zu müssen. Doch wenn ich kein Geld habe, muss ich logischerweise welches verdienen. Und wenn ich meine Kunst nicht vermarkte und/oder wenn sie niemand kauft, gibt es auch kein Geld. Ergo muss ich arbeiten. Es ist wohl am meisten dieses Müssen, das mir nicht gut bekommt. Weil ich nicht gerne muss. Ich will wollen, nicht müssen, denn eigentlich arbeite ich gerne.
Schnitt.
Heute, auf dem Weg zur Arbeit  – über meine Erschöpfung und Müdigkeit nachgrübelnd –, musste ich an den Krug denken, der zum Brunnen geht bis er bricht. Wie es verschiedene Krüge gibt – irdene, gläserne, solche aus Blei oder Kupfer, gibt es auch vielerlei Menschen, zumindest die einen und die anderen. Die einen kaufen oder töpfern sich einfach, wenn der alte Krug gebrochen ist, einen neuen. Oder noch besser: sie lassen sich einen schenken. Die anderen grübeln Jahre, bevor der Krug auch nur ans Risse machen und Zerbrechen denkt, schon an den bevorstehenden Bruch und was sie tun werden, wenn er eines fernen Tages tatsächlich brechen wird. Falls er denn brechen wird, so lange sie leben. Mit ihren Angst-vor-den-Scherben-Sorgen versauen sie sich jegliche Alltagsfreude. Irgendlink gehört zu den einen, ich nicht, leider.
Selig, die einen Krug haben, den sie füllen können.