In Båstads Bookshop erstanden. Liest sich gut 🙂
Tag: 31. Juli 2011
Unterwegs
Båstad again
Die Idee, nach Findung eines offenen Internetzes an den Båstader Strand oder an einen kleinen Badesee zu radeln besteht noch immer.
Aber nach einem Abstecher ins Turistbyro das weder WiFi noch einen Gäste-PC hat, uns dafür aber den Wetterbericht von hier und von Schweden verrät, finden wir mitten im Ort ein offenes Netz. Dort habe ich vorhin den gestrigen Artikel hochgeladen. Nun, auf einer Parkbank sitzend, sind wir wieder im städtischen Bibliotheksnetz. Ob Bloggen diesmal geht, wird sich noch zeigen.
Das Wetter bleibt wie es ist. Meist sonnig, ab und zu Schauer, Wolken, Gewitter. Gut! Wir werden wohl an der Westküste Südschwedens bleiben. Mal schauen. Morgen weiterfahren ist so der aktuelle Plan.
Faszinierend dieses Tourinest hier. Menschen überall. Rausgeputzte Geschäfte. Hübsche, saubere Straßen, liebevoll gebaute Häuser mit Vorgärten. Bilderbuchschweden so weit das Auge sieht. Doch wichtiger als Wetter und schöne Umgebung ist mir, mit meinem Lieblingsmenschen unterwegs zu sein. 🙂
Abkürzungen und Umwege
Samstagabend im Zelt. J. ist unter der Dusche. Nachher werden wir kochen. Karottencurry zu Basmatireis. Aus Karotten, die wir am Wegrand gekauft haben.
Müde hänge ich im Zelt. Die heutige Tour war zwar „nur“ achtzehn Kilometer lang, doch auch heute, wie gestern, haben wir einige Höhenmeter – auf und ab – bewältigt.
Zum Glück kennen wir die Konsequenzen unserer Entscheidungen nicht im Voraus, denke ich irgendwann auf dem Rückweg.
Nach den ersten vier Kilometern (fünf davon bergauf!) konsultierten wir die Karte unserer Urlaubsregion. Sollen wir nach Torekov radeln und von dort per Fähre auf eine kleine Insel, wie beim Frühstück angedacht – dabei vielleicht mit vielen Leuten mit dem gleichen Ziel auf die Fähre gepfercht? Oder aber Richtung Meer und von dort am Ufer entlang Richtung Zeltplatz radeln? Wegen der eher langen Route nach Torekov entscheiden wir uns für den etwas kürzeren Küstenweg, der zur Wanderstrecke mit dem schönen Namen Skåneleden gehört.
Direkt am Meer halten wir Siesta. Picknick. Ich bade meine Füße und fühle mich sehr ruhig. Die Sonne zeigt sich, herrliche Wolkengebilde bedecken sie zeitweilig, ein stetiger Wind treibt unten wie oben Schabernack.
Hier, am Ende der Welt, komme ich zur Ruhe.
Später radeln wir in westlicher Richtung den Wanderweg entlang, was mal besser, mal schlechter geht. Zumindest bis mein Sattel die Fassung verliert und hintenab kippt, was das Fahren ziemlich mühsam macht. Wir müssen jedoch eh die meiste Zeit zu Fuß voran, da der Weg eben primär für Wandernde angelegt ist. Entsprechend steil und steinig ist er, rot-weiß wäre er in der Schweiz markiet, als Bergweg.
Wie im Berner Oberland!, sage ich denn auch. Einmal mehr. Seit unserer letzjährigen Reise an den Polarkreis, der Küste Norwegens entlang, ist dies unser runing gag. Ein Synonym gleichsam für die Schönheit einer Landschaft. Hier stört eigentlich nur das endlose Meer unsere oberländische Illusion. Stell dir einfach vor, das da wäre der Thunersee, meint J. aufs Meer zu unserer Rechten deutend. Naaa ja … 🙂
Vor uns taucht ein Ausflugsrestaurant mit Hotel auf. Pause. Ich frage an der Rezeption nach Imbusschlüsseln. Minuten später repariert J. meinen geknickten Sattel. Glücklich bringe ich das Schlüsselset zurück an die Theke.
