An der schönen blauen Aare …

Nachdem Freundin S. und ich uns heute Vormittag zum Abschied umarmt haben, fahre ich gemächlich auf den Friedhof. Nicht wirklich ausgeschlafen sind wir, denn es ist spät geworden. Aber das darf ja auch mal sein. Schließlich haben wir uns ja auch schon lange nicht mehr gesehen.
Und wenn ich schon endlich wieder einmal in Bern bin, wo ich immerhin fast zehn Jahre meines Lebens verbracht habe, will ich natürlich unbedingt auf meinen Lieblingsfriedhof. Ja, ich mag Friedhöfe, ganz allgemein, doch diesen ganz besonders. Nur einen Steinwurf von meiner damaligen Wohnung entfernt liegt er. Ein Ort, wo ich immer wieder zur Ruhe komme.
Im Baum hängt noch immer das hölzerne Windspiel, das melodisch bimmelt. Vögel pfeifen, endlich Frühling. Sonnig. Warm. Ich sitze auf einem Stuhl und lasse die Geräusche auf mich wirken.
Highnoon sagen die Kirchenglocken. Die beiden Gärtner und die Gärtnerin, die eben noch rumgewuselt sind, machen Mittagspause.
Meine beiden Besuche waren sehr intensiv. Freundin C. (2) mit ihren beiden Kids – Little-F.(bald dreijährig) und Mini-N (fast vier Monate alt) – erlebt zurzeit das, was viele junge Mütter erleben: Ihre Grenzen. Und wie! Wie froh sie war, dass ich ihr Little-F. für zwei Stunden abnahm. Und ich erst!
Was es mit F. alles zu entdecken gibt in der Verena-Schlucht! Natur und andere Menschen faszinieren den Kleinen gleichermaßen und so kommen wir nur langsam – erwachsen gedacht – voran. Egal. Steine, Blätter und das kleine Boot, das er im Bach hinter sich herzieht, sind hier wichtiger als zurückgelegte Kilometer.
Später, im Feierabendverkehr, fahre ich von Solothurn nach Bern und verirre mich, einmal mehr, im Wirrwarr von Berns Einbahnstraßen. Ich werde es wohl nie lernen, dass jene Abkürzungen, die ich früher immer mit dem Rad genommen habe, fürs Auto nicht taugen. Doch irgendwann, mit nur einer Viertelstunde Verspätung, sitze ich an Freundin S.‘ neuem Tisch und genieße mit ihr die bernbeste Gemüselasagne. Und den feinen Wein. Ach, und auch die wunderbaren Gespräche.
Jetzt sitze ich hier, lasse Gesagtes Revue passieren. Schreibe ein paar Gedanken nieder. Voller Dankbarkeit verweile ich bei jenem über alles geliebten Menschen, der tausend Meilen entfernt nordwärts radelt und doch genau jetzt genau hier ganz nahe ist. Hier, wo das Windrad auf dem kleinen Grab mit dem Wind um die Wette knirscht. Das Windspiel im Baum da drüben bimmelt. Leiser Wind streicht mir über den Nacken. Sonne hüllt mich ein. Blauer Himmel über mir, so blau wie schon lange nicht mehr.
Ich stehe auf, nehme Abschied von den Verstorbenen, die hier liegen, und wende mich – einmal mehr – den Lebenden zu.
Mit meiner Freundin M. (2) treffe ich mich beim botanischen Garten. Die Aare, so grünblau, so üppig, so quirlig – sie begleitet uns, während wir uns so vieles zu erzählen haben. Dieses helle Grün der Sträucher, Bäume und Hecken! Es tut fast weh, so schön ist es hier. Meine Augen weiden sich an den Frühlingsfarben der Flusslandschaft und – nach all den vielen Regentagen – kann ich mich kaum sattsehen.
Nach einem gemeinsamen Imbiss nehmen wir Abschied und ich fahre ganz und gar entspannt und sonnesatt – trotz Feierabendverkehr – in meine neu-alte Heimat zurück. Das Cowgirl, das in den Sonnenuntergang reitet. Den ich bestenfalls im Rückspiegel sehen könnte.
PS: Ein erstes Bild habe ich schon mal auf pixartix_dAS bilderblog gepostet …, andere folgen noch. Vielleicht 🙂

0 Kommentare zu „An der schönen blauen Aare …“

Antworte auf den Kommentar von der_emil Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert