Verschwindend

Während ich meine verschiedenen Lieblingswebsites besuche, geht mir das gestrige Gespräch mit J. durch den Kopf.
Wie schnelllebig das weltweite Netz doch ist!
, hatte ich zu ihm gesagt. Würde ich ein paar Tage, ein paar Wochen keinen Blogartikel mehr schreiben, wäre Sofasophia, die Bloggerin, bald vergessen. Ebenso würde es mit iSophien geschehen, wenn sie keine Bilder mehr in ihre Galerie stellen würde. Und so weiter. Ewig eitler Exhibitionismus also, ewiger Schrei nach Anerkennung? Puh …
Vergessen, nicht gesehen, nicht geliebt werden – das ist es, was wir am meisten fürchten.
Verändern können wir diese Angst nur durch unsere Haltung …
Wie ich da in Luisas Webtagebuch stöbere, finde ich diese Zeilen hier:

„gestern abend schaute ich mir auf arte den dokumentarischen spielfilm über mitterand und seinen biographen an. eigentlich nur, weil ich danach die dokumentation über susan sontag sehen wollte. etwas seltsames passierte. der film über mitterand, der mich nicht sonderlich interessiert hatte, faszinierte mich, während der über susan sontag mich langweilte, weil er platt und oberflächlich eigentlich fast nur auf ihrer spektatkulären erscheinung herumtrat. beide filme kreisten aber um dasselbe: das verschwinden, das sterben. wenn man tot ist und aus dem gedächtnis der menschen verschwindet, ist das ja normal. aber noch zu leben und zu verschwinden – lebt der/die eigentlich noch? das ist glaub ich das härteste für menschen, die viel aufmerksamkeit gewohnt sind. das ist auch ein bisschen das problem meiner mutter, obwohl sie ja relativ viel zuwendung von allen seiten hat. jede/r von uns wird irgendwann verschwinden/ins vergessen fallen. manche werden vielleicht zu ikonen, die aber gar nichts mit der person zu tun haben. wer interessiert sich für die einsamkeit von marilyn? alle interessieren sich nur für ihren sex appeal.
ich glaube wenn du dich für dich selbst interessierst, dich als teil der natur wahrnimmst, kanns dir wurscht sein, ob du gefeiert oder ignoriert wirst.“

Quelle: Luisa Francia am 10.05.2011, www.salamandra.de

Im Kreis

Es war einmal ein Spiegel, wie es ihn überall auf der Welt gibt. Einer, der dabei hilft, Zusammenstöße zu vermeiden. Weil er dabei so gut aussah und bescheiden und still vor sich hin glänzte, habe ich ihn letztes Jahr irgendwo in Skandinavien abgelichtet. Konserviert auf meinem iPhone hat er viele Wochen und Monate auf seine wahre Bestimmung gewartet.
Hier ist sie …
Mittels Übereinanderlegungen, Spiegelungen, Vergrößerungen und Verkleinerungen von Details schuf ich eine Verfremdung, die kaum mehr an das realle Bild erinnert. Dabei ist ein neues, anderes Bild entstanden, gewachsen.
Manchmal verliere ich mich geradezu im Verfremden und meditativen Weiterundweiterbearbeiten von Bildern. Es ist die Faszination des Neulandes. Was werde ich entdecken? So lege ich Schicht um Schicht frei und gehe tiefer ins Bild hinein. Ich erkenne und entdecke Neues im bekannten Bild, indem ich es drehe und wende und in sich selbst spiegle. Auch ein Weg sich selbst zu entdecken. Was bietet sich zum Sichselbstspiegeln schon besser an als ein Spiegel?