It works!, sage ich, worauf die junge Dame am Tresen mein Lächeln herzlichst erwidert und Yeah! sagt. Daumen hoch! Freude, die über die nötige Professionalität hinaus geht und mich herzlich berührt.
Nach Danish Nougat-Eis verlassen wir diese Erholungsinsel, um das Abenteuer des Jahres zu bestehen. Was wir allerdings da noch nicht einmal ahnen.
Wären wir wohl wieder die Bergstraße vom Morgen zurückgeradelt, wenn wir gewusst hätten, was uns erwartet? Auch um dieser Steigung zu entrinnen, hatten wir uns nämlich als Rückweg für diese vermeintliche Abkürzung am Meer entlang entschieden. Müßige Frage. Klares Nein. Auch nach den Strapazen, Dramen und Gefahren unseres Rückweges sind wir irgendwie froh, dass wir uns so und nicht anders entschieden haben. Wie oft im Leben ziehe ich den Umweg vor.
Zuerst eine krasse Aufwärtssteigung von ungefähr dreißig Grad, bei der sich mein mit Korb und Rucksack bestücktes Rad zwischen Steinen verkeilt und ich nicht mehr ohne J.s Hilfe freikomme. Später ein immer schmaler werdender Waldweg. Dann taucht der Engel (oder ein Teufel?) in Person eines älteren Einheimischen aus dem Nichts auf und empfiehlt uns, bei einer Verzweigung, an der wir rechts aufwärts weitergewandert sind, dringend, nicht diesen, also den oberen Weg zu gehen, da dieser immer schmaler werde und mit dem Rad später kaum begehbar sei.
Der untere Weg sei zwar auch sehr gefährlich, aber immerhin schöner. Wir sollen gut aufpassen, es gehe sehr steil bergab. Unten sei ein Steinstrand und später fänden wir einen radgängigen Weg bis zur Landstraße.
Wir bedanken uns und steigen langsam und vorsichtig den schmalen, dornigen und steinigen Pfad abwärts. Meine Beine werden zerkratzt und ich fühle mich im Urwald. J. hat mit mir mein schweres Rad gegen sein leichteres getauscht. Es wird noch steiler und steiniger, sobald wir den Wald verlassen. Die Rutschgefahr ist groß, das Gefälle ebenfalls. Ich schliddere sogar ohne Rad, während J. auf der gefährlichsten Strecke beide Räder nacheinander hangabwärts transferiert. Was für ein Geschenk, dass er das für mich tut! Unten angekommen verschlägt es uns die Sprache.
Der Lohn für unsere Mühen: wunderschöne wilde Felsformationen. Sonne zwischen Wolkentürmen. Meerrauschen. Ja, wahrhaftig, dieser Weg ist wirklich schön. Wunderschön. Schöner als die von Autos befahrene Bergstrecke auf jeden Fall.
Bleibt die Frage, wie gefährlich und wie schön der obere Weg gewesen wäre! Unser Guide hatte auf den schmalen Pfad zu unseren Füßen gezeigt und gemeint das dieser, gegen die Fortsetzung, die uns bald erwarte, falls wir diesen Weg wählen würden, geradezu ein gediegener Highway sei. Na ja, der Abstieg ans Meer war ja auch nicht eben ein Zuckerschlecken.
Eins steht fest: Ohne die Wegbeschreibung unseres Guides wären wir gewiss nicht den Berg beruntergeklettert, nicht mit den Rädern jedenfalls. Wir wären umgekehrt und hätten das schönste Stück verpasst. Und die Moral? Tja … Die hat mit Unmöglichem zu tun, das irgendwie machbar wird, wenn wir es wagen. Oder etwas in der Art.
verfasst am 30.7.11, ca. 19:30