20110509-111543.jpg
iDogma-Art
Unter Verwendung von ProCamera, Juxtaposer und Diptic

Ein Ei #4

Was ist denn los? Wieso kräht Roland Hahn wie wild Richtung Hühnerhoftor?
Ach so, sie ist wieder ausgebüxt, Lady White, und kommt nun reumütig zurück zur Schar. Es ist Sonntagvormittag und Irgenlink öffnet ihr netterweise die Türe. Was wäre, wenn er das gelassen hätte? Zuschauen hätten wir sollen, zudchauen, wie sie ohne unser Zutun zurück geht. Schlau wie sie ist, hätte sie es geschafft. Raus ist sie ja auch von alleine. Wie Blondie.
Und bestimmt hat sie wieder irgendwo Eier gelegt, sag ich noch zu Irgendlink. Später gehe ich rüber in meine Höhle, komme dabei an Lady Whites Versteck von vorgestern vorbei und entdecke drei Eier. Eins noch legewarm.
Am Abend, als ich bereits den Hühnerstall geschlossen habe und mich anschicke, den Hühnerhof durchs Gatter zu verlassen, kommt seelenruhig ein letztes Huhn daherspaziert. Ach, das wollte Roland Hahn mir also sagen, empört krähend, während ich das Tor geschlossen habe. Nein, es ist weder Blondie noch Lady White, sondern eine braunweiß gefiederte Hühnerdame, die wie eine Königin durch die beiden Türen schreitet, die ich ihr öffne. Kein bisschen Hektik.
Drei Ausbrecherinnen? Was will uns das sagen?

unerwartet

In der iPhoneArt-Community, wo wir – mein Liebster als iRgendlink und ich als iSophien – seit bald zwei Monaten mit dabei sind, ist heute Wettbewerb-Abgabetermin. Thema uncharted.
Beide haben wir zehn Bilder eingereicht. So weit, so gut. Warum aber ausgerechnet mein Lieblingsbild, zumal es bis vorgestern das einzige war, das ich eingereicht hatte, im Promotion-Film gezeigt wird, weiß der Kuckuck. Und dazu gleich als Erstes, bei 00:12-00:14 könnt ihr es sehen. Freuen tuts mich natürlich 🙂

Guckt hier:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=SV9TMcKxf5A&feature=youtube_gdata_player]
Ach, noch was: Mit jedem Mal, wo eins unserer Bilder angeklickt wird, kann es womöglich ein bisschen nach oben rutschen … Ab morgen beginnt das Voting für die Mitglieder. Pro Tag eine Stimme. Für wen ich vote ich schon mal klar!
Hier findet ihr alle Bilder des Wettbewerbs: http://www.iphoneart.com/groups/115?tab=popular

Das Drama auf dem Hühnerhof oder Ein Ei #3

Da sitze ich gemütlich mit dem Frühstückstee auf der Treppe vor dem Haus und genieße friedlich vor mich hin, als ich auf einmal in unüblicher Nähe ein Huhn gackern höre. Blondie?, denke ich, so früh schon ausgebüxt?, als ich weißes Gefieder hinter den Holzvorrat huschen sehe.
Ich auf, Tasse hingestellt, gehe rüber zum Stapel und will mit beruhigenden Worten das Huhn raus ködern. Was nix bringt, natürlich. Ein langes Holzstück, mit dem ich hinter den Stapel in den schmalen Spalt rein fummle, lässt das Huhn verstört heraus huschen. In der Scheune, in die es vor meiner sanften Stimme flüchtet – ich befürchte, dass es mein Schweizerdeutsch nicht versteht – gibt es viele Optionen. Es wählt den schwierigsten. Seine Neugier hat gesiegt. Neuland lockt auch Hühner. Im Holzlager versteigt es sich geradezu. Sicher zwar vor mir, die ich nicht auf dem aufgetürmten Vorrat herum klettern mag, aber es steckt doch irgendwie in der Sackgasse.
Ich mache ihm den Rückfluchtweg frei und das Spiel geht von vorne los. Huhn geht zurück in den Spalt hinter dem Stapel, nachdem ich ihm auf dem Hof vergeblich gefolgt bin.
Da – genau da! – will es sein Ei legen, genau da, unerreichbar. Oke, das Ei wäre ein kleiner Verlust. Hier geht es um das Huhn. Würde es, wie Blondie, die Ausbrechkönigin, das Loch im Zaun finden und von selbst zurückkehren? Oder würde es vorher vom Fuchs, einer Wildsau oder einem der hier herumfliegenden Raubvögel gefressen werden? Rettet dem Huhn der schützende Zaun das Leben, da die Freiheit zu gefährlich ist?
Ich warte ab. Fünf Minuten. Mit dem Besen in der Hand gehe ich erneut zum Stapel. Das Huhn ist ruhig. Es kommt auch nicht gleich hervor, als ich mit dem Besen vor seinem Schnabel herum wedle. Ganz langsam und laut schimpfend kommt es schließlich heraus, flattert in die Scheune, diesmal richtig Richtung Hühnerhof, und versteckt sich nur mal kurz unter dem Wohnwagen. Ich bitte es mit Hilfe des Besens heimwärts, wo die restliche Hühnerschar, allen voran Roland Hahn, sich aufplusternd, Spalier steht und die verlorene Tochter willkommen heißt. Leider ist eine Hühnerhoftüre keine halbdurchlässige Wand. Huhn rein lotsen ohne andere Hühner rauszulassen ist nicht ohne. Glückliches Gegacker, als ich nach gelungener Tat das Tor zustoße. Puh, geschafft!
Und die Moral von der Geschicht‘? Wie ich zurück zu meinem abgekühlten Tee spaziere, liegt dies hier, unter dem Wohnwagenvorderteil, wohlbehalten auf meinem Weg:

EDIT: Gute Eierschalen vermögen gut zu schützen! 🙂

Kein Titel ist auch ein Titel

Oder soll ich ihn „Mein Wassergeist“ nennen, diesen Artikel, wegen des Bildes?

Ach, wie gerne würde ich jetzt den Film besprechen, den J. und ich gestern Abend geguckt haben … 21 Gramm. Doch dazu bin ich zu müde und überlasse dies darum Wiki …
Da meint frau, dass sie endlich mehr Zeit zum kreativen Schaffen und Artikel schreiben hat, aber nein, immer ist was los! Sei es auch nur einkaufen, im Hühnerstall Futter und Eier ausbalancieren oder die fällige Autoreparatur einfädeln. Dies und das. Kochen auch. Putzen. Alltag. Dazu der Countdown zu einem iPhone-Bilderwettbewerb zum ach so passenden Thema „schnelllebig“. Der Artikelabgabetermin, der naht. Meine Jurymitarbeit im iPhoneart-Bereich. Nein, ich jammere nicht, doch alles hat eben seine Zeit.
Und jetzt ist Zeit zum Schlafen …
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Bild: iDogma (bis auf den Upload. Denn diesen habe ich über den heimischen Rechner gemacht) –
Das Bild habe ich mit diesen Apps hier gebaut: Hipstamatic, Juxtaposer, PS Express, ProCamera, Diptic, Halftone und Pic Grunger.

Neue Schuhe

Na, hast du dich schon eingelebt?, lautet eine der Fragen, die mir in letzter Zeit häufig gestellt werden.

Wie ich vorhin im frisch geputzten Bad, meine Zähne schrubbend, meine Gedanken belausche, begreife ich, dass das hier wirklich Wirklichkeit ist. Meine neue Gegenwart. Ich. Hier. In diesem kleinen, großen Haus wohnend. Irgendwo zwischen hier und dort und nirgendwo in der pfälzischen Landschaft. Zeit. Stille. Tun und lassen nach Bedarf.
Neue Schuhe wollen eingelaufen werden, wir wollen uns schließlich keine Blasen holen. Wir spazieren zuerst nur kurze Stücke, geben den Neuen Zeit, unsern Fuß kennenzulernen, ihn zu umschmiegen, sich an ihn zu gewöhnen. Und umgekehrt. Als Kind sind wir regelmäßig den alten Schuhen entwachsen. Die neuen Schuhe wurden ein klein bisschen zu groß gekauft, und erst nach ein paar Wochen waren wir ihnen endlich gewachsen.
Sich einleben – ein bisschen ist es wie neue Schuhe einlaufen. Noch zu große Schuhe vielleicht. Ich wachse hinein. Wachstumsschmerzen zuweilen. Sehnsucht gar nach den alten Schuhen, ich gebe es zu. Und ab und zu kann ich es kaum glauben, wie gut ich es doch habe. Die äußeren Umstände ebenso wie innerlich, was meine Bedürfnisse nach Liebe, Zufriedenheit, Stille, Autonomie und vielem mehr betrifft.
Ja, danke, ich habe mich gut eingelebt. Von ein paar Blasen abgesehen, die wohl einfach Teil des Prozesses namens Einleben sind.